Regionalbüros

Werkstattgespräch des Regionalbüro West: "Handwerk und Erneuerbare Energien - Potenziale entdecken und nutzen"

25. und 26. November 2009 in Münster

Handwerk und Erneuerbare Energien

Handwerk und Erneuerbare Energien - passt das zusammen? Es passt, und zwar bereits seit Jahrhunderten. Dies zeigt beispielsweise die historische Nutzung von Wind- und Wasserkraft im Müllerhandwark. Heute sind Handwerksbetriebe in verschiedensten Bereichen der Erneuerbaren Energien beziehungsweise der Effizienztechnologien tätig. Dies reicht von der Errichtung von Offshore-Windanlagen über energieeffizientes Bauen von Gebäuden bis hin zur Reparatur von Elektroautos. Gleichzeitig verändern sich durch Innovationsschübe oder Umweltgesetzgebungen die Anforderungen an die Ausbildung von Fachkräften im Handwerk.

Experten aus Praxis, Politik und Wissenschaft waren vor diesem Hintergrund vom 25. bis 26. November 2009 der Einladung von JOBSTARTER gefolgt, um Potenziale der Erneuerbaren Energien für die Berufsausbildung im Handwerk zu diskutieren. Das Demonstrationszentrum Bau und Energie der Handwerkskammer Münster diente hierbei als inspirierende Kulisse.

Erneuerbare Energien - Potenziale und Herausforderungen für das Handwerk

Dass viele verschiedene Bildungsgänge im Handwerk mit den Themen Erneuerbare Energien und Effizienztechnologien täglich in Berührung kommen, wurde in der Expertenrunde einhellig betont. So arbeiten in der Regel allein im Bereich "Solarenergie am Bau" mindestens Ofen- und Luftheizungsbauer, Anlagenmechaniker Sanitär/Heizung/Klimatechnik, Dachdecker sowie Elektroniker. Hier liegt in den Augen der Experten jedoch gleich auch eine bedeutende Herausforderung für das Handwerk. Da das Gebäude heutzutage als energetisches Gesamtsystem gesehen werden müsse, könnten tradierte Gewerkeverständnisse Nachteile mit sich bringen, wenn eine gewerkeübergreifende Kooperation von Handwerksbetrieben auf der Baustelle fehle.

Zudem fehlten den Handwerksbetrieben geeignete Bewerber für entsprechende Ausbildungsberufe - eine dramatische Situation auch vor dem Hintergrund, dass in vielen Betrieben bald ein Generationenwechsel anstehe, passende Übernahmekandidaten jedoch häufig fehlten. Selbst in den Betrieben, die geeignete Bewerber gefunden haben, stellten den Experten zufolge begrenzte Ressourcen wie das Fehlen hauptamtlicher Ausbilder oder fehlendes technologisches Wissen einen Engpass für die Ausbildung dar. Viele Betriebe seien sich darüberhinaus der zunehmenden Bedeutug Erneuerbarer Energien nicht bewusst und stünden daher auch entsprechenden Bildungsangeboten kritisch gegenüber.

Good-Practice im Handwerk

Dass das Interesse an Bildungsangeboten zur Nutzung Erneuerbarer Energien und Effizienztechnologien im Handwerk dennoch zunimmt, zeigt beispielsweise die Zusatzqualifikation zum "Assistent/-in für energie- und ressourceneffizientes Wirtschaften im Handwerk", die in einem JOBSTARTER-Projekt unter Leitung der Landes-Gewerbeförderungsstelle des nordrhein-westfälischen Handwerks (LGH) entwickelt wurde und in Kürze an verschiedenen nordrhein-westfälischen Berufskollegs eingeführt wird.

Eine ähnliche Zielsetzung verfolgt das JOBSTARTER-Projekt "EdAs - Erneuerbare Energien durch Ausbildung stärken", das vom BWAW - Bildungswerk für berufsbezogene Aus- und Weiterbildung in Thüringen durchgeführt wird. Besonderer Wert wird hier neben der Entwicklung von Zusatzqualifikationen auch auf die ganzheitliche Unterstützung von Berufswahlprozessen gelegt.

Da es vielen Betrieben bereits heute an Mitteln fehlt, um Anschauungsmaterial zu modernen Effizienztechnologien für den Einsatz in der Ausbildung zu erwerben oder aber aufwändige Maßnahmen zur Rekrutierung von Auszubildenden zu finanzieren, wurde die Handwerkskammer Dresden mit dem JOBSTARTER-Projekt "TEHA - Transfer von energieeffizienten Handlungsfeldern in die duale Ausbildung" aktiv: Hier werden Netzwerke zwischen Betrieben und Berufsbildungszentren gefördert. Ebenso unterstützt das Projekt Betriebsvertreter, die integrierte Berufsorientierungsmaßnahmen an Schulen durchführen. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter befassen sich zudem mit der Konkretisierung schulischer Lernfelder zum Thema Energieeffizienz, um Ausbildern Hilfestellungen für ihre Bildungsarbeit zu geben.

Handlungsbedarf und -empfehlungen für die Zukunft

Vertreter des Hans-Sachs-Berufskollegs in Oberhausen begrüßten die Aktivitäten zur Konkretisierung schulischer Lernfelder, gaben jedoch zu bedenken, dass dies nicht zu einer weiteren Überfrachtung der Auszubildenden mit neuen Inhalten führen dürfe. Bereits jetzt würden die Jugendlichen durch sehr anspruchsvolle und überladene Curricula häufig an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit gebracht.

Auch vor diesem Hintergrund wurde in der Diskussion deutlich, dass jegliche Modernisierungsmaßnahmen grundsätzlich unter differenzierter Berücksichtigung sowohl der Zielgruppen (beispielsweise leistungsstarke versus leistungsschwache Jugendliche) als auch der Branchen (beispielsweise Offshore-Windkraftanlagen versus Energieeffizientes Bauen) umgesetzt werden sollten.

Die Expertenrunde formulierte folgende Handlungsbedarfe und -empfehlungen für die Handwerksausbildung im Bereich Erneuerbare Energien/Effizienztechnologien:

  • Handwerksbetriebe sollen jetzt aktiv werden, um ihre regionalen Märkte zu Erneuerbaren Energien und Effizienztechnologien zu erschließen und marktadäquat auszubilden - ansonsten drohe die Abwerbung potenzieller Auszubildender durch die Konkurrenz. Kooperationen mit Betrieben anderer Gewerke wie auch mit Berufsbildungszentren können dem entgegenwirken.
  • Kurzfristig sollen Betriebe ihren Auszubildenden neue Technologien im Rahmen ihres bereits bestehenden Bildungsauftrags nahe bringen, ohne dass Verordnungsgeber aktiv werden müssen.
  • Langfristig stehen diese Maßnahmen an:
    • Zur Sicherung des Fachkräftebedarfs im Hinblick auf leistungsstarke Jugendliche soll die Ausbildung im Handwerk erweitert werden. Ein Angebot an Zusatzqualifikationen zum Thema Erneuerbare Energien/Energieeffizienz soll eine Spezialisierung bereits während der Ausbildung ermöglichen.
    • Gleichzeitig ist zu prüfen, ob Ausbildungsberufe in verwandten Gewerken einheitliche Basisqualifikationen zum genannten Thema enthalten. Das Beispiel Bausektor zeige beispielsweise dass "Generalisten mit Spezialkenntnissen" gerfragt seien.
    • Entsprechende duale Studiengänge oder die Anrechenbarkeit von Ausbildungsinhalten auf "übliche" Studiengänge sollen leistungsstarke Auszubildende überzeugen, sich für das Handwerk zu entscheiden. Um einer vollständigen Abwanderung von Fachkräften in die Hochschulen zu begegnen, müssen die Karriereoptionen im Handwerk , zum Beispiel die Möglichkeit einer späteren Betriebsgründung oder -übernahme, betont werden. Ein Bedarf an neuen Berufen wird für das Handwerk aktuell jedoch nicht gesehen.
    • Im Hinblick auf leistungsschächere Jugendliche brauchen die Ausbilder Unterstützung, etwa durch geeignete Coachings, Qualifizierungsmaßnahmen oder den Einsatz externer Berater.

Einige dieser Handlungsempfehlungen werden in den JOBSTARTER-Projekten bereits heute exemplarisch aufgegriffen. Auch zukünftig kann mit innovativen Projekten gerechnet werden, die die Attraktivität der dualen Berufsausbildung für verschiedene Zielgruppen fördern und die Ausbildungsplatzsituation von Jugendlichen verbessern werden.

  • Innovative Haustechnik am Beispiel des Demonstrationszentrums Bau und Energie der Handwerkskammer Münster

    Dr. Andreas Müller, Handwerkskammer Bildungszentrum Münster, HBZ Download [PDF - 2,40 MB] (URL: http://www.jobstarter.de/_media/Jobstarter-erneuerbare_Energien-Demozentrum-2.pdf)

 

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