Potenzialanalyse von JOBSTARTER-Projekt "A.I.B."

In der Analyse des JOBSTARTER-Projekts "A.I.B. - Ausbildung und Integration - Betriebe mit Inhaber/innen ausländischer Herkunft bilden aus!" wird das Ausbildungsplatzpotenzial von Mainzer Migrantenunternehmen untersucht. Träger des Projekts ist das Institut zur Förderung von Bildung und Integration (INBI).

"A.I.B. - Ausbildung und Integration - Betriebe mit Inhaber/innen ausländischer Herkunft bilden aus!" hat das Ausbildungsplatzpotenzial von Mainzer Migrantenunternehmen untersucht.

Mit der Analyse war beabsichtigt, für die Stadt Mainz eine Datenbasis für Maßnahmen zur Förderung der Einbindung von Betrieben mit Migrationshintergrund in das System der betrieblichen Berufsausbildung bereitzustellen. Es wurde untersucht, in welchen Bereichen ein Ansatz für die Schaffung neuer Ausbildungsplätze zu sehen ist und wie das Potenzial an neuen Ausbildungsplätzen umgesetzt werden kann.

zum ausführlichen Bericht

Untersuchungsgegenstände waren laut Bericht insbesondere

  1. Eine Bestandsaufnahme über Betriebe von Inhaber/innen mit ausländischer Herkunft in Mainz: Branchenverteilung, Betriebsgröße, Ausbildungsbeteiligung und Migrationshintergrund.
  2. Eine Erhebung von Ausbildungsbereitschaft und Ausbildungshemmnissen in Betrieben mit Inhaber/innen ausländischer Herkunft.
  3. Die Feststellung des Bedarfs an Unterstützungsleistungen.

In der Analyse wurden Migrant/innenbetriebe mit Herkunft des Inhabers aus südeuropäischen Ländern und aus der Türkei untersucht. Diese stellen die größte Zahl. Aber auch Migrant/innenbetriebe aus bisher nicht untersuchten Ländern, unter anderem aus dem Iran, aus arabischen und afrikanischen Ländern (zum Beispiel Marokko) und insbesondere osteuropäischen Ländern wurden in die Untersuchung einbezogen.

Es wurden Betriebsinhaber/innen aus verschiedenen Branchen, insbesondere aber im Dienstleistungsbereich - und hier auch aus den zukunftsorientierten Branchen wie Medien-, Telekommunikations- und Internetdienstleistungen, aus den Gesundheitsberufen, aus den freien Berufen und aus dem Handwerk angesprochen und befragt, um Aussagen darüber treffen zu können, ob und wie die Ausbildungsbereitschaft in verschiedenen Branchen variiert und welche spezifischen Ausbildungshemmnisse in den verschiedenen Branchen existieren.

Verwendete Methoden

Die Studie stützt sich auf drei Säulen:

  1. Die Analyse statistischer Daten und vorliegender Untersuchungen.
  2. Die Betriebsbefragung mit Hilfe telefonischer und persönlicher Befragungen und, im Falle der Verweigerung der ersten beiden Möglichkeiten, mit Hilfe einer schriftlichen Erhebung.
  3. Die Durchführung von Expertengesprächen mit Vertretern relevanter Institutionen.

Zur Sekundäranalyse

Die aufgrund der unzureichenden Datenlage knappe Sekundäranalyse umfasst die Auswertung statistischer Daten wie:

  • wohnberechtigte Bevölkerung mit ausländischer Herkunft in der Stadt Mainz
  • Betriebe mit Migrationshintergrund in der Stadt Mainz
  • Angebot und Nachfrage auf dem Ausbildungsmarkt der Stadt Mainz

Datenquellen waren insbesondere das Einwohnermelderegister der Stadt Mainz, Daten des Gewerbeamtes der Stadt Mainz, Daten der Handwerkskammer Rheinhessen, die Statistik der Bundesagentur für Arbeit, frühere Untersuchungen zum Thema "Ausländische Betriebe in Deutschland", die im Literaturverzeichnis aufgeführt sind und eigene Recherchen des INBI.

Zur Primäranalyse

In die Auswertung gingen Angaben von 349 befragten Betrieben ein, die Angaben über die Branche, den Migrationshintergrund und darüber machten, ob sie aktuell ausbilden oder nicht. 108 Betriebsinhaber/innen waren darüber hinaus bereit, detaillierter Auskunft über die Mitarbeiteranzahl, die Erfahrungen mit der Ausbildung bzw. die Gründe für ihre Ausbildungszurückhaltung, das Vorliegen von Voraussetzungen für die Berufsausbildung sowie ihren Unterstützungsbedarf zu geben.

Die Befragungen umfassten im Wesentlichen die folgenden Fragenkomplexe:

  • Ausbildungsbetriebe
  • Branchenverteilung
  • Nationalität
  • Zahl der Mitarbeiter
  • Zahl der Auszubildenden
  • Gründe für Ausbildungszurückhaltung
  • Ausbildungsbereitschaft
  • Unterstützungsbedarf bei der Ausbildung

Bei der Auswertung wurden Besonderheiten der Branchen und Besonderheiten der Nationalitätengruppen, insbesondere bezüglich bereits angebotener Ausbildung, evtl. bestehender Ausbildungshemmnisse und der evtl. vorliegenden zukünftigen Ausbildungsbereitschaft herausgearbeitet.

Ergebnisse

Anzahl der Betriebe und Branchen

Auf der Grundlage der Erhebung lässt sich von mindestens 600-650 Betrieben mit Migrationshintergrund in der Stadt Mainz ausgehen. Besonders stark vertreten sind sie im Einzel- und Großhandel sowie in der Gastronomie/Hotellerie. Mit Abstand folgen die Selbstständigen im Gesundheitswesen und die Friseure, danach das Bau- und Kfz-Gewerbe, Taxiunternehmen, Handwerksbetriebe, Änderungsschneidereien und Reisebüros. Aber auch im Feld der freien Berufe, im Bereich Transport/Logistik/Lagerhaltung, in der industriellen Produktion sowie im Bereich Bürodienstleistungen sind Betriebe mit Migrationshintergrund tätig. Die restlichen Betriebe verteilen sich auf eine lange Reihe von Branchen wie z.B. Bäckereien und Metzgereien, Hausmeisterservice, Internet-/Telefondienstleistungen, Fahrschulen, Gebäudereinigung, Grafik/Design, Immobilien, Werbeagenturen und Finanzdienstleistungen sowie Personaldienstleistung.

Ausbildungsbeteiligung

Von den 600-650 Betrieben bilden ca. 10% aus. Im Vergleich zu den bundesweiten Zahlen (zwischen 6% und 15% je nach Nationalität) ist die Ausbildungsbeteiligung der Unternehmen mit Migrationshintergrund damit im guten Mittelfeld.
Besonders hoch ist der Anteil der ausbildenden Unternehmen oder Selbstständigen bei den befragten Gesundheits- und Pflegediensten, bei den Friseuren, bei den Ärzten sowie im Kfz-Gewerbe. Überdurchschnittlich häufig bilden auch Reisebüros, Handwerksbetriebe und Rechtsanwälte aus. Etwas unterdurchschnittlich ist die Ausbildungsbeteiligung von Betrieben im Baugewerbe sowie von Bäckereien und Metzgereien, Bürodienstleistern und Betrieben in der industriellen Produktion. Besonders niedrig ist der Anteil der ausbildenden Betriebe im Bereich Einzelhandel sowie im Bereich Gastronomie und Hotellerie.
Zwischen den einzelnen Nationalitätengruppen gibt es Unterschiede in der Branchenverteilung sowie deutliche Unterschiede im Anteil der ausbildenden Betriebe:

Türkische Selbstständige und Unternehmer/innen bilden im Vergleich zu den anderen Nationalitätengruppen besonders häufig aus. Insbesondere sind dies Ärzte, Friseure, Kfz-Betriebe, Reisebüros, Bürodienstleister, Juweliere, aber auch Fahrschulen und Handwerksbetriebe. Insgesamt sind Inhaber/innen von Betrieben mit Migrationshintergrund aus der Türkei in Mainz besonders stark im Einzelhandel vertreten. Mit deutlichem Abstand folgen die Betriebe im Kfz-Gewerbe, die selbstständigen Friseure sowie die Gastronomen, Änderungsschneidereien, Handwerksbetriebe, Reisebüros, Bau- und Transportunternehmen. Der Rest der selbstständigen Unternehmer verteilt sich auf eine Vielzahl von Branchen. Zwei Drittel der Betriebe haben bis zu 5 Mitarbeiter/innen. Der Anteil von Betrieben, die schon seit mehr als 10 Jahren am Markt sind, ist in dieser Migrantengruppe besonders hoch.

Bei der Ausbildungsbeteiligung an zweiter Stelle stehen Betriebe mit Migrationshintergrund aus Italien. Insbesondere bilden Friseure aus, vereinzelt auch Kfz-Betriebe, eine Metzgerei und eine Rechtsanwaltskanzlei. Die größte Anzahl von Betrieben findet sich in dieser Migrant/innengruppe im Bereich der Gastronomie und mit Abstand bei den Friseurläden sowie im Einzel- und Großhandel. Der Rest der Betriebe verteilt sich auf eine Vielzahl von Branchen. Der überwiegende Anteil der Betriebe hat bis zu 5 Mitarbeiter/innen und ist seit mindestens 10 Jahren am Markt tätig.

Eine hohe Ausbildungsbeteiligung haben auch Betriebe aus Osteuropa. Insbesondere bilden Ärzte osteuropäischer Herkunft aus, darüber hinaus vereinzelt Betriebe im Handwerk, in der Gastronomie, im Einzelhandel und ein ambulanter Pflegedienst. Die meisten Betriebe sind in der Baubranche tätig. Mit Abstand folgen die Ärzte, der Einzelhandel sowie die Gastronomie, danach Unternehmen, die einen Hausmeisterservice anbieten sowie Friseure und Rechtsanwälte. Die übrigen Betriebe sind in einer Vielzahl von Branchen vertreten. Der überwiegende Anteil der Unternehmen ist seit bis zu 5 Jahren am Markt tätig und beschäftigt bis zu 10 Mitarbeiter/innen.

Ebenfalls eine überdurchschnittliche Ausbildungsbeteiligung weisen Betriebe von Inhaber/innen mit iranischem Migrationshintergrund aus. Ausgebildet wird insbesondere von Ärzten. Unter den Betrieben sind Ärzte und Einzelhändler sowie die Gastronomie besonders stark vertreten.

Die Ausbildungsbeteiligung von Betrieben mit Inhaber/innen nordafrikanischer Herkunft ist sehr gering. Lediglich ein Friseurbetrieb aus Marokko bildet aus. Selbständige und Unternehmer aus dieser Migrant/innengruppe sind vor allem im Einzelhandel, als Friseure, aber auch als Gastronomen und als Architekten tätig. Der Großteil der befragten Betriebe besteht erst seit 2 oder 3 Jahren.

Von den wenigen selbstständigen Unternehmer/innen mit Herkunft aus den Ländern der arabischen Halbinsel, dem Irak oder Palästina bildet nur ein Pflegedienst aus. Eine Fokussierung auf bestimmte Geschäftsbranchen lässt sich nicht ausmachen. Auch in Zukunft möchten die übrigen Betriebe nicht ausbilden.

In Betrieben von Inhaber/innen mit Herkunft aus verschiedenen Ländern Ostasiens werden keine Auszubildenden beschäftigt. Die meisten Betriebe aus ostasiatischen Ländern finden sich in der Gastronomie sowie mit Abstand im Einzel- und Großhandel. Keiner der Betriebe hat mehr als 3 Mitarbeiter/innen. Einige Betriebe wurden erst in den letzten Jahren gegründet.

Ausbildungspotenzial

Die Ergebnisse der Erhebung zeigen, dass das vergleichsweise größte Potenzial zur Schaffung von zusätzlichen Ausbildungsplätzen in der Gastronomie und im Einzelhandel besteht:

. In den beiden Branchen ist die höchste Zahl von Betrieben mit Migrationshintergrund vertreten.
. Derzeit werden hier aber nur sehr wenige Ausbildungsplätze angeboten.
. Die Bereitschaft, evtl. in Zukunft auszubilden, ist relativ groß. Betriebe im Bereich Einzelhandel und Gastronomie stellen etwa die Hälfte der 66 Betriebe, die bisher nicht ausbilden, aber evtl. bereit wären, in Zukunft auszubilden.

Ausbildungshemmnisse

Oftmals erfüllen die ermittelten ausbildungswilligen Betriebe nicht die Voraussetzungen für die Anerkennung als Ausbildungsbetrieb.

Viele nicht-ausbildende Betriebsinhaber/innen können zwar langjährige Berufserfahrung vorweisen, haben aber keine Berufsausbildung und verfügen auch über kein Personal, das für die Ausbildung ausreichend qualifiziert ist.

Mehr als die Hälfte der ausbildungsbereiten Betriebe im Einzelhandel und in der Gastronomie sind sehr kleine Betriebe mit bis zu 3 Mitarbeiter/innen. Hiermit verbunden sind personelle Probleme bei der Betreuung von Auszubildenden, aber auch finanzielle Probleme aufgrund schlechter Auftragslage.

Viele Betriebe, gerade in der Gastronomie, sind außerdem nicht in der Lage, alle Ausbildungsinhalte zu vermitteln und können deshalb nicht alleine ausbilden.

Dass die Betriebe zu klein sind, wird von Inhaber/innen in allen Branchen und in allen Nationalitätengruppen als ein wichtiger Grund für die Zurückhaltung bei der Ausbildung angegeben. Kleine Betriebe befinden sich oftmals in einer schwierigen wirtschaftlichen Lage und können deshalb die Kosten der Ausbildung nicht tragen. Dies wird auch als weiterer wichtiger Grund für die Ausbildungszurückhaltung angegeben. Häufig wird, wie erwähnt, auch das Fehlen des Ausbilderscheins als Grund genannt.

Nach Einschätzung der Autoren der Studie erfüllen derzeit maximal 3% der nicht-ausbildenden Betriebe die Voraussetzungen der Kammer um auszubilden.

Handlungsempfehlungen

Maßnahmen zur Schaffung von zusätzlichen Ausbildungsplätzen sollten nach Ansicht der Autoren der Studie an

  • der Beratung der Betriebe,
  • der Bereitstellung von Leistungen des externen Ausbildungsmanagements,
  • der Bereitstellung von flexiblen Qualifizierungsangeboten und
  • der Entwicklung attraktiver Lösungen für eine Ausbildung im Verbund ansetzen.

Unterstützungsbedarf besteht einerseits bei den Betrieben, die erstmalig ausbilden möchten. Andererseits sind aber auch Betriebe, die bereits ausbilden, an Unterstützungsleistungen interessiert. In den Expertengesprächen und auch von den Betrieben wurde oft darauf hingewiesen, dass eine kontinuierliche Beratung notwendig sei. Viel Wert wird auf die interkulturelle Kompetenz der Projektmitarbeiter/innen gelegt.

Mit Qualifizierungsangeboten kann Betriebsinhaber/innen der Erwerb der Ausbildungseignung ermöglicht werden. Diese Schulungen sollten in Form eines modularen Angebotes entwickelt werden und auf spezifische Erfahrungen und Probleme der Betriebe eingehen, um den potenziellen Ausbilder/innen den Einstieg zu erleichtern. Die Hürden für eine Anerkennung von im Heimatland erworbenen Ausbildungen sollten, zumindest wenn es um die Ausbildungseignung von Betrieben geht, abgebaut werden.

Für viele Betriebe käme nur eine Ausbildung im Verbund in Frage, da sie alleine nicht ausbilden können. Gleichzeitig ist jedoch die Bereitschaft, zusammen mit einem anderen Betrieb auszubilden, gering. Hier sollte versucht werden, durch die Anerkennung von Praktika oder die Vermittlung von fehlenden Ausbildungsinhalten in überbetrieblicher Ausbildung flexible Lösungen zur Abdeckung der relevanten Ausbildungsinhalte zu finden.

 

 

 

 

 

 


 

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