Geprächsrunde
Ausbildung in strukturschwachen Regionen - Was tun, wenn Fachkräfte gehen?
Moderation Kerstin Dombach, Bayerischer Rundfunk
Beate Zeller, JOBSTARTER-Regionalbüro Süd
Prof. Dr. Günter Albrecht, JOBSTARTER-Regionalbüro Ost
Holger Weininger, Forschungsinstitut Betriebliche Bildung (f-bb)
RSR Werner Engelhardt, Realschule Helmbrechts
Dr. Renate Kappler, IHK Bildungszentrum Dresden
Die Abwanderung von Fachkräften und insbesondere auch von qualifizierten Ausbildungsbewerbern in strukturschwachen Regionen Bayerns und den neuen Ländern hat in den letzten Jahren zugenommen. Im Rahmen der Gesprächsrunde wurden Gründe für diese Entwicklungen identifiziert und Strategien diskutiert, wie dem Fachkräftemangel begegnet werden kann.
Den Einschätzungen von Zukunftsperspektiven und Imagezuschreibungen einzelner Branchen oder Regionen durch Eltern und Schüler bzw. Ausbildungsbewerber komme eine entscheidende Bedeutung zu, so Beate Zeller:
"In Nordostbayern leidet beispielsweise die Textilindustrie heute noch sehr stark unter einer negativen Beurteilung der Branche und deren Zukunftschancen, die durch die Konsolidierung in den 90er Jahren hervorgerufen wurde. Auch wenn diese Branche dank Spezialisierung, Prozessoptimierung und Besetzung profitabler Nischen mittlerweile hervorragende Perspektiven bietet, gibt es große Schwierigkeiten bei der Besetzung angebotener Ausbildungsplätze." Ähnliche Phänomene sieht Prof. Dr. Günter Albrecht auch in Ostdeutschland:
"Viele geeignete Bewerber verlassen beispielsweise das Land Brandenburg, weil sie hier keine Chancen und Arbeitsplätze vermuten. Dabei gibt es hier eine Großzahl an innovativen kleineren und mittleren Unternehmen - zum Beispiel im Bereich der regenerativen Energien. Diese haben trotz ausgezeichneter wirtschaftlicher Perspektiven mittlerweile häufig Schwierigkeiten bei der Sicherung ihres Fachkräftenachwuchses." Wichtig sei es, das Thema Ausbildungsmarketing in diesen Regionen mehr in den Fokus zu rücken, betonten Albrecht und Zeller.
"Externes Ausbildungsmanagement - ein Baustein auch im Programm JOBSTARTER - bietet eine breite Palette an Instrumenten, Betriebe dabei zu unterstützen, Ausbildung auf den Weg zu bringen. Z. B. können durch Ausbildungsmarketing gezielt bestimmte Berufe beworben werden. Die Initiierung von Branchenkampagnen kann dazu beitragen, das Image einer Branche oder sogar einer Region in der Wahrnehmung von Jugendlichen und Eltern zu verbessern", so Zeller.
Ein Beispiel für die Initiierung von Branchenkampagnen in einer strukturschwachen Region Bayerns präsentierten Holger Weininger vom Forschungsinstitut Betriebliche Bildung (f-bb) und Werner Engelhardt, Direktor der Realschule Helmbrechts. Im Rahmen des Projekts "Nordostbayerisches Ausbildungsnetz
(NOBAN)" wurden in der Region Hof/Weiden Ausbildungsnetzwerke in den Branchen Kunststoff/Keramik, Metall/Elektro, Textil/Bekleidung sowie Hotel- und Gaststätten/Tourismus initiiert und mit der Bewerbung dieser Branchen dazu beigetragen, Ausbildung für Jugendliche in dieser Region wieder attraktiv zu machen
Ein weiteres Beispiel aus Sachsen stellte Dr. Renate Kappler vom IHK Bildungszentrum Dresden vor. Sie skizzierte, wie im Rahmen des JOBSTARTER-Projekts
REGIO-SYN vier Bildungsdienstleister gemeinsam erfolgreich als Partner der Wirtschaft agieren und im Regierungsbezirk Dresden vor allem kleine und mittlere Unternehmen aus dem gewerblich-technischen Bereich sowie den Branchen Dienstleistungen/Freie Berufe, Medien/IT und Tourismuswirtschaft in Fragen der Ausbildung unterstützen.
Die Präsentationen aller Vorträge stehen im rechten Seitenbereich unter "Dokumente" zum download zur Verfügung.