Potenzialanalyse von JOBSTARTER-Projekt Hamburger Ausbildungsmoderation

Eine Analyse des Ausbildungsplatzpotenzials für Hamburg mit Untersuchung ausgewählter Beschäftigungsbranchen erstellte Evaluelab für das JOBSTARTER-Projekt Hamburger Ausbildungsmoderation.

Das Projekt wird vom Verein Ausbildungsförderung der Hamburger Wirtschaft e.V. getragen, dem die Handelskammer Hamburg, die Handwerkskammer Hamburg und die UV Nord - Vereinigung der Unternehmensverbände in Hamburg und Schleswig-Holstein angehören.

zum ausführlichen Bericht

Die Autoren benennen die folgenden Ausgangsfragestellungen für die Analyse:

  • Wie kann die Passgenauigkeit beim Übergang von Schule in berufliche Ausbildung verbessert werden? Wie können Hilfen geschaffen werden, um Jugendlichen und Betrieben einen möglichst reibungslosen Übergang in das Duale Ausbildungssystem zu ermöglichen?
  • Welchen Stellenwert genießt die berufliche Ausbildung als Mittel zur Rekrutierung des zukünftigen unternehmensinternen Fachkräftebedarfs?
  • In welchen Branchen oder Berufsfeldern wird zukünftig ein Fachkräftebedarf erwartet, wo sind in der Hamburger Wirtschaft die aktuellen und zukünftigen Ausbildungspotenziale und wie können diese Möglichkeiten gewinnbringend für Jugendliche und Betriebe ausgeschöpft werden?
  • Welche Angebote zur beruflichen Qualifizierung können abgangsschwachen Jugendlichen unterbreitet werden? Welche gibt es, welche kennt die Wirtschaft und wie werden diese aufgenommen, umgesetzt und bewertet?
  • Wie wird sich die soziodemografische Entwicklung in und um Hamburg auf Ausbildung und Beschäftigung auswirken?
  • Wie münden Potenziale in Mehrbeschäftigung und Ausbildung? Was sollte sich wie verändern, um aus Möglichkeiten Tatsachen werden zu lassen?

 

Verwendete Methoden:

Die Studie stützt sich auf drei Säulen:

  1. Die Analyse statistischer Daten und vorliegender Untersuchungen. Diese wurde in einem Zwischenbericht präsentiert.
  2. Die Betriebsbefragung mit Hilfe eines Online-Fragebogens. An dieser Untersuchung beteiligten sich 128 Unternehmen.
  3. Die Durchführung von 20 vertiefenden leitfadengestützten Interviews mit Vertreterinnen und Vertretern relevanter Betriebe.

Zur Sekundäranalyse:

In der Sekundäranalyse wurden bereits vorhandene Studien, amtliche Statistiken sowie weitere spezifische Datensätze ausgewertet. Anhand unterschiedlicher Indikatoren - wie Beschäftigungs- und Ausbildungsentwicklung in Branchen und Berufen der Hamburger Wirtschaft, soziodemografische und branchenspezifische wirtschaftliche Entwicklung - wurden acht Branchen bzw. Berufsfelder als besonders potenzialträchtig identifiziert und zur vertiefenden Analyse vorgeschlagen. Hierbei wurden identifizierte Wachstumsbereiche, zu denen bereits andere Analysen vorliegen, ausgespart - zum Beispiel Logistik. Des weiteren wurden vier Beispiele vermeintlicher Potenzialberufe oder -branchen erörtert und begründet, warum diese im Sinne der zu Grunde gelegten Indikatoren nicht als solche identifiziert werden konnten (Medienbranche, IT- und Telekommunikationsbranche, Ausbildungsberufe Groß- und Außenhandelskaufleute sowie Ausbildungsberufe in der Luftfahrtindustrie).

Zur Primäranalyse:

Die Primäranalyse umfasst eine onlinebasierte Betriebsbefragung, die von Januar bis März 2007 durchgeführt wurde. Für diese Erhebungsphase wurde ein Fragebogen erstellt, mit dem die generellen Struktur- und Entwicklungsdaten der an der Untersuchung beteiligten Unternehmen ermittelt werden konnten. Jeweils branchenspezifisch aufgeschlüsselt wurde darüber hinaus eine Reihe von Aussagen zu den thematischen Schwerpunkten eingeholt.

Als dritte Stufe der Untersuchung fand eine weitere Erhebung in Form von 20 vertiefenden, leitfadengestützten Interviews in den folgenden Branchen statt.

  • Hafen, Logistik, Verkehr
  • Hotel- und Gaststättengewerbe
  • Markt- und Sozialforschung
  • Dialogmarketing
  • Schutz und Sicherheit
  • Gebäudereiniger-Handwerk
  • Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnikhandwerk
  • Elektrohandwerk

 

Ergebnisse

Im Bericht werden die folgenden Ergebnisse der Potenzialanalyse referiert:
Die in der Sekundäranalyse der Studie als ergiebig identifizierten Branchen zeigen nach Ansicht der Autoren auch nach der onlinebasierten Betriebsbefragung und den vertiefenden Interviews zum Teil starke Beschäftigungs- und Ausbildungspotenziale auf.
In einigen Branchen, wie zum Beispiel Logistik, Hotellerie aber auch im Elektrohandwerk gibt es bereits aktuell unbefriedigte Fachkräftebedarfe.
In allen untersuchten Branchen und Berufsfeldern werden zum Teil starke Umsatzzuwächse erwartet, die aus einer entsprechenden Mehrbeschäftigung resultieren oder mit einer Mehrbeschäftigung einhergehen. Unabhängig vom Untersuchungsfeld wird ein zunehmender Fachkräfteanteil prognostiziert. Diese Einschätzungen gehen konform mit einer verstärkten Ausbildungsneigung.

Hinsichtlich der Möglichkeiten in und um die Ausbildung im Dualen System gibt es zum Teil starke Informationsdefizite. Wenn es gelingt, diese Informationslücken, gerade bei den Klein- und Mittelbetrieben zu schließen, ist zu vermuten, dass zusätzliche Ausbildungspotenziale genutzt werden können.

In dem neuen Ausbildungsberuf Fachangestellter für Markt- und Sozialforschung werden vorwiegend Abiturienten für die Ausbildung gesucht. Auch in den kaufmännischen Berufen liegen eher Potenziale für diese Schulabgänger vor.

Aber auch abgangsschwache Jugendliche haben in den meisten der untersuchten Bereiche gute Möglichkeiten, sich beruflich zu qualifizieren. Hier hilft die Einführung von gestuften Ausbildungsberufen. Die Einstiegsqualifizierung oder das QuAS-Programm werden, wenn bekannt, überwiegend positiv bewertet.

Das Handwerk - und hier vorwiegend das Gebäudereinigungshandwerk - hat, nach den Ergebnissen der Studie, große Imageprobleme. Ausbildung und Beschäftigung im Handwerk sollte nach Meinung der Befragten in der Öffentlichkeit positiver dargestellt werden. Es wird dringend angeraten, die beruflichen Möglichkeiten im Handwerk Schülern und auch deren Eltern aufzuzeigen.

Die Bedeutung des Praktikums ist nicht zu unterschätzen. Je geringer die schulischen Ausgangsvoraussetzungen von Jugendlichen sind, desto wichtiger ist es, potenziellen Ausbildungsbetrieben den Ausbildungswillen und die Ausbildungsfähigkeit der Jugendlichen zu demonstrieren. Je nach Beruf müssen aber entsprechende Mindestkompetenzen mitgebracht werden. So sind, nach Aussage der Studie, für handwerkliche Ausbildungsberufe grundlegende Lese-, Schreib- und Mathematikkenntnisse Voraussetzung. Wenn diese Anforderungen erfüllt sind, spielt ein eventueller Migrationshintergrund keine große Rolle.

Die Qualität der Bewerberinnen und Bewerber  ist zum Teil sehr problematisch, so können bereits jetzt freie Ausbildungsplätze nicht besetzt werden, da keine geeigneten Bewerber/-innen gefunden werden.
Der Schule wird eine Schlüsselrolle für die Berufswahl zugeschrieben. Die Berufsorientierung in der Schule sollte ausgebaut werden. Diese Aufgaben sollten gemeinsam mit Kammern, Verbänden und Innungen, aber auch von Ausbildungsbetrieben geschultert werden. Gerade neue Berufe oder eher unbekannte Berufe sollten vorgestellt und verstärkt beworben werden.

Die Leistungen der Agentur für Arbeit werden für die Personalbeschaffung nur relativ selten in Anspruch genommen. Die Beratungs- und Vermittlungsleistungen entsprechen bei vielen Befragten nicht den gestellten Anforderungen. Die Informationsmaterialien im Berufsinformationszentrum werden von vielen Befragten als überaltert bezeichnet.

Handlungsempfehlungen:

Die Handlungsempfehlungen der Studie beziehen sich zunächst auf einige mit der Berufsberatung befasste Institutionen:

Agentur für Arbeit
Die Beratungs- und Dienstleistungskompetenz sollte verbessert werden. So sollten sich die Beratungsleistungen enger an den betrieblichen Anforderungen orientieren. Vermittlungsangebote sollten sich noch stärker nach den geforderten Stellenprofilen richten. Zwischen suchenden Unternehmen und der Agentur für Arbeit sollte die Anzahl der Bewerber abgestimmt werden.

 

Berufsinformationszentrum (BIZ)

In den untersuchten Branchen und Berufsfeldern wird die Aktualität die Qualität der Informationsmaterialien zu den jeweiligen Berufen bemängelt. Eine Aktualisierung der entsprechenden Materialien wird gewünscht und wäre hilfreich.

Berufsorientierung an den Schulen

Die Schule als Ort für die berufliche Orientierung wird, unabhängig von Berufsfeld oder Branche, von allen Befragten als wesentliche Informationsquelle für Jugendliche angesehen. Vorwiegend aus den befragten Handwerksbetrieben wird der Wunsch geäußert, dass das Bild des Handwerks realistischer, d.h. besser als gegenwärtig, dargestellt wird. Lehrer sind wichtige Multiplikatoren. Aus diesem Grund werden auch Lehrerpraktika ausdrücklich begrüßt. Die Berufsorientierung in den Schulen sollte jedoch nicht allein von den Lehrern geschultert werden. Eine aktive Teilnahme von Kammern, Innungen oder auch Betrieben wird von vielen Befragten gefordert. Auch Eltern sollten verstärkt über die Möglichkeiten der beruflichen Qualifizierung aufgeklärt werden.

Aber auch weitere Aspekte werden angesprochen:

 Die schulischen Leistungen werden generell kritisiert. Je niedriger die schulische Qualifikation ist, desto stärker ist die Kritik. So werden bei vielen Jugendlichen mit einem Hauptschulabschluss zentrale Lese-, Schreib- und Mathematikkenntnisse vermisst. Diese Defizite sind häufig zum Teil so stark ausgeprägt, dass die Ausbildungsfähigkeit angezweifelt wird. Also müsste die schulische Qualifikation verbessert werden.

Vergabe von öffentlichen Aufträgen


Bei der Vergabe von öffentlichen Aufträgen sollte bei der Bewertung der eingegangen Angebote berücksichtigt werden, ob und in welchem Umfang von den beteiligten Unternehmen ausgebildet wird. So könnte eine festgelegte Gewichtung der Ausbildungsleistung viele Unternehmen zu einer Ausbildung bzw. Mehrausbildung motivieren.

Qualitätskontrolle

In den betreffenden Branchen wird die Aussetzung der Ausbilder-Eignungsverordnung (AEVO) begrüßt. Dies würde für viele Nichtausbildungsbetriebe den Wegfall einer Hürde bedeuten, wodurch die Ausbildungsneigung erhöht würde. Jedoch wird von den meisten die Aufrechterhaltung und Kontrolle von Ausbildungsstandards und Schutz vor Missbrauch gewünscht. Die Kontrolle sollte jedoch weitestgehend unbürokratisch verlaufen. Als exekutive Institution wurde häufig die zuständige Kammer genannt. Es ist zu prüfen, ob solche Aufgaben für die Kammern durchführbar sind und ob eventuell die Ausbildungsberater diese Kontrollfunktion ausüben können.

Organisation des Berufsschulunterrichts

Vorwiegend kleine Ausbildungsbetriebe sprechen sich stark für einen wöchentlichen Berufsschulunterricht aus. Es sollte geprüft werden, ob sich dies organisatorisch umsetzen lässt. So kann z.B. bei Parallelklassen eine die wöchentliche Form und eine den Blockunterricht anbieten.

Information kleinerer Unternehmen

Die Ergebnisse der Studie zeigen nach Meinung der Autoren, dass stellenweise große Ausbildungspotenziale ungenutzt bleiben. Viele, vorwiegend kleine nichtausbildende Unternehmen sind an einer Ausbildung interessiert, gehen jedoch davon aus, dass sie nicht ausbilden dürfen. Die Möglichkeiten der Verbundausbildung wie auch die Fördermöglichkeiten sind häufig nicht bekannt. Auch die Informationslage zu den neuen Berufen (wie z.B. Fachangestellter für Markt- und Sozialforschung, Servicefachkraft und Kaufmann für Dialogmarketing, Fachkraft für Schutz und Sicherheit) ist in den Unternehmen noch nicht optimal. Wenn es gelingt, diese Informationsdefizite zu verringern, kann mit einer zusätzlichen Ausbildungsbereitschaft gerechnet werden. Über welche Kanäle diese Informationen zu den Adressaten gelangen, sollte mit Kammern, Innungen, Verbänden und ggf. Behörden diskutiert werden.

Imageprobleme im Gebäudereinigungshandwerk


Das aktuelle Image des Handwerks wird durchgehend als verbesserungswürdig angesehen. Innungen, Verbände, Kammern, aber auch die einzelnen Unternehmen können und sollen hilfreich aktiv werden. Das Handwerk, die Tätigkeiten und die beruflichen Möglichkeiten sollten an erster Stelle in den Schulen dargestellt werden.
Die Angaben zur Einführung einer gestuften Ausbildung zeigen, dass durchaus Interesse und Ausbildungspotenzial seitens der Befragten vorliegt. Um diesen Potenzialen Rechnung zu tragen, sollte in dem Gewerk Gebäudereinigung die Möglichkeit einer gestuften Ausbildung diskutiert werden.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

Ansprechpartner

    • Monitoring - Wissenschaftliche Mitarbeiterin
    • Annette Land
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    • E-Mail-Adresse:

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Förderung/Durchführung

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Programmdurchführung:

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