Regionalbüros

Werkstattgespräch des Regionalbüro Nord: "Energieeffizientes Bauen - Fachkräftesicherung durch Ausbildung"

"Nennen Sie unter ökologischen und ökonomischen Gesichtspunkten drei Gründe für die nachträgliche Innendämmung eines Gründerzeitgebäudes."

Diese und viele andere Fragen  zum Thema energieeffizientes Bauen können Auszubildende des Ausbildungszentrums Bau (ABZ) in Hamburg beantworten. Mit speziellen Lerninhalten reagiert das Zentrum auf den steigenden Fachkräftebedarf in diesem Bereich. Das JOBSTARTER-Regionalbüro Nord nahm das Konzept zum Ausgangspunkt eines Werkstattgespräches am 26. März 2009 in Hamburg. Expertinnen und Experten aus Praxis, Wissenschaft und Politik diskutierten, weche Herausforderungen energieeffizientes Bauen an die Berufsbildung stellt.

Zunächst einmal wurden die Teilnehmenden selbst zu Auszubildenden. Maik Kiss und Arne Rathje vom ABZ erklärten ihnen, worauf es bei einer Innendämmung ankommt. Sie demontierten anhand von Musterhäusern fachgerechte Arbeiten und wiesen auf mögliche Bauschäden hin, wenn die am Bau beteiligten Gewerke nicht kooperieren. Zum Schluss musste das Publikum den Wärmedurchgangskoeffizienten für verschiedene Wandaufbauten berechnen und kam dabei ordentlich ins Schwitzen.

"Die Unterrichtseinheiten zum Thema energieeffizientes Bauen sowie die dazugehörigen Demonstrationsobjekte wurden gemeinsam mit der Berufsschule G 19, der Universität Hamburg und der Technischen Universität Hamburg Harburg entwickelt", erklärte Torsten Rendtel, Geschäftsführer des ABZ. Bundesweit gibt es eine Reihe von überbetrieblichen Ausbildungszentren in Bauhauptgewerbe, die auf den steigenden Bedarf an Bauökologie reagieren und sich dem Thema Nachhaltigkeit in der Ausbildung widmen. Dr. Andreas Müller vom Kompetenzzentrum Bau und Energie der Handwerkskammer Münster wies darauf hin, dass sich die Lehrgänge in der Regel an Facharbeiter richten. Hier gilt es, die Angebote auch in die Erstausbildung zu integrieren. Die gemeinsame Qualifikation von Facharbeitern und Auszubildenden in einem Weiterbildungslehrgang ist eine Möglichkeit der praktischen Umsetzung.

Die Vertreter der Tischler-Innung sowie der Innung Sanitär Heizung Klempner aus Hamburg brachten den Aspekt der gewerkeübergreifenden Qualifizierung ein. Facharbeiter müssen das System Gebäude begreifen und entsprechend handeln können. Die gewerkeübergreifende Kommunikation auf der Baustelle sollten sie bereits in der Ausbildung lernen. "Das viel zitierte Beispiel des Elektrikers, der Löcher für seine Leitungen in die isolierte Wand bohrt, darf es in der Praxis nicht mehr geben", sagte Olaf Kramer von der Elektro-Innung.

Die Diskussionsbeiträge machen deutlich, dass es im Bereich der Baubiologie zwar zahlreiche Lehrgänge und Lerneinheiten zur Nachhaltigkeit gibt, diese jedoch nur selten gewerkeübergeifende Qualifikationen vermitteln. Einig waren sich die Teilnehmenden, dass die Ausbildungsrahmenpläne ausreichend Gestaltungsspielräume bieten. Woran es mangelt, seien Qualitätsmerkmale für Zusatzqualifikationen. Bei aller Notwendigkeit von Zusatzqualifikationen wurde aber auch darauf hingewiesen, Betriebe nicht zu überfordern. Überbetriebliche Lehrgänge kosten Geld und schmälern die Zeit der Auszubildenden in der betrieblichen Praxis. Wichtig ist es daher, dass die Bedürfnisse der Betriebe in die Angebote einfließen.
Zustimmung fand der Vorschlag, Leistungskurse für stärkere Jugendliche einzurichten, die sich innerhalb der Regelausbildungszeit absolvieren können. Bei der Anrechnung auf die Meisterausbildung oder gar auf einen Bachelor-Studiengang würde die Facharbeiterausbildung auch für Jugendliche mit sehr guten Schulabschlüssen attraktiver. Voraussetzung ist jedoch, dass die Kompetenzen durch die Kammer zertifiziert werden.

Und wo bleiben die Schwächeren? "Viele Ausbildungsplätze bleiben unbesetzt, da diese Jugendlichen den Anforderungen der normalen Ausbildung nicht entsprechen", berichtet Katrin Bergmann, Ausbildungsberaterin der Handwerkskammer Hamburg. Hier können Berufsorientierung und Berufsvorbereitung helfen. Prof. Kuhlmeier von der Universität Hamburg regte an, die durch das Konjunkturprogramm II geförderte energetische Sanierung von Schulen zu nutzen. Jugendliche können durch Praktika und Unterricht auf der "Baustelle Schule" Bauhaupt- und Baunebenberufe kennen lernen und Einblicke in die Grundregeln des energieeffizienten Bauens erhalten. Ein weiteres Beispiel kam aus dem Odenwald: Hier plant ein Bioenergiedorf eine Berufsvorbereitung, die Jugendliche in der Baubiologie und der regenerativen Energie auf die Ausbildung vorbereitet. Die anschließende Ausbildung in ortsansässigen Betrieben wird durch überbetriebliche Lehrgänge ergänzt. Diese Zusatzqualifikationen werden auch für die Ausbilder in den Betrieben angeboten, damit sie ihrem Wissen den Auszubildenden nicht hinterherhinken.

Katharina Kanschat von der Programmstelle JOBSTARTER wies darauf hin, dass auch in der fünften Förderrunde die Verzahnung von Aus- und Weiterbildung und die Erprobung von branchenspezifischen Zusatzqualifikationen Schwerpunikte des Programms sein werden. Die Schnittstellen zwischen Ausbildungsstrukturentwicklung im energieeffizienten Bauen und Förderung von ökologischen Projekten zeigte Dr. Haiko Pieplow vom Umweltministerium auf. Hier sind die regionalen Akteure gefordert, die einzelnen Programme kreativ für ihre Vorhaben zu nutzen und auf regionaler Ebene Synergieeffekte herzustellen.

Zum Schluss die JOBSTARTER-Frage: Wie schaffen diese Zusatzangebote neue Ausbildungsplätze? Die Erfahrungen des Hamburger Ausbildungszentrums zeigen, dass nur Betriebe, die Qualität liefern, konkurrenzfähig sind und über das Potenzial für neue und zusätzliche Ausbildungsplätze verfügen. Die Lehrgänge im Bereich des engerieeffizienten Bauens müssen so gestaltet werden, dass es für Betriebe attraktiv ist, ihre Auszubildende dorthin zu schicken. Die Verbände und Innungen können durch Informationsangebote viel zur Motivation ihrer Mitglieder beitragen.

Das Werkstattgespräch in Hamburg war das erste von vier Veranstaltungen, die die JOBSTARTER-Regionalbüros zum Thema regeneratie Energien und energieeffizientes Bauen durchführen. Ein weiteres wird vom 7. bis 8. Juli 2009 im hessischen Bioenergiedorf Rai-Breitenbach stattfinden.

Auf der Schweriner Fachtagung "Umwelttechnologie / Erneruerbare Energie - Fachkräfte für die Zukunft" im Herbst 2008 wurden im Forum 2 folgende Herausforderungen an die Berufsbildung formuliert:

  • Implementierung des Themas Nachhaltigkeit in der Berufsausbildung - von der Berufsvorbereitung bis zur Hochschulbildung unter Einschluss der Qualifizierung von Ausbilderinnen und Ausbildern;
  • Bestandsaufnahme der Weiterbildungsangebote und Zusatzqualifikationen unter den Gesichtspunkten Qualitätsmerkmale und Zertifizierung;
  • Übernahme von Weiterbildungskonzepten in die Berufsausbildung und die Entwicklung von gewerkeübergreifenden Curricula;
  • Berufemarketing unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit und unter Gender-Aspekten.

Autorin: Evelyn Borsdorf

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