Regionalbüros

JOBSTARTER-Expertengespräch "Fachkräftebedarf im Bereich Erneuerbare Energien"

Die Erneuerbaren Energien bringen entscheidende Innovationen für nachhaltiges Wirtschaftswachstum und sichern deshalb zukunftsträchtige Arbeitsplätze in Deutschland. Nicht zuletzt auch deshalb fanden im BMBF-Ausbildungsstrukturprogramm JOBSTARTER bereits unterschiedliche Veranstaltungen zur Thematik der Fachkräftesicherung in dieser Zukunftsbranche statt.

Die Teilnehmergruppe bei der Führung durch das Kompetenzzentrum

Als Veranstaltungsort wurde das im April 2010 in Erfurt eröffnete Thüringer Kompetenzzentrum für Hochtechnologien und Solarwirtschaft der BWAW gGmbH ausgewählt. Neben mehreren Seminarräumen stehen gut ausgestattete Labore, wie beispielsweise ein Reinraum für Mikrotechnologie oder Solarlabore zur Verfügung.

Bildbeschreibung:

Dr. Arne Simon, BMBF und Peter Albrecht vom JOBSTARTER-Regionalbüro Ost

Fatma Sarigöz (BIBB) begrüßte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer und leitete das Expertengespräch mit einer kurzen Einführung in das Ausbildungsstrukturprogamm "JOBSTARTER - für die Zukunft ausbilden" ein.

Dr. Arne Simon (BMBF) führte anschließend kurz in das Thema Aus- und Weiterbildung im Bereich der Erneuerbaren Energien ein. Moderiert wurde von Peter Albrecht aus dem JOBSTARTER-Regionalbüro Ost.

Karl-Heinz Pfündner als Gastgeber und Geschäftsführer des Bildungswerks für berufsbezogene Aus- und Weiterbildung Thüringen gGmbH (BWAW gGmbH) stellte die Förderinitiative für nationale und internationale Berufswettbewerbe "SkillsGermany e.V." vor.

Präsentation SkillsGermany e.V.

Tag 2 des Expertengesprächs

Bildbeschreibung:

Karl-Heinz Pfündner, Geschäftsführer der BWAW gGmbH

Der zweite Tag des JOBSTARTER-Expertengesprächs begann mit einer kurzen Vorstellung des Unternehmens BWAW gGmbH und einer von Karl-Heinz Pfündner geleiteten Führung durch das Kompetenzzentrum.

Präsentation BWAW gGmbH

Im Anschluss an die Führung wurde die Gesprächsrunde eröffnet. Hierbei standen folgende Fragen im Mittelpunkt:

  • Wie kann auch künftig der Fachkräftebedarf in den Unternehmen durch die Verknüpfung von Aus- und Weiterbildung gesichert werden?
  • Wie kann die Aus- und Weiterbildungsbereitschaft der Unternehmen unterstützt werden?
  • Wie kann das betriebliche Ausbildungspersonal qualifiziert und unterstützt werden?
Die Diskussionsrunde setzte sich aus Vertretern verschiedender Branchenverbände und der Industrie sowie Mitarbeitern ausgewählter JOBSTARTER-Projekte zusammen. Zu Beginn wurden regionalspezifische Erfahrungen einiger Teilnehmerinnen und Teilnehmer bezüglich der Gestaltung von Aus- und Weiterbildung in den Bereichen Solarenergie- und Windenergiewirtschaft vorgestellt. Diese führten von der Idee der Entwicklung eines neuen Ausbildungsganges in den Erneuerbaren Energien bis zur Forderung nach der Beibehaltung vorhandener Berufsbilder, die in Verbindung mit Zusatzqualifikationen erweitert werden können.

Folgende Vorschläge wurden diskutiert:
  • Vorhandene duale Ausbildungsgänge (Elektroniker/-in, Anlagenmechaniker/-in, etc.) mit Zusatzqualifikationen (betriebsintern /-extern) während oder nach der Ausbildung verknüpfen (modular angelegte Zusatzqualifikationen)
  • Klassische duale Ausbildungsgänge mit Spezialisierung(en) durch die Ausbildung im Betrieb
  • Vollzeitschulische Ausbildung im Bereich "EE" mit integriertem Fachabitur (in Erprobung); im Anschluss an die Ausbildung die Anrechnungsmöglichkeiten der erworbenen berufsschulischen Ausbildungsanteile nach § 7 BBiG sowie den Zugang von Absolventinnen und Absolventen des vollzeitschulischen Ausbildungsgangs zu einer Kammerprüfung gemäß § 43 Abs. 2 BBiG in anerkannten dualen Ausbildungsberufen verbessern
  • 2-jährige Ausbildung für Mikrotechnologen mit Spezialisierung "Photovoltaik"
  • Breit angelegte Studiengänge im Bereich EE (Überlegung Entwicklung von dualem Studiengang)
  • Breite Grundausbildung in "EE-Berufefamilie" verbunden mit Zusatzlehrgängen (Virtuelle Lernebenen - Interaktives Lernen?)

Die Mehrzahl der Anwesenden berichtete, dass von Seiten der Betriebe keine Notwendigkeit für die Schaffung eines neuen Berufsbildes im Bereich der Erneuerbaren Energien besteht.

Im Laufe des Gesprächs wurden von den Teilnehmern einige Themen und Fragestellungen genannt, die für die geplante Konferenz im November 2010 in Berlin oder einzelne regionale Workshops interessant sein könnten:
  • Sensibilisierung der Betriebe für das Thema "Ausbildung & Fachkräftebedarf": Aufzeigen der Probleme und Folgen des demografischen Wandels für die Branche
  • Internationale Kompetenzen für Mitarbeiter im Bereich der Erneuerbaren Energien: Welche Qualifizierungsmöglichkeiten gibt es? Besteht Bedarf bei den Betrieben?
  • Inter- und multikulturelle Kompetenzen von Auszubildenden: Welche Anforderungen werden an künftige Auszubildende gestellt? Welche Qualifizierungsangebote bestehen bereits?
  • "Aufbruch" - Sensibilisierung der Betriebe für "Vernetzung der Regionen"
  • Entwicklung von "Umsetzungshilfen" für Berufsbilder im Bereich der Erneuerbaren Energien: Welche Qualifikationen gibt es in diesem Bereich? Welche Kernqualifikationen sind von den Unternehmen gewünscht?
  • Entwicklung einer Imagekampagne "Erneuerbare Energien" in Kooperation mit Unternehmen zur Imageverbesserung und Aufmerksamkeitserhöhung für Berufe und Berufsbilder in den Erneuerbaren Energien
  • Zuwanderung von Personal aus dem Ausland: Wie reagieren Branche und Betriebe? Welche Anforderungen werden gestellt?
  • Regionale Mobilität - Erhöhung der Mobilität von Jugendlichen: Welche "weichen" Standortfaktoren beeinflussen die Entscheidung für oder gegen eine duale Ausbildung? Welche Angebote zur Personalgewinnung und -bindung gibt es im Bereich der Erneuerbaren Energien? Welche Vorteile bietet die Region?

In der Diskussion wurde vor allem betont, dass zielgerichtete Angebote für Unternehmen zur Bewältigung regionaler Probleme und Bedarfe im Bereich der Aus- und Weiterbildung entwickelt und beispielsweise im Rahmen von regionalen Workshops vorgestellt werden sollten.

Fazit

Die bessere Vernetzung und Kooperation zwischen Schulen und Unternehmen sowie die Erhöhung der Transparenz von Informationen über Ausbildungs- und Studiengänge in diesem Bereich erachteten einzelne Gesprächsteilnehmerinnen und -teilnehmer als wünschenswert.

Betont wurde die Wichtigkeit der politischen Rahmenbedingungen, wie beispielsweise die Einführung von Standardisierungen für Bildungsträger im Bereich der Erneuerbaren Energien zur zuverlässigen Auswahl einer Bildungseinrichtung.

Es wurde übereinstimmend das Interesse bekundet, die Diskussion fortzusetzen. Das sollte aber in regionalen Workshops mit ortsansässigen Unternehmen und ganz konkretem Handlungsbedarf vor Ort und nicht auf einer weiteren bundesweiten Konferenz erfolgen.

Autorin: Julia Bansen, Regionalbüro Ost

Bildergalerie Expertengespräch Erneuerbare Energien

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