26.06.2012 - 27.06.2012 | Magdeburg

JOBSTARTER-Workshop „Alters- und Qualifikationsstrukturanalyse – Ein Schlüssel zur Betriebsakquise“

Die Gewinnung von Fachkräften ist eine zentrale Herausforderung für Unternehmen. Deshalb lud das JOBSTARTER-Regionalbüro Ost zum Workshop „Alters- und Qualifikationsstrukturanalyse – Ein Schlüssel zur Betriebsakquise“ nach Magdeburg ein.


Zu Beginn des Workshops skizzierte Manuela Zauritz vom JOBSTARTER-Regionalbüro Ost / GEBIFO-Berlin die Anforderungen an Unternehmen aufgrund demografischer Veränderungen. Besonders kleine und mittlere Unternehmen sind diesbezüglich auf Beratung und Unterstützung angewiesen.

Alters- und Qualifikationsstrukturanalysen tragen dazu bei, dass sie ihren Fachkräftebedarf bewusst wahrnehmen und die Notwendigkeit erkennen, eigenen Fachkräftenachwuchs auszubilden.

Anhand zweier JOBSTARTER-Projekte wurde eine Analyse der demografiebedingten Auswirkungen auf Belegschaftsstrukturen als Basis für eine unternehmensspezifische Bewerbergewinnung vorgestellt.

„ProOpto“ – Vertrauen öffnet Türen

Dietmar Naue von der Jenaer Bildungszentrum gGmbh stellte in seinem Vortrag Analysen des Fachkräfte- und Bildungsbedarfs in Unternehmen – Ziele, Methoden und Erfahrungen des JOBSTARTER-Projektes ProOpto Analysen und Befragungen vor, die im Rahmen des Projektes „ProOpto“ durchgeführt wurden.

Die zentralen Bausteine der Untersuchung waren die Analyse des Fachkräfte- und Bildungsbedarfs in Unternehmen, die Erfassung von Ausbildungsberufen und -inhalten sowie von Aus- und Weiterbildungsangeboten (Inhalte, Kooperationen, etc.).

Anhand eines selbst entwickelten Interviewleitfadens wurden dazu im Zeitraum von März bis August 2010 insgesamt 20 Unternehmen im Bereich Optische Technologien zu folgenden Themen befragt:

  • Momentane Altersstruktur im Unternehmen
  • Notwendige Grundfertigkeiten und Anforderungen an die jeweiligen Ausbildungsberufe
  • Momentaner und zukünftiger Fachkräftebedarf

Dietmar Naue betonte in diesem Zusammenhang die Bedeutung eines einheitlichen Begriffsverständnisses für die Durchführung solcher Analysen. Deshalb sei es empfehlenswert, in der Planungsphase die Ziele und Methoden der Analyse möglichst präzise zu formulieren.

Ein persönliches Interview werde zum Türöffner für die weitere Zusammenarbeit. Vertrauensentwicklung erfordere hierbei eine zielstrebige Fortführung der Kontakte die Fortschreibung der Analysen mit flexiblen Instrumenten sowie weitere Unterstützungsangebote.

„Berliner Zukunftsnetzwerk“ – Fachkräftesicherung für KMUs

Im Anschluss präsentierte Steffi Michailowa, ABB Training Center GmbH & Co. KG, Standort Berlin, ihren Vortrag KMU-adäquate Konzepte der Alters- und Qualifikationsstrukturanalyse – Best-Practice-Ansatz des JOBSTARTER-Projektes Berliner Zukunftsnetzwerk. Das JOBSTARTER-Projekt „Berliner Zukunftsnetzwerk“ verfolgt das Ziel, ein demografiegerechtes Personalmanagement für kleine und mittlere Unternehmen zu entwickeln.

Die Unterstützungsangebote des Projektes umfassen alle Schritte von der Planung, Gewinnung und Auswahl bis hin zur Qualifizierung künftiger Fachkräfte. Um frühzeitig auf personelle Veränderungen vorbereitet zu sein, wird eine genaue Analyse der betrieblichen Belegschafts- und Qualifikationsstruktur durchgeführt.

Im Anschluss daran erfolgt eine Beratung zur Nachfolgeplanung und Know-how-Sicherung mit dem Ziel, die Fachkräftenachwuchsplanung passgenau zu entwickeln. Dafür wird im Berliner Zukunftsnetzwerk der Nachwuchs durch bedarfsgerechte Verbundausbildung das Unterstützungssystem „Erfolgreich durch die Ausbildung“ und weitere zusätzliche Angebote qualifiziert.

Mit der Alters- und Qualifikationsstrukturanalyse ist neben Statuserfassung und Fortschreibung der Daten auch eine grafische Darstellung der Ergebnisse sowie eine Formulierung von Handlungsbereichen möglich. Die Durchführung der Alters- und Qualifikationsstrukturanalyse lässt sich in folgenden Schritten zusammenfassen:

  • Unternehmensindividuelle Betroffenheit beschreiben
  • Handlungsbedarf ermitteln und präzisieren
  • Maßnahmen planen und Wirkungen simulieren
  • Anschließende Umsetzung und Erfolgskontrolle

Die Saga vom Fachkräftemangel

Am zweiten Veranstaltungstag präsentierte Antje Rabenalt von der zukunft im zentrum GmbH ihren interaktiven Vortrag Die Saga vom Fachkräftemangel – Betrachtungen zwischen Hysterie und Pragmatismus, der demografische Statistik mit der Realität des Mittelstandes verbindet. Antje Rabenalt begleitete und betreute im Rahmen des Projektes „JobMotion“ insgesamt 13 Berliner mittelständische Unternehmen und erprobte mit ihnen Lösungen für die Fachkräftesicherung und die Fachkräftebindung.

In den Handlungsfeldern Innovation, Unternehmensführung, Wissensmanagement und Personalorganisation ging sie der Frage nach, welche Personalinstrumente für den Mittelstand praktikabel und welche ungeeignet sind. Können die Kleinen wirklich immer die Lösungen der Großen umsetzen? Was auf den ersten Blick als Nachteil erscheint,ist bei näherer Betrachtung nicht selten ein Vorteil der kleineren Unternehmen.

Gemeinsam mit Frau Rabenalt diskutierten die JOBSTARTER-Projektmitarbeiterinnen und -mitarbeiter wie Unternehmen bei der Beschaffung und Sicherung von Fachkräften unterstützt und wie die erarbeiteten Lösungskonzepte nachhaltig gestaltet werden können.

Die Unternehmen sollten den Bedarf selbst erkennen und Zeit in das Personalmanagement investieren. Dies sei keine Aufgabe, die nebenbei mit erledigt werden kann, erklärt Rabenalt. „Sie müssen selbst Lösungen finden.“ Die JOBSTARTER-Projekte könnten dabei aber die Rolle des Impulsgebers und/oder Prozessbegleiters übernehmen.

Obwohl die Beiträge aus unterschiedlichen Branchen stammen, wurde deutlich, dass alle ein gemeinsames Ziel verfolgen: Unternehmen bei einer vorausschauenden Personalentwicklung zu unterstützen und den Fachkräftenachwuchs zu sichern.

Fazit

Durch die Beiträge der Referenten konnten die anwesenden Projektvertreterinnen und -vertreter gemeinsam neue Ideen zur Umsetzung und Etablierung von Alters- und Qualifikationsstrukturanalysen entwickeln.

Als ein wichtiger Punkt hierbei kristallisierte sich die Notwendigkeit heraus, die Unternehmen für eine strategische und demografiefeste Personalplanung zu sensibilisieren.

Als weiteres Fazit lässt sich feststellen, dass es erforderlich ist, den Unternehmen den betriebsspezifischen Mehrwert von Alters- und Qualifikationsstrukturanalysen zu verdeutlichen und geeignete Unterstützungsangebote in den Regionen zu entwickeln. Bei diesen Punkten sehen die JOBSTARTER-Projekte den größten Ansatz für ihre weitere Arbeit.

Autorin: Alexandra Keiner, JOBSTARTER-Regionalbüro Ost/GEBIFO-Berlin