Informationen zur Ausbildungsplatzpotenzialen in den Branchen "Informationstechnologie und neue Medien" in der Region Oberfranken Ost mit der Stadt Hof und den Landkreisen Hof und Wunsiedel liefert die Potenzialanalyse von INIFES - Internationales Institut für Nationalökonomie gGmbH, Stadtbergen.
Die Analyse wurde im Rahmen des JOBSTARTER-Projekts AQUA durchgeführt. Projektträger ist TIBAY, die Technologie-Innovations-Agentur Bayern in München.
Vorrangiges Ziel der Analyse, die zwischen April 2006 und Dezember 2007 durchgeführt wurde, war es festzustellen, welche zusätzlichen Ausbildungspotenziale in den Berufen aus den Bereichen Informationstechnologie und Neue Medien in der Region Oberfranken Ost existieren und wie sie sich gegebenenfalls aktivieren lassen.
Die Studie stützt sich im Wesentlichen auf zwei methodische Vorgehensweisen:
Die Sekundäranalyse umfasst die Auswertung vorhandener Sekundärdaten wie Anzahl der Schüler nach Schulart, Schulabschlüsse, Entwicklung der Schülerzahlen, Angebot und Nachfrage auf dem Ausbildungsmarkt, neu abgeschlossene Ausbildungsverträge in den Bereichen IT und neue Medien, Schulische Vorbildung der Auszubildenden, Anzahl sozialversicherungspflichtig Beschäftigter, Arbeitslosenquote, Anteil der Arbeitslosen nach Qualifikation im Agenturbezirk, Entwicklung des BIP je Erwerbstätigen und Patentanmeldungen. Datenquellen waren insbesondere Veröffentlichungen des Bayerischen Landesamts für Statistik und Datenverarbeitung, des Bayerischen Staatsministeriums für Unterricht und Kultus, der IHK für Oberfranken, der Handwerkskammer Oberfranken, der Bundesagentur für Arbeit, des Bundesinstituts für Berufsbildung und des BMBW.
157 Akteure aus dem Wirtschaftsbereich IT und Neue Medien beteiligten sich an der Befragung.
Die Befragung umfasste im Wesentlichen die folgenden Themen:
Die Region Oberfranken-Ost weist spezifische Problemstellungen hinsichtlich des Ausbildungs- und des Arbeitsmarktes sowie der Wirtschaftsstruktur auf, die nicht zuletzt aus ihrer Lage als ehemaliges Zonenrandgebiet resultieren. Sie ist in Hinblick auf die untersuchten Strukturdaten Abiturientenzahl, Entwicklung des Ausbildungsmarktes und des Arbeitsmarktes, wirtschaftliche Situation und Entwicklung, Anmeldung von Patenten u.a. teilweise deutlich schlechter situiert als der bayerische Durchschnitt.
Die Ausbildungsberechtigung liegt bei 112 (=71%) Betrieben vor. Von diesen bilden 51 (=45%) aktuell aus. In den vergangenen drei Jahren haben noch 62 der berechtigten Betriebe ausgebildet, somit kann ein Rückgang von ca. 10 Prozentpunkten registriert werden. Dies korrespondiert mit dem Rückgang bei der Neueintragung von Ausbildungsverhältnissen von ca. 10%, den die IHK für den Arbeitsagenturbezirk Hof ausweist.
106 der 157 befragten Betriebe bilden momentan nicht aus. Die Mehrzahl der aktuell nicht ausbildenden Betriebe verfügt jedoch über eine Ausbildungsberechtigung. Zwei Drittel dieser Betriebe haben aber ein Interesse, in Zukunft auszubilden.
Bei den nicht ausbildungsberechtigten Betrieben ist das Interesse, künftig auszubilden geringer. Nur weniger als die Hälfte (21 von 45) haben ein solches Interesse artikuliert. Wiederum die Hälfte dieser Unternehmen würden die betriebliche Ausbildung bevorzugt im Verbund mit einem anderen Betrieb durchführen.
Von den bereits ausbildenden Betrieben bekunden gut 60% Interesse, in Zukunft zusätzliche Ausbildungsplätze zu bereit zu stellen. Allerdings benötigen mehr als vier Fünftel dieser Betriebe hierbei Unterstützung. Das Interesse an Verbundausbildung ist bei bereits ausbildenden Betrieben insgesamt aber eher schwach ausgeprägt.
Von den 106 nicht ausbildenden Betrieben haben 62 (58%) ein Interesse in Zukunft im dualen System auszubilden.
Insgesamt besteht so in 93 (59%) von 157 Betrieben in Oberfranken-Ost ein Potenzial zur generellen bzw. vermehrten Berufsausbildung.
Vor allem die hohen Kosten für Ausbildung gefolgt von der Qualifikation der Schulabgänger sind die Hauptgründe berechtigter Betriebe in Oberfranken-Ost, aktuell keine Auszubildenden zu beschäftigen.
Für nicht ausbildungsberechtigte Betriebe stellen die zu geringe Unternehmensgröße gefolgt von der zu hohen Spezialisierung des Unternehmens die größten Hemmnisse dar.
Zur Überwindung der Ausbildungshemmnisse müssten in der Region neue Voraussetzungen geschaffen werden. Von den nicht ausbildenden Betrieben wünschen sich 51 (48%) eine Bereitstellung von Fördermitteln, um sich künftig an der Berufsausbildung beteiligen zu können. Dieser Wunsch wird vor allem von kleinen Betrieben geäußert.
Aktuell nicht ausbildende Betriebe wünschen sich Unterstützung bei der Organisation der dualen Ausbildung, dies korrespondiert mit dem Wunsch dieser Betriebe nach intensiverer Beratungen durch Kammern und Verbände.
Der Bedarf an Auszubildenden unterscheidet sich hinsichtlich deren Fachrichtungen bei derzeit ausbildenden und nicht ausbildenden Betrieben. Aktuell nicht ausbildende Betriebe haben einen hohen Bedarf an Bürokaufleuten und Auszubildenden im Bereich IT und Neue Medien. Die Nachfrage von bereits ausbildenden Betrieben beschränkt sich weitestgehend auf Ausbildungsberufe des kaufmännischen Bereichs und den Anlagen- und Maschinenbau. Die Nachfrage nach Auszubildenden in projektrelevanten Berufen ist bei diesen Betrieben also durchschnittlich geringer als bei aktuell nicht ausbildenden Betrieben.
Zwei Unternehmensbranchen artikulieren einen hohen künftigen Bedarf an Auszubildenden: Die Datenverarbeitung (DV) und die Werbung. Hier werden in der Analyse für den Bedarf konkrete Zahlen und Ausbildungsberufe ermittelt (41 Fachinformatiker, 11 Mediengestalter und Werbekaufleute). In einer abschließenden Potenzialberechnung werden die Ergebnisse der Befragung in drei Varianten auf die gesamte Projektregion hochgerechnet.
Das Potenzial für neue Ausbildungsplätze besteht hauptsächlich in Klein- und Kleinstbetrieben, denn 75% aller nicht ausbildenden aber ausbildungsinteressierten Betriebe beschäftigen zwischen 0 und 6 Mitarbeiter.
Die Potenzialberechnungen nach Annahme von drei verschiedenen Voraussetzungen ergeben eine zahlenmäßige Aussage über das potenzielle Ausbildungsplatzangebot.
Es wird nur eine Handlungsempfehlung in der Studie explizit angesprochen:
Demnach muss der branchenspezifische Aufwärtstrend nach Ansicht der Autoren zeitnah zum Vorteil der Betriebe und der Jugendlichen der Region in Form neuer Ausbildungsverträge umgesetzt werden. Da die Klein- und Kleinstbetriebe in der zu geringen Unternehmensgröße ein Haupthemmnis für die betriebliche Ausbildung sehen, wären Maßnahmen sinnvoll, die gerade jene Betriebe von den Vorteilen der Ausbildung im dualen System überzeugen.
Weitere Handlungsempfehlungen, die sich auf finanzielle Förderung, die Schaffung von Ausbildungsverbünden und die intensive Beratung durch die zuständigen Stellen beziehen, können aus dem Text erschlossen werden.
[PDF - 1,06 MB]
(URL: http://www.jobstarter.de/_media/JO-01-189_Abschlussbericht__Potentialanalyse_AQUA.pdf)