Das "Ausbildungsplatzpotenzial in der Kunststoffbranche Nordostdeutschlands" untersucht eine Analyse des Schweriner Ausbildungszentrums. Untersucht wurden die Bereiche Kunststoffherstellung, -verarbeitung und -bearbeitung sowie kunststoffnahe Unternehmen im Bundesland Mecklenburg-Vorpommern und in nördlichen Regionen des Bundeslandes Brandenburg.
Die Analyse ist ein Teil des JOBSTARTER-Projekts "Nordostdeutsches Ausbildungsnetzwerk Kunststoff-, Automatisierungs- und Werkzeugtechnik NORKUN" .
Die Ausbildungsplatzpotenzialanalyse sollte im Rahmen des Projekts aufzeigen:
Über den Projektkontext hinaus sollte die Ausbildungsplatzpotenzialanalyse als Informations-, Argumentations- und Entscheidungshilfe für eine mittelfristige Gestaltung der Nachwuchssicherung in der untersuchten Branche und Region genutzt werden.
Die Studie stützt sich auf einen Methodenmix mit folgenden Elementen:
In der qualitativen Erhebung wurden die wirtschaftliche Situation der befragten Unternehmen, die externen Rahmenbedingungen für Ausbildung und interne betriebliche Prozesse der Ausbildung unter Berücksichtigung der Fragen, welche Situation oder Bedingung für die Ausbildung förderlich oder hemmend sind, erhoben.
Der Fragebogen für die quantitative Erhebung ist in zwei Abschnitte gegliedert. Im ersten Fragenkomplex wurden die auch bei den qualitativen Interviews erhobenen allgemeinen Daten zu der Situation in den Unternehmen erfragt. Es wurden unter anderem die wirtschaftliche Lage und Entwicklung, die Personalentwicklung und die Grunddaten zur Ausbildung evaluiert.
Im zweiten Teil wurden die Gründe gegen (mehr) Ausbildung erhoben.
Die Kunststoffbranche hat für die wirtschaftliche Entwicklung der industrieschwachen und dünn besiedelten Region Nordostdeutschland (Mecklenburg-Vorpommern und Nordbrandenburg) eine wichtige Bedeutung. Kunststoffnahe Unternehmen, zu denen neben rein Kunststoff herstellenden oder bearbeitenden Betrieben - zum Beispel im Bereich Luftfahrt- oder Automobilzulieferung - auch Firmen gehören, die in der Automatisierungs- und Werkzeugtechnik mit Kunststoffen arbeiten, sind meist hoch innovativ, exportorientiert und dynamisch.
Für diese Unternehmen gewinnt die Ausbildung immer mehr an Bedeutung. Dabei spielen die Besonderheiten der Region eine wichtige Rolle. Auf der einen Seite ist derzeit eine positive Wirtschaftsentwicklung mit entsprechendem Fachkräftemangel festzustellen. Auf der anderen Seite sinkt die Zahl der Schulabsolventen der Region in drastischem Umfang. Die passgenaue Gestaltung der Ausbildung wird damit zum zentralen Instrument einer kontinuierlichen Personalentwicklung und spielt für die Entwicklung und die Wettbewerbsfähigkeit der Branche eine existenzielle Rolle. Auf der anderen Seite könnte durch die vermehrte Bereitstellung von Ausbildungsplätzen auch den Abwanderungstendenzen aus dieser Region, zumindest teilweise, begegnet werden.
Die Gründe, warum die Unternehmen nicht (mehr) ausbilden, wurden in der Befragung in die
Bereiche:
aufgeteilt.
Dabei spielten die
Bei den Bedingungen, unter denen die Unternehmen mehr ausbilden würden, spielen ebenfalls
Folgende Handlungsempfehlungen und Schlussfolgerungen werden im Abschlussbericht im Kapitel 6 "Faktorenanalyse zum Ausbildungsplatzpotenzial" benannt:
Wichtig ist es, weiterhin auch die kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) für das Problem des Fachkräftemangels zu sensibilisieren und Ausbildung als ein probates Mittel für die Deckung des Fachkräftebedarfes zu empfehlen. Wenn außerdem der Nutzen der Ausbildung transparenter kommuniziert wird, kann das Ausbildungsplatzpotenzial auch in nicht (mehr) ausbildenden Unternehmen besser ausgeschöpft werden.
Insgesamt wird deutlich, dass ein großes Potenzial in den neuen Spezialisierungsrichtungen des/der Verfahrensmechanikers/in für Kunststoff- und Kautschuktechnik (VKK), der theoriegeminderten Ausbildung zum/zur Maschinen- und Anlagenführer/in und im Dualen Studium vorhanden ist. Für eine weitere Entwicklung ist die noch stärkere Information der Betriebe notwendig.
Den meisten Unternehmen ist die Attraktivität der jeweiligen Ausbildungsberufe oder Spezialisierungsrichtungen oftmals noch nicht hinreichend bekannt. Im Projektrahmen muss die zielgerichtete Kommunikation gesucht werden und es müssen die Spezifika und die damit verbundenen Möglichkeiten der einzelnen Berufsbilder für die Betriebe vermittelt werden.
Dazu sollten die Möglichkeiten im Projekt in Zusammenarbeit mit Verbänden und Kammern stärker genutzt werden. Um Barrieren zu verringern, kann auch die Kontaktvermittlung zwischen ausbildenden und (noch) nicht ausbildenden Unternehmen für einen Erfahrungsaustausch erfolgen.
Wichtig sind außerdem der Transfer von erfolgreichen Ausbildungsansätzen und -modellen - Good Practice - und die weitere Stärkung der Nachfrage durch gezielte Ansprache der Betriebe.
Ein zentraler organisatorischer Aspekt ist die Förderung einer engeren Zusammenarbeit von Schule, Betrieb und Bildungsdienstleister.
Wichtig ist nach Meinung der Autoren außerdem eine offenere Gestaltung der Ausbildung. Dazu gehören die Befreiung der kleineren Betriebe vom Blockunterricht in den Berufsschulen, die Problematik der aufwändigen Prüfungen, die eine entsprechend lange Vorbereitung erfordern und Änderungen im Arbeitsrecht, beispielsweise Aufhebung des Kündigungsschutzes für Auszubildende.
Um den organisatorischen Aufwand speziell für die kleinen Betriebe zu verringern, muss im Projekt NORKUN eine verstärkte Implementierung der Verbundausbildung stattfinden. Hier wird noch ein deutliches Potenzial gesehen.
Die Diskussion über die Ausbildungsreife spielte eine wichtige Rolle in den Befragungen. Hier kann durch NORKUN eine wichtige Rolle bei der Vermittlung der Interessen der Unternehmen in den Schulen und einer unternehmensorientierten Berufsfrühorientierung (BFO) wahrgenommen werden.
Durch das Projekt NORKUN müssen zudem weitere Anstrengungen unternommen werden, um verstärkt Jugendliche über die Kunststoffbranche und ihre Berufe zu informieren. Es besteht ein deutlicher Nachholbedarf hinsichtlich Aufklärung und Information der Jugendlichen, der auch den Unternehmen bewusst ist.
Es ergibt sich auch aus den Nutzenbetrachtungen, dass noch stärker auf die Vorteile der Verbundausbildung als eine Möglichkeit, speziell auch für kleinere Betriebe die Ausbildungskosten zu senken, verwiesen werden muss.
Außerdem muss die Argumentation für Ausbildung in den Betrieben immer mit Blick auf die längerfristige Nutzenbetrachtung und nicht auf die kurzfristige Kostenbetrachtung gerichtet sein. Die Betriebe müssen überzeugt werden, dass eine eigene Ausbildung ein unverzichtbares Mittel für ihre dauerhafte Wettbewerbsfähigkeit ist.
[PDF - 1,86 MB]
(URL: http://www.jobstarter.de/_media/APA_034_20_06_08.pdf)