Good Practice

Projektbeispiel zum Thema "Stiftungen" (Auszug aus der Broschüre "JOBSTARTER - Regionale Impulse für Ausbildung")

Traumjob trotz Schulproblemen

"Strahlemann-Stiftung": Wie eine Initiative für mehr Ausbildung sich professionalisierte - und ein Ausbildungslotse mit Hingabe auch "schwierige Fälle" vermittelt

Die Berufsbezeichnung von Andreas Link ist ebenso ungewöhnlich wie sein beruflicher Werdegang: Ausbildungslotse. Link weiß, wie es sich anfühlt, eine Ausbildung abzubrechen. Denn das hat er in jungen Jahren selbst schon mal getan - bevor er dann eine Banklehre abschloss, Theologie studierte und nach einem weiteren Studium psychologischer Berater wurde. Als einer von zwei Ausbildungslotsen bei der Strahlemann-Stiftung wird Link im Jahr 2009 zum Geschäftsführer aufsteigen. Er vermittelt zwischen ausbildungsbereiten Betrieben und Jugendlichen, die zwar ausbildungswillig sind, aber Schwierigkeiten beim Berufsstart haben. Teils haben sie schon Hunderte von Absagen kassiert - mit entsprechenden Folgen für das Selbstbewusstsein. Doch häufig führen Links Vermittlungsbemühungen zu existenziellen Erfolgserlebnissen: "Einer Schülerin mit Migrationshintergrund konnte ich neulich über ein Praktikum einen Ausbildungsplatz als Zahnarzthelferin beschaffen. Es war ihr Traumjob."

Die Strahlemann-Stiftung mit Sitz im hessischen Heppenheim gibt es seit August 2008. Gegründet wurde sie im Umfeld des Vereins "Zukunft für Kinder" und seiner Initiative "Jobs für Jugendliche". Es war einfach die logische Konsequenz, nachdem die höchst erfolgreiche Initiative im Raum Odenwaldkreis/ Bergstraße und auch bundesweit immer bekannter wurde. Die Arbeit war ehrenamtlich nicht mehr zu schaffen. Mit Fördermitteln des JOBSTARTER- Programms konnte sich der inzwischen über 200 Mitglieder starke Verein um die beiden Unternehmer Franz-Josef Fischer und Herbert Feldkamp professionalisieren. Die beiden Ausbildungslotsen sind bei Strahlemann fest angestellt.

Die Initiative arbeitet in zwei Richtungen: Einerseits besuchen ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Abschlussklassen der Haupt- und Realschulen. "Ausbildungspaten" begleiten die Jugendlichen das ganze Bewerbungsprogramm hindurch bis in die Zeit nach Antritt der Stelle. Andererseits zielt die Strahlemann-Initiative auch auf die Betriebe. Gegenüber nordhessischen Unternehmen, aber neuerdings auch bis nach München oder ins Emsland hinein werben die "Strahlemänner" mit Hingabe für ihre jungen Schützlinge. Sie beraten die meist kleinen und mittelständischen Betriebe aber auch bei allen praktischen Fragen rund um Ausbildung: Welcher Ausbildungsbedarf besteht? Gibt es Fördermöglichkeiten? Wie sollte die Stellenbeschreibung aussehen?

Die Bilanz ist außergewöhnlich: Schon über 400 Schülerinnen und Schüler wurden beim Übergang in den Beruf erfolgreich beraten. Stiftungsmitbegründer Fischer ist geschäftsführender Gesellschafter des Reichelsheimer Elektroherstellers und -versenders Jäger Direkt. Er beschäftigt in seiner 170 Leute starken Belegschaft allein 38 Auszubildende, darunter rund ein Viertel von Strahlemann vermittelte Azubis. Die allermeisten werden übernommen, nicht wenige machen bei ihm Karriere. Die inzwischen mehrfach preisgekrönte Initiative, aus der heraus die Stiftung gegründet wurde, hat in Unternehmerkreisen viele Vorurteile über "ausbildungsunfähige" Problemjugendliche beseitigt. Und vielen Mittelständlern wertvolle Fachkräfte aus "eigener Produktion" beschert.

 

"Sie merken, dass sie Talente haben"

Der Unternehmer und "Strahlemann"-Stiftungsgründer Franz-Josef Fischer über den unerschütterlichen Glauben an das kreative Potenzial junger Menschen


Unternehmer klagen heute oft über "mangelnde Ausbildungsfähigkeit" bestimmter Jugendlicher...

... was wir als Stiftung ganz schnell widerlegen können! Und ich merke auch in der eigenen Firma, was in solchen Menschen steckt, wenn man sie nach ihren Talenten fördert.

Bilden Sie im eigenen Unternehmen Jugendliche mit schwierigen Hintergründen wirklich aus, um sie auch danach zu behalten?

Aus wirtschaftlichen Gründen ist es für uns ein Muss, diese für das eigene Unternehmen auszubilden. Nehmen Sie unsere allererste Strahlemann-"Azubine", Sandra Sagona. Sie hat ihre Ausbildung 2006 abgeschlossen und ist heute Regionalleiterin Vertrieb Nord. Darin ist sie sehr erfolgreich.

Was bewirkt in jungen Menschen nach Rückschlägen eine solche Leistungsexplosion?

In der Obhut der Strahlemann-Stiftung mit ihren Ausbildungspaten und Beratungsgesprächen merken sie am positiven Feedback: "Hey, ich habe ja eigene Talente, daraus kann ich etwas machen!" Das ist für viele eine ganz neue, befreiende Erkenntnis.

Dennoch dürfte es auch Konfrontationen geben.

Natürlich. Denen, die über Kurzpraktika zu uns kommen, geben wir nur eine Chance, sich zu bewähren. Wer etwa mehrmals zu spät kommt oder sich nicht abmeldet, muss mit Konsequenzen rechnen. Wir dulden auch kein radikales Verhalten, weder kulturell noch politisch. Aber wenn man ehrlich und offen mit den jungen Leuten ist, werden selbst Krisen noch rechtzeitig gemeinsam gemeistert.

Autor: Oliver Driesen

Publikationen

  • JOBSTARTER - Regionale Impulse für Ausbildung

    Titelbild der Publikation

    2009, 36 Seiten
    Bestell-Nr.: 30460

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    Download [PDF - 2,73 MB] (URL: http://www.bmbf.de/pub/jobstarter_regionale_impulse_fuer_ausbildung.pdf)

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(URL: http://www.bmbf.de/publikationen/)

Ansprechpartner

  • Zukunft für Kinder e.V.

    • Strahlemann-Stiftung
    • Projektleiter Andreas Link
    • Wilhelmstraße 5
    • 64646 Heppenheim
    • Telefonnummer: 06252 67096021
    • E-Mail-Adresse:
    • Homepage: www.strahlemann-initiative.de
 

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