Good Practice

Projektbeispiel zum Thema "Europäische Ausbildungskooperationen" (Auszug aus der Broschüre "JOBSTARTER - Regionale Impulse für Ausbildung")

Ausblicke hinter den Horizont

"Initiative Grenzregion Ostsachsen": Wie Jugendliche aus der Oberlausitz eine Perspektive in den Trendbranchen Tourismus und Gesundheit erhielten - Auslandserfahrung inklusive

Andere Länder, andere Sitten: Beim Auslandspraktikum in einer Klinik im oberösterreichischen Wels lernte die angehende Pflegerin Anna Margajtis aus Bautzen die "Gangbetten" kennen: "Wenn ein Patient unbedingt auf eine Station möchte, die jedoch momentan überfüllt ist, dann muss er zunächst mit einem Bett auf dem Gang vorliebnehmen. Mir war das ziemlich unangenehm." Für sich selbst hingegen empfand die Auszubildende die Berufseinblicke im Nachbarland als sehr bereichernd, denn das Klinikpersonal und die österreichischen Azubi-Kolleginnen und -Kollegen nahmen sie mit offenen Armen auf. Am Ende erhielt jeder aus der Gruppe von zwölf deutschen Pflege-Azubis einen "Europass" als Qualifikationsnachweis.

Eine Schlüsselrolle beim Zustandekommen des Auslandspraktikums spielte das JOBSTARTER-Projekt InGO - Initiative Grenzregion Ostsachsen. Von Mai 2006 an brachte die inzwischen beendete Initiative frischen Wind in das strukturschwache Gebiet der Oberlausitz. Die Region leidet unter Jobmangel; zugleich schwinden die Zukunftsperspektiven der Unternehmen, da viele Jugendliche wegziehen. Welche Strategie kann diesem problematischen Raum neue Impulse geben?

Die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di und ihre Projektpartner - die Bildungsvereinigung Arbeit und Leben Sachsen e.V. und die Dresdner Verkehrsbetriebe - haben auf das Konzept mit dem größten Potenzial gesetzt: die Oberlausitz als aufstrebende Gesundheits-, Wellness- und Tourismusregion. Der Beitritt Polens und Tschechiens zur EU eröffnet dem Ausbildungsmarkt neue Horizonte: Die Grenzregion begriffen die Projektpartner als Knotenpunkt für erholungswillige Menschen im mitteleuropäischen Kernland. In der Hotellerie, im öffentlichen Nahverkehr und im Gesundheitssektor sollten zusätzliche Ausbildungsplätze entstehen - durch  InGO mit seinem Netzwerk aus Politik, Unternehmen und Verbänden.

Um die Angebote für Schulabgängerinnen und Schulabgänger attraktiver zu machen, braucht es besondere Anreize. "Da kam der Gedanke, die Auszubildenden Auslandserfahrungen machen zu lassen", sagt Ingo Tolle von Arbeit und Leben Sachsen e.V.: "Wenn sie da drei Wochen auf sich selbst gestellt sind, dann wachsen sie glatt noch drei Zentimeter."

Durch ver.di-Kontakte wurde daraufhin das Klinikum in Wels gewonnen und ein Azubi-Austausch mit dem Pendant in der Oberlausitz vereinbart. Zur Finanzierung des Aufenthalts einschließlich der Reisekosten hatte InGO Gelder beim EU-Förderprogramm Leonardo da Vinci beantragt. Beide Kliniken setzen den Austausch auch über das Ende von InGO hinaus fort. Die JOBSTARTER-Initiative sieht Projektleiterin Heiderose Förster von ver.di als großen Erfolg: "102 besetzte Ausbildungsplätze, davon 94 zusätzlich. Das ist für eine Region, in der duale Ausbildungsplätze nur begrenzt zur Verfügung stehen, ein überaus positives Ergebnis."

 

"Ich möchte in der Oberlausitz bleiben"

Robert Katzer (22) aus Bautzen, in der Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger, über das österreichische Gesundheitssystem und die Chancen in der Heimat

Wie kamen Sie auf das Berufsziel Gesundheits- und Krankenpfleger?
Ich habe meinen Zivildienst auf einer Unfallchirurgiestation im Krankenhaus geleistet, das hat mir sehr viel Spaß gemacht. Ich habe dort damals sogar verlängert, weil man mich noch weiter beschäftigen wollte.

Hätten Sie sich bei Ausbildungsbeginn vorgestellt, dass Sie einige Wochen davon im Ausland zubringen würden?
Nein, ich war positiv überrascht, als ich Mitte des zweiten Lehrjahrs von der Möglichkeit erfuhr. Unsere Ausbilder erzählten uns davon, nachdem sie sich vorab schon in Österreich umgesehen hatten. Ermöglicht wurde es durch das europäische Programm Leonardo da Vinci und die Initiative Grenzregion Ostsachsen. Insgesamt reisten wir zu zwölft nach Österreich.

Was funktioniert in österreichischen Kliniken anders als in Deutschland?
Man merkt schon, dass es zwei unterschiedliche Gesundheitssysteme sind. Es gab mehr Pflegekräfte auf den Stationen als in Deutschland. Technisch war alles sehr modern: Patienten konnten ihren Laptop mitbringen und vom Bett aus das Internet nutzen. Aber die Klinik war auch vielleicht doppelt so groß wie unsere in Bautzen.

Wie geht es für Sie nach Ihrer Ausbildung weiter?
Ich werde Ende August fertig. Wenn ich übernommen werde, will ich erst einmal eine Weile arbeiten und mich dann noch weiterqualifizieren, zum Beispiel durch ein Studium im medizinisch- pflegerischen Bereich. Aber zunächst ist es für mich nicht das vordringliche Ziel, irgendwo in den Westen zu gehen. Ich würde gerne in der Oberlausitz bleiben.

Ansprechpartner

  • Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft ver.di

    • Bezirk Ostsachsen
    • Heiderose Förster
    • Goschwitzstraße 16
    • 02625 Bautzen
    • Telefonnummer: 03591 5050-35
    • E-Mail-Adresse:

Publikationen

  • JOBSTARTER - Regionale Impulse für Ausbildung ID = 1046

    Titelbild der Publikation

    2009, 36 Seiten
    Bestell-Nr.: 30460

    Kostenlos bestellen

    Download [PDF - 2,73 MB] (URL: http://www.bmbf.de/pub/jobstarter_regionale_impulse_fuer_ausbildung.pdf)

Hier finden Sie die lieferbaren Materialien.
(URL: http://www.bmbf.de/publikationen/)

 

Förderung/Durchführung

Europäische Union

Programmdurchführung:

Logo des Bundesinstituts für Berufsbildung

JOBSTARTER wird gefördert aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung und aus dem Europäischen Sozialfonds der Europäischen Union.