Berufe erleben mit allen Sinnen: JOBSTARTER auf den WorldSkills

Schnuppern, horchen, nippen, tasten und genau hinschauen: Auf dem Erlebnis-Parcours von JOBSTARTER gewinnen Jugendliche einen Eindruck von der Vielfalt beruflicher Möglichkeiten.

Ein Großevent mit emotionalen Höhepunkten: Dieses Jahr fand die Weltmeisterschaft der Berufe WorldSkills in Deutschland statt. Die besten Fachkräfte aus 53 Ländern und Regionen maßen ihr Können auf dem größten internationalen Berufewettbewerb aller Zeiten.

Mehr als 200.000 Besucher kamen nach Leipzig, um die spektakulären Darbietungen zu verfolgen. Doch auf den WorldSkills konnten die jungen Besucherinnen und Besucher nicht nur die Wettkämpfe beobachten, sondern auch selbst aktiv werden.

Alle Höhepunkte der Veranstaltung in unserem Online-Dossier:

Mitmachen, Spaß haben und Lust auf Berufe bekommen – mit JOBSTARTER

Jugendliche auf dem Erlebnis-Parcours „try five! – Fünf Sinne für deine Zukunft“

„Schnell sein allein reicht nicht“ – Interview mit WorldSkills-Kandidatin Maren Ottens

„Weltevent in der beruflichen Bildung“ – Peter Thiele im Interview zu den WorldSkills


Mitmachen, Spaß haben und Lust auf Berufe bekommen – mit JOBSTARTER

„Das riecht süß ... aber ich weiß nicht, was es ist.“ Eric und seine Freunde Felix und Philip schnuppern konzentriert an verschiedenen Fläschchen. Wonach riecht das? Keine leichte Frage.

Eine Gruppe von Kindern stürmt den JOBSTARTER-Erlebnisparcours.

Ansturm auf den JOBSTARTER-Erlebnisparcours.

JOBSTARTER / Fotograf: Michael Schulte

Die drei vierzehnjährigen Schüler sind mit ihrer Schulklasse auf die Weltmeisterschaft der Berufe WorldSkills nach Leipzig gekommen.

Umringt von vielen anderen Jugendlichen stehen sie gerade an der Station „Riechen“ des JOBSTARTER-Erlebnisparcours try five! – Fünf Sinne für deine Zukunft.

Hier und an den weiteren vier Stationen stellen sie sich verschiedenen Aufgaben, bei denen sie genau hinschauen, fühlen, schmecken und hören müssen.

Und ganz nebenbei können sie ein Gespür dafür entwickeln, wo ihre Talente und Interessen liegen – und in welchen Ausbildungsberufen dieses Talent besonders gefragt ist.

Der Parcours ist eingebettet in den Gemeinschaftsstand zur Berufsorientierung „JOB CITY“, den JOBSTARTER gemeinsam mit der Bundesagentur für Arbeit und den sächsischen Industrie- und Handelskammern sowie den Handwerkskammern präsentiert.

Das verbindende Ziel aller Akteure: Berufe und Ausbildungsinhalte für Jugendliche erlebbar und interessant machen, ihr Interesse wecken und ihnen Anregungen zur beruflichen Orientierung geben. Und das wird angenommen: Allein an den Ständen des JOBSTARTER-Erlebnisparcours stehen die Jugendlichen Schlange.

Viele spannende Aktionen

Eine Gruppe vor einer Wand am Stand auf der WorldSkills 2013.

Posieren für einen Schnappschuss an der JOBSTARTER-Fotobox.

JOBSTARTER / Fotograf: Martin Klindtworth

Nur wenige Meter vom Parcours entfernt bieten JOBSTARTER und die Bildungsketten mit dem Bildungsketten-Bühnenprogramm eine weitere Attraktion. Mit vereinter Anstrengung bauen Jugendliche Türme und wandern gemeinsam durchs Watt – Übungen der Potenzialanalyse, die zum Beispiel im Rahmen des Berufsorientierungsprogramms oder der Berufseinstiegsbegleitung an Schulen durchgeführt wird.

Ein weiterer Publikumsmagnet ist die JOBSTARTER-Fotobox, an der durchgängig Hochbetrieb herrscht.

Hier können die Besucher posieren und ihre Bilder als Souvenir mit nach Hause nehmen oder sie von dort aus downloaden – und werden nebenbei animiert, nach den WorldSkills die JOBSTARTER-Website zu besuchen.

Auch für das Fachpublikum gibt es eine JOBSTARTER-Anlaufstelle auf den WorldSkills: Auf dem Stand des Bundesinstituts für Berufsbildung, ebenfalls in Halle 1 positioniert, informiert das JOBSTARTER-Team über Ziele und Inhalte des Ausbildungsstrukturprogramms JOBSTARTER und stellt die breite Palette der kostenlosen Publikationen vor.

Beratung zu den JOBSTARTER-Publikationen am Stand.

Beratung zu den JOBSTARTER-Publikationen.

JOBSTARTER / Fotograf: Martin Klindtworth

Interessant sowohl für die Fachkräfte als auch für die jungen Besucher der WorldSkills ist das „Weltquiz“: Portugal, Chile, Korea – wo liegen diese Länder auf der Weltkarte?

Das Spiel ist eines der interaktiven Lernangebote, die die Kommunikations- und Arbeitsplattform qualiboXX für Akteure am Übergang Schule-Beruf bereitstellt. Am großen qualiboXX-Bildschirm beim JOBSTARTER-Stand wetteifern Schüler und Lehrer um den Sieg.

Die Vielfalt der Ausbildungsmöglichkeiten zeigen

Sigrid Meiborg, Leiterin der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit bei JOBSTARTER, freut sich über den großen Andrang auf dem Erlebnisparcours: „Wir haben das Konzept des try five!-Parcours exklusiv für die WorldSkills in Leipzig entwickelt und sind überwältigt von dieser so positiven Resonanz von Jugendlichen. Jetzt werden wir natürlich prüfen, ob wir das Konzept auch im Rahmen weiterer Veranstaltungen weiterentwickeln und präsentieren können.“

Bundesbildungsministerin Prof. Dr. Johanna Wanka und Ulrich Schuck (BMBF) beim JOBSTARTER-Erlebnisparcours „try five“.

Bundesbildungsministerin Prof. Dr. Johanna Wanka und Ulrich Schuck (BMBF) beim JOBSTARTER-Erlebnisparcours „try five“.

JOBSTARTER / Fotografin: Sigrid Meiborg

Auch Ulrich Schuck, Referent im Referat „Grundsatzfragen der beruflichen Aus- und Weiterbildung“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, hebt die gelungene Präsenz von JOBSTARTER auf den WorldSkills hervor:

„Der Andrang beim Erlebnis-Parcours war enorm, man hat den Jugendlichen den Spaß richtig angesehen. Die attraktiven Stationen von try five! haben ihnen eine Idee von der Vielfalt der Ausbildungsmöglichkeiten in Deutschland gegeben – vom klassischen Handwerk über Dienstleistungsberufe bis High-Tech.“


Jugendliche auf dem Erlebnis-Parcours „try five! – Fünf Sinne für deine Zukunft“

Ehrengäste sind in diesen Tagen natürlich die Schülerinnen und Schüler, die sich mit Feuereifer den Herausforderungen auf dem try five! –Erlebnisparcours zur Berufsorientierung stellen. Wer alle Stationen besucht und seine Punktekarte füllt, dem winkt zur Belohnung die aufblasbare try five!-Hand von JOBSTARTER.

Station „Fühlen“

Christin (17) und Sophie (18) besuchen die elfte Klasse eines Gymnasiums in der Nähe von Leizpig. Christin arbeitet gerne kreativ und im Team. Beruflich möchte sie einmal große Veranstaltungen für Unternehmen organisieren. Sophie möchte später einen Beruf ergreifen, bei dem es ebenfalls auf Teamwork und auf Zuverlässigkeit ankommt. Nach der Schule möchte sie ihre Sprachenkennnisse in einem Auslandsjahr noch weiter verbessern, um dann in der Tourismusbranche zu arbeiten.

An der Station „Fühlen“ auf dem try five!-Parcours versuchen Christin und Sophie, das Gewicht eines Fahrradrahmens und eines Motorradhelms abzuschätzen. Dabei zeigt ihnen ein Mitarbeiter der Hochschule Magdeburg (JOBSTARTER-Projekt „AUCOM“) verschiedene Materialien und gibt ihnen ganz nebenbei einen kurzweiligen Einblick in den dualen Studiengang Maschinenbau mit Composite-Technologien.

Station „Sehen“

Andriy (13) besucht das Gymnasium und weiß schon, was er später einmal werden möchte: Biologe. Schon als Dreizehnjähriger weiß er ziemlich gut Bescheid über das Thema Genübertragung.

An der Station „Sehen“ stehen die Berufe Mechatroniker/-in, Feinoptiker/-in und Physiklaborant/-in im Mittelpunkt. Das Jenaer Bildungszentrum (JOBSTARTER-Projekt „Pro Opto“) hat kompliziert aussehende technische Geräte dabei, an denen die Schülerinnen und Schüler verschiedene Aufgaben lösen müssen. Andriy schaut sehr konzentriert hin: Per Knopfdruck hebt er Metallplatten mit einem automatischen Greifer hoch und legt sie an anderer Stelle wieder ab. Dabei beweist er ein großes Fingerspitzengefühl.

Station „Schmecken“

Emily und Luise (beide 14) besuchen das Leibniz Gymnasium Leipzig. Für beide ist noch ganz offen, welche berufliche Richtung sie einmal einschlagen werden. Luise betont, dass zum Glück ja noch etwas Zeit bleibt, bis sie sich entscheiden müssen. Sie hat aber schon herausgefunden, dass sie gut organisieren kann. Emilys Stärke ist ihre Zielstrebigkeit: Wenn sie sich etwas vornimmt, dann klappt das eigentlich auch immer.

An der Parcours-Station „Schmecken“ erklären Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der „Kiezküchen“ (JOBSTARTER-Projekt „HauswirtschaftsManagement Berlin“) den Mädchen, worum es in den Ausbildungsberufen Hauswirtschaft und in verwandten Berufen des Gastgewerbes geht. Und da es im Restaurantfach unter anderem auf einen feinen Geschmackssinn ankommt, ist dieser bei der Aufgabe an dieser Station gefragt. Emily und Luise probieren verschiedene Fruchtsäfte und müssen dann erraten, um welche Säfte es sich handelt. Aber das ist gar nicht so einfach...

Station „Riechen“

Eric, Philip und Felix (alle 14) gehen in die achte Klasse des BIP Kreativitätsgymnasiums Leipzig. Eric ist sportlich und spricht gut Englisch und Spanisch. Er könnte sich eine berufliche Zukunft bei der Bundeswehr vorstellen - zum Beispiel als Fluggerätemechaniker oder als Pilot. Philip ist handwerklich und zeichnerisch begabt. In seiner Freizeit beschäftigt er sich mit Modellbau. Später möchte er vielleicht Bootsbauer werden. Felix hat nicht nur gute Schulnoten, er liebt auch Tiere. Und so möchte er Tierarzt werden oder Wildpark-Ranger, zum Beispiel in Afrikas tropischem Regenwald.

An der Station „Riechen“ kommen die drei Jungen in Kontakt mit naturwissenschaftlich-technischen Berufen. Die Mitarbeiter der Sächsischen Bildungsgesellschaft für Umweltschutz und Chemieberufe Dresden (JOBSTARTER-Projekt „Ausbildungscluster Sachsen für Hochtechnologie, Naturwissenschaften und Umwelttechnik“) erklären ihnen, worauf es in dem Berufsfeld ankommt. Wichtig für Chemielaborantinnen und Chemielaboranten ist zum Beispiel ein guter Geruchssinn, den die drei Schüler bei dieser Parcours-Aufgabe gleich einmal auf die Probe stellen...

Station „Hören“

Nick besucht die Mittelschule Taucha. Er ist ziemlich gut in Mathematik und möchte später einmal Verkäufer werden, so wie sein Vater. Seine besondere Stärke besteht darin, dass er andere gut überzeugen kann.

Auf der Station „Hören“, betreut vom JOBSTARTER Regionalbüro Ost und dem SAEK Leipzig (Kooperationspartner des JOBSTARTER-Projektes „TalenteSchmiede“), steht das Geräusche-Rätsel im Mittelpunkt. Ein gutes Ohr braucht man zum Beispiel in Medienberufen.

 Autorin: Anne Gassen


„Schnell sein allein reicht nicht“ – Interview mit WorldSkills-Kandidatin Maren Ottens

Die 22-jährige Maren Ottens aus Karben/Hessen machte eine Berufsausbildung als Malerin und Lackiererin. Ihr Betrieb richtete einen zusätzlichen Ausbildungsplatz ein, unterstützt vom JOBSTARTER-Projekt „Farbige Zukunft“.

jobstarter.de: Frau Ottens, was war die größte Herausforderung für Sie bei den WorldSkills?

Maren Ottens: Da gab es dieses große Logo vom Eingang des Leipziger Porsche-Werks, das ich ausmalen musste. Komplett aus freier Hand, ohne Abklebeband. Einzige Hilfsmittel waren ein Lineal und ein Stock. Für einen Kunden würde ich so niemals arbeiten, das dauert sehr lange und wäre viel zu teuer.

jobstarter.de: Wie sah ein Wettkampftag aus?

Maren Ottens: Zuerst habe ich mit meinem Mentor die anstehenden Aufgaben besprochen. Der Wettkampf lief von 9 bis 17 Uhr. Zwischendurch gab es besondere Tests, bei denen ein hohes Tempo gefragt war: eine Wand um die Ecke tapezieren, Farbe in verschiedenen Mischungen aufbringen. Aber schnell sein allein reicht nicht, auch die Qualität muss stimmen.

Eine Auszubildende zur Malerin und Lackiererin malt eine Linie an die Wand. Sie trägtr ein weißes T-Shirt und hat dunkle Haare zu einem Pferdeschwanz gebunden.

„Und die Ohrstöpsel haben nichts gebracht.“

JOBSTARTER / Fotograf: Michael Schulte

jobstarter.de: Die Zuschauer konnten jeden Handgriff mitverfolgen, in der Wettkampfhalle war es laut. Wie haben Sie das ausgehalten?

Maren Ottens: An den Lärm habe ich mich gewöhnt, irgendwann habe ich nichts mehr gehört. Weil man die ganze Zeit im Stress ist, blendet man alles aus – wie mit Scheuklappen. Und die Ohrenstöpsel haben nichts gebracht.

jobstarter.de: Hatten Sie Kontakt zu den anderen Teilnehmenden?

Maren Ottens: Ja, beim Auswaschen der Farbpinsel haben wir uns im hinteren Bereich getroffen. Zum Reden blieb aber kaum Zeit. Mit der schwedischen Kandidatin nebenan habe ich mich prima verstanden. Sie hat ein Selbstporträt erstellt, ich wollte wissen, welche Technik sie benutzt. Mit einem Kanadier habe ich mich über die verschiedenen Lebensweisen unterhalten. Lustig war auch der singende Kolumbianer beim Brunch mit allen Teams auf dem Marktplatz in Leipzig. Da habe ich begriffen, wie riesig die WorldSkills tatsächlich sind.

jobstarter.de: Bei den WorldSkills waren rund 60 Länder dabei. Was können Auszubildende und Fachkräfte in Deutschland von anderen Kulturen lernen?

Maren Ottens: Faszinierend fand ich, wie zielstrebig und ehrgeizig die Mitbewerber aus den asiatischen Ländern an die Sache rangingen. Die bereiten sich ein Jahr lang nur auf diesen Wettkampf vor. Das wäre bei uns so allerdings nicht möglich.

jobstarter.de: Was bringt Ihnen die Teilnahme an den WorldSkills für den Beruf?

Eine Malerin malt auf einem Deckel.

Klassisches Werkzeug eines Dekorationsmalers: Farbe und Pinsel.

JOBSTARTER / Fotograf: Michael Schulte

Maren Ottens: Klar, ich habe meinen Horizont erweitert. Jedes Teammitglied hat die Chance, über einen speziellen WorldSkills-Ausweis in einer der Teilnehmer-Nationen legal zu arbeiten. Das finde ich toll. Schweden und England würden mich sehr reizen.

jobstarter.de: Zurzeit besuchen Sie die Fachschule für Farb- und Lacktechnik in München, um ihren Meister- und Techniker-Abschluss zu absolvieren. Wie finden es Ihre Dozenten und Mitschüler, dass Sie eine der besten Malerinnen in ihren Reihen haben?

Maren Ottens: (lacht) Die sind alle total begeistert und haben mich prima unterstützt. Am Ende des Schuljahres werde ich ein Referat über die WorldSkills halten, damit die Veranstaltung noch bekannter wird.

jobstarter.de: Wieso wollten Sie eigentlich Malerin werden?

Maren Ottens: Nach dem Fachabitur habe ich mich bewusst gegen ein Studium entschieden. Ich wollte einen handwerklichen Beruf ergreifen, habe mich schon immer für Gestaltung interessiert und bin so auf den Beruf der Malerin gekommen.

jobstarter.de: Und wie haben Sie den Sprung zu den WorldSkills geschafft?

Maren Ottens: Mein Ausbildungsbetrieb hat mich optimal gefördert. Für mich war es wie eine zweite Familie. Ich nahm an Wettbewerben teil, erst auf Kammer- und Landesebene, dann auf Bundesebene. Der Malerverband Hessen wurde auf mich aufmerksam und hat mich gefragt, ob ich zu den WorldSkills möchte. Ich habe ganz laut „ja“ geschrien.

Eine Auszubildende zur Malerin und Lackiererin malt eine Wand an. Sie trägt ein weißes T-Shirt und hat die dunklen Haare zu einem Zopf gebunden.

Malen aus der Hand – trotz Nervosität.

JOBSTARTER / Fotograf: Michael Schulte

jobstarter.de: Sie und das deutsche Team waren in Berlin beim Empfang der Bundeskanzlerin, die auch WorldSkills-Schirmherrin ist. Was hat Angela Merkel zu Ihnen gesagt?

Maren Ottens: Sie hat mich gefragt, in welcher Disziplin ich in Leipzig dabei war. Sie hat uns für die hervorragende Leistung gelobt und die Stärke der dualen Berufsausbildung im Vergleich zu anderen Ländern betont. Das war schon alles sehr aufregend.

jobstarter.de: Wie stellen Sie sich Ihre berufliche Zukunft vor, nach all diesen Erfahrungen?

Maren Ottens: Ehrlich gesagt, so genau weiß ich das noch nicht. Das ganze Jahr war ausgefüllt mit Prüfungen an der Fachschule und den Vorbereitungen auf den Wettkampf. Ich lasse mich überraschen. Immerhin hat nicht jeder eine WorldSkills-Teilnahme im Lebenslauf stehen.

Interview: Michael Schulte


„Weltevent in der beruflichen Bildung“ – Peter Thiele im Interview zu den WorldSkills

1961 in Duisburg, 1973 in München, 2013 in Leipzig: Zum dritten Mal in ihrer Geschichte kommen die WorldSkills nach Deutschland. Dafür hat sich das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) stark gemacht.

Portrait Peter Thiele.

Peter Thiele, Referatsleiter im Bundesministerium für Bildung und Forschung

JOBSTARTER

Peter Thiele, Leiter des Referats Grundsatzfragen der beruflichen Aus- und Weiterbildung, war vom ersten Tag der deutschen Bewerbung 2009 in Calgary – also von Anfang an – mit dabei.

Wie die Veranstaltung nach Leipzig kam und was das Besondere am JOBSTARTER-Parcours ist, erklärt er im JOBSTARTER-Interview.

jobstarter.de: Herr Thiele, wie haben Sie die WorldSkills nach Leipzig geholt und wodurch konnte der Standort Deutschland überzeugen?

Peter Thiele: Die Vorbereitung der deutschen Bewerbung war schon wegen der Vielzahl der Beteiligten und zu klärenden Fragen kein Spaziergang, organisatorisch, fachlich und finanziell. Aber es hat sich gelohnt.

Die Entscheidung zugunsten von Deutschland/Leipzig war ein knappes Rennen mit einer Stimme Mehrheit gegenüber dem Mitbewerber Frankreich/Paris.

Letztlich waren ein stimmiges Konzept, eine emotionale, auf die Wiedervereinigung Deutschlands und die Fußball-WM in Deutschland rekurrierende Präsentation und das Renommee der deutschen Berufsbildung und Organisationskraft ausschlaggebend.

jobstarter.de: Die WorldSkills sind eine der größten, internationalen Veranstaltungen zur beruflichen Bildung. Welche bildungspolitische Wirkung kann von solch einem Großevent ausgehen und welche Rolle nimmt das BMBF dabei ein?

Peter Thiele: Die WorldSkills sind das einzige regelmäßige Weltevent in der beruflichen Bildung. Zwischenzeitlich sind knapp 60 Staaten und Regionen der Welt darin vertreten, von den USA über China, Russland, Indien, Indonesien, Brasilien und den EU-Staaten.

Die WorldSkills sind zugleich eine Plattform für die Exzellenz beruflicher Bildung, ein großer Wirtschaftstreff, eine politische Bühne für internationale Berufsbildungskooperation, ein weltweites Jugendevent und eine Berufsorientierungsmesse für zehntausende von jugendlichen Besuchern.

Das BMBF nutzt dies gezielt als Chance, unsere eigenen bildungspolitischen Schwerpunkte weltweit auf die Agenda zu bringen, Stichworte sind hier die Attraktivität, Exzellenz und Gleichwertigkeit der Berufsbildung gegenüber anderen Bildungsbereichen. Wir bauen dort gezielt unsere bilateralen Berufsbildungskooperationen mit anderen Weltregionen auf – und aus, wir erwarten viele Bildungsminister und hochrangige Delegationen.

Und wir werben gegenüber der Berufsbildungs-Weltgemeinschaft gezielt für die Stärke der deutschen Berufsbildung, auch als Exportgut, und das duale System – mit einer Reihe hochrangiger Konferenzen mit den UN, der EU und der OECD, aber auch mit ganz praktischen Schnupperbesuchen für ausländische Delegationen in deutscher betrieblicher Ausbildung vor Ort.

Das BMBF war von Anfang an und auf verschiedenen Ebenen Förderer und aktiver Mitgestalter der WorldSkills Leipzig, aber auch des deutschen Nationalteams, das nun in nie dagewesener Größe in fast allen Wettbewerbsberufen antreten wird.

jobstarter.de: Die duale Berufsausbildung, wie wir sie in Deutschland kennen, ist ein Exportschlager und gilt als internationales Vorbild. Sie ist auch ein Faktor für die niedrige Arbeitslosigkeit in Deutschland. Welche Ansätze können die anderen Teilnehmerstaaten von uns übernehmen und was kann Deutschland im Gegenzug von den anderen lernen?

Peter Thiele: Wir sind überzeugt, dass die wirtschaftliche Stärke Deutschlands, die geringen Jugendarbeitslosenzahlen, die guten Übergänge von Ausbildung in qualifizierte Beschäftigung und die guten Karriereperspektiven maßgeblich von der Qualität unseres dualen Ausbildungssystems beeinflusst sind.

Diese Erkenntnis setzt sich verstärkt auch in anderen Staaten und internationalen Organisationen wie der EU, der OECD, der ILO und den UN durch. Wir werden in nie dagewesenem Umfang nach bilateralen Kooperationen zum Transfer des dualen Systems angefragt und haben uns fachlich, organisatorisch und finanziell entsprechend aufgestellt. Die EU hat nun mit einer Europäischen Allianz für Lehrlingsausbildung eine neue Stufe der Kooperation eingeläutet.

Auch die weltweit aktive deutsche Wirtschaft braucht vor Ort verstärkt Fachkräfte mit beruflicher Handlungsfähigkeit, wie sie die duale Ausbildung vermittelt. Wir wissen dabei, dass das duale System als über Jahrhunderte entstandene Ausbildungsform nicht über Nacht auf andere Systeme und Kulturen übertragbar ist. Aber wir können duale Prinzipien und Elemente unseres Systems transferieren und an die Gegebenheiten der Partnerländer anpassen.

Das ist der Schwerpunkt unserer im Moment mit einer Vielzahl von Partnerstaaten laufenden Arbeiten. Und natürlich wollen wir auch selbst von anderen lernen, Beispiele hierfür sind etwa Validierungsverfahren und Anrechnungsmodelle für Vorqualifikationen, Good Practice-Modelle zur Integration von Benachteiligten in Ausbildung, Modelle zur Sicherung der Durchlässigkeit des Bildungssystems und Kooperationen zur Innovation der Berufsbildung selbst.

jobstarter.de: Aber auch in Deutschland gibt es Herausforderungen. Inwiefern kann das Programm JOBSTARTER hier helfen?

Peter Thiele: JOBSTARTER ist das BMBF-Flaggschiffprogramm in der beruflichen Bildung.

Sein Vorzug ist die Flexibilität und Qualität der Programmschwerpunkte, mit denen je nach berufsbildungspolitischen Herausforderungen schnell agiert werden kann.

In Zeiten des Ausbildungsplatzmangels hat JOBSTARTER maßgeblich zur Gewinnung zusätzlicher betrieblicher Ausbildungsplätze beigetragen.

Heute stehen eher Innovationsthemen wie die Gewinnung von neuen Zielgruppen für die beruflich Bildung wie beispielsweise den Studienabbrechern, die Verzahnung von Aus- und Fortbildung, die besondere Unterstützung von KMU im Wettbewerb um Ausbildungsbewerber und das „Matching“ von Angebot und Nachfrage angesichts einer großen Zahl unbesetzter Ausbildungsplätze im Vordergrund.

Daneben hat JOBSTARTER langjährige und strukturbildende Aufgaben, wie etwa die Gewinnung von Jugendlichen und Unternehmern mit Migrationshintergrund für die duale Ausbildung und die Erprobung und Etablierung von Ausbildungsbausteinen in verschiedenen Teilbereichen des Bildungssystems.

Und nicht zuletzt ist JOBSTARTER unsere tatkräftige Stütze bei der Umsetzung neuer politischer BMBF-Initiativen – von den „Bildungsketten bis zum Ausbildungsabschluss“ bis hin zur Imagekampagne „Berufliche Bildung – Praktisch unschlagbar“.

Neben der Programmstelle leisten hier auch die vier Regionalbüros in Deutschland hervorragende Arbeit. Ohne JOBSTARTER wäre das BMBF bei weitem nicht so schlagkräftig und sichtbar, mein Dank gilt an dieser Stelle allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im JOBSTARTER-Team, die profunde, effiziente und hochengagierte Arbeit leisten.

jobstarter.de: JOBSTARTER ist auch bei den WorldSkills mit dabei. Was ist das Besondere an dem Erlebnis-Parcours?

Peter Thiele: Mit der Aktion „Try Five“ trifft JOBSTARTER genau ins Schwarze. Die erwarteten bis zu 200.000 Besucher sollen sich nicht nur die Wettbewerbe ansehen und sich allgemein über Berufsbildung informieren. Sie sollen selbst „spürbare“ Erfahrungen mit Berufsbildung machen. Die JOBSTARTER-Aktion „Try five“ spricht gezielt alle fünf Sinne an, ist Berufsorientierung zum Anfassen und ermöglicht den spielerischer Zugang zum Thema Berufsbildung.

Von Vorteil ist dabei auch die Einbettung des JOBSTARTER-Stands in den Gemeinschaftsstand von BA, IHKs und HWKs, der eine vertiefende Beratung der Jugendlichen durch diese Partner vor Ort erlaubt.

jobstarter.de: Herr Thiele, vielen Dank für das Interview.

Interview: Virginia Gerard

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