14.06.2016 | Köln

Ausbildung made in Cologne

Auf der KAUSA-Dialogtagung wurden Strategien für eine erfolgreiche Integration von Jugendlichen mit Migrationshintergrund und jungen Geflüchteten in den Ausbildungsmarkt entwickelt. Netzwerkarbeit spielt dabei eine wichtige Rolle.


Wir müssen die „Schätze heben“, fordert die Kölner Bürgermeisterin Elfi Scho-Antwerpes auf der ersten KAUSA-Dialogtagung „Ausbildung Made in Cologne“ vor rund 120 geladenen Gästen. Unser Land könne nur weiterhin erfolgreich sein, wenn die vorhandenen Potenziale und die Vielfalt aller Jugendlichen erkannt werden, so Scho-Antwerpes. Mehr als die Hälfte der Kinder und Jugendlichen in Köln (52%) haben einen Migrationshintergrund. Dass seit Februar 2016 auch die Unterstützung von Flüchtlingen beim Einstieg in Ausbildung eine Aufgabe der KAUSA Servicestelle geworden ist, freut sie besonders, denn mehr als 13.000 Flüchtlinge haben Zuflucht in der Stadt gefunden. Ein Großteil von ihnen sind Jugendliche und junge Erwachsene. Es sei wichtig, ihnen nicht nur Schutz, sondern auch eine Perspektive für ihre Zukunft zu bieten, macht Scho-Antwerpes deutlich.

Großes Netzwerk – viele Aufgaben

Ein Mann steht vor Publikum und hält eine RedeBildzoom
Phedon Codjambopoulo berichtete von den bisherigen Erfolgen der KAUSA Servicestelle Köln und betonte den hohen Stellenwert der Zusammenarbeit mit den Partnern im Netzwerk.

Laut Phedon Codjambopoulo, Vizepräsident der Deutsch-Hellenischen Wirtschaftsvereinigung – seit Oktober 2013 Projektträger der KAUSA Servicestelle Köln – wurde durch die Servicestelle ein regionales Bildungsnetzwerk mit mehr als 46 Akteuren aus den Regelinstitutionen und freien Trägern beruflicher Bildung in Köln etabliert. Das gemeinsame Ziel: die Abstimmung und Entwicklung von Maßnahmen zur Förderung der Integration in Ausbildung. Erst durch die Zusammenarbeit der vielen Akteure im Netzwerk konnten weitere Maßnahmen umgesetzt werden. Dazu gehören die KAUSA Empowerment-Meetings für Jugendliche, die KAUSA Dialogveranstaltungen mit den Generalkonsulaten oder die Zusammenarbeit mit ehrenamtlichen Bildungsbeauftragten in Kölner Migrantenorganisationen.

Eine Frau aus dem Publikum sprichtBildzoom
Die Veranstaltung gab den Teilnehmerinnen und Teilnehmern Gelegenheit von ihren Erfahrungen zu berichten.

Aktuell hat die Bertelsmann Stiftung ein Positionspapier zum Thema „Berufsbildung in einer Einwanderungsgesellschaft“ herausgegeben, bei dem es vor allem um die neuen Herausforderungen bei der Integration von jungen Geflüchteten in Ausbildung geht. Die Inhalte wurden mit acht Bundesländern und der Bundesagentur für Arbeit abgestimmt. Zentral, so die Position, sei unter anderem ein hoher Bedarf an Berufsorientierung, die Entwicklung von neuen Formen der Kompetenzerhebung, aber auch zusätzliche öffentlich geförderte Ausbildungsplätze. Naemi Härle von der Bertelsmann Stiftung bestätigt den Handlungsbedarf, da Jugendliche mit Migrationshintergrund weiterhin bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz benachteiligt sind.

Engere Vernetzung und die Anregung neuer Handlungsansätze sowie gemeinsamer Strategien standen bei der Veranstaltung im Vordergrund. Viele verschiedene bereits laufende Maßnahmen wurden vorgestellt und Forderungen formuliert, um zukünftig besser agieren zu können:

Die Abendrealschule Köln erzählte von der besseren, individuelleren Beratung ihrer Schülerinnen und Schüler zu Ausbildungsmöglichkeiten durch die KAUSA Servicestelle, da viele von ihnen in ihrem Selbstbewusstsein zunächst gestärkt werden müssten. Die Handwerkskammer hält eine Fortsetzung der Familienarbeit für eine nachhaltige Ausbildungsförderung für zentral. Das Kompetenzzentrum Bildung und Arbeit für Migrantinnen und Migranten (KoBAM) in Köln stellte sich als eine Initiative des Kommunalen Bündnisses für Arbeit vor, bei der erstmalig eine institutionsübergreifende Servicestelle zu diesem Thema geschaffen wurde. Sprach- und Orientierungskurse für Geflüchtete setzt die IHK Stiftung „Bildung, Qualifizierung, Integration“ um. Über die Landesgrenzen zu schauen, empfahl eine Vertreterin des DRK Nordrhein, denn in den Niederlanden gäbe es bereits Kompetenzfeststellungsverfahren in verschiedenen Sprachen.

GruppenfotoBildzoom
V.l.n.r: Katharina Kanschat, Elfi Scho-Antwerpes, Phedon Codjambopoulo, Naemi Härle und Christina Alexoglou-Patelkos.

Der WDR berichtete, dass dort zwei Flüchtlinge in Praktika und einer als Auszubildender zum Maler und Lackierer beschäftigt seien. Das zentrale Problem würden die zu bestehenden Prüfungen während der Ausbildung werden. Hier müsse man flexible Lösungen erlauben, wie zum Beispiel das Arbeiten mit Lexika während einer Prüfung.

Über eigene Erfahrungen bei der Ausbildung junger Geflüchteter berichtete auch das Berufsförderungswerk der Bauindustrie NRW gGmbH, das sich über eine Zusammenarbeit mit anderen Akteuren freuen würde.

Als Auftakt läutete die Dialogtagung Ausbildung Made in Cologne eine Reihe unabhängiger Veranstaltungen der KAUSA Servicestelle Köln mit unterschiedlichen Themen und Zielgruppen ein. Unter anderem werden Orientierungstouren für Jugendliche, Geflüchtete und Medien veranstaltet. Die jeweiligen Ergebnisse und Erfahrungen sollen 2017 in eine große Abschlussveranstaltung münden.