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Service
Projektbeispiel zum Thema "Ausbildungsmarketing" (Auszug aus der Broschüre "JOBSTARTER - Regionale Impulse für Ausbildung")
Es ist nicht leicht, einen neuen Beruf einzuführen. Wer zusätzliche Ausbildungsplätze schaffen will, indem er bei Unternehmen und jungen Leuten für eine noch wenig bekannte Profession wirbt, lernt diese Lektion schnell. So wie die RAG Bildung GmbH, eine Tochter des RAG-Konzerns in Essen. Sie unterhält ein Schulungs- und Beratungszentrum im schicken neuen Designerumfeld der alten Zeche Zollverein. An den Computern dort lernen zehn RAG-eigene Auszubildende den neuen Beruf des Technischen Produktdesigners, 40 weitere Plätze wollen die Essener nach diesem Vorbild in anderen Unternehmen schaffen. RAG Bildung organisiert das JOBSTARTER-Projekt BIG-Ausbildungsoffensive Essen - wobei BIG für "bedarfsgerecht, innovativ, ganzheitlich" steht.
Bis 2007 gab es in ganz Deutschland erst rund 300 abgeschlossene Ausbildungsverträge für Technische Produktdesignerinnen und -designer. Dabei können die neuen Facharbeiter in vielen Branchen die Entwicklungsingenieure entlasten - flexibel einsetzbar von der Automobil- bis zur Luft- und Raumfahrtindustrie, vom Handwerk bis zum Maschinenund Schiffbau. Uwe Müller, Projektleiter bei der RAG Bildung GmbH, hat allerdings die Erfahrung gemacht, dass in vielen Unternehmen die Unkenntnis über den neuen Beruf groß ist: "Oft sagen uns Betriebe, sie würden doch gar kein Design machen, sondern Geräte oder Komponenten herstellen. Dann müssen wir erklären, dass das englische ,to design' vor allem technische Konstruktionsarbeit an neuen Produkten bezeichnet."
Mit Unterstützung bei der Bewerberauswahl und dem Angebot einer Verbundausbildung macht die RAG Bildung die Technischen Produktdesignerinnen und -designer vor allem bei Klein- und Mittelbetrieben bekannt. Derzeit existieren allerdings noch zu wenige Berufsschulen, die Klassen für Technische Produktdesigner einrichten. Wenn die Schulen zu weit entfernt sind, zögern Unternehmen, Azubis anzustellen und mehrmals wöchentlich dorthin auf die Reise zu schicken. Doch auf einige Erfolge kann die RAG Bildung durch ihre Netzwerkarbeit bereits verweisen: "Zu unseren Partnerberufsschulen in Köln und Mülheim an der Ruhr haben wir kürzlich Bielefeld hinzugewonnen", freut sich Müller. Ein Ansporn für ihn, die Werbetrommel noch lauter zu rühren.
Der Autozulieferer Grammer Automotive GmbH im rheinischen Langenfeld hat konsequent umgestellt: Seit 2006 werden an dem Entwicklungsstandort der international operierenden Grammer-Gruppe keine Technischen Zeichnerinnen und Zeichner mehr ausgebildet. "Wir konstruieren unsere Kopfstützen, Mittelarmlehnen oder Seitenpolster heute nur noch dreidimensional mit CAD-Programmen", sagt der Ausbildungsverantwortliche Wulf Schürer. "Das kam im Berufsbild des Technischen Zeichners nicht ausreichend vor."
Kurzerhand stellte Grammer Automotive die ersten beiden Azubis im Beruf des Technischen Produktdesigners ein - im "Ausbildungsverbund": Bei der RAG Bildung in Essen durchliefen seine beiden Schützlinge ein Grundausbildungsmodul, für das bei Grammer nicht die richtige Software vorhanden war. In Kürze werden die beiden nun fertig mit der dreijährigen Lehre. "Sie waren und sind mit Leib und Seele dabei", sagt Schürer. Die Azubis wurden inzwischen zu "Künstlern des Unsichtbaren", denn die Autohersteller geben das Oberflächenstyling der meist mit Leder oder Stoff überzogenen Komponenten bereits vor. Was die Produktdesigner des Zulieferers dann konstruieren und optimieren, sind Tragstrukturen, Systemkomponenten und Komfortbauteile. "Ob sportlich, nüchtern oder feudal: Die Charakterunterschiede zwischen den Automarken machen sich oft an diesen verborgenen Teilen fest", so der Ausbildungsleiter. Darin besteht die Herausforderung für seine Technischen Produktdesignerinnen und Produktdesigner.
An was für einem Werkstück arbeiten Sie aktuell?
Ich bin ja gerade erst ein paar Monate dabei. Im Moment befasse ich mich am Computer mit einem Gewirr von Rohren, die für die Kühlung eines Hochofens sorgen. Ich muss die richtigen Verlaufspfade festlegen.
Das klingt, als brauche man viel technisches Vorstellungsvermögen.
Es hilft, wenn man was von Mathe und Berechnen versteht. Ich habe einen Realschulabschluss, in Mathe war ich gutes Mittelmaß - das reicht.
Hatten Sie je die Vorstellung, als Technische Produktdesignerin schöne Dinge zu gestalten?
Nicht, nachdem ich mich ein wenig informiert hatte. Mir war schnell klar, dass es hier eher um Industriebedarf geht. Um Teile, deren Äußeres kaum jemanden begeistert. Nur in Ausnahmefällen hat das etwas mit Ästhetik zu tun.
War es für Sie ein Problem, dass es wenige Berufsschulen für dieses Berufsbild gibt?
Ich habe es ganz gut getroffen: Die Schule in Mülheim liegt nur rund 20 Kilometer von zuhause entfernt. Aber wir haben da auch Schüler, die zwei Tage die Woche 120 Kilometer weit aus Aachen anreisen müssen. Für die ist das nicht so lustig.
Autor: Oliver Driesen
Lesen Sie hier einen Erfahrungsbericht von Peter Albrecht vom JOBSTARTER-Regionalbüro Ost zum Ausbildungsmarketing für den neuen Beruf der FAMS "Fachangestellte/r für Markt- und Sozialforschung"

2009, 36 Seiten
Bestell-Nr.: 30460
Download [PDF - 2,73 MB] (URL: http://www.bmbf.de/pub/jobstarter_regionale_impulse_fuer_ausbildung.pdf)
Hier finden Sie die lieferbaren Materialien.
(URL: http://www.bmbf.de/publikationen/)