Good Practice

Projektbeispiel zum Thema "Verbundausbildung" (Auszug aus der Broschüre "JOBSTARTER - Regionale Impulse für Ausbildung")

Gut geteilt ist halb gewonnen

"AusbildungsServiceCenter" Rostock: Wie kleinere Unternehmen eigenen Fachkräftenachwuchs heranziehen können, indem sie das Instrument der Verbundausbildung nutzen

Die Region Rostock lebt nicht nur vom Schiffbau, sondern auch vom Tourismus. Da sind viele Berufe gefragt, besonders in Hotellerie und Gastronomie. Hauswirtschafter etwa gehören zu den Berufsgruppen, die viele unterschiedliche Aufgaben beherrschen müssen: vom Kochen über Reinigungsarbeiten bis hin zur Finanzbuchhaltung. Doch was tut eine Familienpension oder eine kleine Kurklinik, die sich die Ausbildung alleine nicht zutraut oder leisten kann? "Sie lässt sich von uns über einen Ausbildungsverbund beraten und dann bestimmte Ausbildungsinhalte vom Bildungsdienstleister umsetzen", sagt Hartmut Lehmann, JOBSTARTER-Projektkoordinator bei der Rostocker Aus- und Fortbildungszentrum Schifffahrt und Hafen GmbH (AFZ).

Anhand der Hauswirtschaftsausbildung wird deutlich, wie das AFZ mit seinem AusbildungsServiceCenter kleinen und mittleren Unternehmen zu eigenem Fachkräftenachwuchs verhilft. "Die Unter nehmen teilen sich in diesem Fall einen Ausbilder oder eine Ausbilderin, der bzw. die durch das AFZ gestellt wird", sagt Lehmann. "Wenn zum Beispiel die kleine Familienpension die Wäschepflege nicht selbst vermitteln kann, schickt sie die Azubis für diesen Abschnitt zum AFZ. Wir bilden parallel Hauswirtschafterinnen und Hauswirtschafter außerbetrieblich aus und sind mit allem ausgestattet, was dafür notwendig ist." Neun betriebliche Hauswirtschaft- Azubis begleitet das AFZ zurzeit im Auftrag von Unternehmen.

Erfolgreiche Ausbildungsverbünde hat das AFZ auch in der Metallindustrie eingerichtet, wie das Beispiel "Konstruktionsmechaniker" auf der nächsten Seite zeigt. Zwar kamen zwei andere Verbünde mangels Nachfrage nicht zustande, nämlich für die neuen Berufsbilder "Sport- und Fitnesskaufmann/ -frau" sowie "Fachkraft für Küchen-, Möbel- und Umzugsservice". Doch insgesamt hat das AFZ mit Maßnahmen der Ausbildungsförderung seit April 2006 gute Ergebnisse erzielt. Bis Ende 2007 schufen und besetzten die Rostocker mit ihrem ersten JOBSTARTER-Projekt Regio-Service-Center Ausbildung - unter anderem mit dem Instrument der Verbundausbildung - 117 zusätzliche Lehrstellen in der Region. Im Januar 2008 startete mit dem AusbildungsServiceCenter nun das zweite JOBSTARTERProjekt. Geplant ist, bis Ende 2009 noch 82 weitere Ausbildungsplätze zu schaffen. "Und weil wir im vergangenen Jahr schon 54 geschafft haben", so Lehmann, "sind wir sehr zuversichtlich."

Beispiel 1: Hauswirtschafterin

Zeitersparnis durch Verbundausbildung in der Friedrich-Petersen-Klinik

"Hauswirtschafterinnen sind Managerinnen im Kleinen." Karola Winkel muss es wissen, denn sie bildet Hauswirtschafterinnen aus. An der Rostocker Friedrich-Petersen-Klinik, einer kleinen Reha-Einrichtung mit 80 Betten für Suchtkranke, betreut die gelernte Diätassistentin zurzeit ihre erste Auszubildende. "Sie lernt bei mir die Arbeit in der Küche, der Finanzbuchhaltung, der Reinigung, den Umgang mit Patienten - manchmal von allem etwas an einem Tag." Langeweile kommt also nicht auf, auch weil Winkel die angehende Hauswirtschafterin mit dem Bildungsdienstleister AFZ "teilt". Im Rahmen der Verbundausbildung wird die junge Frau dort wochenweise unterwiesen und trainiert - zum Beispiel in Grundlagen der Schnitttechnik, wichtig für viele Tätigkeiten in der Küche. "So spare ich viel Zeit", sagt Winkel, die dafür mit der 19-Jährigen das Gelernte umso intensiver in der Praxis verfestigen kann. Angestellt ist die Auszubildende wie ihre Chefin bei einem Dienstleister, der die Hauswirtschaft in der Einrichtung betreibt. Ohne die Entlastung durch das AusbildungsServiceCenter hätte der Dienstleister die Lehrstelle mit seinen begrenzten Ressourcen nicht eingerichtet.

Beispiel 2: Konstruktionsmechaniker

Wechselseitige Vorteile durch Azubi-Austausch bei der Warnow-Metall GmbH

Veit Unterspann kennt viele gute Gründe, Azubis im Verbund auszubilden. "Wir als Unternehmen haben auch eine gesellschaftliche Verantwortung, jungen Menschen den Berufseinstieg zu ermöglichen", sagt der geschäftsführende Gesellschafter der Rostocker Warnow-Metall GmbH. Doch es sind vor allem betriebswirtschaftliche Argumente, die aus seiner Sicht für die Verbundausbildung sprechen. Bei dem Hersteller von Türen, Fenstern und Fassaden aus Aluminium werden etwa angehende Konstruktionsmechaniker beschäftigt. Das sind die Allrounder im Metallbau, die vom Fräsen über das Drehen oder Gewindeschneiden bis hin zu Montage oder Polieren alle möglichen Techniken beherrschen sollten. "Ich habe hier aber keine Dreh- und Fräsmaschinen", so Unterspann, "deshalb schicke ich sie für diesen Ausbildungsabschnitt in das AFZ." Umgekehrt bekommt die Warnow-Metall vom AFZ regelmäßig Azubis, die ihre Fähigkeiten in einem Praktikum festigen. Der Ausbildungsverbund und die daraus entstandene Kooperation sind eine klassische "Win-win-Situation": Vorteile bringt sie beiden Seiten.

Autor: Oliver Driesen

Publikationen

  • JOBSTARTER - Regionale Impulse für Ausbildung

    Titelbild der Publikation

    2009, 36 Seiten
    Bestell-Nr.: 30460

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