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JOBSTARTER-Fachtagung: "Chancen für Betriebe - Chancen für junge Eltern" - November 2009 (Ausgewählter Menüpunkt)
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Berufsausbildung in Teilzeitform
Im Rahmen der Fachtagung diskutierten 120 Fachleute aus Institutionen des Bundes, der Länder, der Wirtschaft, Vertreterinnen und Vertreter der Sozialpartner, Arbeitsagenturen, ARGEN sowie aus Projekten Ideen und Maßnahmen für eine grundlegende Verbesserung der Rahmenbedingungen bei der Teilzeitberufsausbildung.
Noch immer ist die Ausbildung in Teilzeit für viele Betriebe und Auszubildende unbekannt. Für Projekte, Initiativen und Akteure bedeutet dies vor allem eine intensive Beratungs- und Überzeugungsarbeit.
Generell müsse das Image von jungen Müttern/Eltern reflektiert werden. Statt einer häufig zu beobachtenden Zuschreibung, sie hätten nichts gelernt, würden von Hartz IV leben und eher eine Belastung für die Gesellschaft sein, sollten die bereits vorhandenen Möglichkeiten genutzt und ausgeweitet werden, junge Menschen mit Familienverantwortung so zu fördern, dass sie eine Berufsausbildung und einen Berufsabschluss erwerben können. Dabei würden zugleich die Kinder junger Mütter/Eltern gefördert und vor sozialer Ausgrenzung bewahrt.
Alle angesprochenen Aspekte sollten, so forderte Puhlmann, in die Entwicklung eines Marketingkonzepts zur Vereinbarkeit von Ausbildung und Familie und zur Teilzeitberufsausbildung einbezogen werden. Das Vortragsmanuskript finden Sie hier.
Im Anschluss fasste Katharina Kanschat, Leiterin der JOBSTARTER Programmstelle, die Ergebnisse eines vorbereitenden Werkstattgesprächs als Grundlage für die folgenden Podiumsdiskussionen und Workshops zusammen. Dabei verwies sie auf die Problematik, dass bundesweit keine belastbaren Zahlen vorhanden seien, die den Bedarf nach und die Anzahl der bestehenden Teilzeitberufsausbildungsplätzen abbildeten. Lediglich anhand von Erhebungen auf Landesebene - falls diese vorhanden seien - oder durch Kammern könne man sich dem möglichen Bedarf annähern.
v.r.n.l.: W. Fehl, K. Taranczewski, T. Gerner, D. Thomas, K. Christ, H. Nehls
Anhand der übergeordneten Fragestellung "Welche Rahmenbedingungen sind vorhanden und welche müssen noch geschaffen werden, die den Betroffenen helfen, individuell tragfähige Lösungen zu finden und zu realisieren?" diskutierten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Round-Table-Gesprächs am 2. November 2009 das Thema "Vereinbarkeit von Familie und Berufsausbildung".
Auf Landesebene gibt es verschiedene Maßnahmen zur Förderung und Unterstützung der Teilzeitberufsausbildung. Über das Programm "Betriebliche Ausbildung Alleinerziehender", mit dem die Hessischen Landesregierung Alleinerziehende ohne abgeschlossene Berufsausbildung fördert, informierte Kerstin Christ vom Hessischen Ministerium für Arbeit, Familie und Gesundheit. Katja Taranczewski vom Niedersächsischen Ministerium für Soziales, Frauen, Familie und Gesundheit führte die Aktivitäten im Landesprogramm "FIFA - Förderung der Integration von Frauen in den Arbeitsmarkt" aus. Diese Programme geben wichtige Impulse zur Etablierung der Teilzeitberufsausbildung, stoßen aber aktuell auf Probleme. Seit der Anweisung über Sonderleistungen im Jahr 2008 seien die Grundsicherungsträger - so Frau Christ - regelrecht in einer "Schockstarre" und trauten sich nicht den § 16 f SGB II zu nutzen.
Ein wichtiges Diskussionsthema bildeten die Ausbildungsvergütung und die Frage, ob und inwieweit die Ausbildungsvergütung bei einer Teilzeitberufsausbildung gekürzt werden kann beziehungsweise sollte. In diesem Kontext betonte Hermann Nehls vom Deutschen Gewerkschaftsbund die Notwendigkeit, dass gute Rahmenbedingungen die Lebenswirklichkeiten abbilden müssten. Der Gesetzgeber habe jedoch bei der Teilzeitberufsausbildung versäumt, klare Regelungen im Hinblick auf die Ausbildungsvergütung zu treffen. Thomas Gerner vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales verwies darauf, dass bei der Ausbildungsvergütung der Bedarf der Jugendlichen gleich angesetzt sei, unabhängig davon, ob die Ausbildung in Voll- oder Teilzeit stattfindet.
Zur Sicherung des Lebensunterhalts können die Teilzeitberufsauszubildenden neben der Ausbildungsvergütung verschiedene staatliche Leistungen aus diversen Töpfen beantragen. Die Unübersichtlichkeit der Gesetzeslage überfordert nicht selten Betriebe, Auszubildende, Projekte und Beratungsstellen gleichermaßen. Dario Thomas, Industrie- und Handelskammer Bonn/Rhein-Sieg, informierte in diesem Kontext über die Bemühungen in Bonn, Transparenz in den Paragrafendschungel zu bringen. Neben der Reduzierung von Gremien stehen im Mittelpunkt der Bonner Bemühungen die Schaffung einer zentralen Anlaufstelle sowie die Finanzierung aus einem Topf. Diese ambitionierten Ziele sollen innerhalb von vier Jahren erreicht werden. Mit großer Spannung wird deshalb in den nächsten Jahren auf Bonn geschaut, da hier ein wesentlicher Bereich in Angriff genommen wird und eine erfolgreiche Umsetzung der Bemühungen Vorbildcharakter für andere Regionen bundesweit hätte. Dr. Karl Ulrich Voss, Bundesministerium für Bildung und Forschung, betonte, dass es in der Tat sehr sinnvoll wäre, wenn die Jugendlichen zur Organisation ihrer Teilzeitberufsausbildung eine zentrale Ansprechstelle hätten. Darüber hinaus verwies er auf die Notwendigkeit, dass für die berufsschulische Seite komplementäre Lösungen gefunden werden müssten. Desweiteren wurden finanzielle Anreize für Betriebe bei der Teilzeitberufsausbildung beispielsweise über den Ausbildungsbonus sowie die Beratungsaufgabe der Arbeitsagenturen, Jobcentern sowie ARGEN diskutiert.
Matthias Wesslowski überraschte mit seinem Vortrag "Teil Zeit! Aus, Bildung! - Die Elternrolle im Spagat zwischen Fiktion und Illusion" die Gäste.
Die Ergebnisse und Empfehlungen aus den anschließenden Workshops wurden im Round-Table-Gespräch am 3. November 2009 vorgestellt. Diese und weitere Details zu den Workshops finden Sie in der Navigationsleiste.
v.l.n.r.: W. Fehl, 2 Teilzeitauszubildende, E. Weiser, B. Hahner, C. Klose, E. Pürling, L. Reuter, U. Schubert-Sarellas
Die Teilzeitberufsausbildung ist immer noch nicht ausreichend bekannt - der Vorschlag einer Marketingstrategie sollte deshalb weitergedacht werden. Lösungen im Bereich der Kinderbetreuung und Berufsschulen würden einen wesentlichen Beitrag zur Akzeptanz und erfolgreichen Implementierung der Teilzeitberufsausbildung beitragen. Aufgrund der unterschiedlichen Zuständigkeiten in diesen Bereich sollte auf verschiedenen Ebenen das Gespräch gesucht werden. Hinsichtlich der Finanzierung sind vor allem mehr Transparenz sowie kompetente, regionale Netzwerke notwendig.
Angesicht des demografischen Wandels müssen überdurchschnittliche Leistungen, wie sie von jungen Eltern in Familie und Ausbildung erbracht werden, genutzt werden. Die Betriebe und die Gesellschaft müssen über die vorhandenen, verborgenen Potenziale informiert werden. Der eigentliche Fokus muss lauten: Es geht nicht um die Teilzeit, sondern um die Integration von jungen Eltern in das Berufsleben. Eine junge Mutter, die eine Ausbildung in Teilzeit macht, schilderte auf der Tagung eindringlich, welche Verantwortung und Belastung sie tagtäglich auf sich nimmt, um Ausbildung und Familie miteinander zu vereinbaren. Sie fragte in die Teilnehmerrunde: "Warum müssen wir angesichts des täglichen Spagats auch noch die Lösung für die Probleme bei der Kinderbetreuung, der Berufsschule und der Finanzierung des Lebensunterhalts finden?" Auch wollte sie wissen, warum es leichter sei, Hartz IV zu beantragen als Berufsausbildungsbeihilfe (BAB). Die Vorschläge und Hinweise der Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf der Fachtagung bilden einen wichtigen Schritt zur Beantwortung dieser Fragen.
Autorin: Satiye Sarigöz, JOBSTARTER

Wolfgang Fehl, Zentralstelle für die Weiterbildung im Handwerk

Gabriele Schünemann, JOBSTARTER Regionalbüro Nord

[PDF - 92,8 kB]

Titel: Akzeptanz und Umsetzung der Teilzeitberufsausbildung (URL: http://www.jobstarter.de/_media/Vortrag_Angelika_Puhlmann_02112009.pdf)
[PDF - 1,17 MB]
(URL: http://www.jobstarter.de/_media/aktuell_271009_Flyer.pdf)
[PDF - 446,4 kB]
(URL: http://www.jobstarter.de/_media/aktuell_271009_Workshops_Round_Table_TZA_Bonn.pdf)
Teilzeitauszubildende: Austausch von Erfahrungen, Kritik, Vorschlägen (URL: http://www.jobstarter.de/de/2323.php)
Erfolgreiche Teilzeitberufsausbildung braucht sichere und flexible Kinderbetreuung (URL: http://www.jobstarter.de/de/2321.php)
Teilzeitberufsausbildung braucht passfähige Angebote der Berufsschulen (URL: http://www.jobstarter.de/de/2319.php)
Junge Leute in Teilzeitberufsausbildung brauchen eine gesicherte Form des Lebensunterhalts (URL: http://www.jobstarter.de/de/2317.php)