25.02.2013 - 26.02.2013

Fachtagung JOBSTARTER CONNECT: Ausbildungsbausteine – eine neue Qualität in der beruflichen Bildung

Zwei Tage lang tauschten sich 140 Expertinnen und Experten aus Politik und Praxis über die Einsatzmöglichkeiten der Ausbildungsbausteine im Bürgerhaus Wilhelmsburg in Hamburg aus.


Panorama des Veranstaltungssaals

Tag 1, 25.02.2013

„Drei Viertel derjenigen Schülerinnen und Schüler, die mit 17 Jahren in der Regel nach Klasse 10 in Hamburg die Schule verlassen haben, haben keinen direkten Anschluss bekommen.“ Eine alarmierende Botschaft von Ties Rabe, Senator für Schule und Berufsbildung der Hansestadt Hamburg. Und Ausgangspunkt vielfältiger Aktivitäten und Ideen zur Verbesserung des Übergangs von der Schule in den Beruf.

Dass dabei bundeseinheitliche Ausbildungsbausteine eine Rolle spielen, gar eine neue Qualität in der beruflichen Bildung darstellen, manch einer würde hier gerne ein Fragezeichen setzen. Doch die Erfolge aus der nunmehr vierjährigen Erprobung können sich sehen lassen. Ausbildungsbausteine haben eine strukturierende Wirkung, sie erhöhen die Transparenz über Inhalte der Qualifizierung, sie fördern die Kompetenz- und Handlungsorientierung und tragen durch eine neue Feedbackkultur zur Motivationssteigerung bei.

Anlass genug für die Programmstelle JOBSTARTER beim Bundesinstitut für Berufsbildung und die Behörde für Schule und Berufsbildung Hamburg (BSB) die Erfahrungen der Projekte aus JOBSTARTER CONNECT im Rahmen der gemeinsamen Fachtagung am 25. und 26. Februar 2013 vorzustellen.

Fragen wie „Welchen Einfluss haben die Ausbildungsbausteine auf die Ausbildungsqualität?“ und „Wie können Ausbildungsbausteine zur Fachkräftesicherung beitragen?“ wurden in Impulsvorträgen, praxisbezogenen Workshops und einer Gesprächsrunde eingehend beleuchtet.

Zwei Tage lang tauschten sich 140 Expertinnen und Experten aus Politik und Praxis über die Einsatzmöglichkeiten der Ausbildungsbausteine im Bürgerhaus Wilhelmsburg in Hamburg aus. Zwei Tage, die auch die Möglichkeit eröffneten, ausgiebig über bestehende Entwicklungspotenziale und weitere Einsatzgebiete zu diskutieren. Zwei Tage, die weitere Perspektiven eröffnen: Thomas Sondermann, Leiter der Unterabteilung „Berufliche Bildung“ im BMBF, verkündete die geplante Ausweitung der Ausbildungsbausteine auf weitere Berufsbilder.

Prof. Dr. Reinhold Weiß, Ständiger Vertreter des Präsidenten und Leiter des Forschungsbereichs im Bundesinstitut für Berufsbildung, ordnet die Rolle der Ausbildungsbausteine in die allgemeine Entwicklung der beruflichen Ausbildung ein: mit der konsequenten Ausrichtung an der Idee der Kompetenzorientierung, der Verzahnung von Fachtheorie und Fachpraxis sowie der Orientierung an Arbeits- und Geschäftsprozessen, können Ausbildungsbausteine perspektivisch dazu beitragen, ein den Anforderungen moderner Berufsbildung entsprechendes, effektives und damit effizientes Qualifizierungssystem zu ermöglichen.

Bis Februar 2013 nahmen in 40 regionalen JOBSTARTER-CONNECT-Projekten rund 4.000 Jugendliche und junge Erwachsene an einer Qualifizierung über Ausbildungsbausteine in unterschiedlichsten Maßnahme- und Qualifizierungsformen teil. Die bisherigen Erkenntnisse zeigen, dass die Ausbildungsbausteine für die Qualifizierung in Maßnahmen des sog. Übergangssystems bei konzeptgemäßer Umsetzung eine neue Qualität darstellen. Darüber hinaus hat die Ausbildungsbaustein-Initiative Initialwirkung für weitere politische Maßnahmen Dritter erreicht. Die bundesweit einheitlichen, aus Ausbildungsordnungen abgeleiteten Ausbildungsbausteine entwickeln für den Übergangsbereich eine systematisierende Wirkung. Dies wird unter anderem durch die vorgesehene systemische Einbeziehung der Ausbildungsbausteine in den Ländern Berlin und Hamburg deutlich.

Im Bereich der Nachqualifizierung stellen die Ausbildungsbausteine ebenfalls ein bundeseinheitlich strukturierendes Instrument zur Hinführung zur Externenprüfung dar. Christoph Acker, Leiter des Programmbereich JOBSTARTER CONNECT beim BIBB, sowie die Projektleiterinnen und Projektleiter Angelina van den Berk, Roger Voigtländer und Dieter Westendorff berichteten zum Stand der Umsetzung allgemein und in den einzelnen Modellregionen und Maßnahmeformen.

Tag 2, 26.02.2013

Nach der Eröffnung des zweiten Tages durch Clive Hewlett, Leiter der Abteilung Außerschulische Berufsbildung im Amt für Weiterbildung der Behörde für Schule und Berufsbildung Hamburg, schließen zwei Fachbeiträge und eine Gesprächsrunde zur weiteren Planung der Länder die Fachtagung ab.

Gesprächsrunde am zweiten Veranstaltungstag

Die Gesprächsrunde zog abschließend ein Fazit der Veranstaltung und wagte einen Ausblick in die Zukunft. Hieran beteiligten sich Irmgard Frank vom Bundesinstitut für Berufsbildung, Clive Hewlett von der Hamburger Behörde für Schule und Berufsbildung, Ralf Jahnke von der Berliner Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft und Ulrich Schuck vom BMBF. Auch die Teilnehmenden brachten sich aktiv in die Runde ein.

Insbesondere die beiden Ländervertreter gingen auf die Erfahrungen und Wirkungspotenziale der Ausbildungsbausteine in Ihren Regionen ein. Inzwischen bestehe eine Verabredung mit allen Finanziers in Hamburg, die Ausbildungsbausteine, für die Berufe in denen Ausbildungsbausteine vorliegen, in der öffentlich geförderten Berufsausbildung verpflichtend einzusetzen, so Clive Hewlett. Darüber hinaus betonte er die Chancen für die Hansestadt im Rahmen des Anerkennungsgesetzes, im Jugendstrafvollzug und für den Bereich der modularen Nachqualifizierung. Ralf Jahnke von der Berliner Senatsverwaltung erläuterte die positiven Erfahrungen in den Berufsschulzentren und in der betriebsnahen Verbundausbildung. „Die Akzeptanz für das Instrument wächst bei den relevanten Akteuren“, verriet Jahnke. Er zeigte sich darüber hinaus optimistisch, dass künftige Herausforderungen wie die Feststellung und Anrechnung von Kompetenzen ebenso bewältigt werden könnten wie die Verbesserung der Übergänge in die betriebliche duale Berufsausbildung.

„Ausbildungsbausteine bedeuten Umdenken“

Irmgard Frank vom Bundesinstitut für Berufsbildung wies darauf hin, dass es bei der künftigen Gestaltung von Ausbildungsordnungen Weitblick brauche und dass Prozesse und Strukturen in der beruflichen Bildung in Dekaden gedacht werden müssten. Die gelte auch für die lernergbnis- und kompetenzorientierte Philosophie der Ausbildungsbausteine. Sie würdigte in diesem Zusammenhang die Pionierarbeit der Projekte im Rahmen des Programms. Sie führte aus, dass bei der künftigen „Schneidung“ von Ausbildungsbausteinen in weiteren Berufen die Erfahrungswerte aus JOBSTARTER CONNECT von der Ordnungsabteilung des BIBB berücksichtigt werden. „Ausbildungsbausteine bedeuten ein Umdenken“, so Ulrich Schuck vom BMBF und an die Projekte des Programms gerichtet „Sie haben wichtige Grundlagenarbeit“ geleistet. Auf eine entsprechende Nachfrage aus dem Plenum wies Herr Schuck darauf hin, dass es keinesfalls beabsichtigt sei, durch Ausbildungsbausteine eine abgeschwächte Ausbildung bzw. eine „Ausbildung light“ zu initiieren. Dies zeigten auch die Erfahrungen aus CONNECT.

Die Teilnehmenden zogen insgesamt ein positives Veranstaltungs-Fazit: „Bezogen auf die künftige Arbeit mit Ausbildungsbausteinen und die Gestaltung der dualen Berufsausbildung insgesamt liefern die Ergebnisse und Diskussionspunkte wichtige Hinweise“ resümierte Herr Hewlett abschließend.

Auf Qualibe.de finden Sie die ausführliche Tagungsdokumentation inklusive Präsentationen und Fotos.