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Werkstattgespräch "Jugendliche ohne Ausbildungsvertrag" - August 2007 (Ausgewählter Menüpunkt)
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JOBSTARTER-Werkstattgespräch am 27. August 2007 in Göttingen
"Steigende Schulabgängerzahlen führen in den alten Bundesländern bis etwa 2012/2013 noch zu steigender Nachfrage nach Ausbildungsplätzen. In den neuen Ländern ist schon jetzt ein Rückgang an Schulabgängern zu verzeichnen, der sich bis 2011 dramatisch zuspitzen wird." Dass diese demografische Entwicklung sich auf dem Ausbildungsmarkt auswirken wird, darin waren sich die Experten des von der Bundesbildungsministerin Annette Schavan einberufenen Innovationskreises berufliche Bildung einig.
(Leitlinien des Innovationskreises: http://www.bmbf.de/pub/leitlinien_innovationskreis.pdf).
Schon in den letzten Jahren zeigte sich allerdings - also bei einer deutlich angespannteren Situation auf dem Ausbildungsmarkt -, dass betriebliche Ausbildungsplätze unbesetzt blieben. Im Zuge einer positiven Entwicklung auf dem Ausbildungsmarkt dürften sich daher Handlungsbedarfe von quantitativen zu qualitativen Fragen verschieben.
Um diese Vermutung und die daraus resultierende Problemlage näher zu beleuchten, lud das Regionalbüro Nord gemeinsam mit der JOBSTARTER-Programmstelle beim BIBB zu einem Werkstattgespräch ein. Gemeinsam mit Expertinnen und Experten aus Politik, Wirtschaft, Bildungsforschung und JOBSTARTER-Projekten wurde diese These diskutiert, bereits bestehende Lösungsansätze wurden vorgestellt und weitere Handlungsmöglichkeiten erörtert.
Programm
Inhalt
Magnus Milde, Bundesministerium für Bildung und Forschung
Einführung in das Thema aus Sicht des BMBF
Bettina Ehrenthal, Bundesministerium für Bildung und Forschung
Unbesetzte Ausbildungsplätze - Eine Analyse aus Sicht der Berufsbildungsforschung
Thorsten Riemenschneider, Arbeitsagentur Göttingen
Handlungsbedarf und Handlungsmöglichkeiten aus Sicht der Bundesagentur für Arbeit
Dr. Carl-Michael Vogt, Handwerkskammer Hannover
Handlungsbedarf aus Sicht von Ausbildungsbetrieben des Handwerks
Dietmar Linne, Beschäftigungsförderung der Stadt Göttingen, Das Fachkräftepotential als Standortfaktor - aus Sicht einer Kommune
Dieter Hölterhoff, Ministerium für Bildung, Jugend und Sport des Landes Brandenburg,
Handlungsbedarfe und Steuerungsmöglichkeiten aus Sicht eines Bundeslandes
Katharina Kanschat und Dr. Sandra Liebscher, JOBSTARTER,
Lehrstellenlücke und Bewerbermangel - Lösungsbeiträge des Programms JOBSTARTER
Zusammenfassung und Ergebnisse
In der abschließenden Diskussion bestätigten die Beteiligten aus JOBSTARTER-Projekten die Notwendigkeit der systematischen Beratung und Begleitung, um neu gewonnene Betriebe "zu Ausbildungsbetrieben zu machen". Hierbei gestaltet sich die Vermittlung von Jugendlichen relativ aufwändig. Alle Projekte betonten, dass sie auf ein gut funktionierendes Netzwerk von abgebenden Schulen, Berufsschulen und Berufsberatung und Kammern bei der passgenauen Besetzung angewiesen sind: "Der Netzwerkaufbau kostet viel Zeit, aber letztendlich wird diese wieder eingespart."
Trotzdem reicht es in der Regel nicht aus, freie Stellen an die Berufsberatung, an Bildungsträger oder die Schulen zu melden, der Matchingprozess beinhaltet sowohl die Kenntnis des Anforderungsprofils des Betriebes als auch genaue Informationen über die Kompetenzen und Vorstellungen des Jugendlichen. Das Angebotsspektrum bei der passgenauen Vermittlung ist daher sehr vielschichtig und abhängig von regionalen Strukturen. Es reicht von der Meldung der freien Stellen an die Arbeitsagentur verbunden mit einer Vorauswahl der von dort an das Projekt weiter geleiteten Bewerberinnen und Bewerber (Göttingen), einem gemeinsamen Asses-mentverfahren im Auswahlverfahren mit einer Innung (Bremen), der Auswahl geeigneter Jugendlicher zusammen mit der Berufsschule (Neumünster) bis hin zu dem Aufbau und der Pflege eines Bewerber/-innen-Pools in Papenburg.
Die Diskussionsergebnisse bezogen sich auf folgende übergreifende Bereiche:
1. Daten
Die vorliegenden Daten weisen kein signifikantes Problem hinsichtlich der Besetzung von angebotenen Ausbildungsplätzen aus. Kritische Anmerkungen gab es allerdings hinsichtlich einer vollständigen Marktabbildung der Daten der BA. Auch für das Programm JOBSTARTER sei es spätestens in der "heißen Phase" der Ausbildungsvermittlung (IV. und "V. Quartal") wünschenswert, ergänzend zu den Statusberichten auch tagesaktuelle Aussagen zur Akquise und Besetzung der Ausbildungsplätze treffen zu können. Wünschenswert sind auch weitere umfassendere Erhebungen, die einerseits Daten unterschiedlicher Institutionen zusammenführen. Andererseits sollten auch Daten über Ausbildungsabbrüche berücksichtigt werden, da diese oftmals auf einen unzureichenden Matchingprozess zurückzuführen sind.
Angesichts eines zu erwartenden Fachkräftebedarfs, der demografischen Entwicklung und hinsichtlich der hohen Zahl unversorgter Jugendlicher müssen betriebliche Ausbildungspotentiale weiterhin besser entwickelt und genutzt und auch für benachteiligte Jugendliche zugänglich gemacht werden. Die Frage der passgenauen Besetzung ist daher eher ein qualitatives als ein quantitatives Problem.
2. Unterstützungsbedarfe
Jugendliche brauchen mehr Unterstützung in Hinblick auf eine gezielte Berufsorientierung und Berufsentscheidung. Berufsbilder und Anforderungsprofile, insbesondere neue, aber auch vergleichsweise "unpopuläre" Berufe sind ihnen nicht hinreichend bekannt. Es fehlt an einer systematischen Vorbereitung.
Betriebe brauchen Unterstützung bei der Beschreibung ihres Anforderungsprofils und bei der Suche nach geeigneten Bewerberinnen und Bewerbern. Dieser Support sollte in Form von differenzierter Erfassung der Aufgaben und Kriterien und einer begleitenden Beratung im Einstellungsprozess erfolgen.
Das gegenseitige Kennenlernen durch das Betriebspraktikum ist einer der wichtigsten Faktoren bei der passgenauen Besetzung. Hier müsste die Schule zeitlich flexibler bei der Freistellung der Schülerinnen und Schüler reagieren. Betriebe und Schulen sollten einen festen Ansprechpartner für Betriebspraktika benennen. Gemeinsam mit dem Jugendlichen sollte der Matchingprozess reflektiert werden.
3. Vernetzung
Ausbildungshemmende Faktoren wie fehlende Berufsschulklassen für spezielle Berufe, mangelnde regionale Anbindungen insbesondere in ländlichen und/oder strukturschwachen Regionen oder eine bessere Verzahnung der dualen Ausbildung mit anderen Ausbildungsgängen bedürfen zur Regelung ein gemeinsames Vorgehen auf kommunaler Ebene und auf der Länder- und Bundesebene. Hier besteht nach wie vor Handlungs- und Optimierungsbedarf.
Kommunen, Arbeitsagenturen, Träger der Grundsicherung und Jugendhilfe bieten ergänzend zu den abgebenden Schulen ein breites Spektrum an Berufsberatung, -orientierung und -vorbereitung an. Diese Angebote müssen noch stärker als bisher vernetzt werden und betriebliche Belange und Angebote einbeziehen.
JOBSTARTER-Projekte sollten die Ausbildungsplatzakquise und -entwicklung besonders im Blick haben. Für die Auswahl von geeigneten Jugendlichen sollten sie auf bestehende regionale Angebote/Netzwerkstrukturen der Berufsberatung und Berufsvorbereitung zurückgreifen, da ihre Ressourcen nicht für die aufwändige Detailarbeit der Vermittlung ausreichen.
Der Matchingprozess benötigt funktionierende Netzwerkstrukturen. Eine Vernetzung aller Akteure, um die bestehenden Angebote sinnvoll zu verzahnen, wird durch die JOBSTARTER-Projekte in den Regionen unterstützt. Besonders sollte die Kommunikation von Partnern forciert werden, die bislang noch nicht zusammen gearbeitet haben. Insbesondere die Berufsschule (als wichtiger Partner im dualen System) und die Wirtschaft sollten stärker einbezogen werden. Dies kann eine Ergänzung oderNeuausrichtung der inhaltlichen Netzwerkarbeit in Hinblick auf die Belange der Betriebe bedeuten. Es sollten jedoch neben bestehenden Netzwerken keine neuen Netzwerke oder gar Parallelstrukturen aufgebaut werden.
4. Nachhaltigkeit
Das JOBSTARTER-Programm begreift sich als "Anschub" in den Regionen. Offen - aber als wichtige zu klärende Aufgabe benannt - blieb die Frage der Nachhaltigkeit, d. h. welche Service-Angebote brauchen Betriebe langfristig, um ihr Ausbildungspotential zu nutzen. Wie können diese auch ohne öffentliche Finanzierung gedeckt werden? Wie kann eine "Hilfe zur Selbsthilfe" längerfristig implementiert werden? Für welches Dienstleistungsangebot sind Betriebe bereit zu zahlen?
[DOC - 475,0 kB]
(URL: http://www.jobstarter.de/_media/Werkstattgespraech_Einladung_WG_27_08_07.doc)
[PDF - 54,0 kB]
(URL: http://www.jobstarter.de/_media/070827_Folien_Einfuehrung_Winter.pdf)
[PDF - 102,6 kB]
(URL: http://www.jobstarter.de/_media/070827_Milde_Jobstarter_Goettingen.pdf)
[PDF - 54,0 kB]
(URL: http://www.jobstarter.de/_media/070827_Ehrenthal_Jobstarter_Goettingen.pdf)
[PDF - 159,1 kB]
(URL: http://www.jobstarter.de/_media/070827_Vogt_JOBSTARTER_Goettingen.pdf)