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Regionalkonferenz "Aktiv für Ausbildungsplätze" am 6. November 2006 in Ludwigshafen

Die dritte Veranstaltung der Konferenzreihe fand am 6. November 2006 in Ludwigshafen im Stadtratssaal statt.

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Begrüßung
Die dritte Veranstaltung der Konferenzreihe fand am 6. November 2006 in Ludwigshafen im Stadtratssaal statt. Die Oberbürgermeisterin der Stadt Ludwigshafen am Rhein, Dr. Eva Lohse, unterstrich in ihrer Begrüßungsrede den hohen Stellenwert der Veranstaltung für die Metropolregion Rhein-Neckar und die Städte Ludwigshafen und Mannheim. "Unternehmen mit Inhabern ausländischer Herkunft und Jugendliche zusammenzubringen um Ausbildungsplätze zu schaffen, ist ein Anliegen, dass man nicht hoch genug einschätzen kann", sagte Dr. Lohse.

Prof. Dr. Maria Böhmer, Staatsministerin im Kanzleramt und Beauftragte der Bundesregierung für Integration, Flüchtlinge und Migration machte deutlich, dass Berufsausbildung die Ausgangsbasis für qualifizierte Beschäftigung, für beruflichen Aufstieg und somit auch für die gesellschaftliche Integration ist. "Die Integration insbesondere der nachwachsenden Generationen ist eine der großen gesellschaftspolitischen Herausforderungen in den nächsten Jahren", so Prof. Böhmer. Besonders hob sie das wichtige Ziel der Regionalkonferenzen hervor: "Durch die Einbeziehung der Unternehmerinnen und Unternehmer mit Migrationshintergrund in regionale Netzwerke, können diese als Vorbilder die Bedeutung und die Chancen der Bildung, Qualifizierung und Integration in der jeweiligen ethnischen Community erlebbar machen."

Vollständige Version der Begrüßungsrede der Staatsministerin im Kanzleramt und Beauftragte der Bundesregierung für Integration, Flüchtlinge und Migration, Prof. Dr. Maria Böhmer, lesen

Willi Kuhn, Präsident der Industrie- und Handelskammer Pfalz, machte in seinem Grußwort deutlich, dass Informationsdefizite rund um das Thema Ausbildung beseitigt werden müssen, um das Ausbildungsplatzangebot zu erhöhen. "Unser gemeinsames Ziel muss es sein, das Ausbildungspotenzial besser auszuschöpfen und die Ausbildungsquote weiter zu erhöhen. Der Weg dorthin kann nur dann erfolgreich begangen werden, wenn wir mehr über die Chancen und Möglichkeiten der Ausbildung aufklären und informieren", so Kuhn.

 

Moderierter Erfahrungsaustausch zum Thema "Ausbildung"
Teilnehmer:

  • Deniz Baklan, Kauffrau für Bürokommunikation
  • Vaia Paraschaki, Bürokauffrau
  • Nikos Agorastos, Trend Fabrik
  • Handan Yalcin, Keba Reisen

Moderation: Veit Lennartz, SWR

Im Laufe dieser Podiumsrunde tauschten Unternehmer mit Migrationshintergrund und ehemalige Auszubildende ihre persönlichen Erfahrungen mit dem deutschen dualen Ausbildungssystem aus.

Deniz Baklan ist ausgebildete Kauffrau für Bürokommunikation. Die junge Frau türkischer Herkunft startete zunächst mit einer Ausbildung zur Krankenschwester, wechselte aber kurz darauf zur Ausbildung als medizinische Fachangestellte. Beide Ausbildungen brach sie jedoch ab, um sich schließlich mit Erfolg zur Kauffrau für Bürokommunikation auszubilden. Sie betonte die Wichtigkeit aussagekräftiger Bewerbungsunterlagen. "Guter Ausdruck und auch die Gestaltung der Bewerbungsunterlagen sind sehr wichtig." Sie selbst legte auf Bewerbungsform und Inhalt großen Wert und hat - im Gegensatz zu vielen ihrer Freunde - in Ihrem Leben nur drei Bewerbungen schreiben müssen.

Vaia Paraschaki kam in Deutschland zur Welt. Von ihrem 5. bis zu ihrem 16. Lebensjahr lebte sie mit ihrer Familie wieder in Griechenland. Sie betonte in der Runde die enormen Schwierigkeiten, auf die sie vor einigen Jahren bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz stieß. Besonders die mangelnden Informationen über Ausbildungsmöglichkeiten machten ihr die Suche schwer. Hilfe fand sie bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Interkulturellen Bildungszentrums (IKUBIZ) in Mannheim. Man informierte sie über ihre Möglichkeiten und half ihr beim Aufsetzen von Bewerbungsschreiben. Heute ist Frau Paraschaki ausgebildete Bürokauffrau.

Nikos Agorastos ist griechischer Herkunft und in einem von Inhabern türkischer Herkunft geführten Unternehmen tätig; der Trend Fabrik. Herr Agorastos ist im Unternehmen der Aus-bildungsbeauftragte. Bei auftauchenden Fragen oder Unsicherheiten holt er sich regelmäßig Unterstützung beim Interkulturellen Bildungszentrum (IKUBIZ). Er betont die Wichtigkeit einer solchen Anlaufstelle sowohl für Ausbilder als auch für Auszubildende.

Handan Yalcin führt gemeinsam mit ihrem Bruder das Reisebüro "Keba Reisen". Sie selbst kam  im Alter von 12 Jahren nach Deutschland und schaffte allein durch Eigeninitiative und ohne Hilfe Dritter das Abitur. Daraufhin begann sie ihre Ausbildung im elterlichen Betrieb. Damals hätte sie dringend Unterstützung durch Projekte oder Initiativen gebraucht. "Unterstützung für Jugendliche mit Migrationshintergrund ist sehr, sehr wichtig", sagt Frau Yalcin. Heute bildet Frau Yalcin selbst aus. Die Vorteile der Ausbildung im eigenen Betrieb liegen für sie auf der Hand: Junge Auszubildende bringen "frischen Wind" in das Unternehmen, so dass es nie zur Stagnation im Unternehmen kommt.

 

Moderiertes Fachgespräch "Strategien für die Zukunft in der Region"
Teilnehmer:

  • Michael Böffel, Industrie- und Handelskammer Pfalz
  • Karl Meisinger, Handwerkskammer Pfalz
  • Christian Greiner, Agentur für Arbeit Mannheim
  • Elvira Stegnos, Ausbildungsverbund IKUBIZ
  • Wolf-Rainer Lowack, Metropolregion Rhein-Neckar

Moderation: Chris Ludwig, baff e.V.

Vertreter von Institutionen und Projekten aus der Region diskutierten in der Nachmittagsrunde über die notwendigen Handlungsschritte zur Schaffung zusätzlicher Ausbildungsplätze und zur Erhöhung der Ausbildungsbeteiligung in Unternehmen mit Migrationshintergrund in der Metropolregion Rhein-Neckar.

Wolf-Reiner Lowack brachte die grundlegenden gemeinsamen Anliegen aller am Podiumsgespräch beteiligten Akteure auf folgende drei Begriffe: Ausschluss von Jugendlichen verhindern, Abschluss ermöglichen, Anschluss bieten.

Michael Böffel und Karl Meisinger appellierten in diesem Zusammenhang an die Unternehmer ausländischer Herkunft, sich mit allen Fragen und Anliegen zum Thema Ausbildung an die Mitarbeiter der Kammern zu wenden, auf deren Unterstützung sie zeitnah zählen könnten. Einig waren sie sich auch über die Wichtigkeit des Ausbilderscheins; insbesondere für die Unternehmer, die sich mit dem dualen System der Berufsausbildung nicht oder nur begrenzt auskennen.

Die Jugendlichen sollten frühzeitig und nicht erst kurz vor Schulabschluss über mögliche Berufe informiert werden, um sich so für eine ihren Fähigkeiten entsprechende Berufsausbildung entscheiden zu können. Denn oft hätten Jugendliche völlig unrealistische Berufswünsche.

Elvira Stegnos wies nachdrücklich auf die Wichtigkeit hin, die Betriebe persönlich zu besuchen und auf diese Weise langfristig Vertrauen aufzubauen. "Oft haben die Betriebsinhaber mit Migrationshintergrund Hemmungen auf die Institutionen zuzugehen. Sie brauchen dazu einen Partner ihres Vertrauens, der sie unterstützt." Außerdem sei die fachliche Wertschätzung der Betriebe ein Muss, um kontinuierliches Vertrauen und damit eine gute Zusammenarbeit zu erreichen, so Stegnos.

Christian Greiner appellierte an die Unternehmer, die derzeit noch keinen Ausbildungsplatz zur Verfügung stellen, sich über verschiedene Programme der Agentur für Arbeit zu informieren. So verzeichnete die Agentur für Arbeit beispielsweise erfreuliche Effekte bei der Inanspruchnahme des Sonderprogramms zur Erstqualifizierung Jugendlicher (EQJ), das auch für Unternehmen mit Inhabern ausländischer Herkunft von Interesse sein könnte.

 

Ausblick und Zusammenfassung
Alle Podiumsteilnehmer waren sich darüber einig, dass folgende Strategien das Ausbildungspotenzial von Unternehmen mit Inhabern ausländischer Herkunft erhöhen. Daher sollen hier die Schwerpunkte der zukünftigen Bemühungen liegen:

  • Verstärkte Nutzung vorhandener Netzwerke (auch um den Zugang zu den Betriebsinhabern mit Migrationshintergrund zu finden)
    • Aufforderung an Unternehmer sich daran zu beteiligen (und z.B. in den Schu-len als Vorbilder um Jugendliche werben)
  • Migrantenorganisationen für die Beteiligung an Aktionen gewinnen und versuchen, sie in die Netzwerke mit einzubeziehen
  • Motivierung der Unternehmer mit Migrationshintergrund die Angebote der Kammern und der Agentur für Arbeit stärker zu nutzen
  • Positive Imagebildung der Unternehmer mit Migrationshintergrund in der Öffentlichkeit z.B. durch Veröffentlichung von Erfolgsgeschichten, Unternehmerportraits in deutsch- aber auch in fremdsprachigen Medien.

 

Ansprechpartner

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    • Robert-Schuman-Platz 3
    • 53175 Bonn
    • Leiterin Programmbereich KAUSA
    • Seda Rass-Turgut
    • Telefonnummer: 0228/107-1538
    • E-Mail-Adresse:

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