Regionalbüro Süd-Werkstattgespräch: "Regionalentwicklung nachhaltig fördern - Fachkräftesicherung durch innovative Aus- und Weiterbildungsstrategien"

Dokumentation des Werkstattgesprächs vom 14. und 15. Oktober 2009

Die Nutzung regionaler Ressourcen gewinnt vor dem Hintergrund steigender Energie- und Rohstoffkosten zunehmend an Bedeutung. Dies dokumentiert die Vielzahl an Bioenergiedörfern und Bioenergieregionen, die sich in den letzten Jahren etabliert hat. Dort werden unter anderem innovative Konzepte zur alternativen Wärme- und Stromgewinnung entwickelt und umgesetzt. Energieeffizienz und Nachhaltigkeit sind dabei zentrale Gesichtspunkte. Für die erfolgreiche Durchführung dieser Projekte sind spezifische Qualifikationen erforderlich, denen auch die berufliche Bildung Rechnung tragen muss.

Wie das möglich ist, war Thema des Werkstattgesprächs. Rund 30 Expertinnen und Experten aus dem Bereich der Erneuerbaren Energien diskutierten innovative Konzepte zur Nutzung regionaler Ressourcen und identifizierten Erfolgsfaktoren für die Fachkräftesicherung in Betrieben dieser Zukunftsbranche. Hierbei ging es vor allem darum, Vorschläge zu erarbeiten, wie neue branchenspezifische Anforderungen in die Aus- und Weiterbildung integriert werden können.

Auch bot sich ein Blick in die Praxis eines Bioenergiedorfs. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer hatten bei einer Führung durch das Bionenergiedorf Rai-Breitenbach die Gelegenheit, sich mit der Funktionsweise eines Biomassenheizkraftwerks und eines Nahwärmenetzes auseinander zu setzen, lernten die Vorteile des Strohballenbaus kennen und konnten sich darüber informieren, welches Know-how beim Verbauen von Stroh erforderlich ist.

 

Führung durch das Bioenergiedorf Breuberg/Rai-Breitenbach am 14. September 2009

Seit August 2008 werden im Breuberger Stadtteil Rai-Breitenbach 150 Haushalte, zwei Schulen mit den angeschlossenen Turnhallen und ein Hallenbad durch die Bioenergiedorf Breuberg-Rai-Breitenbach e.G. mit Nahwärme versorgt. Realisiert werden konnte dieses Projekt durch ein Biomassenheizkraftwerk, auf dessen Dach eine Photovoltaik-Anlage montiert ist. Das Biomassenheizkraftwerk besteht aus einer Holzhackschnitzelheizanlage sowie einem Blockheizkraftwerk mit Holzverstromung und einem mit Pflanzenöl betriebenen Spitzen- und Teillastkessel.

Mit der Energiegewinnung aus Holzhackschitzeln, Pflanzenöl und Sonne spart der Ort jährlich ungefähr 650.000 Liter Heizöl und reduziert den Co2-Ausstoß um ca. 2.000 Tonnen pro Jahr. "Die gesamte Region profitiert von diesem Projekt", erklärte Horst Stapp den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Führung. "Die Rohstoffe - Holzhackschnitzel und Rapsöl - stammen aus der Region. Dadurch werden Arbeitsplätze gesichert und neue geschaffen. Dieser regionale Ansatz ist wichtig, da auf diese Weise Regionen gestärkt werden können", so Stapp.

 

Werkstattgespräch "Regionalentwicklung nachhaltig fördern - Fachkräftesicherung durch innovative Aus- und Weiterbildung" am 15. Oktober 2009

In ihrer Begrüßungsrede wies Katharina Kanschat darauf hin, dass die Stärkung der Ausbildung in Zukunftsbranchen auch einer der Schwerpunkte des Ausbildungsstrukturprogramms JOBSTARTER sei. "Derzeit unterstützen insgesamt 19 JOBSTARTER-Projekte Unternehmen aus dem Bereich der Erneuerbaren Energien bei der Einrichtung und Besetzung von Ausbildungsplätzen, initiieren Verbundausbildung und entwickeln branchenspezifische Zusatzqualifikationen." Auch die Frage, wie Unternehmen dieser Zukunftsbranche ihren Bedarf an qualifizierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern langfristig sichern können, sei ein wichtiges Thema im Rahmen von JOBSTARTER. Schon heute klagen Unternehmen über einen Mangel an qualifiziertem Personal. "Wir brauchen Antworten darauf, wie die berufliche Bildung auf die neuen Anforderungen reagieren kann. Deshalb organisieren wir den Austausch mit Expertinnen und Experten aus Forschung, Wirtschaft, Politik und Berufsbildung in bundesweiten Fachveranstaltungen - wie zum Beispiel der Fachtagung, "Umwelttechnologien/Erneuerbare Energien - Fachkräfte für die Zukunft", die JOBSTARTER im September 2008 in Schwerin durchgeführt hatte. Auf regionaler Ebene wird der Diskurs in den Werkstattgesprächen der Regionalbüros fortgesetzt, so Kanschat 

Dass es darauf ankomme, Wege zu finden, wie die neuen Anforderungen im Bereich der Erneuerbaren Energien in die berufliche Aus- und Weiterbildung integriert werden können, betonte auch Dr. Heike Pieplow. "Erneuerbare Energien werden in der Wertschöpfung eine immer größere Rolle spielen." Rai-Breitenbach sei ein gutes Beispiel dafür, wie durch intelligente Technik, entsprechendes Know-how und Management ein Ort mit Bioenergie versorgt werden kann. "In Zukunft werden jedoch Systemlösungen wie zum Beispiel in der Stadt Dongtan bei Shanghai, die Energieversorgung mit dem Recycling von Müll und Abwasser kombinieren, an Bedeutung gewinnen. Auch in Deutschland gibt es bereits Versuche, Systemlösungen umzusetzen, zum Beispiel das "Zero-Emissions-Village Weilerbach in der Westpfalz." Ohne gut qualifizierte Schlüsselakteure könnten solche innovativen Projekte jedoch nicht umgesetzt werden.

 

Ein Bioenergiedorf stellt sich vor:

Rai-Breitenbach-Entstehungsgeschichte und Umsetzungswege

  • Regionalentwicklung nachhaltig fördern - Fachkräftesicherung durch innovative Aus- und Weiterbildung

    Vortrag von Horst Stapp, Vorsitzender der Betreibergesellschaft des Bioenergiedorfes Breuberg/Rai-Breitenbach

    Auch die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Werkstattgesprächs, die an der Dorfführung nicht teilnehmen konnten, hatten die Gelegenheit, das Bioenergiedorf Rai-Breitenbach kennenzulernen. Horst Stapp berichtete über seine Entstehungsgeschichte und erklärte die Funktionsweise des Biomasseheizkraftwerks. Download [PDF - 992,0 kB] (URL: http://www.jobstarter.de/_media/Praesentation_Rai-Breitenbach_Stapp.pdf)

  • Bauen mit Strohballen

    Vortrag von Susanne Körner, Fachverband für Strohballenbau

    Susanne Körner gab einen Einblick in die Strohballenbauweise. Sie erläuterte die Vorteile des Strohballenbaus und die verschiedenen Möglichkeiten, Stroh zu verbauen, und zeigte auf, über welches Know-how Fachkräfte bei dieser Bauweise verfügen müssen. Download [PDF - 4,61 MB] (URL: http://www.jobstarter.de/_media/Praesentation_Strohbau_Koerner.pdf)

Diskussionsrunde: "Regionale Ressourcen nachhaltig erschließen - Fachkräftesicherung durch innovative Aus- und Weiterbildungsstrategien"

Moderation: Christa Oberth, JOBSTARTER-Regionalbüro Süd

Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Expertenrunde:
Michael Braner, Quint sdi GmbH Systeme für die Druckindustrie, Hesseneck
Martin Fuhr, Berufliches Schulzentrum Odenwald
Werner Germann, Germann GmbH, Brensbach
Elisabeth Kohlhauf, Bürgerstiftung Energiewende Oberland
Hardy Merz, INBAS GmbH
Peter Momper, Bioenergieregion Mittelhessen
Roland Nagl, JOBSTARTER-Projekt " Dual ++"
Jörg Dürr-Pucher, Clean Energy, Radolfzell
Michael Schäfer, Schäfer - Strom und Wärme aus erneuerbaren Energien GmbH, Dotternhausen
Reinhard Selka, Branchenkampagne des BMBF
Florian Voigt, BrEnergO GmbH, CLEO - Cluster Erneuerbare Energien Odenwald

Durch die Entwicklung innovativer Technologien, die einen nachhaltigen Umgang mit regionalen Ressourcen ermöglichen, sind neue Tätigkeitsfelder entstanden und neue branchenspezifische Anforderungen an die Fachkräfte erwachseb, die durch die berufliche Aus- und Weiterbildung nicht immer abgedeckt werden können.

  • Welche Kompetenzen sind erforderlich, um innovative Konzepte zur Nutzung regionaler Ressourcen umzusetzen?
  • Wie gehen Unternehmen mit den neuen Anforderungen um und wie können sie unterstützt werden?
  • Wie können neue branchenspezifische Bedarfe in die Aus- und Weiterbildung integriert werden?

Diese und andere Themen waren Schwerpunkt der Diskussionsrunde mit Expertinnen und Experten aus dem Bereich der Erneuerbaren Energien.

Ausschnitte aus der Diskussionsrunde

    Ansprechpartner

      • JOBSTARTER-Regionalbüro Süd
      • Simone Adler
      • Telefonnummer: 0911 277 79 52
      • E-Mail-Adresse:
     

    Förderung/Durchführung

    Europäische Union

    Programmdurchführung:

    Logo des Bundesinstituts für Berufsbildung

    JOBSTARTER wird gefördert aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung und aus dem Europäischen Sozialfonds der Europäischen Union.