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Projektbeispiel zum Thema "Migrantenbetriebe" (Auszug aus der Broschüre "JOBSTARTER - Regionale Impulse für Ausbildung")
Wer denkt bei ABBA nicht an Agnetha, Benny, Björn und Anni-Frid, die Kultband der Siebzigerjahre aus Schweden? Beim JOBSTARTER-Projekt mit der leicht abweichenden Schreibweise ABba indes bedeutet die Abkürzung: "Ausländische Betriebe bilden aus." Und zwar im Großraum Stuttgart. Dort haben sich die Caritas und die Industrie- und Handelskammer (IHK) zusammengeschlossen, um Betriebe von Unternehmerinnen und Unternehmern mit Migrationshintergrund zukunftssicherer zu machen. Das Ergebnis: fast 140 zusätzliche Ausbildungsplätze und weitere Praktikumsstellen. Projektleiter Bernd Kroll erläutert: "ABba war so etwas wie ein Impulsgeber. Durch intensive Aufklärungsarbeit ist es uns gelungen, den Betrieben deutlich zu machen, dass sie die Voraussetzungen erfüllen und nach Zulassung durch die Kammer ausbilden dürfen."
Das Arbeitsmarktsegment, das sich IHK und Caritas herausgepickt haben, ist bedeutend: In Stuttgart und Umgebung gibt es etwa 8.500 IHK-Betriebe, deren Besitzer Migranten sind - vom Dönergrill bis zum Dienstleistungsunternehmen, zumeist klein oder mittelständisch. Doch nur etwa 1.200 bilden selber aus. Oft sind mangelnde Kenntnisse des Ausbildungssystems, Sprachprobleme oder kulturelle Barrieren dafür verantwortlich. Diesen Betrieben fehlen später Fachkräfte zur Zukunftssicherung.
Dabei werden junge Fachkräfte in der boomenden Region dringend benötigt. IHK-Hauptgeschäftsführer Andreas Richter erklärt die beiderseitigen Vorteile von ausländischen Unternehmen und Auszubildenden: "Als Hochtechnologiestandort können wir es uns nicht leisten, das Potenzial dieser Menschen brachliegen zu lassen. Und was könnte junge Menschen besser in die Gesellschaft integrieren als eine zwei- oder dreijährige Ausbildung im Betrieb. Die Chance, anschließend eine Beschäftigung zu finden, verbessert sich dadurch erheblich."
ABba spricht vor allem kleinere Betriebe an. Bei deren Beratung können die Projektmitarbeiterinnen und -mitarbeiter ihr ganzes Wissen über den Unterstützungsbedarf ausspielen: von Überlegungen, welcher Beruf am besten in den Betrieb passt, bis hin zu Ausbilderkursen, die von einem Muttersprachler begleitet werden. Für ABba wurden die Netzwerke von IHK und Caritas miteinander verknüpft. Oft erwies sich die ausländische Herkunft von Jugendlichen als Vorteil: Unternehmen profitieren davon, dass ihre Mitarbeiter die Sprache ihrer Geschäftspartner im Ausland sprechen.
Seit Anfang 2009 gibt es mit ABba Plus ein neues JOBSTARTER-Projekt: Zusätzlich zur Erweiterung der Zielregion sollen ehrenamtliche Paten für Unternehmer und Jugendliche helfen, Ausbildungsabbrüche zu vermeiden. Es sollen innerhalb von drei Jahren 90 Ausbildungsplätze bei Unternehmern mit Migrationshintergrund geschaffen werden. Unterstützung erhalten sie dabei von ABba Plus.
Es ist ein kleiner Familienbetrieb mit viel Herz: Die Italienerin Veronica Ambrosio führt die Stuttgarter Modeboutique ihrer Mutter in der Tübinger Straße - mit einer Begeisterung, die schon am Telefon ansteckend wirkt. Nadja Diliberto, ebenfalls aus Italien, ist dort Auszubildende. Sogar schon zum zweiten Mal. Zunächst hatte die junge Frau alles ins Rollen gebracht mit ihrer Anfrage, ob Ambrosio sie nicht zur Verkäuferin ausbilden könne.
"Ich selbst habe das Verkaufen bei einem Großunternehmen mit vielen Abteilungen gelernt. Deshalb hielt ich es zunächst gar nicht für möglich, dass ich als Einzelne überhaupt ausbilden darf", erinnert sich die heutige Vorgesetzte. Aber weil in der Tübinger Straße mit ihren vielen ausländischen Kleinbetrieben schon einige das ABba-Projekt genutzt hatten, wusste sie, an wen sie sich wenden musste: an Muhammet Karatas von der IHK.
ABba-Projektbetreuer Karatas, selbst mit Migrationshintergrund, kennt die Probleme der ausländischen Betriebe in der Landeshauptstadt. "Er kam gleich mehrmals mit Rat und Hilfe vorbei, gewann einen guten Eindruck vom Betrieb und lud mich zu einem einwöchigen Ausbilderpraxisseminar ein", so Ambrosio. Dort lernte sie viel über das duale deutsche Ausbildungssystem, das Aufsetzen von Arbeitsverträgen und die Auswahl passender Ausbildungsbewerberinnen und -bewerber. Kurzum: Nadja wurde eingestellt und schaffte nach zwei Jahren die Prüfung zur Verkäuferin. Inzwischen geht sie zum zweiten Mal bei Ambrosio in die Lehre: noch einmal ein Jahr lang, bis zur Anerkennung als Einzelhandelskauffrau. Und zum zweiten Mal wird die Ausbilderin mit ihrer ansteckenden Begeisterung für Mode auch in der spannenden Phase mit ihrem Schützling fiebern, wenn es dem Finale entgegengeht: "Vor Prüfungen denkt man schon: Oh Gott, habe ich ihr jetzt alles Wichtige beigebracht?" Dabei kann Veronica Ambrosio im Grunde ganz beruhigt sein. Denn was Nadja kann, hat sie in der Vergangenheit mehr als einmal unter Beweis gestellt.
Autor: Oliver Driesen

2009, 36 Seiten
Bestell-Nr.: 30460
Download [PDF - 2,73 MB] (URL: http://www.bmbf.de/pub/jobstarter_regionale_impulse_fuer_ausbildung.pdf)
Hier finden Sie die lieferbaren Materialien.
(URL: http://www.bmbf.de/publikationen/)