Good Practice

Projektbeispiel zum Thema "Kooperation Schule-Wirtschaft" (Auszug aus der Broschüre "JOBSTARTER - Regionale Impulse für Ausbildung")

Geballte Chancen

"FAKT" - wie geschickte Öffentlichkeitsarbeit dafür sorgt, dass in der erfolgreichen Kunststoffbranche Thüringens mehr Ausbildungsverträge geschlossen werden

Maik Roschlaub hat gerade Frühschicht. Um sechs Uhr morgens ist Dienstbeginn für den frischgebackenen Maschinen- und Anlagenführer bei der BASF Performance Polymers GmbH in Rudolstadt. Dafür beginnt der Feierabend aber auch schon am frühen Nachmittag. In der Zwischenzeit stellt der junge Mann an seiner Extrusionsmaschine Kunststoffgranulate her, die später zu den verschiedensten Teilen verarbeitet werden. Roschlaub hat es geschafft: Sein Ausbildungsbetrieb hat ihn nach der Lehrzeit übernommen - befristet, aber immerhin. Dass die Kunststoffindustrie in Thüringen Chancen bietet, hat sich also bewahrheitet. "Über die Zukunftsaussichten hatte ich mich beim Arbeitsamt informiert. Dort empfahl man mir die Kunststoffbranche."

Die empfiehlt auch der Verein PolymerMat e.V. in Jena, der das JOBSTARTER-Projekt FAKT betreut. Die Abkürzung steht für "Förderung der Ausbildung im Kunststoffcluster Thüringen". Das Wort Cluster, also Ballungsraum, signalisiert: In Thüringen ist seit der Wende die Kunststoffindustrie zum drittgrößten Arbeitgeber aufgestiegen. 15.000 Menschen stellen Kunststoffe her oder verarbeiten sie. Doch es mangelt an Nachwuchs - teils weil auch hier die Geburtenzahlen sinken, teils weil die junge Branche nach außen zu wenig in Erscheinung tritt.

Das soll sich ändern. Der Verein hat mit JOBSTARTER- Fördermitteln Benjamin Popp eingestellt, einen Projektmitarbeiter für Öffentlichkeitsarbeit. Er entwickelte im Team die Broschüre "Kunststoff und Karriere", die jährlich in einer Auflage von bis zu 5.000 Exemplaren an alle 350 Thüringer Regelschulen verteilt wird. Sie wirbt für die zahlreichen Ausbildungsgänge im Kunststoffballungsraum.

"Wir versuchen, Schulen und ausbildende Unternehmen zusammenzubringen", beschreibt Popp seine Arbeit. Zwei große Ausbildungskonferenzen mit Lehrern und Personalmanagern hat es dazu schon gegeben, viele Kontakte sind entstanden, und rund 40 zusätzliche Lehrstellen wurden geschaffen. In einem gibt es allerdings noch Probleme: "Wir haben noch keinen Hebel gefunden, um die kleinen Unternehmen zu unseren Treffen zu lotsen, die bislang nicht ausbilden." Vielleicht, so Popp, hätten diese 30 bis 50 Firmen Angst, auf Ausbildungskonferenzen angeprangert zu werden. Doch das Projekt FAKT wirbt weiter - es wurde bereits verlängert.

 

Flexograf ist kein Adelstitel

Um die Arbeitswelt der Kunststoffe populär zu machen, müssen die "FAKT"-Beraterinnen und -Berater über nahezu unbekannte Berufsbilder aufklären

So facettenreich ist die Kunststoffindustrie, dass manche ihrer Berufe fast schon exotisch klingen: Was zum Beispiel ist ein Flexograf? Solche Fragen beantworten die Ausbildungsförderinnen und -förderer von FAKT, wenn sie mit ihren Informationsmaterialien in die Abschlussklassen der Schulen gehen: Ein Flexograf stellt Druckvorlagen für den sogenannten Flexodrucker her - eine Maschine, die Kunststofffolien oder -teile bedrucken kann. Bekannter ist der Beruf der Chemielaborantin, während die Tätigkeit eines Verfahrensmechanikers schon wieder schwieriger zu umschreiben ist. Denn der stellt - je nach Einsatzort - verschiedenste Kunststoff- oder Gummiprodukte her.

Gerade für diesen Beruf hat sich FAKT-Berater Benjamin Popp eine gute Argumentation gegenüber Schülern zurechtgelegt: "Die Jungs wollen anfangs lieber Kfz-Mechatroniker werden. Ich sage ihnen dann, Verfahrensmechaniker für Kunststoff- und Kautschuktechnik ist viel spannender. Denn da darf man das Autoteil gleich selber bauen, statt es als Kfz-Mechatroniker bloß reparieren zu müssen." Ähnlich überlegte auch der Azubi Tommi Wiezorek, der beim Autozulieferer PVT Plastverarbeitung Thüringen in Ohrdruf kürzlich eine Ausbildung als Maschinen- und Anlagenführer begonnen hat. Der junge Mann mit Interesse an Maschinen aller Art suchte den gewissen Unterschied: "Viele meiner Kumpels gingen in die Metallbearbeitung. Da dachte ich, ich will lieber Plaste."

 

"PS-Plätzchen": die Kunst, der Stoff und der Ofen

Origineller Küchen-Spaß bringt Jugendlichen eine Zukunftsindustrie näher

Wie begeistert man junge Menschen für die Kunststoff-Industrie? Indem man sie Plätzchen backen lässt. Auf Ausbildungsbörsen im Rahmen des JOBSTARTER-Projekts FAKT produziert Berater Benjamin Popp mit Schülerinnen und Schülern "PS-Plätzchen" - nicht essbares Naschwerk aus Polystyrol-Granulat. Dieser Grundstoff ist vielen eher bekannt in seiner aufgeschäumten Form, die den Markennamen "Styropor" trägt. "Wenn man das Granulat in Backförmchen im Ofen erhitzt, behalten die Plätzchen hinterher ihre Form und zeigen durch die verschiedenfarbigen Granulate hübsche Farbverläufe", so Popp. Die spaßige Aktion begeistert regelmäßig ganze Schulklassen und führt viele erstmals zu einer bewussten Beschäftigung mit dem Thema Kunststoff. Auch jedem Heft der Projekt-Broschüre "Kunststoff und Karriere" legten die FAKT-Macher einen Beutel Granulat bei - samt Backrezept. Punkt 11 darin lautet: "Küche aufräumen."

Autor: Oliver Driesen

Ansprechpartner

  • PolymerMat e.V.

    • Kunststoffcluster Thüringen
    • Projektleiter Benjamin Popp
    • Wildenbruchstr. 15
    • 07745 Jena
    • Telefonnummer: 03641 771349-0
    • Faxnummer: 03641 771349-19
    • E-Mail-Adresse:
    • Homepage: http://www.polymermat.de/FAKT

Publikationen

  • JOBSTARTER - Regionale Impulse für Ausbildung ID = 1046

    Titelbild der Publikation

    2009, 36 Seiten
    Bestell-Nr.: 30460

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    Download [PDF - 2,73 MB] (URL: http://www.bmbf.de/pub/jobstarter_regionale_impulse_fuer_ausbildung.pdf)

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