30.08.2012 | Berlin

1 Bustour – 3 Berufe – X Perspektiven

Viele Jugendliche wählen einen der bekannten Top-10-Berufe. Dabei bleiben andere Berufsbilder auf der Strecke. Das JOBSTARTER-Regionalbüro Ost stellte drei unterschätzte Berufsbilder vor.


Berlin ist ein Dorf – und trotzdem kennt nicht jeder jeden! Gerade beim Thema Berufsorientierung und Berufsausbildung sind Kontakte und Kooperationen zwischen den verschiedenen Partnern ausschlaggebend.

Am 30. August 2012 luden das JOBSTARTER-Regionalbüro Ost und drei Berliner JOBSTARTER-Projekte über die Landesagentur P:S-W PARTNER:SCHULE-WIRTSCHAFT Schulleitungen, Lehrkräfte und Berufsberaterinnen und -berater zu einer Bustour zu drei Berliner Ausbildungsbetrieben ein.

Insgesamt 10 interessierte Lehrkräfte nutzten die Chance auf der 4-stündigen Bustour mehr über die Berufe „Fachkraft für Möbel-, Küchen- und Umzugsservice“, „Glaser/-in“ und „Hauswirtschafter/-in“ zu erfahren.

Geschichten aus Berlin – JOBSTARTER-Projekte auf Tour

Die Lehrerinnen und Lehrer besuchten das Ausbildungszentrum der zapf umzüge AG in Berlin-Neukölln, den Meister- und Innungsbetrieb Glaserei und Glasschleifen Glaswerkstätten Wenzel in Berlin-Kreuzberg und das geschichtsträchtige Hotel Albrechtshof in Berlin-Mitte.

Die geführte Bustour wurde federführend vom JOBSTARTER-Regionalbüro Ost (Peter Albrecht und Julia Bansen, GEBIFO-Berlin) organisiert, moderiert und dokumentiert. Während der Fahrt zur jeweils nächsten Station versorgten Vertreterinnen der JOBSTARTER-Projekte

  • Be new – be FMKU! (Marit Kircher, GFBM e.V.),
  • TZH – Talente für die Zukunft des Berliner Handwerks (Larisa Chvartsman, HWK Berlin) und
  • HauswirtschaftsManagement Berlin (Anja Baustian, kiezküchen gmbh)

die Anwesenden mit Informationen zu den facettenreichen Berufsbildern und den vielfältigen Karrierechancen.

„In unserem Bereich ist der Konkurrenzkampf sehr stark. Da müssen wir sehen, wie wir unsere Fachkräfte halten,“ so Ausbildungsleiter Ronald Zobel bei seinen Ausführungen zum Ausbildungskonzept der zapf umzüge AG. 

Neben der Fachkraft für Möbel-, Küchen- und Umzugsservice (FMKU) werden jährlich Auszubildende in bis zu sechs verschiedenen Ausbildungsberufen im gewerblichen und kaufmännischen Bereich ausgebildet.

Hierbei verfolgt das Unternehmen ein besonders Konzept: Die Ausbildung ist unterteilt in einen theoretischen Grundausbildungs- und einen praktischen Teil in verschiedenen Abteilungen des Unternehmens. Neben verschiedenen Kursen in der Grundausbildung (Erste-Hilfe und „Wie hebe ich richtig?“) werden zusätzliche Qualifizierungen (z.B. Elektrofachkraft für festgelegte Tätigkeiten) während der gesamten Ausbildung angeboten.

Der Wechsel zwischen den verschiedenen Abteilungen ist speziell für die FMKU-Azubis hilfreich. Schließlich vereint ihr Ausbildungsberuf annähernd sechs Berufsbilder miteinander: Tischler/-in, Sanitärinstallateur/-in, Fachkraft für Lagerlogistik, Elektriker/-in, Möbelträger/-in und Kundenberater/-in bzw. Verkäufer/-in.

„Bei uns legen wir großen Wert auf Motivation, Eigeninitiative und Lernbereitschaft.“ Die sogenannten Soft Skills sind hier ausschlaggebend – Pünktlichkeit, Verlässlichkeit und gegenseitiger Respekt sind gerade bei Umzügen und auf der Baustelle unerlässlich.

Einen zusätzlichen Ansporn bekommen die Azubis über das innerbetriebliche Prämiensystem, gute Übernahmechancen sowie Weiterbildungs- und Aufstiegsangebote nach der Ausbildung.

„Was macht eigentlich ein Glaser?“

Mit dieser Frage im Hinterkopf führte Wilfried Wenzel, seines Zeichens langjähriger Glasermeister, die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Bustour durch sein Ladengeschäft Glaswerkstätten Wenzel in Berlin-Kreuzberg. Der 1929 im Bezirk gegründete Meister- und Innungsbetrieb hat sich spezialisiert und zwar auf die Wünsche seiner Privatkunden.
Neben Neu- und Reparaturverglasungen werden Bildereinrahmungen aber auch Spiegel, Vitrinen und Badeinrichtungen in den firmeneigenen Werkstätten angefertigt.

„Sorgfalt und akkurates Arbeiten mit dem Material Glas sind das A und O.“ In der Ausbildung steht deswegen die Materialkunde an oberster Stelle. Beim Schleifen und Zuschnitt des Glases, aber auch bei der Beratung und dem Verkauf ist solides Fachwissen gefragt.

Gerade im Bereich des Handwerks ist es schwer Bewerber, speziell weibliche Bewerber zu finden. Das gilt auch für den Beruf des Glasers bzw. der Glaserin: Die hohe körperliche Belastung schreckt viele Bewerberinnen vor diesem Beruf ab. Wilfried Wenzel und sein Team versuchen aber regelmäßig über Berufsorientierungs- und Informationsveranstaltungen, wie dem Girls Day, junge Männer und Frauen für eine Berufsausbildung zum Glaser bzw. zur Glaserin zu gewinnen.

Für's Leben lernen

„Als Hauswirtschafterin lernt man nicht für die Ausbildung, sondern für sein Leben“, so das Fazit von Theresa Dittrich (Assistenz der Hausdame) nach ihrer 3-jährigen Ausbildung im Hotel Albrechtshof. Bei einer Führung durch das traditionsreiche Hotel in Berlin-Mitte beschrieb die gelernte Hauswirtschafterin ihre verschiedenen Tätigkeiten während der Ausbildung.

Hauswirtschafterinnen und Hauswirtschafter sind wahre Multitalente: Ihre Tätigkeiten reichen von der Vorbereitung und Planung von Veranstaltungen und Banketten über die Zuarbeit in Küche bzw. im Restaurant bis hin zur Mitarbeit im so genannten Housekeeping.

Auch der Bereich der Gastronomie und Hotellerie hat zunehmend Schwierigkeiten Bewerberinnen und Bewerber zu finden und zu halten. Daher hat sich die hoteleigene Ausbildungsleitung etwas Besonders einfallen lassen: Neben regelmäßigen „Azubi-Meetings“ werden den Auszubildenden verschiedene Exkursionen (zum Beispiel Spargelhof-Besichtigungen) und Kurse („Wie telefoniert man richtig?“) angeboten.

Eine „Spezialität“ des Hotels Albrechtshof sind die „Azubi-Tage“. In regelmäßigen Abständen übernehmen für zwei Tage die Auszubildenden die Verantwortung für das 100-Zimmer-Haus. Die jeweiligen Abteilungen (Housekeeping, Restaurant usw.) werden von den Azubis geführt, dabei organisieren und koordinieren sie ihre Arbeit selbstständig. Ziel dabei ist, schon während der Ausbildung die Motivation und das Interesse für das "echte Berufsleben" zu wecken.

„Da muss man flink und spontan sein“, vor allem im Housekeeping: Seit dem Theresa Dittrich ihre Ausbildung im Februar 2012 erfolgreich beendet hat, koordiniert sie in Zusammenarbeit mit der Hausdame die Arbeit der Haus- beziehungsweise die Zimmermädchen im gesamten Hotel.