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Regionalkonferenz am 15. Januar 2007 in Stuttgart (Ausgewählter Menüpunkt)
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Mehr als 120 Teilnehmer folgten am 15. Januar 2007 der Einladung zur fünften Regionalkonferenz der Veranstaltungsreihe "Aktiv für Ausbildungsplätze" in das Rathaus der Landeshauptstadt Stuttgart.
Begrüßung
Mehr als 120 Teilnehmer folgten am 15. Januar 2007 der Einladung zur fünften Regionalkonferenz der Veranstaltungsreihe "Aktiv für Ausbildungsplätze" in das Rathaus der Landeshauptstadt Stuttgart. Gemeinsam mit Staatsministerin Prof. Dr. Maria Böhmer, Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration, und Oberbürgermeister
Dr. Wolfgang Schuster diskutierten die Teilnehmer über die Möglichkeiten, die beruflichen Perspektiven von jungen Stuttgartern und Stuttgarterinnen, insbesondere aus den Zuwandererfamilien, zu verbessern. Im Zentrum stand dabei das noch nicht ausgeschöpfte Potential an Ausbildungsplätzen in Unternehmen mit Inhabern ausländischer Herkunft, deren Zahl in Stuttgart inzwischen bei rund 15 000 liegt.
Dr. Wolfgang Schuster, der Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Stuttgart sprach in seiner Begrüßungsrede von dem zunehmenden wirtschaftlichen Beitrag der in der Region ansässigen ausländischen Unternehmen und rief die Unternehmer auch zum verstärkten gesellschaftlichen Engagement auf. "Wir wollen, dass diese Unternehmen sich mehr denn je in unsere Stadtgesellschaft einbringen und vor allem dabei mitwirken, jungen Stuttgartern und Stuttgarterinnen eine Lebensperspektive zu eröffnen", sagte er. Sein Appell an die zahlreich erschienenen Unternehmer: "Informieren Sie sich über die enormen Vorteile der betrieblichen Berufsausbildung und richten Sie zusätzliche Ausbildungsplätze ein, um jungen Menschen die Chance für einen guten Start in den Beruf zu geben und zugleich die Zukunftschancen ihres Unternehmens zu verbessern."
Prof. Dr. Maria Böhmer, Staatsministerin im Kanzleramt und Beauftragte der Bundesregierung für Integration, Flüchtlinge und Migration, wies in Ihrer Eröffnungsrede darauf hin, dass das Ausbildungspotential von Unternehmen mit Inhabern ausländischer Herkunft noch nicht genügend ausgeschöpft sei. Die Staatsministerin berichtete über die seitens der Bundesregierung vereinbarten Fördermaßnahmen zur Verbesserung der Lage auf dem Ausbildungsmarkt und insbesondere über die Strategien für mehr Ausbildungsplätze in Unternehmen von Inhabern mit Migrationshintergrund. "In Kooperation mit den deutsch-ausländischen Unternehmerverbänden haben wir Initiativen gestartet, die dazu führen werden, dass sich die Zahl der Ausbildungsplätze in den kommenden Jahren deutlich erhöhen wird. Ich begrüße es, dass Unternehmer ausländischer Herkunft 10.000 Ausbildungsplätze zusätzlich bis 2010 zur Verfügung stellen wollen", so Böhmer. Insbesondere ging sie dabei auf das Programm des Bundesministeriums für Bildung und Forschung JOBSTARTER und auf das Stuttgarter JOBSTARTER - Projekt "Abba - ausländische Unternehmen bilden aus" unter der Trägerschaft der Industrie- und Handelskammer der Region Stuttgart und des Stuttgarter Caritas Verbandes ein.
Moderierter Erfahrungsaustausch zum Thema "Ausbildung"
Teilnehmer:
Moderation: Anna Koktsidou, SWR
Im Laufe dieser Podiumsrunde gewährten Stuttgarter Unternehmer sowie deren Auszubil-dende Einblicke in den Ausbildungsalltag.
Der 33-jährige Bülent Erdem ist ausgebildeter Groß- und Außenhandelskaufmann. Vor 6 Jahren brach er sein BWL-Studium ab, um Erdem Online zu gründen, ein Unternehmen, das sich auf die Entwicklung von IT-Sicherheitsprogrammen spezialisiert. Der türkischstämmige Unternehmer beschäftigt derzeit fünf feste Mitarbeiter, darunter zwei Auszubildende, einen zum IT-System-Kaufmann und einen zum Kaufmann für Bürokommunikation. Die Herkunft der Azubis spiele für ihn keine Rolle, die Beherrschung der deutschen Sprache sei dagegen die Grundvoraussetzung, berichtete Erdem. Auch die soziale Kompetenz zählt zu den wichtigsten Kriterien bei der Auswahl der Kandidaten auf einen Ausbildungsplatz. "Es ist nicht leicht einen geeigneten Auszubildenden zu finden, die Noten sind noch lange kein Maß", sagte er. "Deswegen begrüße ich ausdrücklich unterstützende Programme, wie beispielsweise EQJ, die einem Unternehmer ermöglichen, potentielle Auszubildende besser kennenzulernen."
So hat Bernhard Titz, den Erdem seit September 2006 zum IT-System-Kaufmann ausbildet, ebenfalls zunächst durch sein Engagement während des Praktikums überzeugen müssen. Nach seinem Realschulabschluss schrieb der 18-jährige erfolglos über 30 Bewerbungen und hatte erst dank des EQJ-Praktikums bei Erdem Online die Chance bekommen, auch seine "soft skills" zum Einsatz zu bringen.
Servet Aktas kam mit 18 Jahren nach Deutschland und studierte zunächst BWL. Nach dem Studium hat er sich in der Versicherungsbranche selbständig gemacht. In diese Zeit fallen die ersten Kontakte mit der DEWA Wohnungsbaugenossenschaft, deren Vorstandsvorsitzender er derzeit ist. Die Genossenschaft hat seit kurzem mit der Ausbildung begonnen und bildet derzeit zwei Bürokommunikationskaufleute aus. Da die ca. 9000 Mitglieder der Genossenschaft vorwiegend türkischer Herkunft sind, lege man auch bei den Auszubildenden Wert auf die Beherrschung der türkischen Sprache und die Vertrautheit mit der Mentalität, so Aktas. Die Entscheidung pro Ausbildung ist bei der DEWA- Genossenschaft erst nach einer intensiven Beratung durch das Stuttgarter JOBSTARTER-Projekt "Abba" gefallen. "Viele Unternehmer haben ihre eigene Ausbildung in anderen Ländern durchlaufen und wissen oft nicht, dass sie ausbilden können. Da hilft nur Information und Beratung", sagte Aktas und unterstrich die Notwendigkeit von auf die ausländischen Unternehmer zugeschnittenen Angeboten.
Sein Auszubildender, Hilmi Sivgin, hat einen Hauptschulabschluss mitgebracht. Die erste Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker brach er ab, nachdem er festgestellt hatte, dass seine Vorstellungen im Vorfeld der Ausbildung wenig mit der beruflichen Realität gemein hatten. Ein Praktikum ermöglichte ihm den Einstieg in die DEWA - Genossenschaft. Derzeit durchläuft er eine Ausbildung zum Bürokommunikationskaufmann und fühlt sich am richtigen Platz. Beide Auszubildenden sind sich einig, dass praktische Erfahrungen bei der Berufswahl unerlässlich sind und riefen die Unternehmer auf, in ihren Betrieben verstärkt Praktika anzubieten.
Apotheker Dr. Volker Vött bildet seit 1969 aus. Im Jahr 1971 hat er seine erste Auszubildende mit Migrationshintergrund eingestellt. Seitdem bildet er kontinuierlich Jugendliche aus Zuwandererfamilien aus. Hinter dieser Entscheidung steht unter anderem ein wirtschaftliches Kalkül: Durch die türkischstämmigen Auszubildenden hat er sich einen neuen Kundenkreis erschlossen. Auch er bekannte sich zur Ausbildung und appellierte zugleich an alle anwesenden Unternehmer, über die Sicherung des Betriebes schon heute zu entscheiden und Ausbildungsplätze einzurichten. "Die Unternehmen können sich heutzutage nur mit gut ausgebildeten Fachkräften auf dem Markt behaupten. Jeder Betrieb, der gut läuft, muss für Nachwuchs sorgen", betonte er.
Moderiertes Fachgespräch "Strategien für die Zukunft in der Region"
Teilnehmer:
Moderation: Katharina Kanschat, JOBSTARTER/ KAUSA
In der Nachmittagsrunde zogen die Teilnehmer Bilanz über die in der Region Stuttgart bereits etablierten Aktivitäten auf dem Berufsbildungsmarkt und diskutierten über neue Ansätze, die das Thema "Berufliche Bildung" auf der regionalen Ebene noch weiter stärken können.
Andreas Richter, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer der Region Stuttgart, betonte zunächst, dass die Kammer bereits vor 6 -7 Jahren das Potential der ausländischen Unternehmer für sich entdeckt hat und wies in diesem Zusammenhang auf die erfolgreiche Arbeit des geführten Projektes "Abba - Ausländische Betriebe bilden aus" hin: "Im Rahmen dieses Projektes konnten in Unternehmen mit Inhabern ausländischer Herkunft im Jahr 2006 bereits 28 neue Ausbildungsplätze eingerichtet werden," berichtete Richter. Abba wird von der IHK Stuttgart in Kooperation mit dem Caritas-Verband durchgeführt und von JOBSTARTER, dem Ausbildungsstrukturprogramm des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, gefördert. Ziel des Projektes ist es, bis Ende 2007 siebzig zusätzliche Ausbildungsverhältnisse zu schaffen.
"Auch im Handwerk sind zunehmend Unternehmen mit Inhabern ausländischer Herkunft aktiv", berichtete Claus Munkwitz, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Region Stuttgart. Laut der aktuellen Kammerstatistik beläuft sich deren Zahl in der Region Stuttgart auf 6500 Betriebe; auf die Stadt Stuttgart entfallen dabei 900 Unternehmen. "Nur etwa 13% bilden aus; halb so viele wie die klassischen deutschen Betriebe", resümierte Munkwitz und fügte hinzu: "Die Kammer wird sich dieser Herausforderung stellen. Eine Steigerung von 50% halte ich für realistisch". Für die nächste Zukunft kündigte er eine Aktion der Kammer an, in der rund 200 Betriebe mit Inhabern mit ausländischen Hintergrund gezielt auf das Thema Ausbildung angesprochen werden sollen.
Gari Pavcovic, Integrationsbeauftragter der Landeshauptstadt Stuttgart, griff den Netzwerkgedanken auf und forderte eine verstärkte Verzahnung aller regionalen Aktivitäten im Bildungsbereich. Besonders wichtig sei aus seiner Sicht eine aktive und gut funktionierende Beziehung Wirtschaft - Schule. Er kündigte an die Aktivitäten der bereits funktionierenden Steuerungsgruppe "Übergang Schule - Beruf" auszuweiten. "Insbesondere die Hauptschüler können von den durch Praktika vermittelten Berufserfahrungen profitieren", so Pavcovic.
Auch Kerim Arpad, Mitglied im internationalen Ausschuss der Landeshauptstadt Stuttgart, äußerte den Wunsch nach einem gemeinsamen Rahmen für die Aktivitäten auf dem regionalen Berufsbildungsmarkt und sprach in diesem Zusammenhang von der Notwendigkeit der kommunalen Gesamtstrategie.
Faruk Ceran, Geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Vereins zur Unterstützung der Selbständigen Self e.V. berichtete zunächst über die Tätigkeitsfelder seiner Organisation. Der Verein versteht sich als internes Netzwerk, das einerseits das Potential von Unternehmern mit vorwiegend türkischem Background bündelt und auf der anderen Seite die Bedürfnisse der Mitglieder ermittelt und nach außen kommuniziert. Am Beispiel der türkischen Business-Community wies er auf ein großes ökonomisches Potential von ausländischen Unternehmern hin und zitierte dabei aus einer Studie der Deutschen Treuhand-Gesellschaft KPMG, die die Entwicklungsdynamik sehr positiv einschätzt. "Da werden qualifizierte Kräfte gefordert. Diesen Aufgaben müssen wir uns schon heute stellen", betonte er. Deswegen gehöre auch die Jugendarbeit zu den Aktivitäten des Vereins. Demnächst startet der Verein mit der Stadt Stuttgart als Partner ein Projekt zur Vermittlung von Praktika.
Gudrun Greth, Rektorin der Grund- und Hauptschule Ostheim, hat rund 600 Grund- und Hauptschüler in ihrer Obhut; viele bringen einen Migrationshintergrund mit. Besorgt berichtete sie: "Wir bekommen immer weniger Schüler in den Beruf. Dabei ist die Qualifikation der Schüler nicht schlechter geworden. In der Schule ist es beispielsweise möglich eine Zusatzqualifikation in 12 Sprachen zu erwerben". Unternehmen sollen sich den Schulen mehr öffnen, so der Wunsch der Rektorin: "Die Kooperation mit den Unternehmen ist ausbaufähig." Sie sprach unter anderem von der Notwendigkeit der Fortbildungen für den Lehrkörper. "Die Lehrer müssen auch wissen, welche Fähigkeiten und Kenntnisse in der heutigen Wirtschaft gebraucht werden", sagte sie.
Ausblick und Zusammenfassung
Die im Laufe der Diskussionsrunden gesammelten Vorschläge wurden anschließend durch Katharina Kanschat, JOBSTARTER, zusammengefasst präsentiert.
[PDF - 87,7 kB]
(URL: http://www.jobstarter.de/_media/REGIONALKONFERENZ_Programm_St.pdf)