1:0 für die Berufsausbildung! – Die JOBSTARTER-Halbzeitkonferenz

„1:0 für die Berufsausbildung“ – so lautete das Motto der JOBSTARTER-Halbzeitkonferenz in Berlin. Rund 200 Teilnehmende aus Projekten und Institutionen des Berufsbildungswesens zogen Resümee und nahmen zugleich die kommenden drei Jahre in den Blick.

Das Konferenzmotto „1:0 für die Berufsausbildung“ griff der WDR-Journalist Helmut Rehmsen als Moderator und „Stadionsprecher“ der Tagung gerne auf: Der Konferenzort Berlin mit dem Absteiger Hertha BSC sei ja zuletzt nicht gerade durch Fußball-Triumphe aufgefallen.

Ein Mann schießt auf eine Torwand.

Getreu dem Motto „1:0 für die Berufsausbildung“.

JOBSTARTER / Foto: Peter Himsel

Der Spielstand von 1:0 war nach Einschätzung von Dr. Helge Braun, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung, deutlich untertrieben: Eigentlich stehe es bereits 30.000:0, korrigierte er und meinte damit die beeindruckende Zahl an besetzten JOBSTARTER-Ausbildungsplätzen.

Erfolgreiche erste Halbzeit für JOBSTARTER

Berlin, 11. Mai 2010: Zur Halbzeit von JOBSTARTER, das bis zum Jahr 2013 laufen wird, nahmen rund 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Projekten und Institutionen des Berufsbildungswesens die kommenden drei Jahre in den Blick.

Verstärkt wird in Phase 2 die Besetzung der bislang rund 42.500 geschaffenen und 30.000 besetzten Ausbildungsplätze mit Jugendlichen im Fokus stehen. Dabei wird es auf Kooperation, Institutionalisierung und regional angepasste Lösungen ankommen, wie Podiumsdiskussion und Fachforen der Konferenz in verschiedenen Zusammenhängen ergaben.

Auf dem Marktplatz im Foyer des Tagungshotels präsentierte sich eine Reihe von JOBSTARTER-Projekten mit eigenen Ständen. Auch hier stand alles im Zeichen des Konferenzmottos „1:0 für die Berufsausbildung“: An mehreren Kickertischen und sogar einer Torwand konnten die Teilnehmer ihre Ballkünste erproben. In einem „Public-Viewing“-Zelt lief der JOBSTARTER-Film.

Eindrücke vom Marktplatz erhalten Sie in der Bildergalerie:

Ein Mann und eine Frau schauen gemeinsam in einen Laptop.

Teilzeitausbildung: Tau – Teilzeitausbildung für junge Mütter und Väter des bfz Bamberg

JOBSTARTER / Fotograf: Peter Himsel

Eine Frau und zwei Männer im Gespräch.

Zusatzqualifikationen und Energieeffizienz: Entwicklung einer zweijährigen Zusatzqualifizierung Assistent/-in für energie- und ressourceneffizientes Wirtschaften im Handwerk bei der LGH e.V.

JOBSTARTER / Fotograf: Peter Himsel

Zwei Männer und eine Frau im Gespräch.

Vollzeitschulische Ausbildungsgänge zur Kammerprüfung: Moderation eines Ausbildungsnetzwerkes zur Erschließung von Fachkräftepotenzialen in der Metallbranche Westmecklenburgs des IHK-Bildungszentrums Schwerin

JOBSTARTER / Fotograf: Peter Himsel

Fünf Menschen im Gespräch.

Vollzeitschulische Ausbildungsgänge zur Kammerprüfung: Moderation eines Ausbildungsnetzwerkes zur Erschließung von Fachkräftepotenzialen in der Metallbranche Westmecklenburgs des IHK-Bildungszentrums Schwerin

JOBSTARTER / Fotograf: Peter Himsel

Drei Männer im Gespräch.

Kooperation Schule-Wirtschaft: GAP – Görlitzer Ausbildungsagentur Passgenau von Lausitz Matrix e.V.

JOBSTARTER / Fotograf: Peter Himsel

Drei Herren posieren für die Kamera.

Europäische Ausbildungskooperationen und Erneuerbare Energien: Ready for Europe des Bildungswerks der Niedersächsischen Wirtschaft (Boehle und Folger mit BIBB-Präsident Kremer)

JOBSTARTER / Fotograf: Peter Himsel

Eine Dame und ein Herr im Gespräch.

Ausbildungsabbrüche verhindern: JOBSTARTER-Initiative VerA des Senior Experten Service

JOBSTARTER / Fotograf: Peter Himsel

Drei Herren und eine Dame im Gespräch.

Erfolg durch Ausbildungsbausteine des Ausbildungsverbunds Neumünster (CONNECT) (Kanschat, Arenz, Börner, Dr. Braun)

JOBSTARTER / Fotograf: Peter Himsel

Freudige Diskussion am Stehtisch.

Migrantenbetriebe bilden aus: Weitblick der Arbeitsgemeinschaft selbstständiger Migranten (ASM) e.V. Hamburg

JOBSTARTER / Fotograf: Peter Himsel

Zwei Herren im Gespräch an einem Stehtisch mit Laptop.

Stiftungen und berufliche Bildung: Strahlemann-Initiative

JOBSTARTER / Fotograf: Peter Himsel

Zwei Damen und ein Herr spielen an einem Miniatur-Kicker.

Auch am Miniatur-Kicker erprobten die Konferenzgäste zwischendurch ihre Treffsicherheit.

JOBSTARTER / Fotograf: Peter Himsel


JOBSTARTER-Film feiert Premiere

Der Imagefilm im Auftrag des BIBB hatte am Morgen seine Uraufführung erlebt:

Fünf spannend montierte Einblicke in den Alltag von Auszubildenden, Unternehmen und Beratern aus JOBSTARTER-Projekten vermittelten einen Eindruck davon, wie erfüllend und befriedigend eine gute Ausbildung für junge Menschen sein kann – und wie gewinnbringend für Betriebe.

Das Plenum schaut auf eine Leinwand, auf der ein Video abgespielt wird.

Begeistert aufgenommen: die Premiere des JOBSTARTER-Imagefilms.

JOBSTARTER / Fotograf: Peter Himsel

Vor allem, wenn dabei Probleme durch viel Idealismus und Engagement überwunden werden. Der Film erntete Applaus im vollbesetzten Saal.

Selbst während der Pausen ging es in den Gesprächen immer wieder um den Wunsch nach einer intensivierten Kooperation und Verstetigung der zahlreichen Projekte und Institutionen im Berufsbildungswesen. Stellvertretend für viele stand auch, was Steffen Reichelt vom Verein Arbeit und Leben Sachsen an einem der Tische als Anspruch formulierte: „Wir müssen den zunehmend schwierigen Spagat zwischen den Ansprüchen ausbildender Unternehmen und den Berufsvorstellungen Jugendlicher hinbekommen.“

Das Forum, das die Halbzeitkonferenz bot, wurde überwiegend als positiv und motivierend erlebt. Andreas Link von der Strahlemann-Stiftung, einem der vorgestellten JOBSTARTER-Projekte: „Diese Konferenz trägt dazu bei, dass sich gute Kontakte auch zu anderen Projekten entwickeln.“

Weitere Eindrücke von der JOBSTARTER-Halbzeitkonferenz sehen Sie in unserer Bildergalerie:

Zwei Männer schauen sich auf einer Veranstaltung eine Broschüre an.

JOBSTARTER / Fotograf: Peter Himsel

Eine blonde Frau mit kurzen Haaren unterhält sich.

JOBSTARTER / Fotograf: Peter Himsel

Drei Männer unterhalten sich an einem runden Tisch.

JOBSTARTER / Fotograf: Peter Himsel

Eine Frau in einer orangen Bluse unterhält sich.

JOBSTARTER / Fotograf: Peter Himsel

Vier Frauen unterhalten sich und schauen gemeinsam eine Broschüre an.

JOBSTARTER / Fotograf: Peter Himsel

Zwei Frauen mit kurzen dunklen Haaren im Gespräch.

JOBSTARTER / Fotograf: Peter Himsel

Konferenzteilnehmer am JOBSTARTER-Stand.

JOBSTARTER / Fotograf: Peter Himsel

Eine Konferenzteilnehmerin mit kurzen Haaren.

JOBSTARTER / Fotograf: Peter Himsel

Konferenzteilnehmer sitzen an Tischen und hören zu.

JOBSTARTER / Fotograf: Peter Himsel

Konferenzteilnehmer hören zu.

JOBSTARTER / Fotograf: Peter Himsel

Konferenzteilnehmer hören zu.

JOBSTARTER / Fotograf: Peter Himsel

Zwei Konferenzteilnehmerinnen am JOBSTARTER-Stand.

JOBSTARTER / Fotograf: Peter Himsel


Staatssekretär Dr. Braun eröffnete die Konferenz

Zu einer „Halbzeitansprache“ an die JOBSTARTER-Mannschaft lud Moderator Rehmsen in bestem „Fußball-Deutsch“ Dr. Helge Braun ein, den Parlamentarischen Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung.

„Diese Zahlen sind eine beeindruckende Bestätigung dafür, dass das im Rahmen des Ausbildungspaktes initiierte Programm des BMBF Erfolgsgeschichte ist.“

Dr. Helge Braun, Staatssekretär BMBF

Braun lobte denn auch die „Spieler“ des Programms für 241 Projekte und 42.500 neu geschaffenen Ausbildungsplätze: „Diese Zahlen sind eine beeindruckende Bestätigung dafür, dass das im Rahmen des Ausbildungspaktes initiierte Programm des BMBF eine Erfolgsgeschichte ist.“

Dr. Helge Braun, Parlamentarischer Staatssekretär im BMBF, hält eine Rede an einem Podium.

Dr. Helge Braun, Parlamentarischer Staatssekretär im BMBF, während seines Vortrags.

JOBSTARTER / Fotograf: Peter Himsel

Für die zweite Phase von JOBSTARTER verwies er unter anderem auf Unterstützung durch das neue BMBF-Programm „Bildungsketten bis zum Berufsabschluss“:

Es sieht in Kooperation mit Schulen, Kammern und Unternehmen vor, Schüler bereits ab der 7. Klasse individuell zu realistisch erreichbaren Berufszielen hinzuführen. „Somit werden wir neue Chancen für Jugendliche eröffnen, Schulabbrüche reduzieren und das Übergangssystem effizienter gestalten“, versprach Braun.

Podiumsdiskussion zeigt verschiedene Blickwinkel

Die ganze Bandbreite der JOBSTARTER-Themen zeigte sich spätestens bei der Diskussion des hochkarätig besetzten Podiums im ersten Teil der Konferenz: Von Jugendlichen mit Migrationshintergrund bis zu Imageproblemen von Handwerksberufen, vom Reformbedarf des dualen Systems bis hin zur Verstetigung der zahlreichen Berufsbildungsprojekte reichte das Spektrum der von Moderator Rehmsen geleiteten Debatte.

Aus ihren jeweiligen Blickwinkeln trugen dazu bei:

  • Matthias Anbuhl, Leiter des Bereichs Bildung, Qualifizierung und Forschung beim DGB-Bundesvorstand
  • Dr. Helge Braun, Parlamentarischer Staatsekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung
  • Professor Dr. Friedrich Hubert Esser, Leiter der Abteilung Berufliche Bildung des Zentralverbands des Deutschen Handwerks e.V.
  • Manfred Kremer, Präsident des Bundesinstituts für Berufsbildung
  • Dr. Iris Pfeiffer, Marktfeldleiterin Bildung und Beschäftigung bei der Prognos AG
  • Dr. Beate Scheffler, Leiterin der Abteilung Berufliche Bildung des Ministeriums für Schule und Weiterbildung des Landes NRW.

Vom Wandel der Berufsausbildung, Integration und Ausbildungsbausteinen: die Foren

Forum 1: Berufsausbildung: den Wandel wirksam mitgestalten

Thema in diesem Forum war unter anderem die Zukunftsfähigkeit der Dualen Berufsbildung angesichts der demographischen Entwicklung: Was können neue Instrumente leisten?

  • Gegenläufige Entwicklungen: Eine Analyse der Statistiken ergab, dass in Deutschland Ausbildungsstellen besetzt werden können, während gleichzeitig Jugendliche keine Ausbildungsstelle finden. Da die Ursachen vielfältig sind, müssen je nach Region und Zusammenhang spezifische Lösungen für die Bedürfnisse von Unternehmen und Jugendlichen gefunden werden.
  • Zwei Beispiele für passgenaue Problemlösungen: Das JOBSTARTER-Projekt „Ausbildungsverbund der Wirtschaftsregion Braunschweig“ hat einen Dualen Studiengang entwickelt, auf den die Unternehmen sehr gut ansprechen, weil sie auf diese Weise Führungsnachwuchs gewinnen. Der Senior Experten Service (SES) bietet mit der JOBSTARTER-Initiative VerA Jugendlichen mit Ausbildungsproblemen Senioren als erfahrene Begleiter an. Auch dieses Modell läuft sehr gut an. Die hohe Akzeptanz liege auch daran, dass die Begleiter aus der Großeltern- und nicht der Elterngeneration stammen. Ihnen werde eher zugehört.
  • Neue Bundesländer: Die Auswertung der Arbeitsmarktdaten zeigt auch, dass die mancherorts bereits überwunden geglaubten Ost-West-Unterschiede auf dem Ausbildungsmarkt aufgrund der demographischen Entwicklung bestehen bleiben werden.

Protokoll aus dem Forum I

Berufsausbildung: den Wandel wirksam mitgestalten

Zukunftsfähigkeit der Dualen Berufsbildung – was leisten neue Instrumente?


Expertenrunde:
Dr. Elisabeth Krekel, Bundesinstitut für Berufsbildung
Sabine Will, Ausbildungsverbund der Wirtschaftsregion Braunschweig‐Magdeburg
Dr. Susanne Nonnen, Senior Experten Service – JOBSTARTER‐Initiative VerA
Peter Thiele, Bundesministerium für Bildung und Forschung

Moderation:
Katharina Kanschat, JOBSTARTER

Aussagen und Thesen:
Der demographische Wandel wirkt sich auf die berufliche Bildung aus: eine geringere Anzahl an Schulabgängern auf der einen Seite, ein wachsender Bedarf an gut ausgebildeten Fachkräften auf der anderen Seite. Gut für Jugendliche, könnte man denken, denn Unternehmen müssen sich um die Bewerber zukünftig stärker bemühen. Allerdings profitieren hier nur diejenigen, die ohnehin kein Problem haben, einen Ausbildungsplatz zu finden. Die Schwächeren werden aufgrund der wachsenden Anforderungen in der Arbeitswelt eher noch schlechtere Aussichten auf eine Ausbildung haben. Eine Bestandsaufnahme ist hier notwendig. Was hat sich in einem Zeitraum von 10 Jahren tatsächlich auf dem Ausbildungsstellenmarkt verändert?

Dr. Elisabeth Krekel, die im Bundesinstitut für Berufsbildung unter anderem den umfassenden Datenreport verantwortet, zeigte die großen Entwicklungslinien auf. In den Projekten des Programms JOBSTARTER wurde eine Fülle von Instrumenten entwickelt, sie haben die aktuellen Trends und Herausforderungen der Berufsausbildung aufgegriffen.

Sabine Will, Ausbildungsverbund der Wirtschaftsregion Braunschweig‐Magdeburg, stellte die Chancen der Einführung eines dualen Studienganges für die Bauwirtschaft vor: ein Angebot, das die Praxisorientierung der dualen Berufsausbildung mit den gehobenen Anforderungen eines Studiums verbinde und somit Vorteile für Betriebe und Auszubildende biete.

Dr. Susanne Nonnen, Senior Experten Service – JOBSTARTER‐Initiative VerA, bedient mit einem bundesweiten Netzwerk diejenigen, die im Verlauf der Ausbildung von Ausbildungsabbruch bedroht sind. Speziell für die Initiative VerA (Verhinderung von Abbrüchen und Stärkung von Jugendlichen in der Berufsausbildung durch SES‐Ausbildungsbegleiter) wurden bereits 660 ehrenamtliche Begleiter an 25 Standorten in Deutschland geschult. Neben der Lernbereitschaft würden insbesondere die sozialen Kompetenzen der jungen Leute gestärkt. Anfragen kämen von Kammern, Berufsschulen, Betrieben, Eltern und den Jugendlichen selber.

Peter Thiele, Bundesministerium für Bildung und Forschung, gab einenÜberblick über die großen Trends, mit denen die Berufsbildung in den kommenden Jahren konfrontiert wird, und zeigte auf, in welcher Weise das Bundesbildungsministerium darauf reagiert. Die demographische Entwicklung mit sinkenden Schulabgängerzahlen auf der einen Seite und der steigende Fachkräftebedarf auf der anderen Seite bedeute eine große Herausforderung für das Übergangsmanagement von der Schule zur betrieblichen Ausbildung. Hier müssten Bildungsketten geschaffen werden, die einen systematischen und regional abgestimmten Übergang sicherten. Der wachsende Wettbewerb zwischen der dualen Ausbildung und dem Studium werde durch die Vorgaben der Europäischen Union weiter verstärkt. Für Deutschland bedeute dies, Initiativen für eine Stärkung des dualen Systems entwickeln zu müssen, sodass der Zugang zum Hochschul- und Fachhochschulstudium erleichtert werde. Der Wandel von der Industrie- zur Wissensgesellschaft impliziere den hohen Stellenwert, den die berufliche Weiterbildung neben der Ausbildung haben werde. Weiterbildung könne bereits während der Ausbildung in Form von zusätzlichen Angeboten erfolgen oder an die Erstausbildung anschließen. In jedem Fall sichere sie die Berufschancen der Beschäftigten und den qualitativ hochwertigen Fachkräftenachwuchs der Betriebe. Hinzu komme ein zunehmender Wettbewerb der Regionen um den Nachwuchs für die regionale Wirtschaft. Bereits heute gebe es ländlich geprägte Regionen im Osten, in denen vielen ausbildungsbereiten Betrieben die Bewerber fehlten. Habe man für die Hochschulen bereits die „Go-East-Kampagne“ initiiert, müsse es auch für die duale Ausbildung Hilfestellung bei der Förderung von Mobilität zu Ausbildungszwecken geben.

Aus dieser Ausgangslage leiteten sich zwei Hauptaktionslinien für die Bundespolitik ab:

Mit dem bundesweiten Programm der „Bildungsketten“ stärke die Bundesregierung die Integrationskraft der beruflichen Bildung und setze genau an den genannten Herausforderungen des Übergangsmanagements von der Schule in die Ausbildung an. Zusätzliche Qualifizierungsangebote könnten bereits in der Ausbildung absolviert werden. Eine Art „Turbo‐Ausbildung“ solle den Weg zu weiterführender Bildung wie dem Meisterabschluss schneller ebnen. Die Erhöhung der Durchlässigkeit an der zweiten Schwelle, von der Ausbildung zur Weiterbildung sowie Hochschulbildung, sei hierbei das Ziel.

Forum 2: Migration und Integration: Berufliche Bildung zeigt Wege

In diesem Forum ging es unter anderem um die Frage, wie Menschen mit Migrationshintergrund durch Ausbildung zu gesellschaftlicher Teilhabe gelangen können.

  • Migrationshintergrund ist für diese Gesellschaft attraktiv: Inzwischen gebe es bereits regelrechte Symbolfiguren für Interkulturalität und Mehrsprachigkeit.
  • Großes Potenzial der Interkulturalität: Das wird sowohl vom Programmbereich KAUSA als auch vom Beispiel der Türkisch-Deutschen IHK in Köln belegt, die bereits über 400 Ausbildungsplätze in migrantischen Betrieben geschaffen hat.
  • Hoher Aufwand und schwieriger Zugang: Allerdings ist der Informations- und Beratungsaufwand in Betrieben mit Migrationshintergrund, bis Ausbildungsangebote realisiert werden, etwa viermal so hoch wie in nicht-migrantischen Unternehmen. Zudem braucht es Türöffner, um sich als Berater erfolgreich in diesen Communities zu bewegen, etwa indem die Beratenden selbst eine Zuwanderungsgeschichte haben.

Protokoll aus dem Forum 2

Migration und Integration: Berufliche Bildung zeigt Wege

Durch Ausbildung zu gesellschaftlicher Teilhabe – erfolgreiche Integrationskonzepte
 

Der JOBSTARTER‐Programmbereich KAUSA widmet sich explizit der Frage, wie Selbstständige mit Migrationshintergrund für die duale Ausbildung gewonnen werden können. Zunehmend rücken auch Jugendliche mit Migrationshintergrund und ihre Eltern in den Mittelpunkt des Interesses. Im Fachforum II diskutierten Gregor Berghausen (IHK zu Köln), Suat Bakir (Türkisch‐Deutsche IHK Köln) und Elvira Stegnos (IKUBIZ e.V., Mannheim) die Notwendigkeit einer solchen Zielgruppenfokussierung vor dem Hintergrund ihrer Erfahrungen aus JOBSTARTER .

Berghausen, Bakir und Stegnos stehen stellvertretend für 37 JOBSTARTER‐Projekte mit dem Themenschwerpunkt KAUSA. Seit 2006 wurden in diesen Projekten 2.500 zusätzliche Ausbildungsplätze bei Selbstständigen mit Migrationshintergrund akquiriert, 64 Prozent davon bei erstausbildenden Betrieben. Wie diese Projekte arbeiten, was sie von anderen JOBSTARTER-Projekten unterscheidet, war Thema der Redebeiträge.

Gregor Berghausen unterstrich dabei, dass sich die Notwendigkeit von Projekten, die sich speziellum das Thema Ausbildung bei Selbstständigen mit Migrationshintergrund kümmern, im Verlauf der letzten 20 Jahren nicht verändert habe. Insbesondere die „Türöffnerfunktion“ solcher Projekte sei entscheidend. Institutionen wie Kammern gelinge die Anbindung dieser Unternehmerinnen und Unternehmer besonders dann, wenn Personen mit gleichem oder ähnlichem kulturellem Hintergrund als Brückenbauer fungierten.

Suat Bakir betonte zusätzlich die Notwendigkeit einer speziellen Türkisch‐Deutschen IHK. ImGegensatz zur allgemeinen IHK sei die TD‐IHK auf binationale Handelsbeziehungen ausgerichtet, und könne daher die Zielgruppe der türkischstämmigen Unternehmen gezielter ansprechen. Wichtig sei jedoch die Vernetzung aller Akteure. An einzelnen Beispielen verdeutlichte er, worin sich Ansätze bei der Akquise von zusätzlichen Ausbildungsplätzen bei türkischstämmigen und deutschen Unternehmen unterscheiden.

An einem anderen Aspekt machte Elvira Stegnos die Notwendigkeit spezieller KAUSA‐Projektedeutlich: Häufig bestehe bei Jugendlichen die Befürchtung, der Abschluss in einem Migrantenbetrieb sei nicht gleichwertig mit dem, den andere Jugendliche in großen deutschen Betrieben machen. Hier sei noch viel Aufklärungsarbeit notwendig. Gleichzeitig wies sie darauf hin, dass auch für Selbstständige mit Migrationshintergrund die Notwendigkeit der Qualifizierung bestehe. „Es gibt keinen Schutz vor Qualifizierung. Je professioneller das Personal, desto mehr wird auf bestimmte Dinge während der Ausbildung geachtet, desto anerkannter ist auch der Ausbildungsbetrieb. Mit der Anerkennung steigt auch die Chance, zukünftig Auszubildende zu bekommen“, so Stegnos.

Weitere Diskussionspunkte waren die Frage danach, ob Integration ein primär soziales oder ein kulturelles Problem sei, die Frage nach den Zugangschancen für Jugendliche mit Migrationshintergrund und die Frage nach der Notwendigkeit einer möglichen Quotenregelung zur Schaffung von besseren Zugangsmöglichkeiten in Ausbildung.

Forum 3: Übergang in Ausbildung: „Bildungsketten“ statt Warteschleifen

JOBSTARTER CONNECT erprobt bundeseinheitliche Ausbildungsbausteine in 40 regionalen Projekten. In Nordrhein Westfalen setzt das Programm „Dritter Weg in der Berufsausbildung NRW“ ein anderes Ausbildungsbaustein-Konzept um.

Dieses Forum zeigte die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Programme. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer diskutierten die Zukunft von Baustein-Konzepten. Folgende Ergebnisse sind festzuhalten:

  • Wirksamkeit von Ausbildungsbausteinen: Sie sind ein relativ neues Instrument der Ausbildungsmarktpolitik. Das Landesprogramm „Dritter Weg“ in NRW verbucht bereits dokumentierte Erfolge: 88 Prozent der Teilnehmenden erlangten einen Abschluss, meist innerhalb der Regelzeit.
  • Vorteil für die Motivation: Mit kleinen Schritten (Bausteinen) werden den Jugendlichen nachweislich Erfolgs- statt Frustrationserlebnisse vermittelt, was ihre Kompetenzen betrifft. Dies wirkt motivierend.
  • Verstetigung von Ausbildungsbaustein-Projekten: Der „dritte Weg“ wird zum Regelangebot der Bundesagentur für Arbeit in NRW. Ein Problem: Verstetigung und Regelförderung bedeuten oft, nach der Modellerprobungsphase weniger Geldmittel zur Verfügung zu haben.

Protokoll aus dem Forum 3

Übergang in Ausbildung: „Bildungsketten“ statt Warteschleifen

Effektivität durch verzahnte Bildungswege – Ausbildungsbausteine für den Erfolg


Das Programm JOBSTARTER CONNECT erprobt bundeseinheitliche Ausbildungsbausteine in 40 regionalen Projekten. In Nordrhein‐Westfalen wird durch das Programm „3. Weg in der Berufsausbildung NRW“ ein anderes Ausbildungsbaustein‐Konzept umgesetzt. Dieses Forum zeigte die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Programme. Das bislang Erreichte wurde dargestellt und die Zukunft dieser Ansätze diskutiert.

Welche Bedeutung werden Ausbildungsbausteine künftig in der beruflichen Bildung haben? Was leisten Ausbildungsbausteine aktuell und welchen Mehrwert haben Sie für die beteiligten Akteure und Jugendlichen? Warum gibt es unterschiedliche Systeme von Ausbildungsbausteinen? Dies sind nur einige der Fragen, die in diesem Forum mit dem Titel „Bildungsketten statt Warteschleifen“ diskutiert wurden. Das Berliner JOBSTARTER CONNECT‐Projekt „Kompetenz in Bausteinen“ und das Landesprogramm „3. Weg in der Berufsausbildung NRW“ standen im Mittelpunkt dieses Forums, in dem sich alles um das Thema Ausbildungsbausteine drehte.

Berliner CONNECT‐Projekt stellt sich vor

Dagmar Kuhlich von der Berliner Senatsverwaltung und Rainer Rodewald von der SPI ConsultGmbH stellten das gemeinsame Projekt „Kompetenz in Bausteinen“ vor. Sie verschafften den Zuhörern einen Überblick, welchen Herausforderungen sich die Mitarbeiter des Projektes stellen. Die vom Bundesinstitut für Berufsbildung entwickelten Ausbildungsbausteine würden in zwei Berufsfeldern über die gesamte Berufsausbildung hinweg in einer wirtschaftsnahen Form der außerbetrieblichen Ausbildung implementiert und erprobt. Das Zusammenwirken der am Projekt beteiligten Akteure Bildungsdienstleister, Betriebe und Berliner Oberstufenzentren wurde deutlich. Sie stellten dar, wie die Ausbildungsbausteine kompetenzorientiert vermittelt werden können.

Der Begriff „Kompetenz“ dominierte auch die anschließende Diskussion. Beide Referenten verdeutlichten, dass es für die Projektbeteiligten weiterhin eine elementare Herausforderung sein werde, die an unterschiedlichen Lernorten erworbenen Kompetenzen festzustellen und gemeinsam zu bescheinigen.

Rainer Rodewald unterstrich, dass der Erfolg der Ausbildungsbausteine auch in Zukunft davon abhängen werde, ob es innerhalb der Projektlaufzeit gelingen werde, handhabbare und einheitliche Verfahren zur Erfassung und Bestätigung der Kompetenzen zu entwickeln. Auch eine Ausweitung auf weitere Berufe könne, so Rodewald, ein nächster wichtiger Schritt sein, um Ausbildungsbausteine langfristig in der beruflichen Bildung zu verankern.

„3. Weg in der Berufsausbildung NRW“ wird Regelinstrument der Bundesagentur für Arbeit in Nordrhein-Westfalen

Ein erfolgreiches Modell, um Ausbildungsbausteine „flächendeckend“ zu etablieren, veranschaulichte Christofer Susen‐Godde vom Ministerium für Arbeit Gesundheit und Soziales des LandesNordrhein‐ Westfalen. Er stellte das Programm „3. Weg in der Berufsausbildung“ des Landes Nordrhein‐Westfalen vor. Innovative Elemente dieses Programms sind:

  • Zielgruppe: ausbildungswillige, aber nicht ausbildungsreife Jugendliche,
  • sozialpädagogische Schwerpunktsetzung,
  • Ausbildung in bis zu fünf Jahren
  • Unterbrechung und Wiedereinstieg sind möglich.

Im Unterschied zu JOBSTARTER CONNECT seien die zur Qualifizierung eingesetzten Ausbildungsbausteine nicht bundeseinheitlich. Sie würden mit den Akteuren auf Landesebene entwickelt und vom BIBB zertifiziert. Das erfolgreiche Programm werde künftig über Regelausschreibungen der Bundesagentur für Arbeit in NRW fortgesetzt.

Quo vadis „Bausteine“?

Nach den spannenden Beiträgen ging es diskussionsfreudig weiter. So wurde einerseits die Zukunft von Bausteinen in der beruflichen Bildung insgesamt thematisiert. Andererseits drehten sich viele Wortmeldungen um die Verstetigungsaussichten gelungener und erfolgreicher Projekte und Programme. Auch in der anschließenden Kaffeepause wurden manche Gespräche zum Thema Ausbildungsbausteine fortgesetzt.

Eindrücke aus den Foren erhalten Sie in unserer Bildergalerie:

Das Forum I moderierte Katharina Kanschat (Mitte).

Das Forum I moderierte Katharina Kanschat (Mitte).

JOBSTARTER / Fotograf: Peter Himsel

Dr. Elisabeth Krekel erklärt eine Grafik am Podium.

Forum I: Dr. Elisabeth Krekel, BIBB

JOBSTARTER / Fotograf: Peter Himsel

Forum I: (v.r.n.l.) Peter Thiele, Katharina Kanschat und Sabine Will

Forum I: (v.r.n.l.) Peter Thiele, Katharina Kanschat und Sabine Will

JOBSTARTER / Fotograf: Peter Himsel

Forum I: Prof. Dr. Günter Albrecht, JOBSTARTER-Regionalbüro Ost

Forum I: Prof. Dr. Günter Albrecht, JOBSTARTER-Regionalbüro Ost

JOBSTARTER / Fotograf: Peter Himsel

Teilnehmer des Forum I.

Forum I traf beim Publikum auf großes Interesse.

JOBSTARTER / Fotograf: Peter Himsel

Seda Rass-Turgut, Moderatorin des Forums II.

Seda Rass-Turgut, Moderatorin des Forums II

JOBSTARTER / Fotograf: Peter Himsel

Forum II: (v.l.n.r.): Seda Rass-Turgut, Gregor Berghausen, Suat Bakir und Elvira Stegnos.

Forum II: (v.l.n.r.): Seda Rass-Turgut, Gregor Berghausen, Suat Bakir und Elvira Stegnos

JOBSTARTER / Fotograf: Peter Himsel

Forum II: Suat Bakir und Elvira Stegnos, türkisch-deutsche IHK.

Forum II: Suat Bakir und Elvira Stegnos, türkisch-deutsche IHK

JOBSTARTER / Fotograf: Peter Himsel

Teilnehmer Forum II.

Auch Forum II zeichnete sich durch große Anteilnahme des Auditoriums aus.

JOBSTARTER / Fotograf: Peter Himsel

Blick ins Publikum während der Diskussion in Forum II.

Blick ins Publikum während der Diskussion in Forum II.

JOBSTARTER / Fotograf: Peter Himsel

Im Forum III wurde der JOBSTARTER-CONNECT-Film präsentiert.

Im Forum III wurde der JOBSTARTER-CONNECT-Film präsentiert.

JOBSTARTER / Fotograf: Peter Himsel

Forum III: Rainer Rodewald

Forum III: Rainer Rodewald

JOBSTARTER / Fotograf: Peter Himsel

Fazit: Auf ein Wiedersehen im Endspiel

Kornelia Haugg, Abteilungsleiterin im BMBF, auf dem Podium.

Auf Wiedersehen zum Finale: Kornelia Haugg (BMBF) beim Schlusswort.

JOBSTARTER / Fotograf: Peter Himsel

Zum Abschluss der ganztägigen JOBSTARTER-Konferenz legte Moderator Rehmsen den Ball sprachlich noch einmal auf den Elfmeterpunkt – für das Schlusswort von Kornelia Haugg, Abteilungsleiterin im BMBF: „Sie müssen jetzt nur noch verwandeln!“, so der Moderator.

Den Konferenztag bezeichnete sie als „sehr intensiv“ und war sichtlich zufrieden mit der Zwischenbilanz von JOBSTARTER. Mit Blick auf die bevorstehende zweite Halbzeit von JOBSTARTER, die drei Jahre dauern wird, gab die BMBF-Vertreterin schon einmal einen Vorgeschmack auf die Abschlusskonferenz 2013: „Wir sehen uns dann wieder zum Endspiel!“

Sehen Sie weitere Momentaufnahmen aus der Halbzeitkonferenz in der folgenden Bildergalerie:

Kornelia Haugg, BMBF, beglückwünschte Mitwirkende des JOBSTARTER-Films und Regisseur Dirk Hendler.

Kornelia Haugg, BMBF, beglückwünschte Mitwirkende des JOBSTARTER-Films und Regisseur Dirk Hendler.

JOBSTARTER / Fotograf: Peter Himsel

Katharina Kanschat berichtete aus Forum I.

Katharina Kanschat berichtete aus Forum I.

JOBSTARTER / Fotograf: Peter Himsel

Christoph Acker fasste die Kernpunkte des Forums III zusammen.

Christoph Acker fasste die Kernpunkte des Forums III zusammen.

JOBSTARTER / Fotograf: Peter Himsel

Seda Rass-Turgut, Moderatorin und Berichterstatterin des Forums II, mit Moderator Rehmsen

Seda Rass-Turgut, Moderatorin und Berichterstatterin des Forums II, mit Moderator Rehmsen

JOBSTARTER / Fotograf: Peter Himsel

Zwei Männer und zwei Frauen unterhalten sich auf der Halbzeitkonferenz.

Angeregte Gespräche beim Pausen-Kaffee

JOBSTARTER / Fotograf: Peter Himsel

Eine Frau in einer grauen Strickjacke.

JOBSTARTER / Fotograf: Peter Himsel

Zwei Männer und eine Frau unterhalten sich auf der Halbzeitkonferenz.

Die Teilnehmer nutzten die Konferenz zum fachlichen Austausch.

JOBSTARTER / Fotograf: Peter Himsel

Am Kickertisch fielen zahlreiche Tore für die Berufsausbildung.

Am Kickertisch fielen zahlreiche Tore für die Berufsausbildung.

JOBSTARTER / Fotograf: Peter Himsel

Veranstaltungsort der JOBSTARTER-Halbzeitkonferenz war das MARITIM pro arte in Berlin.

Veranstaltungsort der JOBSTARTER-Halbzeitkonferenz war das MARITIM pro arte in Berlin.

JOBSTARTER / Fotograf: Peter Himsel

Zwei Teilnehmerinnen und ein Teilnehmer der Halbzeitkonferenz.

JOBSTARTER / Fotograf: Peter Himsel

Zwei Männer und eine Frau unterhalten sich.

JOBSTARTER / Fotograf: Peter Himsel

Teilnehmerinnen der Halbzeitkonferenz unterhalten sich.

JOBSTARTER / Fotograf: Peter Himsel


Stimmen aus der Podiumsdiskussion

Die ganze Bandbreite der JOBSTARTER-Themen zeigte sich spätestens bei der Diskussion des hochkarätig besetzten Podiums im ersten Teil der Konferenz: Von Jugendlichen mit Migrationshintergrund bis zu Imageproblemen von Handwerksberufen, vom Reformbedarf des dualen Systems bis hin zur Verstetigung der zahlreichen Berufsbildungsprojekte reichte das Spektrum der von Moderator Rehmsen geleiteten Debatte.

Matthias Anbuhl, DGB

Wenn über die Lage auf dem Ausbildungsmarkt diskutiert wird, ist oft die Rede von leistungsschwachen Jugendlichen, man muss aber auch über ausbildungsschwache Betriebe sprechen.

„Offenbar haben viele Unternehmen vergessen, dass die Jugendlichen Auszubildende sind – und keine hochqualifizierten, aber billigen Arbeitskräfte.“

Matthias Anbuhl, DGB-Bundesvorstand
Matthias Anbuhl, vom Deutschen Gewerkschaftsbund, auf dem Podium.

Matthias Anbuhl, DGB

JOBSTARTER / Fotograf: Peter Himsel

Auf diesen in der öffentlichen Wahrnehmung gern vergessenen Umstand wies Matthias Anbuhl hin, Leiter des Bereichs Bildung, Qualifizierung und Forschung beim DGB-Bundesvorstand. Die Qualität der Ausbildung führe zu häufigen Vakanzen bei den Ausbildungsplätzen. So stelle eine BIBB-Expertise fest, dass Betriebe mit unbesetzten Ausbildungsplätzen im direkten Vergleich auch deutlich häufiger Vertragsauflösungen hinnehmen mussten, betonte Anbuhl.

Zudem hätten Betriebe oft fachlich extrem hohe, überzogene Erwartungen an die Azubis und suchten oftmals eher den „Mitarbeiter des Monats“. „Offenbar haben viele Unternehmen vergessen, dass die Jugendlichen Auszubildende sind – und keine hochqualifizierten, aber billigen Arbeitskräfte“, sagte Anbuhl.

Generell wünschte sich Anbuhl für die Zukunft, dass die zahlreichen Projekte im Bildungsbereich verstetigt und systematisiert werden.


Dr. Helge Braun, BMBF

Eine wirkungsvolle „Bildungskette“ muss bereits in den 7. Klassen ansetzen.

„Man muss frühzeitig mit Beratung und Hilfestellung beginnen, um auch benachteiligten Jugendlichen die Chance zu geben, einen Bildungsabschluss zu erzielen.“

Dr. Helge Braun, Staatssekretär BMBF
Dr. Helge Braun, Parlamentarischer Staatssekretär im BMBF, spricht auf dem Podium.

Dr. Helge Braun, BMBF

JOBSTARTER / Fotograf: Peter Himsel

Warum, das erläuterte Staatssekretär Dr. Helge Braun, Parlamentarischer Staatssekretär im BMBF: „Man muss frühzeitig mit Beratung und Hilfestellung beginnen, um auch benachteiligten Jugendlichen die Chance zu geben, einen Bildungsabschluss zu erzielen.“

Das beginne mit einer individuellen Potenzialanalyse in der siebten und berufsorientierenden Lehrgängen in der achten Klasse, wodurch der Jugendliche einen realistischen Eindruck von für ihn erreichbaren Berufsbildern bekomme – auch durch praktische Erfahrungen. Jugendliche aus Problemgruppen erhielten anschließend Hilfe von Bildungslotsen, um ihnen Brücken in den Ausbildungsmarkt zu bauen.

Nach seinen Wünschen für die Zukunft gefragt, nannte Braun unter anderem „Lernen von den Hochschulen“ in Bezug auf die Integration von Jugendlichen mit Migrationshintergrund in den Ausbildungsmarkt. In den Hochschulen steige ihr Anteil nämlich bereits.


Prof. Dr. Friedrich Hubert Esser, ZDH

Manche Berufe im Handwerk wie Bäcker, Fleischer oder Konditor haben ein Imageproblem unter Jugendlichen.

Prof. Dr. Friedrich Hubert Esser, Zentralverband des Deutschand Handwerks, auf dem Podium.

Prof. Dr. Friedrich Hubert Esser, ZDH

JOBSTARTER / Fotograf: Peter Himsel

Das beklagte Prof. Dr. Friedrich Hubert Esser, Leiter der Abteilung Berufliche Bildung beim Zentralverband des Deutschen Handwerks. Viele Jugendliche hielten ohne Sachkenntnis etwa Tätigkeiten in Callcentern für attraktiver. Daher intensiviere das Handwerk die Marketingbemühungen für die ganze Vielfalt der Handwerksberufe, unter anderem mit einer bundesweit angelegten Imagekampagne.

Unter Nachfragemangel litten Handwerksberufe gerade auch bei leistungsstarken Schülern aus Gymnasien, denn diese „erziehen und bilden am dualen System vorbei“.

Gerade in deren Lebenswelt müsse sich das Handwerk aber attraktiv vermarkten, um zukünftigen Führungsnachwuchs zu rekrutieren. Generell sei eine „verschulte Berufsausbildung“ keine Alternative zum dualen System, „denn der Betrieb ist ein Lernumfeld mit einzigartigen Erfolgsbedingungen, der auch aus einem schlechten Schüler schnell einen tollen Gesellen macht“.


Manfred Kremer, BIBB

Die duale Berufsausbildung ist konkurrenzfähig zur Hochschulausbildung.

„Man spricht noch zu wenig miteinander.“

Manfred Kremer, Präsident BIBB
Manfred Kremer, Präsident Bundesinstitut für Berufsbildung, auf dem Podium.

Manfred Kremer, BIBB

JOBSTARTER / Fotograf: Peter Himsel

Für Manfred Kremer, Präsident des Bundesinstituts für Berufsbildung, besteht kein Zweifel. Schließlich wählten rund 20 Prozent der Studienberechtigten eine Erstausbildung im dualen Ausbildungssystem. Das duale System sei in Deutschland anders als in anderen europäischen Ländern „im Kern funktionsfähig, mit hoher gesellschaftlicher Akzeptanz und auf hohem Niveau“.

Fortbildungslehrgänge, die durchaus Bachelor- und Masterniveau hätten, seien eine Chance, das Berufsbildungssystem weiter auszubauen.

Denn damit erreiche man auch Menschen, die bereits in Beschäftigung seien. Duale Studiengänge seien ein guter Weg, wenn Hochschulen und Betriebe wirklich zusammenarbeiteten und auch gemeinsame Lehrpläne entwickelten: „Man spricht noch zu wenig miteinander.“


Dr. Iris Pfeiffer, Prognos AG

Die demographische Entwicklung wird Deutschland auf längere Zeit einen Fachkräftemangel bescheren – bei gleichzeitiger Arbeitslosigkeit, die bestimmte Gruppen besonders trifft.

„PISA hat uns gezeigt, dass Jugendliche aus diesen Schichten viel leistungsfähiger sind als generell vermutet.“

Dr. Iris Pfeiffer, Prognos AG
Dr. Iris Pfeiffer, Prognos AG, auf dem Podium.

Dr. Iris Pfeiffer, Prognos AG

JOBSTARTER / Peter Himsel

Dr. Iris Pfeiffer, Marktfeldleiterin Bildung und Beschäftigung bei der Prognos AG, analysierte die Zahlen des Arbeits- und Ausbildungsmarktes und erläuterte: Die Unternehmen werden in Zukunft ihre Ansprüche an Ausbildungsplatzbewerber trotz Fachkräftemangels nicht senken, sodass Jugendliche nach einer Vielzahl erfolgloser Bewerbungen frustriert seien und drohten, stigmatisiert zu werden. Sie kämen jedoch durchaus nicht nur aus sozial schwachen Schichten: „PISA hat uns gezeigt, dass Jugendliche aus diesen Schichten viel leistungsfähiger sind als generell vermutet.“

Als Wunsch formulierte Pfeiffer, jede Region solle selbst mehr Verantwortung dafür übernehmen, dass allen Jugendlichen auch ein Ausbildungsplatz zur Verfügung gestellt werden kann. Ein positiver Ansatz seien Lokale Bündnisse für Ausbildung und Beschäftigung.


Dr. Beate Scheffler, Ministerium für Schule und Weiterbildung des Landes NRW

Das Potenzial von Jugendlichen mit Migrationshintergrund für Betriebe und damit für die Gesellschaft wird im Moment noch nicht genug erkannt.

„Was wir oft noch nicht nutzen, ist ihre Mehrsprachigkeit. Wenn eine dieser Sprachen Türkisch ist, finden wir das nicht so schick wie etwa Englisch, obwohl die Türkei ein großer Markt ist.“

Dr. Beate Scheffler, Ministerium für Schule und Weiterbildung des Landes NRW
Dr. Beate Scheffler, Ministerium für Schule und Weiterbildung des Landes NRW, auf dem Podium.

Dr. Beate Scheffler, Ministerium für Schule und Weiterbildung des Landes NRW

JOBSTARTER / Fotograf: Peter Himsel

Diese Beobachtung berichtete Dr. Beate Scheffler, Leiterin der Abteilung Berufliche Bildung des Ministeriums für Schule und Weiterbildung des Landes NRW. Gerade solche Jugendliche würden oft in Sonder- bzw. Förderschulen abgedrängt.

Aus ihrem Bundesland berichtete sie indes von Umkehrbemühungen: Man habe sich das Ziel gesetzt, Jugendliche mit Migrationshintergrund besonders zu fördern. „Was wir oft noch nicht nutzen, ist ihre Mehrsprachigkeit. Wenn eine dieser Sprachen Türkisch ist, finden wir das nicht so schick wie etwa Englisch, obwohl die Türkei ein großer Markt ist.“

Schefflers Zukunftswunsch war dementsprechend eine stärkere Fokussierung auf die Potenziale der Jugendlichen.

Handwerk braucht besseres Image: Prof. Dr. Friedrich Esser, ZDH.

Handwerk braucht besseres Image: Prof. Dr. Friedrich Esser, ZDH

JOBSTARTER / Fotograf: Peter Himsel

Matthias Anbuhl vom DGB auf dem Podium.

Für Verstetigung: Matthias Anbuhl vom DGB

JOBSTARTER / Fotograf: Peter Himsel

Bildungsketten ab Klasse 7: Dr. Helge Braun, BMBF

Bildungsketten ab Klasse 7: Dr. Helge Braun, BMBF

JOBSTARTER / Fotograf: Peter Himsel

Lob des Dualen Systems: Manfred Kremer, BIBB

Lob des Dualen Systems: Manfred Kremer, BIBB

JOBSTARTER / Fotograf: Peter Himsel

Für lokale Bündnisse: Dr. Iris Pfeiffer, Prognos

Für lokale Bündnisse: Dr. Iris Pfeiffer, Prognos

JOBSTARTER / Fotograf: Peter Himsel

Dr. Beate Scheffler, Bildungsministerium NRW, auf dem Podium.

Migrationshintergrund hat Potenzial: Dr. Beate Scheffler, Bildungsministerium NRW

JOBSTARTER / Fotograf: Peter Himsel

Die Diskussion vor voll besetztem Plenum war lebhaft und engagiert.

Die Diskussion vor voll besetztem Plenum war lebhaft und engagiert.

JOBSTARTER / Fotograf: Peter Himsel

Die Diskussionsteilnehmer mit Kornelia Haugg vom BMBF.

Die Diskussionsteilnehmer mit Kornelia Haugg vom BMBF

JOBSTARTER / Fotograf: Peter Himsel