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Projektbeispiel zum Thema "Teilzeitausbildung" (Auszug aus der Broschüre "JOBSTARTER - Regionale Impulse für Ausbildung")
Beim Versuch, in Bamberg und Umgebung das noch recht unbekannte Modell des Teilzeit-Azubis einzuführen, stieß Susanne Birtel schnell auf Widerstände: "Wir waren anfangs enttäuscht, dass gerade Großunternehmen oft sehr starre Ausbildungspläne haben, mit denen sich Teilzeit nur sehr schwer vereinbaren lässt", sagt die Expertin des Beruflichen Fortbildungszentrums der bayerischen Wirtschaft (bfz). Dabei war die Grundidee des JOBSTARTER-Projekts TAU - Teilzeitausbildung für junge Väter und Mütter sehr einleuchtend: Diese Gruppe braucht flexiblere Möglichkeiten, ihre Elternpflichten mit einer Berufsausbildung zu vereinbaren - zum Nutzen für alle Beteiligten.
Denn auch Unternehmen profitieren davon, junge Nachwuchskräfte nur vier oder sechs Stunden pro Tag statt ganztägig auszubilden: Es erhöht die Flexibilität und Motivation der Teilzeit-Azubis, und dem Arbeitgeber bringt es einen Image-Gewinn. Seit April 2005 gibt es die Möglichkeit der Teilzeitausbildung daher ganz offiziell im Berufsbildungsgesetz.
Doch bei ihren Gesprächen in fränkischen Betrieben musste das Projektteam dicke Bretter bohren: "Oft passte das Modell nur schwer zu Schichtdienstplänen. Und manche Chefs befürchteten, dass Teilzeit-Azubis Unruhe in die Belegschaft bringen: Die bekämen eine Extrawurst gebraten, heiße es dann", sagt Susanne Birtel. So dauerte es eine Weile, bis TAU schließlich doch überzeugende Erfolge erzielte.
Während der inzwischen abgelaufenen Projektlaufzeit ließen sich 79 Unternehmen als ausbildungsbereit in eine regionale TAU-Datenbank aufnehmen, 25 von ihnen schufen auch tatsächlich insgesamt 34 zusätzliche Ausbildungsplätze in Teilzeit. Ein Möbelhaus in der Nähe Bambergs richtete gleich fünf Plätze ein. Und von diesen fünf wurde einer mit einer wirklichen Rarität besetzt: mit dem einzigen jungen Vater unter lauter Müttern, die das Projekt TAU in eine Teilzeitausbildung vermittelte.
Wie sieht Ihr Tagesablauf aus?
Ich arbeite fünf Tage die Woche jeweils sechs Stunden. Was für mich neben der Ausbildung im Vordergrund steht, ist mein zweijähriger Sohn. Der soll versorgt sein und nicht den ganzen Tag in der Kita bleiben müssen. So kann ich ihn nach sechs Stunden abholen. Die Kita ist hier im selben Ort, zwei Minuten vom Arbeitsplatz. Bis nach Hause sind es fünf Minuten.
Wie sind die Reaktionen auf Ihr Ausbildungsmodell?
Auf der Arbeit habe ich noch keine negativen Kommentare gehört. Ich mache mir Hoffnungen, im Konzern übernommen zu werden. Die Kolleginnen, darunter vier Teilzeitauszubildende, sind natürlich begeistert: "Endlich mal ein Papa, der sich kümmert!" Manche jungen Väter hingegen hätten wohl Angst, als Hausmann oder als Weichei zu gelten, wenn sie Teilzeit-Azubis würden. Viele stellen mir neugierige Fragen.
Wie funktioniert das Zusammenspiel mit dem Berufsschulunterricht?
Ich muss denselben Stoff lernen wie Vollzeit- Azubis auch. Die Berufsschule dauert für mich genauso lang wie für die anderen, das ist zurzeit ein voller Tag pro Woche. Nur die betriebliche Praxis ist weniger. Das ist natürlich ein Nachteil. Es ist schon so, dass ich mir ein wenig mehr Dampf mache als andere. Mir fehlen halt im Vergleich zehn Stunden die Woche, um die nötige Routine im Job zu bekommen.
Sie wirken aber insgesamt zufrieden mit diesem Modell?
Ja, und mein Chef hat wohl auch das Gefühl, den Richtigen eingestellt zu haben.
Autor: Oliver Driesen

2009, 36 Seiten
Bestell-Nr.: 30460
Download [PDF - 2,73 MB] (URL: http://www.bmbf.de/pub/jobstarter_regionale_impulse_fuer_ausbildung.pdf)
Hier finden Sie die lieferbaren Materialien.
(URL: http://www.bmbf.de/publikationen/)