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Stiftertag Berufliche Bildung - April 2007 (Ausgewählter Menüpunkt)
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Zum ersten Stiftertag Berufliche Bildung 2007 hatte der JOBSTARTER-Programmbereich Stiftungen & Fundraising unter dem Motto "Informieren und Erfahrungen austauschen" am 24. April 2007 ins Wissenschaftszentrum Bonn eingeladen. Rund 60 Vertreter von Bildungsstiftungen und Experten der beruflichen Bildung nahmen an der Veranstaltung in Bonn teil.
Peter Thiele, Leiter des Referats Grundsatzfragen der beruflichen Bildung im Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), eröffnete den Stiftertag mit dem Hinweis auf die Bedeutung der Ausbildung für die Zukunft angesichts des demografischen Wandels. Deutschland drohe ein Fachkräftemangel, wenn Wirtschaft und Gesellschaft nicht jetzt schon gegensteuerten. Die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen veränderten sich rasant, und ein rohstoffarmes Land wie Deutschland sei mehr denn je auf eine gute Ausbildung seiner Menschen angewiesen. Für die große Gemeinschaftsaufgabe Bildung würden alle gesellschaftlichen Kräfte gebraucht. Hierbei könnten die Bildungsstiftungen zur Förderung der beruflichen Bildung wichtige Impulse geben.
Volker Grünewald, Stellvertretender Leiter der Programmstelle JOBSTARTER, stellte das Ausbildungsstrukturprogramm "JOBSTARTER - für die Zukunft ausbilden" vor. Das 2006 gestartete Programm soll das betriebliche Ausbildungsplatzangebot stabilisieren und vergrößern sowie die regionalen Ausbildungsstrukturen verbessern. Hierzu stellt das BMBF für die Jahre 2006 bis 2010 ein Fördervolumen in Höhe von rund 125 Millionen Euro zur Verfügung, die mit Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF) kofinanziert werden. Gefördert werden hierbei auch Projekte, die bestehende Bildungsstiftungsaktivitäten auf das Aktionsfeld Berufsausbildung lenken wollen oder bei der Gründung von Stiftungen zur Unterstützung der Berufsausbildung sowie bei der Einwerbung von Stiftungskapital und Spendengeldern unterstützend tätig sind.Durchgeführt wird JOBSTARTER vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB).
Dr. Thomas Kreuzer, Geschäftsführer der Fundraising Akademie, referierte zum Thema "Fundraising für Stiftungen". Er nannte Fakten und Trends und stellte dar, dass für eine erfolgreiche Beschaffung von Mitteln in Form von Spenden insbesondere der Aufbau und die Pflege von Beziehungen zu Spendern, Förderern und Unterstützern von Bedeutung sei. Am Anfang stehe immer die Analyse der Zielgruppe, die eine Einrichtung als Unterstützer gewinnen möchte, sowie ein entsprechendes Konzept:
- Wen wollen Sie ansprechen?
- Was wollen Sie erreichen?
- Wie sind Sie aufgestellt?
- Was machen Sie bereits?
- Was können Sie gut?
Dabei sei eine breite Unterstützung innerhalb der eigenen Organisation genauso wichtig wie die Unterstützung von Vorstand und Geschäftsführung. "Fundraising ist nur dort erfolgreich, wo es als strategische Leitungsaufgabe aufgefasst wird", so Kreuzer.
Wichtige Voraussetzungen für ein erfolgreiches Fundraising seien darüber hinaus ein hoher Bekanntheitsgrad der eigenen Einrichtung sowie ein positives Image. Eine gute Öffentlichkeitsarbeit, die die Leistung einer Stiftung oder Einrichtung deutlich mache, erleichtere das Fundraising erheblich.
Der Spendenbrief sei nach wie vor das erfolgreichste Fundraising-Instrument bei den spendensammelnden Organisationen. Kreuzer wies ferner darauf hin, dass dem Einwerben von Erbschaften aufgrund der Erbschaftswelle in Deutschland eine immer größere Bedeutung auf dem Spendenmarkt zukomme. Die Patenschaften seien bei den Non-Profit-Organisationen seit 1991 um 88 Prozent gestiegen, die Mitgliedsbeiträge um 72 Prozent. Anlass-Spenden, zum Beispiel zu großen Firmenjubiläen seien weiterhin sehr beliebt.
Eine Betrachtung des deutschen Spendenmarktes ergäbe, dass zum Beispiel im Jahr 2003 rund 37 Prozent des Spendenaufkommens für humanitäre Hilfe in Not- und Katastrophenfällen aufgebracht wurden. Für diesen Zweck werde am meisten gespendet. Ein Prozent der 2.600 Organisationen, die professionell Spenden sammeln, teilten darüber hinaus 85 Prozent des Spendenaufkommens in Deutschland unter sich auf. Diese Verteilung werde sich aber voraussichtlich in den kommenden Jahren verändern, denn: Lokalkolorit werde belohnt. "Wenn der regionale Bezug erkennbar ist und die Leistung klar herausgestellt wird, sind die Erfolgsaussichten des Fundraisings gut", so Kreuzer. Daher sei zu erwarten, dass die kleinen Organisationen beim Spendenaufkommen zulegen würden. Auch das Stiftungswesen befinde sich im Aufwärtstrend. Gemeinsinn und soziales Engagement verschafften sich Geltung.
Am Nachmittag fand ein Round-Table-Gespräch mit anschließender Diskussion zum Thema: "Stiftungen engagieren sich für Ausbildung - Aktionen, Wirkung und Nachhaltigkeit für die Regionen" statt. Moderiert wurde das Gespräch von Jörg Martin, dem Geschäftsführer der Deutschen Stiftungsagentur. Auf dem Podium vertreten waren:
. Dr. Heinrike Heil, Geschäftsführerin der Stiftung Standortsicherung Kreis Lippe,
. Karl-Friedrich Linder, Geschäftsführer der Dr. Reinhold Hagen Stiftung sowie sein Projektleiter Friedrich Arera und
. Günter Thoma, Geschäftsführer der Deutschen BP Stiftung.
Von links nach rechts: Karl Friedrich Linder, Friedrich Arera, Jörg Martin, Dr. Heinrike Heil, Günther Thoma
Bei dieser Diskussion ging es zunächst um die Frage, wie es jeweils zur Stiftungsgründung kam und von wem die Initiative hierzu ausging.
Während bei der Stiftung Standortsicherung Kreis Lippe die Stiftungsinitiative vom Kreis Lippe ausging, kam die Initiative zur Gründung der Dr. Reinhold Hagen von einem Unternehmer: 1989 brachte Dr. h.c. Reinhold Hagen einen Teil seines privaten Vermögens, das er mit Firmen im Bereich Blasformtechnik erwirtschaftet hatte, in die nach ihm benannte Stiftung ein. Die Deutsche BP-Stiftung dagegen wurde von einem Unternehmen ins Leben gerufen, der Aral AG. Während die Dr. Reinhold Hagen Stiftung operativ tätig ist, das heißt eigene Projekte durchführt, sind die Stiftung Standortsicherung Kreis Lippe sowie die BP-Stiftung hauptsächlich fördernd tätig.
Auf die Frage, welche Projekte die Stiftungen bisher im Bereich der beruflichen Bildung realisiert haben, nannte Heinrike Heil vor allem Projekte, durch die zusätzliche Ausbildungsplätze geschaffen wurden. Es wurden zwei Ausbildungsvereine gegründet und zusätzliche Lehrkräfte finanziert. Darüber hinaus gab es das stiftungseigene Projekt "Ausbildungsimpuls Lippe", bei dem für die ersten beiden Ausbildungsjahre zusätzlich ausbildenden Betrieben ein Finanzierungszuschuss gewährt wurde. Darüber hinaus unterstütze die Stiftung Maßnahmen zur Berufsorientierung und zur Qualifizierung von schwer vermittelbaren Jugendlichen sowie zur Ausstattung von Bildungseinrichtungen, erläuterte Geschäftsführerin Heil. Der Stiftung Standortsicherung Kreis Lippe stünden gegenwärtig jährlich rund 500.000 EUR für ihre Stiftungsarbeit zur Verfügung. Darüber hinaus werbe man Zustiftungen ein. In den ersten fünf Jahren seit der Stiftungsgründung konnten Zustiftungen in Höhe von 1,5 Mio. EUR generiert werden. Bei der Akquise von Zustiftungen oder treuhänderischen Stiftungen gebe es eine Zusammenarbeit mit den regionalen Banken
Die Deutsche BP-Stiftung fördert im Bereich der beruflichen Bildung vor allem Projekte an der Nahtstelle zwischen Schule und Arbeitswelt, zum Beispiel Produktionsschulen, die den Jugendlichen eine Unterstützung beim Übergang in eine Ausbildung oder Arbeit bieten. Die Schule Kopernikusstrasse in Duisburg hat zum Beispiel das Konzept der Produktionsschule eingeführt, so Günter Thoma von der BP-Stiftung. Der herkömmliche Unterricht werde hier teilweise ersetzt durch Maßnahmen zur Berufsorientierung und Qualifizierung. Im Mittelpunkt stünden dabei mittlerweile sieben Schülerunternehmen als Bestandteil schulischer Ausbildung, die produktionsorientiert tätig seien, so Thoma. Jährlich würden Projekte mit rund 200.000 EUR auf diese Weise gefördert.
Bei der Dr. Reinold Hagen Stiftung ist im Bereich der beruflichen Bildung vor allem das Projekt des "Werkstatt-Tages" zu nennen. Es bietet Schülerinnen und Schülern des neunten Schuljahres eine Berufsorientierung in den Berufsfeldern Metall, Kunststoff, Computertechnik und Elektrotechnik. Im Laufe eines ganzen Schuljahres verlassen die Schüler einmal wöchentlich ihre Schulen und erfahren in den Werkstätten der Dr. Reinold Hagen Stiftung die Praxis der vorgestellten Berufsfelder, so Friedrich Arera. Finanziert werden die Werkstatt-Tage aus Mitteln des Landes Nordrhein-Westfalen und der Europäischen Union sowie der Dr. Reinhold Hagen Stiftung selbst. Für die Förderung aller Aktivitäten stehen jährlich 1,2 Mio. EUR zur Verfügung, so ihr Geschäftsführer Karl-Friedrich Linder.
Dr. Dagmar Gielisch, Leiterin des JOBSTARTER-Programmbereichs "Stiftungen & Fundraising" betonte in ihrer abschließenden Zusammenfassung, dass Stiftungen im Zeitalter der Globalisierung auch "Wegweiser" oder "Pfadfinder" in einer Gesellschaft sein könnten. Dies gelte umso mehr für den Bereich der beruflichen Ausbildung, da immer neue Ausbildungsberufe entstünden und die Anforderungen in den jeweiligen Berufen immer komplexer würden. Es gebe schon jetzt viele gute Beispiele von Stiftungen, die zur Nachahmung herausfordern würden.
[PDF - 373,0 kB]

(URL: http://www.jobstarter.de/_media/Stiftertag_Berufliche_Bildung_2007.pdf)
[PDF - 385,2 kB]
von Dr. Thomas Kreuzer, Geschäftsführer der Fundraising Akademie (URL: http://www.jobstarter.de/_media/Vortrag_Kreuzer_24.04.07.pdf)
[PDF - 63,6 kB]
(URL: http://www.jobstarter.de/_media/Steckbrief_Stiftung_Standortsicherung_Kreis_Lippe.pdf)
[PDF - 23,9 kB]
(URL: http://www.jobstarter.de/_media/Steckbrief_Dr._Reinhold_Hagen_Stiftung_.pdf)
[PDF - 61,0 kB]
(URL: http://www.jobstarter.de/_media/Steckbrief_Deutsche_BP_Stiftung.pdf)
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(URL: http://www.lippeimpuls.de)
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(URL: http://www.bpstiftung.de/)
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(URL: http://www.hagen-stiftung.de)