Ausbildungschancen eröffnen: betriebliche Berufsausbildungsvorbereitung

Wenn junge Menschen nicht direkt in Ausbildung finden, kann ihnen eine betriebliche Berufsausbildungsvorbereitung beim Übergang helfen. Dies bietet auch Chancen für die Unternehmen. JOBSTARTER-Projekte unterstützen und beraten.


Ausbilder und Lehrling stehen in Tischlerwerkstatt und begutachten ein Möbelstück im Vergleich zu einem Plan. Dazu der Slogan: Ein guter Plan für die Zukunft. Ben Cupan bereitet sich auf seine Ausbildung zum Tischler vor.

Die Situation auf dem Ausbildungsstellenmarkt erscheint widersprüchlich: Während die Zahl der unbesetzten Ausbildungsstellen immer weiter wächst, stagniert die Zahl der unversorgten Jugendlichen auf einem hohen Niveau. Insbesondere kleine und mittlere Unternehmen haben zunehmend Probleme bei der Besetzung von Ausbildungsplätzen und damit bei der Deckung ihres zukünftigen Fachkräftebedarfs. 2013 wurden so wenige Ausbildungsverträge abgeschlossen wie seit der Wiedervereinigung nicht mehr. 2014 ist die Zahl der Verträge noch weiter gesunken. Gleichzeitig aber finden viele Jugendliche keine Lehrstelle.

Eine im Anschluss an die allgemeinbildende Schule stattfindende betriebliche Berufsausbildungsvorbereitung (bBAV) kann zur Lösung dieses Problems beitragen. Sie unterstützt junge Menschen beim Übergang in Ausbildung, wenn ihnen dies nicht direkt gelingt. Dabei fördert die betriebliche Ausrichtung den Erwerb beruflicher Handlungsfähigkeit und erhöht so die Übergangschancen in Ausbildung.

Die bBAV bietet Vorteile für beide Seiten: Jugendliche können ihren Berufswunsch in der Praxis überprüfen und verbessern ihre Chance auf Ausbildung, Unternehmen nutzen die praktische Phase im Betrieb, um die Eignung des Jugendlichen festzustellen und ihre Ausbildungsplätze passgenau zu besetzen.

Der wichtigste Vorteil dieser Form der Ausbildungsvorbereitung ist die hohe Integrationsquote von über 60 Prozent – ein für Betriebe wie für Jugendliche erfolgreicher Weg in Ausbildung.

Übergang in Ausbildung vorbereiten

Detailansicht: Beim Betrieb einer Schleifmaschine in einer Tischlerei sprühen Funken.Bildzoom
In der betrieblichen Berufsausbildungsvorbereitung soll der Funke überspringen.

Der zentrale Lernort einer betrieblichen Berufsausbildungsvorbereitung (bBAV) ist – wie der Name sagt – der Betrieb. Die bBAV kann vereinbart werden, wenn der Einstieg in das erste Ausbildungsjahr aus Sicht des Jugendlichen oder aus Sicht des Ausbildungsbetriebs zu früh käme.

Für Betriebe bietet sich die bBAV vor allem dann an, wenn sie nach Auszubildenden suchen, aber unmittelbar keine geeigneten Bewerberinnen und Bewerber zur Verfügung stehen. Über die bBAV können auch unter weniger geeignet erscheinenden Jugendlichen die passenden Auszubildenden gefunden werden.

Ebenso ist das Instrument gut geeignet, wenn ein Betrieb gezielt Jugendliche mit Vermittlungshemmnissen fördern möchte. Junge Menschen ohne Ausbildungsplatz erhalten so eine Perspektive.

Arbeitgebern bietet die bBAV die Möglichkeit, über einen längeren Zeitraum einen Eindruck von der Eignung eines Kandidaten oder einer Kandidatin zu gewinnen. Diese werden praxisnah an die Ausbildung herangeführt und der Ausbilder oder die Ausbilderin lernen die Jugendlichen und deren Leistungsfähigkeit in der betrieblichen Praxis kennen. Damit wird auch die Gefahr eines Ausbildungsabbruchs deutlich verringert.

Die bBAV ist auch für die Jugendlichen interessant, die keinen Ausbildungsplatz finden konnten. Sie können in einem Langzeitpraktikum erste berufliche Erfahrungen sammeln und sich für eine Ausbildung empfehlen. Dabei wird die Arbeitswelt hautnah erlebt und die Wartezeit sinnvoll genutzt. So können die Jugendlichen ihren Berufswunsch festigen und klären, ob dieser Beruf mit seinen realen Tätigkeiten das Richtige für sie ist und ob sie den Anforderungen gewachsen sind. Außerdem können sie prüfen, ob sie mit den Arbeitsbedingungen und dem konkreten Betrieb zufrieden sind, ohne bei einer negativen Entscheidung einen Ausbildungsabbruch zu riskieren. Schließlich kann bei gutem Gelingen die Zeit oder ein Teil der Zeit auf die anschließende Ausbildung angerechnet werden.

Ein weiterer Vorteil der bBAV ist die Möglichkeit der finanziellen Förderung durch die Arbeitsagentur oder das Jobcenter, wenn sie als Einstiegsqualifizierung (EQ) durchgeführt wird. Im Falle einer „EQ Plus“ können zusätzlich weitere Unterstützungsleistungen (wie ausbildungsbegleitende Hilfen abH u.ä.) in Anspruch genommen werden.

Die Einstiegsqualifizierung (EQ)

Detailansicht: Die linke Hand einer nicht sichtbaren Person hält ein Lineal fest. Mit der rechten Hand zieht die Person eine Linie mit einem Bleistift entlang des Lineals auf das unterliegende Holz.Bildzoom
Wie im Handwerk, so ist auch in der Ausbildung mit einer guten Planung viel gewonnen.

Die wohl bekannteste Form der betrieblichen Berufsausbildungsvorbereitung ist die Einstiegsqualifizierung (EQ), die seit 2007 zum Regelinstrumentarium der Bundesagentur für Arbeit gehört. Es handelt sich um eine mindestens sechs Monate und längstens bis zu einem Jahr dauernde praxisnahe betriebliche Qualifizierung (Praktikum). Der Arbeitgeber schließt mit der Praktikantin oder dem Praktikanten einen EQ-Vertrag mit Vergütungspflicht nach § 26 BBiG. Dabei handelt es sich um ein sozialversicherungspflichtiges Beschäftigungsverhältnis, bei dem tarifliche Vereinbarungen beachtet werden müssen.

Die Arbeitsagentur oder das jeweilige Jobcenter erstattet dem Arbeitgeber auf Antrag einen Zuschuss zur EQ-Vergütung. Sofern für die Teilnehmerin oder den Teilnehmer Berufsschulpflicht besteht, muss sie erfüllt werden. Der Besuch einer Fachklasse verbessert außerdem die Übernahmechancen in Ausbildung.

Einstiegsqualifzierung Plus (EQ Plus)

Bohrmaschine wird in eine Holzleiste hineingebohrt. Im Hintergrund ist unscharf eine Hand zu sehen.Bildzoom
Ein gutes Fundament schaffen: Die betriebliche Berufsausbildungsvorbereitung ebnet Jugendlichen den Weg in die Ausbildung.

Mit der „Einstiegsqualifzierung Plus“ (EQ Plus) stellt die Wirtschaft Einstiegsqualifizierungen speziell für förderungsbedürftige Jugendliche bereit. Dafür können gezielt weitere schon existierende Unterstützungsangebote für schwächere Jugendliche in Anspruch genommen werden:

  • Ausbildungsbegleitende Hilfen (abH) einschließlich sozialpädagogischer Begleitung, die bei Vorliegen der individuellen Voraussetzungen der oder des Jugendlichen von der Bundesagentur für Arbeit und Trägern der Grundsicherung finanziert werden,
  • ergänzende berufsschulische Angebote, etwa um schulische Defizite abzubauen (z.B. EQ-Plus-Konzept in Sachsen-Anhalt),
  • Betreuung durch (ehrenamtliche) Mentoren-/Patenprogramme, ggf. Fortsetzung der Betreuung durch Berufseinstiegsbegleiter,
  • betriebliche Nachhilfe- oder vergleichbare private Unterstützungsmaßnahmen zur Förderung schwächerer Jugendlicher, z.B. über Stiftungen, Verbände, Kammern.

Externes Ausbildungsmanagement über JOBSTARTER

Um diese Form der Ausbildungsvorbereitung anbieten zu können, müssen Betriebe häufig unterstützt werden. Nur Ausbilderinnen und Ausbilder, die sich dieser Anforderung gewachsen sehen, sind bereit, diesen Schritt zu gehen.

JOBSTARTER-Projekte setzen genau dort an. Sie bieten kleinen und mittleren Unternehmen Externes Ausbildungsmanagement (EXAM) an, das auf die Anforderungen bei der Ausbildung und Ausbildungsvorbereitung dieser Zielgruppe ausgerichtet ist. Sie beraten und unterstützen die Betriebe bei der Organisation und Durchführung der bBAV und helfen bei der Beantragung von Fördermitteln wie zum Beispiel ausbildungsbegleitenden Hilfen (abH) oder einer Einstiegsqualifizierung.

Durch dieses Angebot von Beratung und Begleitung werden Rahmenbedingungen geschaffen, die es Betrieben erleichtern, auch Jugendliche mit schlechteren Startchancen an eine Ausbildung heranzuführen.

Die von den Projekten entwickelten Unterstützungsstrukturen für kleine und mittlere Unternehmen sollen dauerhaft und nachhaltig in der Region verankert werden. Der JOBSTARTER-Ansatz geht so über die Dienstleistung für den einzelnen Betrieb hinaus. Zum Aufbau solcher Strukturen und zur Vermeidung von Doppelangeboten beziehen JOBSTARTER-Projekte möglichst alle Akteure des regionalen Ausbildungsmarktes in die Projektumsetzung ein.