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Projektbeispiel zum Thema "Schulische Ausbildung mit Kammerprüfung" (Auszug aus der Broschüre "JOBSTARTER - Regionale Impulse für Ausbildung")
Eigentlich brachte das Jahr 2006 gute Nachrichten für die Region Westmecklenburg: Die rund um Schwerin ansässige Metallindustrie expandierte, Werkskapazitäten wurden ausgebaut. Manch ein Unternehmen mochte sich da gar nicht mit der Frage aufhalten, ob es auch in Zukunft genügend Auszubildende gibt, um den Fachkräftenachwuchs sicherzustellen. Und doch drohte genau hier ein Engpass: Durch Abwanderung und Geburtenmangel würden in Westmecklenburg schon sehr bald nicht mehr genügend Azubis und damit spätere Fachkräfte zur Verfügung stehen. Eine ernsthafte Bedrohung für Investitionen und Wachstum.
Da konnte es sich niemand leisten, benachteiligte Jugendliche und solche mit gescheiterten Ausbildungsversuchen endgültig für die Berufsbildung verloren zu geben. Aus diesem Motiv heraus entstand das im April 2006 angelaufene JOBSTARTER- Projekt Ausbildungskooperation Berufsschule - Wirtschaft (ABsW). Es nutzte eine Novelle des Berufsbildungsgesetzes, die in § 43.2 erstmals eine vollzeitschulische Berufsausbildung mit abschließender Kammerprüfung möglich macht. Ein Bündnis aus vielen Institutionen und Verbänden - runder Tisch genannt - unterstützte einen solchen Schulausbildungsgang an der Beruflichen Schule für Technik Schwerin: Zerspanungsmechaniker und -mechanikerin mit CNC-Qualifizierung.
Der runde Tisch vermittelte die Berufsschüler in Praktikumsbetriebe, die die jungen Leute bei guter Leistung als Auszubildende übernahmen. Dem Aufruf, Praktikumsplätze bereitzustellen, folgten 20 Unternehmen: vom Zulieferer für Schiffsantriebstechnik und der Automobilindustrie bis zu Medizintechnikherstellern und Werkzeugbauern. Als Koordinator des Netzwerks fungierte ein Projektteam des IHK-Bildungszentrums Schwerin. Die Ausbildungsteilnehmer, junge Männer zwischen 16 und 24 Jahren, hatten mit einer Ausnahme den Realschulabschluss - wenn auch meist einen unterdurchschnittlichen. Vor Projektbeginn hatte jeder von ihnen im Schnitt 33 erfolglose Bewerbungen um einen Ausbildungsplatz geschrieben. Entsprechend unterentwickelt waren Selbstwertgefühl, Zielstrebigkeit und Eigeninitiative.
Doch die Berufsschule und das begleitende Projektteam machten ihnen ebenso feinfühlig wie energisch Mut, und diese ausdauernde Betreuung trug Früchte: Der Großteil der Teilnehmer erlebte die Qualifizierung als Erfolg und konnte in passende Praktika vermittelt werden. "Das für sie ereignisreiche Jahr hat ihnen gezeigt, wie man etwas schaffen kann und welche Chancen sich bieten, wenn sie ihren Weg couragiert fortsetzen", so Achim Hoth, Autor der wissenschaftlichen Begleitstudie des Projekts. Auch die beteiligten Unternehmen waren mit ihren Praktikanten meist zufrieden - und wurden in vielen Fällen erstmals dafür sensibilisiert, frühzeitig auf Nachwuchsförderung für die kommende "Azubi-Knappheit" zu achten.
Was hat Ihr Projekt unterm Strich gebracht?
Wir haben rund 700 Gespräche mit 125 Unternehmen der Region geführt, viele davon Kleinbetriebe. Und wir haben von anfangs 24 Jugendlichen bereits 14 in Ausbildungen vermittelt - für die anderen sehen wir auch noch Chancen. Die Unternehmen werteten es als positiv, dass sie von uns Auszubildende mit Vorerfahrung bekamen. Die konnten sie sehr schnell in die betrieblichen Abläufe integrieren.
Wie haben Sie die Jugendlichen durch Ihr JOBSTARTER-Projekt dazu gebracht, an sich selbst und ihre Fähigkeiten zu glauben?
Anfangs waren alle etwas verschüchtert und teilweise demotiviert. Wir haben viele Einzelgespräche mit ihnen geführt, auch gemeinsam mit ihnen und den Klassenlehrern gefrühstückt und die Schüler immer wieder zu Bewerbungen motiviert.
Außerdem hat Ihr Netzwerk zusätzliche Lehrstellen geschaffen. Wie kam das?
Dieses Zusatzziel hatten wir uns im Rahmen von JOBSTARTER gesetzt. Geplant waren zunächst 59 nachweislich zusätzliche Ausbildungsplätze. Es wurden bislang 84. So etwas gelingt aber nur, wenn das Projektteam - wie in unserem Fall mit dem runden Tisch - von vielen Institutionen breit unterstützt wird.
Zukunftstaugliche und beispielhafte Konzepte für die berufliche Ausbildung würdigt der Verein "Innovative Berufsbildung e.V." mit seinem jährlich ausgeschriebenen Wettbewerb um den Hermann-Schmidt-Preis. Den 2. Preis (2000 Euro) errang dabei im Oktober 2008 die Schweriner "Ausbildungskooperation Berufsschule - Wirtschaft" (ABsW). Denn durch dieses Projekt konnten schon 14 Jugendliche eine betriebliche Ausbildung anfangen, 84 zusätzliche Ausbildungsplätze wurden geschaffen. Ein ausgezeichnetes Beispiel, das im wahrsten Sinne des Wortes Schule machen kann.
Autor: Oliver Driesen

2009, 36 Seiten
Bestell-Nr.: 30460
Download [PDF - 2,73 MB] (URL: http://www.bmbf.de/pub/jobstarter_regionale_impulse_fuer_ausbildung.pdf)
Hier finden Sie die lieferbaren Materialien.
(URL: http://www.bmbf.de/publikationen/)