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Wie können Gender Mainstreaming und Diversity in die Praxis der JOBSTARTER-Projekte einfließen? Ein halbes Jahr hatten die Teilnehmer und Teilnehmerinnen des Workshops "Berufemarketing, Gender und Diversity" Zeit, ihre Ideen in der Praxis zu erproben. Am 23. und 24. März 2011 lud das JOBSTARTER-Regionalbüro Nord zu einem zweiten Workshop nach Hamburg ein. Im Mittelpunkt standen die Erfahrungen bei der Umsetzung der Projekte. Ergebnis waren zahlreiche Anregungen für das Berufemarketing und externe Ausbildungsmanagement unter dem Aspekt von Gender und Diversity im Programm JOBSTARTER.
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Workshops "Berufemarketing, Gender und Diversity - Teil 2"
Zu Beginn stellte Judith Ramrath von der Programmstelle in ihrem Vortrag "Gender in JOBSTARTER - was steckt drin?" die vorläufigen Ergebnisse der Befragung zur Umsetzung von Gender Mainstreaming in den JOBSTARTER-Projekten vor. Ramrath ging auf Problemfelder und erfolgreiche Strategien sowie Perspektiven ein.
Martina Bergk und Ilona Jäger vom JOBSTARTER-Projekt think electric ermutigen in ihrem Projekt junge Frauen, sich für eine Berufsausbildung in Elektrohandwerk oder -industrie zu entscheiden. Wichtig ist ihnen, den Schülerinnen nicht nur theoretische Orientierung, sondern auch praktische Ausprobiermöglichkeiten zu geben. Im "think electric parcours" können Schülerinnen in den Werkstätten bei LIFE oder an ihrer Schule ihre handwerklichen Talente entdecken.
Damit die Teilnehmenden sich ein eigenes Bild machen konnten, durften sie die praktischen Übungen selbst durchführen: Wie programmiere ich einen Roboter? Was ist eine Lüsterklemme und wie schließe ich sie fachgerecht an? Wie bohre ich ein Loch im Porenbeton? Wie viele Solarmodule braucht es für eine Uhr? Vom Werkzeugquiz über die richtige Benutzung von Werkzeugen und Materialien bis hin zu technischen Denk- und Arbeitsprozessen war alles dabei:
Bergk wies darauf hin, dass die Berufsorientierung bei Jungen und Mädchen eigentlich sehr früh beginnen sollte. "Wir fangen bei JOBSTARTER an, wenn die meisten Weichen bereits gestellt sind.
Um begabte Frauen trotzdem erfolgreich zu unterstützen, brauchen wir komplexe Angebote, die neben den Möglichkeiten zu direkten Praxiserfahrungen sehr ermutigend sind, damit sie sich trauen, auf ihre Begabungen auch beruflich zu setzen. Oft ist den jungen Frauen auch nicht bewusst, dass sie mit der Entscheidung für einen traditionellen Frauenberuf ihre Karriere- und Verdienstchancen minimieren. Ihre Erfahrungen mit der Ausbildung sind jedoch ermutigend: "Frauen, die die Ausbildung zur Elektrikerin absolvieren, beißen sich durch und arbeiten auch später in dem Beruf." "Viele Betriebe sind offen für junge Mädchen", ergänzt Jäger. "Aber diese Offenheit allein reicht nicht. Sie müssen sich und die Ausbildung so präsentieren, dass sich Frauen angesprochen fühlen. Viele Auswahlverfahren sind leider immer noch auf männliche Bewerber zugeschnitten". Deshalb brauchen auch Betriebe viel Unterstützung.
Von "angegendert " bis zur Konzeptentwicklung - die Erfahrungen der Teilnehmenden
Bei der anschließenden Vorstellung der Projekte standen folgende Leitfragen im Mittelpunkt:
Ralf Obalski vom Projekt Jobstream und Martin Rahders von Zukunft Nordwest organisierten gemeinsam mit ortsansässigen Betrieben einen Projekttag an einer Schule. Schüler und Schülerinnen hatten die Aufgabe, sich jeweils über einen Wunschberuf und einen geschlechtsuntypischen Beruf zu informieren.
Präsentation jobstream/Zukunftnordwest
Am Girls day in Northeim motivierten Betriebsinhaber und Meisterinnen Schülerinnen für eine Ausbildung in Metallberufen. Frank Hilmer vom Projekt Future - Ausbildung in der Metalltechnik freute sich über die engagierte Teilnahme der Betriebe.
Das JOBSTARTER-Team von AusKuK hat gemeinsam mit einem Ausbildungsbetrieb und Auszubildenden einen Podcast zum Beruf Veranstaltungskaufmann/-frau entwickelt. Der Anspruch einer gendergerechten Darstellung führte zu vielen Diskussionen im Team. Projektleiterin Annette Fischer berichtete: "Wichtig war uns die Ansprache von jungen Frauen und Männern, ein ausgewogenes Verhältnis der Geschlechter im Film, die Vermeidung von Klischees und Sexualisierung in der Darstellung. Wahrscheinlich liegt es an der alters- und geschlechtsspezifischen Zusammensetzung des Teams, dass wir dabei zu sehr unterschiedlichen Bewertungen gekommen sind. Doch der Prozess hat alle beteiligten für das Thema sensibilisiert."
Link Podcast: http://www.bwu-bremen.de/video2/videoBox.htm
Aktive Beteiligung wurde von den Teilnehmenden gefordert
Hacer Kirli vom Projekt Engagement für Ausbildung mit System stellte unter dem Aspekt Diversity ihre Arbeit mit Betrieben und Jugendlichen mit Migrationshintergrund vor. "Eine interessante Herausforderung", so Kirli, "da es nicht nur um gendersensible, sondern auch um kultursensible Beratung geht". Gute Erfahrungen haben die Mitarbeitenden des Projekts mit Betriebsinhaber und Betriebsinhaberinnen der zweiten Generation gemacht. Sie sind in Deutschland aufgewachsen und mit den kulturellen Gegebenheiten und dem deutschen Bildungssystem besser vertraut. "Besonders Betriebsinhaberinnen sind dem Thema "Gender" gegenüber aufgeschlossen. Kirli lässt das Thema Gender indirekt in die Beratung einfließen und hat dann auch meistens gleich eine Bewerberin parat.
Die Kolleginnen und Kollegen der Projekte der HWK "Hildesheimer Handwerk macht Schule" und des HBZ Brackwede "TaHa - Talentinitiative Handwerk OWL" entwickelten gemeinsam ein Konzept zum Thema Berufemarketing und Elternabend. Ziel war u.a. Informationslücken bei Eltern und Lehrkräften über Berufe und Berufswahl zu schließen. Mareike Lindner von der Handwerkskammer Hildesheim berichtete, dass Eltern und Lehrkräfte oft unbewusst geschlechtsstereotypes Verhalten bestärken. Sie übertragen ihr eigenes Rollenverständnis und die Einschätzungen von Berufschancen im Handwerk sind oft veraltet.
Flying Experts in NRW
Als Expertin zum Thema Gender hat das Regionalbüro Nord Gerlinde Amsbeck vom Frauenforum Münster e.V. eingeladen. Sie stellte das Projekt "genderINSIDE" vor, welches das Frauenforum mit Unterstützung der Landesregierung NRW durchführte. Bewährte Instrumente der Berufsvorbereitung wurden unter Gender-Aspekten weiterentwickelt. Zum Erfolg des Projekts haben u.a. die Flying Experts beigetragen. Auf Anfrage unterstützten sie die Projektteams vor Ort durch fachliche Beratungen. Übergreifende Information und Vernetzung gab es in Fachworkshops, Jokerworkshops boten den beteiligten Projekten individuell zugeschnittene Fortbildung und Beratung.
Die Ergebnisse und viele Materialien für die Praxis sind im Internet dokumentiert. (www.frauenforum-muenster.de)
Die Teilnehmenden haben bei der Umsetzung ihrer Projektideen zum Thema Gender und Diversity gute Erfahrungen gemacht. Einig waren sich alle, dass viel Aufklärungsarbeit nötig ist: Tradierte Vorstellungen zur Berufsorientierung sind bei Betrieben, Jugendlichen, Eltern und Lehrern eine große Hürde. Da die JOBSTARTER-Projekte im Übergang Schule - Ausbildung beraten, haben sie nur ein kleines Zeitfenster, geschlechtsstereotypes Verhalten abzubauen. Trotzdem können die JOBSTARTER-Projekte in Hinblick auf die Chancengleichheit in der Ausbildung einen wichtigen Beitrag leisten. Fazit dieses Workshops: Weitermachen - es lohnt sich!
Autorinnen: Susanne Spirgatis und Evelyn Borsdorf, Regionalbüro Nord
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[PDF - 196,4 kB]
(URL: http://www.jobstarter.de/_media/110223_Einladung_Workshop_Gender2.pdf)
[PDF - 125,8 kB]
(URL: http://www.jobstarter.de/_media/110224Programm-gender2.pdf)
[PDF - 2,91 MB]
(URL: http://www.jobstarter.de/_media/Dokumentation_Gender_Workshop_-_Nord.pdf)
[PDF - 12,21 MB]
(URL: http://www.jobstarter.de/_media/110324_Praesentation_thinkelectric.pdf)
[PDF - 170,4 kB]
(URL: http://www.jobstarter.de/_media/110325_Praesentation_jobstream_zukunftnordwest.pdf)
[PDF - 2,12 MB]
(URL: http://www.jobstarter.de/_media/110325_Praesentation_BFM.pdf)
[PDF - 126,4 kB]
(URL: http://www.jobstarter.de/_media/110324_Genderbericht_EASY(1).pdf)
[PDF - 1,38 MB]
(URL: http://www.jobstarter.de/_media/110325_Praesentation_HWK_TaHa.pdf)