Good Practice

Projektbeispiel zum Thema "Ausbildungsnetzwerke" (Auszug aus der Broschüre "JOBSTARTER - Regionale Impulse für Ausbildung")

Ein Netzwerk mit drei Ecken

"Bergische Initiative Pro Ausbildung Plus":
Wie ein Städte-Trio seine Ressourcen bündelt, um bei der Ausbildungsplatzvermittlung größere Erfolge zu erzielen

"Kirchturmpolitik" heißt eine Haltung, die seit jeher sozialen Fortschritt erschwert: Manche Stadtund Gemeinderäte blicken nicht weiter als bis zur eigenen Kirchturmspitze und damit nur auf ihre vermeintlich nächstliegenden Interessen. Dabei übersehen sie, dass sich weit größere Vorteile für alle erzielen lassen, wenn auch die Nachbarstädte einbezogen werden. Drei Städte im Bergischen Land zeigen, wie es auch anders geht: Remscheid, Solingen und Wuppertal.

In diesem "Bergischen Städtedreieck" mit 650.000 Einwohnern wurden seit Jahren immer weniger betriebliche Ausbildungsplätze angeboten, während der Bedarf eher noch stieg. Daher formte sich im Herbst 2005 ein breites Bündnis aus den drei Kommunen, Arbeitgebern, Gewerkschaften, Handwerkskammern und Arbeitsagenturen sowie der gemeinsamen Industrie- und Handelskammer der drei Städte: Fortan bündelten diese Partner ihre Kräfte, um mehr Lehrstellen in der Region zu schaffen - das Ende der Kirchturmpolitik.

Unter der Schirmherrschaft der drei Oberbürgermeister gründete das neue Netzwerk den Bergischen Verein zur Förderung der Ausbildung e.V. Seit April 2007 führt der Verein das JOBSTARTER Projekt Bergische Initiative Pro Ausbildung Plus durch. Nicht weniger als 170 zusätzliche Ausbildungsplätze, darunter 77 betriebliche Ausbildungsverbünde, sollen während der Förderlaufzeit entstehen. Die Initiative betreibt einen Nachrichtenservice im Internet, der alle Projektpartner und Interessenten über gute betriebliche Beispiele und Ausbildungsideen auf dem Laufenden hält. Selbst sein eigenes Radioprogramm hat das Netzwerk von Zeit zu Zeit: Bei lokalen Radiostationen wurden mehrfach Ziele und Ansprechpartner bürgernah vorgestellt.

Mittlerweile können sich die Erfolge sehen lassen. In der ersten Förderphase konnte das JOBSTARTER- Projekt bereits 111 zusätzliche Ausbildungsplätze akquirieren und besetzen. Für die Fortsetzung dieser städteübergreifenden Zusammenarbeit plädieren übereinstimmend die Remscheider Oberbürgermeisterin Beate Wilding, ihr Amtskollege Franz Haug aus Solingen und Oberbürgermeister Peter Jung aus Wuppertal: "Die bereits erzielten Ergebnisse machen deutlich, dass es sich lohnt, die Kräfte in der Region zu bündeln. Im Schulterschluss mit den Vereinsmitgliedern und Projektpartnern wollen wir uns deshalb auch zukünftig für eine Verbesserung der Ausbildungssituation einsetzen und damit unseren Wirtschaftsstandort stärken."

 

Networking statt "Not Working"

Wenn der Modebegriff des Netzwerks mit Leben gefüllt wird, kann mehr erreicht werden als bloße unverbindliche Absichtserklärungen. Dazu sind aber tragfähige Strukturen nötig.

Im Managementdeutsch haben sich "Meetings" längst ebenso etabliert wie "Incentives" - oder eben das "Networking". Doch es gibt Zyniker, die Letzteres höhnisch in "Not Working" abändern: "funktioniert nicht". Denn oft zerreißt das Netz im Praxistest: Mitglieder fühlen sich nicht zuständig, sind nicht auf dem Laufenden, sehen keine klaren Ziele am Horizont oder verstricken sich untereinander in Kleinkriege um Einfluss und Meriten.

Das Beispiel der Bergischen Initiative Pro Ausbildung Plus zeigt, dass all diese Fehler vermieden werden können. Guido Kirst, bei der JOBSTARTER-Programmstelle für den Aufbau von Netzwerken zuständig, hat den Einsatz der Drei- Städte-Initiative für mehr Ausbildungsplätze verfolgt: "Ungewöhnlich gut war hier, wie viele verschiedene Mitwirkende sich zusammentaten und ihre individuellen Stärken ganz in den Dienst des übergeordneten Zweckes stellten." Ebenso wichtig für den Erfolg seien aber einige weitere Punkte, die im Bergischen realisiert wurden:

  • Jedem Teilnehmer muss grundsätzlich klar sein, warum er im Netzwerk benötigt wird; Alibimitgliedschaften, um einen vermeintlichen Proporz zu wahren, sind kontraproduktiv.
  • Es sollte ein Lenkungsgremium geben, das klare Ziele vorgibt und die Effizienz der Zielverfolgung im Blick behält.
  • Treffen im Netzwerk sollten einem tatsächlichen Entscheidungsbedarf folgen, statt nur einem unverbindlichen Palaver zu dienen.
  • Eine Schirmherrschaft durch Prominente, etwa die Oberbürgermeister oder bekannte Medienpersönlichkeiten, hilft beim "Verkaufen" der Netzwerkziele in der Öffentlichkeit.

Noch aus einem anderen Grund hilft Netzwerken, die sich für Ausbildungsplätze engagieren, eine hohe Präsenz in den Medien: Unternehmen und Ausbildungsbewerber werden dadurch immer wieder über Beratungsmöglichkeiten informiert, die beide Seiten für ihre Ausbildungsziele nutzen können. "Wenn wie im Bergischen selbst die Oberbürgermeister an Radiosendungen und Aufrufen der Initiative teilnehmen", sagt Netzwerkexperte Kirst, "ist das natürlich ein besonderer Glücksfall."

 

Autor: Oliver Driesen

Publikationen

  • JOBSTARTER - Regionale Impulse für Ausbildung

    Titelbild der Publikation

    2009, 36 Seiten
    Bestell-Nr.: 30460

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    Download [PDF - 2,73 MB] (URL: http://www.bmbf.de/pub/jobstarter_regionale_impulse_fuer_ausbildung.pdf)

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Ansprechpartner

  • Bergischer Verein zur Förderung der Ausbildung e.V.

    • Projektleiterin Doris Bilko
    • Grünewalder Str. 29-31
    • 42657 Solingen
    • Telefonnummer: 0212 2494-139
    • E-Mail-Adresse:
    • Homepage: http://www.bipa-plus.de
 

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