KAUSA

Auftaktveranstaltung "Aktiv für Ausbildungsplätze" am 25. September 2006

Die Auftaktveranstaltung der Konferenzreihe fand am 25. September 2006 in Berlin im Haus der Deutschen Wirtschaft statt. Der Parlamentarische Staatsekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) Andreas Storm unterstrich in seiner Begrüßungsrede den wachsenden Beitrag der "ethnischen" Ökonomie für die gesamtdeutsche Volkswirtschaft und appellierte an das Publikum, die Potenziale der ethnischen Ökonomie für die Schaffung neuer Ausbildungsplätze verstärkt zu nutzen. "Unternehmen mit ausländischen Inhabern sind inzwischen ein wichtiger Teil der deutschen Wirtschaft", sagte Storm. "Noch bilden diese Unternehmen nicht in dem gleichen Maße aus wie Firmen mit Inhabern deutscher Herkunft. Ich bin mir aber sicher, dass sie aufholen werden. Wir werden gemeinsam die Vorausset-zungen dafür schaffen, dass diese Betriebe mehr ausbilden."

Staatssekretär Storm machte deutlich, dass erfolgreiche Strategien zur Erschließung des Ausbildungspotenzials bei Unternehmern mit Migrationshintergrund am effektivsten auf der regionalen Ebene erarbeitet und umgesetzt werden können. Der regionale Aspekt liegt auch der Idee der Konferenzreihe "Aktiv für Ausbildungsplätze" zu Grunde. "Das Ziel der Konferenzen ist es, alle regionalen Akteure, die zu einer Erhöhung der Ausbildungsbeteiligung ausländischer Unternehmer beitragen können, zu einem gemeinsamen Vorgehen zu bewegen", so Storm.

Vollständige Version der Begrüßungsrede des Parlamentarischen Staatssekretärs im Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) Andreas Storm lesen


 

Podiumsrunde "WARUM AUSBILDEN? UNTERNEHMER GEWINNEN"

Teilnehmer:

  • Alexej Leunov, Gold Inn AG
  • Anastasia Müller, Krebs GmbH
  • Sabahattin Sari, Manolya e.Kfr.
  • Andreas Storm, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung
  • Susanne Ahlers, Staatssekretärin der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Arbeit und Frauen, Berlin
  • Ulrich Wiegand, Geschäftsführer der Handwerkskammer Berlin
  • Günter Piening, Integrationsbeauftragter des Berliner Senats

Moderation: Jan Eder, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Berlin

Im Laufe der Podiumsrunde tauschten Unternehmer mit Migrationshintergrund Ihre Erfahrungen mit dem deutschen dualen Ausbildungssystem mit Vertretern aus Politik, Kammern und der Berliner Senatsverwaltung aus.

Anastasia Müller bildet in ihrem Unternehmen seit vielen Jahren aus und weiß die Vorzüge des deutschen dualen Ausbildungssystems zu schätzen. "Die Unternehmen können sich heutzutage nur mit gut und im vollen Umfang ausgebildeten Fachkräften auf dem Markt be-haupten. Die durch ihre Praxisnähe bekannte duale Ausbildung bleibt dabei nach wie vor ein Erfolgsmodell", betonte die Unternehmerin.

Alexej Leunov, Hotelier und der Inhaber der Gold Inn Group bekannte sich ebenfalls zur Ausbildung und regte an, die speziellen Bedürfnisse der Unternehmer bei der Fortentwicklung der beruflichen Bildung stärker ins Visier zu nehmen: "Für einige Berufe, beispielsweise im Hotel- und Gaststättengewerbe, wären auch internationale Erfahrungen der Jugendlichen vom großen Vorteil."

Seitens der Politik und der Berliner Senatsverwaltung wurden verschiedene Aktivitäten vor-gestellt, die die Erhöhung der Ausbildungsbeteiligung der ausländischen Unternehmer zum Ziel haben. So nannte Andreas Storm als Beispiel für Möglichkeiten zur Erschließung des Potenzials von ausländischen Unternehmen auf regionaler Ebene das BMBF-Ausbildungsstrukturprogramm JOBSTARTER, in dem bereits in der ersten Förderrunde acht Projekte mit entsprechender Zielsetzung mit einem Gesamtvolumen von rund zwei Millionen Euro gefördert werden. "In Berlin sind wir mit einem JOBSTARTER-Projekt des Bildungswerks Kreuzberg sehr erfolgreich gestartet", berichtete Storm. "Dort sind in vier Monaten mehr als 60 Ausbildungsplätze in Unternehmen mit türkischen Inhabern geschaffen worden. Daran zeigt sich das große Potenzial, das in den vielen Unternehmen ausländischer Herkunft allein in Berlin steckt", unterstrich Storm.

Sabahattin Sari, Berliner Unternehmer türkischer Herkunft, profitierte bereits von diesem JOBSTARTER-Projekt.  "Viele Unternehmer  haben ihre Ausbildung in anderen Ländern durchlaufen und wissen oft nicht, dass sie ausbilden können. Da hilft nur Information und Beratung", forderte er und unterstrich die Notwendigkeit von auf die ausländischen Unternehmer zugeschnittenen Angeboten und deren höhere Akzeptanz bei der ausländischen Unternehmerschaft.

Auch der Berliner Senat bekräftigte die Notwendigkeit mentalitätsgerechter  Ansprache von Unternehmern aus verschiedenen ethnischen Communities. Susanne Ahlers kündigte den baldigen Start eines explizit für die russische und polnische Unternehmerschaft konzipierten und durch die Senatsverwaltung geförderten Projektes an. Durch persönliche Ansprache und Begleitung mit Hilfe von bilingualen Projektmitarbeitern sollen die Unternehmer mit polnischen und russischen Hintergrund für die Ausbildung gewonnen werden.

Günter Piening unterstrich, dass nur durch ein gemeinsames Vorgehen aller Akteure der Berufsbildung und Unternehmer Jugendlichen, insbesondere auch denen mit Migrationshintergrund, dauerhaft bessere Perspektiven auf dem Ausbildungsmarkt eröffnet werden kön-nen.

Ulrich Wiegand zeigte auf, dass es im Handwerk eine große Zahl an Unternehmern mit Migrationshintergrund gibt. In manchen Gewerken wie beispielsweise im Friseurhandwerk sind sie stark präsent. Daher ist es ein großes Anliegen der Handwerkskammer diese Unternehmen stärker für die Ausbildung zu gewinnen.


Podiumsrunde und Diskussion mit allen Teilnehmern "AKTIONSPLAN FÜR BERLIN"

Teilnehmer:

  • Irina Bernstein, Vorstandsmitglied des Bundesverbands Deutsch-Russischer Unternehmer
  • Nihat Sorgec, stellv. Präsident der Türkisch-Deutschen Industrie- und Handelskammer Berlin
  • Margrit Zauner, Referatsleiterin der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Arbeit und Frauen Berlin
  • Manfred Löbel, Referatsleiter Ausbildungsberatung der Handwerkskammer Berlin
  • Dr. Ramona Schröder, geschäftsführende Vorsitzende der Agentur für Arbeit Berlin-Mitte

Gesprächsleitung:  Eleonore Bausch, Bereichsleiterin Bildungspolitik, Berufspolitik  der Industrie- und Handelskammer Berlin

Vertreter von Berliner Institutionen und der Verbände ausländischer Unternehmen diskutierten in der Nachmittagsrunde über die notwendigen Handlungsschritte zur Schaffung zusätzlicher Ausbildungsplätze und zur Erhöhung der Ausbildungsbeteiligung in Unternehmen mit Migrationshintergrund in Berlin. Irina Bernstein und Nihat Sorgec waren sich darüber einig, dass eine positive Imagebildung der ausländischen Unternehmen in der Öffentlichkeit die Grundlage für die langfristigen Zusammenarbeit und die erfolgreiche Integration dieser Unternehmer in die Berliner Wirtschaft und Gesellschaft darstellt. So sollte den ausländischen Unternehmen und vor allem denen, die ausbilden, mehr  Anerkennung ausgesprochen werden. Beide plädierten dabei für die verstärkte Nutzung von Marketinginstrumenten, vor allem für die Einbeziehung der deutsch- wie auch fremdsprachigen Medien.

Manfred Löbel bestätigte, dass die Handwerksbetriebe mit Migrationshintergrund, deren Zahl in Berlin bei 2000 Unternehmen liegt, eine für die Berufsausbildung potenzialträchtige Gruppe für die Ausbildungsberater der Handwerkskammer darstellen und kündigte an, diese Unternehmen verstärkt ins Visier zu nehmen. Dabei rief er die Vertreter der ausländischen Unternehmerverbände zur engeren Zusammenarbeit auf. Auch die Verbandsvertreter wünschten sich für die Zukunft eine intensivere Zusammenarbeit mit den Kammern und appellierten ihrerseits an die Kammern, Unternehmer mit Migrationshintergrund zu ermutigen, in verschiedenen Gremien und Ausschüssen der Kammern mitzuwirken.

Dr. Ramona Schröder berichtete von den Bemühungen der Agentur für Arbeit, ausbildungsplatzwillige benachteiligte Jugendliche möglichst nah am Ausbildungsstellenmarkt zu vermitteln. Auch Sie äußerte den Wunsch nach einer engeren Zusammenarbeit mit ver-schiedenen Verbänden ausländischer Unternehmer, die die Unternehmer aus Ihren Communities mit Informationen über verschiedene Programme der Agentur für Arbeit versorgen könnten. So verzeichnete die Agentur für Arbeit beispielsweise erfreuliche Effekte bei der Inanspruchnahme des Sonderprogramms zur Erstqualifizierung Jugendlicher (EQJ), das auch für ausländische Unternehmen vom Interesse sein könnte.

Margrit Zauner wies auf die lokalen Projekte hin, die seitens der Berliner Senatsverwaltung initiiert wurden. Die Senatsverwaltung für Arbeit initiiert beispielsweise ein Projekt, das Ausbildungsplätze bei Unternehmen mit Inhabern polnischer und russischer Herkunft akquiriert. Sie rief auf, auch andere Nationalitätengruppen mit gezielter Beratung für die Ausbildung zu gewinnen. In Berlin sind Vertreter von vielen Nationen zu Hause.

Irina Bernstein brachte das Thema Sponsoring in die Diskussion. Sie regte an, das Potenzial der in Berlin ansässigen internationalen Großunternehmen zu nutzen. "Diese Unternehmen können entweder direkt für die Ausbildung gewonnen werden oder in Form von Stiftun-gen oder Sponsoring-Aktivitäten andere kleinere Betriebe oder Auszubildende unterstützen", sagte sie.

Nihat Sorgec betonte, dass das Thema grenzüberschreitende Bildung ein wichtiges Thema für Unternehmer ausländischer Herkunft ist. Nur wissen diese Unternehmen nicht, wie sie dies realisieren können, dabei liegt in bestimmten Branchen die Vorteile eine internationale Ausrichtung der Auszubildenden durch Auslandspraktika auf der Hand.

Die im Laufe der Diskussionsrunden gesammelten Vorschläge für Berlin gingen in folgenden Aktionsplan ein, der anschließend durch Rainer Rodewald (SPI Consult) und Stefan Nowack (Arbeit und Bildung e.V.) präsentiert wurde.

Aktionsplan für Berlin

  • Verstärkte Nutzung von Instrumenten des Marketings:
  • Positive Imagebildung der Unternehmer mit Migrationshintergrund in der Öffentlichkeit (Veröffentlichung von Erfolgstorys, Unternehmerportraits in deutsch- und fremdsprachigen Medien)
  • Informationskampagnen der Berufsbildungsinstitutionen zur Aktivierung ausländischer Unternehmen z.B. zum dualen Ausbildungssystem und der Verbundausbildung
  • Ermittlung und Erschließung des Potenzials der in Berlin niedergelassenen großen internationalen Unternehmen (Motto: die "Großen" helfen den "Kleinen", insbesondere durch Sponsoring, aber auch direkte Schaffung von Ausbildungsplätzen)
  • Einrichtung von Modellprojekten zum Thema "Ausbildungsabschnitte im Ausland" für einige Berufe
  • Motivierung ausländischer  Unternehmer zur Mitwirkung  in Berufsbildungsgremien der Kammern
  • Entwicklung von ethnienspezifischen Beratungsangeboten zur Gewinnung von ausländischen Unternehmern für die Ausbildung.

Dokumente

  • Programmflyer

    [PDF - 203,6 kB]

     (URL: http://www.jobstarter.de/_media/Programm_Regionalkonferenz_Berlin_25_09_2006.PDF)

  • Begrüßungsrede des PSt Andreas Storm

    [PDF - 109,8 kB]

     (URL: http://www.jobstarter.de/_media/Rede_PSt_Storm_Regionalkonferenz_Berlin_25_09_2006.pdf)

Ansprechpartner

    • Programmbereich KAUSA
    • Seda Rass-Turgut
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