Unterschätzte Möglichkeiten: Branchen und Cluster auf Nachwuchssuche

Neue und weniger bekannte Berufe bewerben, mit Vorurteilen aufräumen und Imagekampagnen durchführen: JOBSTARTER plus-Projekte entwickeln Marketingstrategien für Betriebe und unterstützen Branchen und Cluster bei der Nachwuchsgewinnung.


Junger Mann steht vor roter Leuchtreklame. Slogan: Perfekt in Szene gesetzt – Maximilian Greiner macht eine Ausbildung zum Schilder- und Leuchtreklamehersteller

Im Wettbewerb um die besten Nachwuchskräfte gilt heutzutage mehr denn je: Wer früher kommt, mahlt zuerst. Während Unternehmen vor einigen Jahren noch ein Überangebot an Bewerberinnen und Bewerbern hatten, ist heute frühzeitiges und schnelles Handeln gefragt – insbesondere bei weniger bekannten und beliebten Branchen und Berufen. Die Aufmerksamkeit der Jugendlichen einzufangen, sie zu begeistern – das ist ein Ziel des Ausbildungs- und Berufemarketings.

Ausbildungs- und Berufemarketing

Bei sinkenden Schulabgängerzahlen und einer Auswahl von rund 330 dualen Ausbildungsberufen mit vielfältigen Aufstiegs- und Karrierewegen müssen die Marketingaktionen und Imagekampagnen immer kreativer und einfallsreicher werden. So bietet  etwa das Internet immer wieder neue Möglichkeiten, sich als Unternehmen zu präsentieren. Ob soziale Netzwerke wie facebook oder Snapchat, Unternehmensblogs oder Azubi-Websites – viele Betriebe, insbesondere kleine und mittlere Unternehmen (KMU), nutzen die Chancen des Internets bislang zu wenig. Um Bewerberinnen und Bewerber für sich zu gewinnen, setzen sie stattdessen weiterhin auf traditionelle Vorgehensweisen wie Presseinserate oder Ausbildungsplatzanzeigen. Um Jugendliche auch in Zukunft zu erreichen und im Wettbewerb um die Fachkräfte von morgen zu bestehen, erschließen sich Betriebe zusätzlich neue Wege. Neben digitalen Formaten werden dabei auch zielgruppengerechte Vor-Ort-Aktionen entwickelt. Dabei stellt sich das Problem, dass gerade KMU nur geringe Ressourcen haben, um die Ausbildung in ihrem Unternehmen adäquat zu bewerben.

Männliche Hand arbeitet an dem Leuchtreklamebuchstaben „a“.Bildzoom
Spot an: Gezieltes Marketing setzt Ausbildung ins rechte Licht.

Hier setzen JOBSTARTER plus-Projekte an. Sie nutzen ihre Netzwerke und ihr Know-how, um Betriebe bei der Besetzung von Ausbildungsplätzen zu unterstützen. Gemeinsam mit den Unternehmen bewerben sie freie Ausbildungsstellen oder gestalten Marketingaktionen für Berufe und Brachen. Gemeinsam mit ihren Partnern entwickeln sie Strategien und Vorteilsargumentationen und ergänzen die vorhandenen Branchen- und Clusterstrukturen um Unterstützungsangebote für die Berufsausbildung (Link auf Artikel zu den regionalen Unterstützungsstrukturen).

Branchen und Berufe attraktiver machen

Branchen wie die Logistikbranche und Berufe wie der Berufskraftfahrer leiden nach wie vor unter Imageproblemen. Auch sind Zulieferunternehmen weniger bekannt und hinsichtlich einer Ausbildung vermeintlich weniger attraktiv als Konzerne, die Endprodukte vermarkten. Gerade hier liegen jedoch gute Chancen und Perspektiven für viele Jugendliche. JOBSTARTER plus-Projekte versuchen daher die Bekanntheit, die Attraktivität und die Qualität der Ausbildung in den betroffenen Branchen zu steigern.

Nachtaufnahme: Lichtreklamehersteller überprüft Anlage, im Hintergrund sind Häuser zu sehen.Bildzoom
Lichtreklamerhersteller – einer von vielen eher unbekannten Ausbildungsberufen

Das JOBSTARTER plus-Projekt „LogiMatch“ des Bildungswerks Verkehr, Wirtschaft, Logistik NRW e. V. bietet beispielsweise den Betrieben der Logistikbranche regelmäßige Ausbildungsforen, Anwender-Workshops für das ausbildende Personal und einen Werkzeug- und Methodenkoffer. Das Branchen-, Berufe- und Betriebsmarketing spielt dabei eine zentrale Rolle. Gleichzeitig wird die Attraktivität des Betriebs und der Branche insgesamt erhöht.

Ein weiteres Beispiel ist das JOBSTARTER plus-Projekt „MEMA-Fachkraft plus“ des Berufsbildungs- und Technologiezentrums des Handwerks GmbH in Lingen, das mit dem Metall- und Maschinenbaucluster der Region Emsland kooperiert, um langfristig die Qualität der Ausbildung und damit die Attraktivität der Branche für Jugendliche zu verbessern. Das JOBSTARTER plus-Projekt „Kompetenzcluster Aus- und Weiterbildung“ des Automotive Clusters Ost-Deutschland (ACOD) setzt daran an, mit den Modernisierungen aus den Digitalisierungsprozessen für die Ausbildung in Zulieferbetrieben zu werben.

Marketing für Branchen, Ausbildung in Clustern

Betriebliche Berufsausbildung ist auch für Kleinst- und Kleinbetriebe eine gute Möglichkeit der Fachkräftesicherung. Allerdings sind diese Betriebe häufig sehr spezialisiert und können nicht die gesamte Bandbreite einer dualen Berufsausbildung abdecken. Clusterverwaltungen können helfen. Denn in Wirtschafts- oder Forschungsclustern können viele Unterstützungsleistungen gemeinsam erbracht werden.

In Kooperation mit einem JOBSTARTER plus-Projekt werden innerhalb des Clusters geeignete Betriebe miteinander in Verbindung gebracht, sodass im Rahmen einer Verbundausbildung auch kleinere Betriebe ausbilden können. Der OptoNet e.V., die Verwaltung des Thüringer Photonikclusters, unterstützt gemeinsam mit dem Jenaer Bildungszentrum gGmbH SCHOTT CARL ZEISS JENOPTIK im JOBSTARTER plus Projekt „LightGuide“ die KMU der Branche beispielsweise bei dem Erhalt und Ausbau ihrer Ausbildungstätigkeiten.

Junger Mann arbeitet an einer roten Leuchtreklameschrift. Es dämmert.Bildzoom
Immer gut in Szene gesetzt

Auch gibt es eine Vielzahl regional vorhandener Unterstützungsleistungen, die dem Einzelbetrieb häufig unbekannt sind. JOBSTARTER plus-Projekte verweisen Betriebe mit Unterstützungsbedarf an die passenden Angebote – wie etwa beim JOBSTARTER-Projekt „Go 2 Bau“ des Stuckateurverbands Baden-Württemberg. Gleichzeitig wird daran gearbeitet, tragfähige Lösungen zu entwickeln, um dieses Angebots langfristig – zum Beispiel durch die Einbindung von Netzwerkpartnern – zu sichern. Zentral für diese Ansätze ist es, betrieblichen Unterstützungsbedarf zu ermitteln und Betrieben das vorhandene Unterstützungsangebot der regionalen Akteure leichter zugänglich zu machen.

Im Projekt „connect.IT Heilbronn-Franken“ werden die Betriebe unter anderem durch den Aufbau von Ausbildungspartnerschaften gezielt für die Ausbildung motiviert, die Kultur der betrieblichen Ausbildung wird weiter gestärkt und bestehende Barrieren abgebaut. Dazu werden schon bestehende Unterstützungsangebote genutzt, die durch Kooperationen mit der vom Projekt eingerichteten Kontaktstelle „IT-Berufsausbildung“ bekannt gemacht werden.

Im Cluster MAI-Carbon lag der Hauptfokus der Zusammenarbeit auf der Technologieförderung. Mit dem JOBSTARTER plus-Projekt „MAI-Job“ wird dem Bedarf entsprochen, sich auch im Bereich der beruflichen Ausbildung stärker zu vernetzen. Das Projekt nimmt eine Mittlerrolle zwischen den Betrieben im Cluster und den Bildungsanbietern ein, führt die Betriebe an das Thema Ausbildung heran oder trägt zur Verbesserung der Ausbildungsqualität bei. KMU werden in allen Fragen rund um die Ausbildung unterstützt und beraten.

Ausbildungsmarketing im Film

Handwerk und Hochtechnologie – zwei Beispiele für branchenspezifisches Marketing sehen Sie in unseren JOBSTARTER-Filmen: