23.11.2012 | Berlin

Das KAUSA Jugendforum: Abschlusskonferenz in Berlin

Zeig’ die Stärken, die Du hast! Das Motto des KAUSA Jugendforums 2012 haben die Jugendlichen umgesetzt: Auf der Abschlusskonferenz präsentierten sie sich den Unternehmen.


Drei Jugendliche tanzen auf einer Bühne.Bildzoom
Berliner Jugendliche: gestern im Workshop, heute auf der Bühne

Im abgedunkelten Saal herrscht gespannte Stille. Dann erhellen Scheinwerfer die Bühne – zwei junge Männer und zwei Frauen im lässigen Street-Look blicken herausfordernd ins Publikum.

Sie beginnen zu tanzen, werfen sich einen imaginären Ball zu, grooven spielerisch und cool zu rhythmischer Musik.

Dies ist kein Hip-Hop-Video auf MTV – es ist die Eröffnung der Berliner Abschlusskonferenz des KAUSA Jugendforums 2012.

300 Jugendliche, Unternehmerinnen und Unternehmer und Eltern im Saal schauen fasziniert auf die vier jungen Berliner, die die Konferenz zusammen mit 100 anderen jungen Menschen im Rahmen von Workshops vorbereitet haben.

Auf dieser Konferenz sind sie alle zusammengekommen: Jugendliche mit Migrationshintergrund und Unternehmen aus Mannheim, Hamburg, Köln und Berlin. In diesen vier Städten fanden im Sommer 2012 die Workshops und Ausbildungskonferenzen des KAUSA Jugendforums 2012 statt.

Unter dem Slogan: Zeig' die Stärken, die Du hast! Ausbildung – jetzt! zeigten die jungen Menschen den Ausbildern ihr Potenzial und ihre Stärken. Die Unternehmen präsentierten sich als interessante Arbeitgeber und warben um die Jugendlichen.

Auf dem Programm der Berliner Konferenz standen unter anderem die Übergabe des Buches der Ideen, ein Interview mit dem parlamentarischen Staatssekretär Dr. Helge Braun zum KAUSA Jugendforum und zur Ausbildungssituation in Deutschland, Tischrunden für Gespräche zwischen Unternehmern und Jugendlichen, künstlerische Darbietungen, Filme, gemeinsam zu lösende Rätsel und das Casting des attraktivsten Ausbildungsbetriebs 2012.

Das Buch der Ideen

Jugendlicher übergibt dem parlamentarischen Staatssekretär Dr. Helge Braun das „Buch der Ideen“.Bildzoom
Wie kommen Jugendliche besser in die Ausbildung? Alle Ideen in einem Band

Welcher Beruf passt zu mir? Und wie bekomme ich einen Ausbildungsplatz? Was können wir Jugendlichen tun, was können Regierung und Unternehmen verbessern, damit jeder junge Mensch einen Ausbildungsplatz bekommt, der zu ihm passt?

Auf den Workshops und Ausbildungskonferenzen des KAUSA Jugendforums haben die Jugendlichen diskutiert und viele Vorschläge gesammelt. Auf der Abschlusskonferenz in Berlin stellten Anil Celik, Stefan Andreae, Moussa El Kadi und Arber Tahiri einige dieser Ideen vor.

Lesen Sie hier mehr.

Interview mit dem Staatssekretär

Der parlamentarische Staatssektretär Dr. Helge Braun gemeinsam mit vier Jugendlichen auf der Bühne.Bildzoom
Dr. Helge Braun spricht über das KAUSA Jugendforum

Auf der Bühne der Berliner Abschlusskonferenz nutzten die Jugendlichen die Gelegenheit, mit einem Vertreter der Bundesregierung über ihr Anliegen zu sprechen:

Im Interview fragten sie den Parlamentarischen Staatssekretär Dr. Helge Braun vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), warum die Regierung das KAUSA Jugendforum ins Leben gerufen hat.

Hier lesen Sie das gesamte Interview.

Jugendliche und Ausbilder im Gespräch

Das KAUSA Jugendforum bringt Jugendliche mit Migrationshintergrund mit Unternehmen zusammen. An runden Tischen hatten die Teilnehmenden der Berliner Konferenz die Möglichkeit, sich zwanglos auszutauschen. Ein kleiner Streifzug durch die Gesprächsrunden

Junges Mädchen unterhält sich mit dem Unternehmer Jörg Milla.Bildzoom
Jörg Milla und eine junge Teilnehmerin im Gespräch.

An einem der Tische sitzt Jörg Milla von der Firma STILL – so steht es auf seinem schwarzen Polohemd – mit einigen Jugendlichen zusammen. Grinsend stützt er sein Kinn in die Hand und schaut in die Runde.

Ein Junge fragt ihn: „Was meinen Sie – besser gleich eine Ausbildung oder besser das Abi machen?“

Worauf Jörg Milla ungezwungen antwortet: „Das ist eine Typfrage. Ich hatte keine Lust mehr auf Schule.“ Ein bisschen überrascht schauen sich die Schüler in der Runde an. Der Jugendliche erwidert: „Mir geht es auch so. Man geht so oft zur Schule und hat keinen Bock. Und sie haben es nicht bereut?“

Milla erzählt, er selbst habe zunächst einen Realschulabschluss gemacht, sei dann in die Ausbildung gegangen und das sei für ihn eine gute Sache gewesen. Später könne man sich ja dann immer noch für das Fachabitur entscheiden, das man zusammen mit der Berufsausbildung macht. Milla erklärt: „Es kommt darauf an, dass es Spaß macht. Sonst hat man keinen Erfolg. Wir suchen händeringend Leute, die sich mit einem guten Realschulabschluss bei uns bewerben und eine Ausbildung machen wollen.“

An einem Tisch sitzen Polizisten mit Jugendlichen zusammen und diskutieren.Bildzoom
Unternehmensvertreter und Jugendliche im Gespräch

In der Nachbarrunde ...

... erklärt ein Mädchen gerade: „Ich finde, dass man Bewerbungen anonym versenden sollte, damit man nicht erkennen kann, dass jemand nicht Deutsch ist.“ Ihr Sitznachbar nickt: „Ich hatte mich mehrfach bei der Landespolizei für ein Praktikum beworben – ich mache gerade die Fachoberschulreife an der Hauptschule. Ich hatte da angerufen, in Köln und in Bochum, habe meinen Namen und die Schule genannt. Und die haben gesagt, sie hätten nicht so viele Plätze frei.“

Ein anderer Teilnehmer am Tisch berichtet von einer ähnlichen Erfahrung: „Einmal bin ich zu einem Vorstellungsgespräch gegangen. Wir hatten auch vorher telefoniert. Aber dann war die Frau ganz überrascht, als sie mich sah, und sagte, sie hätte nicht mit einem Marokkaner gerechnet. Ich habe den Ausbildungsplatz dann leider nicht bekommen.“

Am folgenden Tisch ...

... ist die Berlin Marriott Hotelmanagement GmbH mit Sandra Dremel vertreten. Sie nickt zustimmend zu den Tipps, die Sanela Ristic, Workshop-Teilnehmerin aus Köln, den anderen Jugendlichen gibt: „Man sollte längere Praktika machen. Und das persönliche Gespräch mit den Mitarbeitern im Unternehmen suchen. Das ist ein Supervorteil und wie eine Visitenkarte. Man kann seine Persönlichkeit besser rüberbringen als in einem Bewerbungsgespräch. Traut euch, beim Jobcenter anzurufen und einen Termin auszumachen! Schreibt ganz viele Bewerbungen, nicht nur zwei oder drei! Das Amt zahlt das sogar, das Geld für die Mappen. Und, ganz wichtig: Habt auch einen Plan B!“

Jörg Wiedemann von McDonalds sitzt gemeinsam mit Jugendlichen an einem runden Tisch und diskutiert.Bildzoom
„Was ist Systemgastronomie?“ – Jörg Wiedemann von McDonalds über seine Arbeit

In der nächsten Tischrunde ...

... sitzen Jugendliche mit dem Ausbildungsleiter von McDonalds Deutschland, Jörg Wiedemann, und drei Auszubildenden zusammen, die sich als Janine, Jörn und Daniel vorstellen.

Jörg Wiedemann erklärt, was Systemgastronomie bedeutet: „In jeder Stadt schmeckt dein Burger gleich.“ Ein junger Teilnehmer fragt interessiert: „Was mache ich denn so als Azubi bei McDonalds?“

Wiedemann erklärt: „Die Ausbildung startet in der Küche. Wie wird ein Burger gemacht? Dann geht man an die Kasse und lernt das Bedienen.

Man lernt, wie Warenbestellung, Annahme und Kontrolle funktionieren. Danach übernimmt man kleine koordinierende Aufgaben in der Schichtleitung. Wenn man schon etwas länger in der Ausbildung ist, übernimmt man auch die Schichtleitung im Restaurant. Das heißt, man ist Ansprechpartner für die Mitarbeiter vor Ort.“ Azubi Jörn überlegt kurz und sagt: „Während der Schicht sind wir sozusagen der kleine Chef ...“ – und Jörg Wiedemann korrigiert: „Was heißt klein? Der große Chef!“

Einen Tisch weiter ...

... sind die Schülerin Miriam Augustino, der Vertreter der Berliner Sparkasse Michael Martens und eine junge Auszubildende in ein intensives Gespräch verwickelt. Miriam Benedicte Nsungi Augustino stammt aus Angola, ist 17 Jahre alt und besucht eine Kölner Hauptschule, an der sie gerade die zehnte Klasse für den Realschulabschluss absolviert.

„Meine Lehrerin hat mal gesagt: Du kannst gut beraten. Mein erstes dreiwöchiges Praktikum habe ich in der Automobilbrache gemacht. Aber das fand ich nicht so interessant. Autos sind natürlich toll – aber ich wollte eher etwas Wirtschaftliches machen. Dann war ich Praktikantin bei einem Steuerberater. Aber da hatte ich nur so wenig mit Kunden zu tun - nur Akten, Akten. Und dann habe ich ein Praktikum bei der Raiffeisenbank gemacht und habe gedacht: Bankkauffrau passt!“

Eine junge Frau im Gespräch mit einem Bankangestellten.Bildzoom
Miriam Augustino möchte Bankkauffrau werden.

Sie erzählt, dass sie Französisch, Englisch und Portugiesisch spricht. „Bei meinem Praktikum bei der Raiffeisenbank kam mal ein amerikanischer Kunde. Die Kollegen konnten nicht so gut Englisch und haben mich gerufen, und dann habe ich gedolmetscht.“

Die Schülerin überreicht Michael Martens ihre KAUSA-Jugendforum-Profilcard – eine Kurzbewerbung mit ihren Angaben. Er reicht ihr seine Visitenkarte und ermuntert sie: „Bewerben Sie sich ruhig einfach per Mail – schicken Sie mir die Bewerbung direkt zu.“ „Dann schreibe ich Sie auch gleich mit Ihrem Namen an.“

Martens scherzt: „Ja, tun Sie das. Ich lese meinen Namen gern!“ Sie lachen und Miriam sagt überzeugt: „Ich will die Ausbildung machen und dann studieren. Ich hoffe, dass Gott mich auf diesem Weg begleitet.“

Ein lauter Gong ertönt im Saal und die letzten Profilcards und Visitenkarten werden ausgetauscht. Moderatorin Carolina Monfort-Montero kündigt den nächsten Programmpunkt an: das Casting des KAUSA-Unternehmens 2012.

Casting der Unternehmen

Junge Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadtreinigung in orangenen T-Shirt mit orangenen Mülleimern auf der Bühne.Bildzoom
Mit Rythmus und Farbe präsentiert sich die Berliner Stadtreinigung.

Wie bei den Ausbildungskonferenzen heißt es auch auf dem Casting der Berliner Abschlusskonferenz: Bewerbung einmal umgekehrt.

Auf der Bühne stellen sich insgesamt fünf Ausbildungsbetriebe der Bewertung der Jury und dem SMS-Voting der Jugendlichen im Saal.

Welcher Kandidat schafft es, sich in nur drei Minuten vorzustellen und am Ende zum attraktivsten Ausbildungsbetrieb gekürt zu werden?



Zunächst präsentieren sich die regionalen Sieger der Ausbildungskonferenzen: die Polizei Mannheim mit Joachim Scholl als Gewinner des Castings auf der Ausbildungskonferenz Mannheim, das IBIS Hotel Köln Centrum mit Gordon Kleebaum als Sieger aus Köln und die Gabelstapler-Firma STILL GmbH mit Jörg Milla als bester Ausbildungsbetrieb in Hamburg.

Jörg Milla mit Blumenstrauß und Urkunde und Mikrofon auf der BühneBildzoom
Jörg Milla von STILL freut sich über die Auszeichnung.

Natürlich treten auch Berliner Unternehmen an – und bringen viele ihrer Auszubildenden mit auf die Bühne: die Berliner Stadtreinigung und das größte Berliner Wohnungsunternehmen degewo AG.

Den Sieg trägt die STILL GmbH davon: Dynamisch und authentisch steht Jörg Milla auf der Bühne und beschreibt seine Firma als „multikulti“. Viele der Kollegen sind Migranten und der Betrieb ist sozial engagiert – so setzt er sich in problematischen Stadtvierteln Hamburgs für die Jugendlichen ein und bietet dort, zusammen mit den Auszubildenden, Aktionen zur Berufsorientierung an.

„Wir sind eine Familie. Vielleicht hat der ein oder andere nicht so gute Schulnoten. Aber Begeisterung – dafür stehen wir!“ Begeistern kann er auch das junge Publikum – und das kürt die Firma STILL per SMS-Voting zum KAUSA-Unternehmen 2012.

Lesen Sie hier die drei Interviews mit den regionalen Siegern.

Das KAUSA Jugendforum 2012 – positive Bilanz

Gruppenbild auf der Bühne vor einer Leinwand mit der Aufschrift „KAUSA Jugendforum“.Bildzoom
Vertreterinnen und Vertreter attraktiver Ausbildungsbetriebe auf dem KAUSA Jugendforum.

Özgür Nalcacioglu, Leiter des Programmbereichs KAUSA bei JOBSTARTER, ist zufrieden mit den Ergebnissen des KAUSA Jugendforums 2012: „Wir haben unser Ziel erreicht: Die Jugendlichen sind durch das professionelle Coaching und die Kontaktaufnahme zu den Unternehmen gestärkt worden. Und die Vertreterinnen und Vertreter der Betriebe tragen einen sehr positiven Eindruck von den jungen Menschen in ihre Unternehmen.

Die Beteiligung aller wichtigen Akteure war sehr hoch: angefangen bei den Jugendlichen mit Migrationshintergrund über die Unternehmen bis hin zu wichtigen Multiplikatoren wie Lehrenden, Kammern, Migrantenorganisationen und viele mehr.“

Mit der Berliner Konferenz ist das KAUSA Jugendforum 2012 abgeschlossen, und jetzt heißt es für die Jugendlichen: sich weiter orientieren und informieren, zum Telefon greifen und Bewerbungen schreiben. Und da der erste persönliche Kontakt auf dem KAUSA Jugendforum schon geknüpft wurde, stehen die Aussichten auf einen Praktikums- oder einen Ausbildungsplatz nicht schlecht.

Autorin: Anne Gassen

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