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Regionalkonferenz am 6. Dezember 2006 in Frankfurt am Main (Ausgewählter Menüpunkt)
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Die vierte Veranstaltung der Konferenzreihe fand am 6. Dezember 2006 in der Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main statt.
Einleitung
Die vierte Veranstaltung der Konferenzreihe "Aktiv für Ausbildungsplätze" fand am 6. Dezember 2006 in der Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main unter der Schirmherrschaft des Parlamentarischen Staatssekretärs im Bundesministerium für Bildung und Forschung Andreas Storm statt. Der Fokus lag auf den in der Region Frankfurt niedergelassenen internationalen Unternehmen. Zum IHK-Bezirk Frankfurt a. M. zählen derzeit etwa 250 japanische, genauso viele chinesische, über 300 koreanische, über 200 indische und über 900 amerikanische Unternehmen. Traditionell decken diese Unternehmen ihren Fachkräftebedarf auf dem Arbeitsmarkt. Zunehmend bilden sie aber ihre Mitarbeiter auch selbst aus. Handlungsstrategien, die diesen Trend verstärken können, standen im Mittelpunkt der Veranstaltung.
Begrüßung
Mehr als 50 Teilnehmer, darunter Vertreter von Unternehmen, Konsulaten, einschlägigen Projekten und Institutionen, folgten der Einladung der Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main, des Ausbildungsstrukturprogramms des Bundesministeriums für Bildung und Forschung JOBSTARTER und des hessischen Projektes "Internationale Unternehmen bilden aus - IUBA", um sich über die Vorteile der betrieblichen Ausbildung zu informieren und um gemeinsam zu diskutieren, wie die ausländischen Unternehmen stärker in das deutsche ,Duale Ausbildungssystem' einbezogen werden können. Dagmar Bollin-Flade, Vizepräsidentin der Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main, Andreas Storm, parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung und Monika Wenzel, Referatsleiterin ,Berufliche Erstausbildung' und Sonderprogramme im Hessischen Ministerium für Wirtschaft, Verkehr und Landesentwicklung, hießen die Teilnehmer willkommen.
Dagmar Bollin-Flade unterstrich in ihrer Begrüßungsrede die erfolgreiche Arbeit des von den hessischen IHKen und dem Institut für berufliche Bildung, Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik (INBAS GmbH) durchgeführten Projekts IUBA (Internationale Unternehmen bilden aus). Dank des von der hessischen Landesregierung und mit Mitteln der EU finanzierten Projektes seien in Hessen seit 2001 bereits über 1.500 Ausbildungsplätze in Unternehmen mit Inhabern ausländischer Herkunft geschaffen worden. Hierbei handelt es sich bislang vornehmlich um Unternehmen mit zugewanderten Inhabern. Mit dieser Tagung wolle die Frankfurter IHK ihre Aktivitäten auch auf die Niederlassungen internationaler Unternehmen ausweiten. "Denen wollen wir die ,Duale Berufsbildung' als Instrument strategischer Personalplanung schmackhaft machen", erklärte Bollin-Flade. Allerdings wollte sie auch die Schwierigkeiten klar benennen: "Viele internationale Unternehmen kennen unser Ausbildungssystem nicht. Das heißt für uns: Klinken putzen, informieren, überzeugen und die Unternehmen durch alle Phasen der Ausbildung intensiv begleiten. Unsere Erfahrungen mit IUBA zeigen, dass wir einen langen Weg antreten. Wir brauchen deshalb eine realistische Einschätzungen des Ausbildungspotenzials von internationalen Unternehmen und neue Instrumente der Ansprache."
In seiner Eröffnungsrede wies Staatssekretär Andreas Storm auf den besonderen Stellenwert der betrieblichen Berufsausbildung in Deutschland hin. "Weit mehr als die Hälfte aller Jugendlichen (58 %) absolvieren eine Ausbildung in einem der rund 340 bundesweit staatlich anerkannten Ausbildungsberufe." Angesichts des aber weiterhin unausgewogenen Verhältnisses zwischen Lehrstellenbewerbern und angebotenen Ausbildungsplätzen müssten Politik und Wirtschaft jedoch weitere Anstrengungen unternehmen, jedem ausbildungswilligen Jugendlichen, eine Ausbildungsmöglichkeit anzubieten. Er appelliere daher auch an die in Deutschland tätigen ausländischen Unternehmen, ihr Engagement in der Berufsbildung zu verstärken. "Hiervon profitieren nicht nur die Jugendlichen, sondern auch die Unternehmen selbst", betonte Storm, denn "wer heute ausbildet, investiert in die Fachkräfte von morgen." Ziel der Bundesregierung sei es, bis zum Jahr 2010 bei ausländischen Unternehmen bis zu 10.000 neue Ausbildungsplätze zu schaffen. Die Bundesregierung sei hierbei mit zahlreichen unterstützenden Maßnahmen behilflich.
Eröffnungsrede des parlamentarischen Staatssekretärs im Bundesministerium für Bildung und Forschung Andreas Storm
Monika Wenzel würdigte das Bestreben der ausländischen Unternehmen sich mit dem deutschen ,Dualen Ausbildungssystem' auseinanderzusetzen und kündigte dabei umfangreiche Unterstützung seitens der Hessischen Landesregierung an. "Für das Jahr 2007 wurde in Hessen eine Ausbildungsoffensive ausgerufen und die entsprechenden Förderprogramme wurden um weitere 17 Millionen Euro aufgestockt", erklärte sie. Dabei ging sie auf einzelne Projekte und Förderprogramme ein, die insbesondere für ausländische Unternehmen vom Interesse sein können. Dazu gehöre beispielsweise das Projekt "Mai", das den bereits zur Ausbildung entschlossenen Unternehmen eine begleitende Unterstützung durch ehrenamtliche Fachkräfte anbietet. Auch die Ausweitung des Hessischen Förderprogramms Verbundausbildung um Ausbildungsabschnitte im Ausland spreche die Zielgruppe ausländischer Unternehmen an.
Offenes Podiumsgespräch zum Thema "Recruitment-Strategien in internationalen Unternehmen"
Teilnehmer:
Moderation: Dr. Brigitte Scheuerle, Geschäftsführerin Aus- und Weiterbildung der IHK Frankfurt am Main
Im Laufe des anschließenden Gesprächs berichteten die Podiumsgäste von ihren Erfahrungen mit dem deutschen ,Dualen Ausbildungssystem' und gewährten einen Einblick in die Personalpolitik ihrer Unternehmen. Stellvertretend für die eigenen Business-Communities diskutierten sie über die Rahmenbedingungen sowie notwendige Handlungsschritte für die Schaffung von Ausbildungsplätzen in internationalen Unternehmen.
Alle Podiumsteilnehmer waren sich zunächst darüber einig, dass das ,Duale Ausbildungssystem' "made in Germany" weltweit einen guten Ruf genießt und sprachen ihm einen hohen Qualitätsstandard zu. So berichtete Dr. Lutz Raettig, dass der Standort Deutschland für amerikanische Firmen nicht zuletzt wegen der gut ausgebildeten Fachkräfte attraktiv, das deutsche Ausbildungssystem dabei allerdings kaum bekannt sei. Die Tatsache, dass die in Deutschland niedergelassenen ausländischen Unternehmen selbst ausbilden dürfen, bleibt in den Business-Communities noch weitgehend unbekannt, so das Fazit der Unternehmensvertreter.
Allein die Kenntnisnahme von der Existenz eines Ausbildungssystems im Gastland reiche aber nicht aus. Martina Widmer, General Administration Manager der deutschen Niederlassung des japanischen Unternehmens YASKAWA mit Sitz in Schwalbach, sprach in diesem Zusammenhang von der Notwendigkeit der Vermittlung zwischen den Kulturen. Sie berichtete, wie schwierig es war, dem japanischen Management in der Konzernzentrale das deutsche ,Duale Ausbildungssystem' und seine Tradition verständlich zu machen. Erst mit Hilfe eines Kulturvereins gelang die Erklärung. "Seitdem haben wir sehr gute Erfahrungen mit der Ausbildung gemacht", - resümierte Widmer. Das Unternehmen bildet bereits seit 5 Jahren Jugendliche im kaufmännischen und IT-Berufen für den eigenen Bedarf aus.
"Insbesondere Unternehmen ohne deutsche Personalmanager sind auf intensive Beratung und Begleitung angewiesen", so Widmer. Sie begrüßte ausdrücklich Beratungsangebote, wie vom hessischen Mentoring-Projekt "Mai", das den für Ausbildung entschlossenen Unternehmen Betreuung anbietet und unterstrich insbesondere die Wichtigkeit der Unterstützung bei der Auswahl geeigneter Bewerber.
Im Laufe der Diskussion kam in mehreren Beiträgen die Sprache auf die Anforderungen, die internationale Unternehmen an ihre Fachkräfte stellen. Gefragt seien vor allem sprachliche Kompetenzen und die Fähigkeit, sich im internationalen Kontext bewegen zu können. Als bewährtes Mittel geeignete Bewerber zu finden, nannten die Unternehmensvertreter Praktika. Dabei sollen Unternehmen sich mehr den Schulen öffnen, so der Wunsch von Dr. Singh Sikand, einem Vertreter der indischen Business-Community. Er äußerte aber auch gleichzeitig Besorgnis über die Orientierungslosigkeit mancher Jugendlicher. Auch Dr. Carl Voigt bestätigte, dass die Motivation der Jugendlichen oft zu wünschen übrig lasse. Gefragt sei daher eine gezielte Berufsorientierung, die den Anforderungen der modernen und globalisierten Wirtschaft entspreche.
Beiträge von Vertretern verschiedener Business-Communities machten deutlich, dass eine passgenaue Herangehensweise erforderlich sei. So nannten die chinesischen Unternehmensvertreter Dr. Ting und Dr. Xiangping Lu, die Sprachbarrieren als erhebliches Hindernis bei der Gewinnung von Fachkräften. Bi- oder sogar -trilinguale Bewerber seien noch immer schwer zu finden, wenngleich immer mehr Schüler Chinesisch wählen.
Staatssekretär Storm dankte den Unternehmensvertretern für die ideenreiche Diskussion und alle ausgesprochenen Handlungsempfehlungen und machte nochmals deutlich, dass sich die Ausbildung als eine klare Win-win-Situation darstellt: "Das, was wir an hervorragenden Möglichkeiten der beruflichen Qualifikation für junge Menschen geben können, zu verbinden mit dem, was Unternehmenskultur in einem international tätigen Unternehmen ausmacht - ist für alle Beteiligten ein ganz großer Gewinn", betonte er.
Ausblick und Zusammenfassung
Nader Djafari, Geschäftsführer der INBAS GmbH und Projektpartner der IHK Frankfurt bei der Umsetzung des Projektes IUBA, fasste wichtige Inhalte der Diskussion zusammen.
Zunächst unterstrich er, dass das deutsche duale Ausbildungssystem einen klaren Wettbewerbsvorteil für den Standort Deutschland darstellt. "Für die Vermittlung der Vorteile des ,Dualen Systems' in einen anderen Kulturkreis ist aber mehr nötig als eine wörtliche Übersetzung der Rahmenbedingungen", fügte er hinzu. Um die Kulturen zusammenführen zu können, seien interkulturelle Kompetenzen unabdingbar. Zum Schluss appellierte Nader Djafari an alle anwesenden Community-Vertreter, sich mehr mit dem Thema Ausbildung auseinanderzusetzen und rief zur intensiveren Zusammenarbeit mit der IHK Frankfurt und dem Projekt IUBA auf.
[PDF - 326,3 kB]
(URL: http://www.jobstarter.de/_media/Kausa_Frankfurt_finalpdf.pdf)
[PDF - 43,6 kB]
(URL: http://www.jobstarter.de/_media/PSt_Storm_Rede_Regionalkonferenz_Frankfurt.pdf)