-
-
-
Marketing für FAMS (Ausgewählter Menüpunkt)
-
Lesen Sie hier einen Erfahrungsbericht von Peter Albrecht vom JOBSTARTER-Regionalbüro Ost zum Ausbildungsmarketing für den neuen Beruf der FAMS "Fachangestellte/r für Markt- und Sozialforschung"
Das JOBSTARTER-Regionalbüro Ost hat sich 2006 entschieden, den eigenen Nachwuchs auszubilden. Dafür sprachen viele Gründe, vieles war aber auch noch ungeklärt: Nach der grundsätzlichen Entscheidung für eine Ausbildung stellte sich die Frage nach dem passenden Berufsbild. Dabei fiel die Wahl recht schnell auf den ebenfalls im Jahr 2006 neu eingeführten Beruf "Fachangestellte/r für Markt- und Sozialforschung" (FAMS).
Nach einer groben Information über die Inhalte der Ausbildung kam natürlich die Frage: Können und dürfen wir das überhaupt?
Ein Anruf bei der zuständigen Stelle, der IHK Berlin, brachte schnell Klarheit und einen Termin mit dem Ausbildungsberater in unserem Büro. Die formalen Hürden sind in diesem Beruf nicht so hoch, da als Ausbilder und Ausbilderin alle Personen mit einem abgeschlossenen Hochschulstudium infrage kommen und der Arbeitsplatz mit einem Computer und entsprechender Software ausgestattet sein muss.
Der nächste Schritt war nun die Suche nach einer oder einem geeigneten Jugendlichen. Auch hierbei konnten wir auf die Unterstützung der IHK setzen und veröffentlichten ein entsprechendes Angebot in der Lehrstellenbörse auf den Internetseiten der IHK. Wir hatten Glück, und es meldeten sich motivierte junge Frauen, die sich eine solche Ausbildung vorstellen konnten. Nachdem zwei von ihnen ein jeweils zweitägiges Kurzpraktikum absolviert hatten, fiel unsere Wahl auf Julia Bansen.
Jetzt begann die nächste Stufe der Ausbildungsvorbereitung.
Da wäre zum einen die Berufsschulfrage. Zu unserer großen Überraschung gab es in Berlin noch gar keine Fachklasse. Wir mussten feststellen, dass wir das einzige Berliner Unternehmen waren, welches diesen neuen Beruf für sich entdeckt hatte (und das, obwohl das Berliner Oberstufenzentrum "Handel I" maßgeblich an der Entwicklung des Ausbildungsberufes beteiligt war).
Unsere Auszubildende müsste in eine andere Stadt fahren, um die Berufsschule besuchen zu können. Die nächste infrage kommende Berufsschule liegt in Hamburg. Auf einmal konnten wir Unternehmen verstehen, die einen weit entfernten Berufsschulstandort als ein gravierendes Ausbildungshemmnis benennen. Wir versuchten diese Option mit den Belastungen für die potenzielle Auszubildende und für uns als ausbildenden Betrieb "durchzuspielen", kamen aber schnell zu dem Entschluss, dass das nicht die Lösung war.
Daraufhin informierte uns der Ausbildungsberater der IHK über die Möglichkeit der "Einstiegsqualifizierung für Jugendliche"(EQJ). "Unsere Julia" erfüllte alle notwendigen Voraussetzungen, und da beide Seiten auch weiter an einer Ausbildung interessiert waren, schlossen wir einen entsprechenden Vertrag. Ein solcher Vertrag enthält Angaben zu den zu vermittelnden Inhalten und legt den zeitlichen Rahmen fest. Zum Abschluss gibt es ein Zertifikat, das gegebenenfalls dazu berechtigt, die Ausbildungszeit zu verkürzen. So weit sind wir aber noch nicht.
Nachdem wir die Entscheidung für EQJ getroffen hatten, stellte sich aber auch die Frage: Was wird im nächsten Jahr? Unser Ziel war klar: Wir wollten eine Klasse in einer Berliner Berufsschule. Mit diesem Ziel waren wir nicht allein. Die Berufsschule und die IHK hatten auch Interesse an einer Klasse für Berlin. Wir als JOBSTARTER-Regionalbüro sahen es auch als unsere Aufgabe an, Berufemarketing für diesen neuen Beruf zu betreiben. Gemeinsam mit den anderen Berliner JOBSTARTER-Projekten verständigten wir uns über das weitere Vorgehen. Besonders das Engagement von SPI-Consult sei an dieser Stelle hervorgehoben.
Es ging also darum, Informationen zu dem neuen Beruf möglichst weit zu verbreiten. Dabei nahm unsere Julia einen zentralen Platz ein, denn sie entwarf ein Handout zur kurzen Darstellung des Berufes und eine Präsentation. Da sie in ihrem Umfeld ständig mit der Frage konfrontiert wurde "Was lernst du denn da so?", entwickelte sie folgende Kurzbeschreibung:
Diese Kurzbeschreibung überzeugt. Sie zeigt, wie breit das Einsatzspektrum ist. Nun folgten viele Einzelgespräche mit Unternehmern und Ausbildungsverantwortlichen und die Vorbereitung von gemeinsamen Infoveranstaltungen. Adressen wurden zusammengetragen, Einladungen versandt, und eine gemeinsame Veranstaltung für Unternehmen wurde durchgeführt, um den Beruf aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu präsentieren.
Inzwischen haben 13 Unternehmen sich zur Ausbildung entschlossen, und 15 Auszubildende haben die Ausbildung begonnen. Interessant dabei ist das Spektrum der ausbildenden Betriebe. An erster Stelle sei dabei das Ferdinand-Braun-Institut genannt. Die Kollegen sind auch in einem JOBSTARTER-Projekt, dem Ausbildungsnetzwerk Hochtechnologie (siehe S. 9), aktiv. Auch sie haben sich für eine aktive Fachkräftesicherung entschieden und bereits eine erste, durchaus positive Rückmeldung zur eigenen Ausbildung gegeben. Neben fünf klassischen Markt- und Sozialforschungsunternehmen haben auch zwei Bezirksämter und einige Unternehmen FAMS eingestellt. Die Breite der ausbildenden Unternehmen lässt die Möglichkeiten für eine weitere Akquise erkennen. In Berlin sollen die Aktivitäten zur weiteren Ausbildung im Bereich der Markt- und Sozialforschung weitergeführt werden.
Die bisher aktiven Unternehmen, die IHK Berlin und die berufliche Schule, das Oberstufenzentrum (OSZ) "Handel I", haben mit der Zusammenarbeit begonnen. Ein erster Ausbilderstammtisch wurde vom OSZ durchgeführt, und der nächste ist bereits organisiert. Insgesamt ist der Ausbildungsprozess für die Arbeit des Regionalbüros Ost eine Bereicherung. Viele Abläufe lassen sich besser verstehen, und der Wert einer eigenen Ausbildung wird bereits sichtbar.
"Der Ausbildungsberuf Fachangestellte/r für Markt-und Sozialforschung ist sehr abwechslungs- und facettenreich.
Ich erarbeite und pflege Tabellen, Grafiken und Übersichten. Außerdem recherchiere ich Daten zu unterschiedlichen Themen und erstelle daraufhin Broschüren und Präsentationen, die ich betriebsintern sowie extern vorstelle. In der Berufsschule werden uns die theoretischen Grundlagen beispielsweise des Rechnungswesens, der Statistik und des Projektmanagements ergänzend vermittelt.
Auf dem Arbeitsmarkt haben wir sehr gute Chancen, da der Ausbildungsgang zu vielen organisatorischen, technischen und administrativen Tätigkeiten befähigt.
Nach der Ausbildung haben wir unzählige Möglichkeiten, uns weiterzuqualifizieren. Zum einen durch Fortbildungen, zum Beispiel im Bereich Marketing und Marktforschung oder Datenbanksysteme, oder zum anderen durch das Absolvieren von Studiengängen wie Betriebswirtschaft oder Sozialwissenschaften mit verschiedenen Spezialisierungen.
Voraussetzung für diese Ausbildung ist eine strukturierte und selbstständige Arbeitsweise, die von einem gewissen Maß an Kreativität geprägt sein sollte."
Im Bereich der Markt- und Sozialforschung gab es vor Inkrafttreten des neuen Ausbildungsberufs keine duale Ausbildung. Hauptsächlich waren Hochschulabsolventen/-innen in dieser Branche tätig.
Die Absolventen/-innen des neu geschaffenen Ausbildungsberufes übernehmen in enger Zusammenarbeit mit den Akademikern/-innen organisatorische, technische und administrative Tätigkeiten im Rahmen der Abwicklung von Projekten. Im Unterschied zu Hochschulabsolventen, die eher den strategischen Bereich abdecken, liegen die weitgehend eigenverantwortlichen Aufgaben der Fachangestellten für Markt- und Sozialforschung im operativ-organisatorischen Bereich.
Welche Einsatzfelder kommen infrage?
Fachangestellte für Markt- und Sozialforschung arbeiten in Markt- und Sozialforschungsinstituten oder einschlägigen Forschungseinrichtungen ebenso wie in den Marktforschungsabteilungen von Unternehmen oder Werbe- und Media-Agenturen.
Berufliche Fähigkeiten:
Fachangestellte für Markt- und Sozialforschung
Autoren: Julia Bansen und Peter Albrecht

4/2007 - Duale Berufsausbildung - innovativ und zukunftsorientiert
2008, 16 Seiten
Bestell-Nr.: 30336
Download [PDF - 1,63 MB] (URL: http://www.bmbf.de/pub/jobstarter_regional_4-2007.pdf)
Hier finden Sie die lieferbaren Materialien.
(URL: http://www.bmbf.de/publikationen/)