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"Fit for new energy" strebt europäische Ausbildungskooperationen an: Es vermittelt Auszubildenden Partnerbetriebe im Ausland. Dort haben die Jugendlichen einige Wochen Gelegenheit, über ihre regulären Ausbildung hinaus Praxiserfahrung zu sammeln.
Insgesamt 25 britische und niederländische Betriebe zeigten sich auf Anhieb bereit, an dem Projekt teilzunehmen. Im September ging es für die ersten zehn Jugendlichen auf ihre berufliche Entdeckungsreise nach Großbritannien.
Für die Vorbereitung der Auslandspraktika kamen Torben Böhle, Projektleiter von "Fit for new energy", die Erfahrungen aus dem Vorjahr zugute. Dort hatten sechs deutsche Auszubildende im Groninger Energieforschungszentrum RenQi beim Bau eines Solarbootes mitgewirkt. Diesmal ging es - neben der Auslandserfahrung an sich - aber auch darum, dass die Jugendlichen im Partnerbetrieb Zusatzqualifikationen zu ihrer regulären Ausbildung erwerben sollten.
Damit die Jugendlichen mit verantwortungsvollen Aufgaben betraut werden, besuchte Böhle zuvor die englischen Betriebe und steckte mit den Mitarbeitern Aufgabenfelder ab. "Die Azubis sollten nicht den ganzen Tag am Kopierer stehen", so Böhle. " Wir wollen den Auszubildenden die Möglichkeit geben, ihre sprachlichen und fachlichen Kenntnisse zu verbessern und ihre Soft Skills zu erweitern."
Aber auch die Azubis sind nicht unvorbereitet nach England aufgebrochen. Ihre Englischkenntnisse hatten alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer in einem Crashkurs vor Abreise aufpoliert. Alle Azubis besuchten vor dem Praktikum eine Woche lang eine Sprachschule in York. Das Gelernte kam ihnen nach wenigen Tagen in England zugute: "Nach zwei Tagen haben wir die Sprachhemmungen abgeworfen und drauflos geredet. Es hat prima geklappt. Während der Zeit haben wir dann sehr viel Englisch gelernt", berichtet Martina Thie.
Einhelliger Meinung sind sich Steffen Theurich, Benjamin Schuster, Martina Thie, Alexander Diekmann, Jenny Pinkes, Thorsten Bathe und Larissa Schitoff, was die Arbeitsorganisation in England geht: Das Pensum sei so hoch wie in Deutschland, aber die Arbeitsgestaltung viel freier. "Man bekommt eine Frist für eine Aufgabe, und dann arbeitet man eigenverantwortlich daran", so Benjamin Schuster. Einige von ihnen können sich aufgrund der positiven Praktikumserfahrung sogar vorstellen, später in Großbritannien zu arbeiten.
Offensichtlich waren auch die Gastbetriebe mit den Azubis sehr zufrieden. Die angehende Industriekauffrau Martina Thie bekam ein Jobangebot bei LEONI CABLE in Newcastle. Und Steffen Theurich - im Praktikum untergebracht bei Revive, einem Zwischenhändler für Computerspiele und Konsolen - war so gut in der Kundenakquise, dass der Betrieb gleich den nächsten Praktikanten aus Deutschland angefragt hat.
Im nächsten Jahr sind weitere zehn Auszubildende "reif für die Insel", und ebenfalls zehn Jugendliche arbeiten dann für vier Wochen in niederländischen Betrieben.
Die Projektmitarbeiterinnen und -mitarbeiter von "Fit for new energy" werten die Ergebnisse nun aus. Wie im Ausland absolvierte Ausbildungsinhalte auf die hiesige Ausbildung im Sinne eines europaweit geltenden "creditpoint system" angerechnet werden können, ist zwar noch nicht geklärt. Dass Praxiserfahrungen aber ein wichtiger Schritt in Richtung Europäisierung der Ausbildung sind, steht außer Frage.
Die Kosten für Reise und Unterkunft trägt das EU-Programm LEONARDO DA VINCI. Die Ausbildungsbetriebe müssen ihre Azubis lediglich freistellen.