Die Digitalisierung für die Ausbildung nutzen

Die Digitalisierung bringt für Betriebe große Veränderungen in Arbeit und Ausbildung. JOBSTARTER plus-Projekte bieten Dienstleistungen, mit denen kleine und mittlere Unternehmen (KMU) ihre Aus- und Weiterbildung für die Digitalisierung fit machen.


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Die Digitalisierung betrifft alle Bereiche der Wirtschaft – auch das Handwerk.

Die Digitalisierung betrifft alle Bereiche der Wirtschaft und alle Unternehmensbereiche: Technik, Produktion, Logistik, Vertrieb, alle betriebswirtschaftlichen Aspekte sowie die Produkte, Dienstleistungen und Geschäftsmodelle. Alle an einem Produkt oder einer Dienstleistung Beteiligten werden immer mehr vernetzt – Produzent und Zulieferer ebenso wie Anbieter und Kunden.

Was die Digitalisierung für die Wirtschaft bedeutet

Beispiele für die Digitalisierung der Wirtschaft gibt es viele: Beim Kauf im Internet definieren Kunden Produkte, die es so noch gar nicht gibt, etwa Sportschuhe mit Wunschdesign. In der Industrie kommunizieren Werkstücke im Fertigungsprozess mit Maschinen und Anlagen über den Stand der Bearbeitung und informieren im Einsatz den Hersteller über erforderliche Wartungsarbeiten. Im Metall- und Kunststoffbereich macht 3D-Druck das Fräsen überflüssig und ermöglicht neue Bauformen – auch in der Zahntechnik oder der Orthopädietechnik. In der Landwirtschaft erfassen Drohnen und Sensoren den Zustand von Feldern, um die Mengen an Dünger- und Pflanzenschutzmitteln zu definieren, die Traktoren GPS-gesteuert ausbringen. In der Baubranche vernetzen sich etwa beim Building-Information-Modeling in mehrdimensionaler Darstellung alle Beteiligten miteinander – vom Bauherren über die Architektin bis zum Handwerker und sonstigen Dienstleistern. Bauteile, Maschinen und Menschen arbeiten vernetzt und riesige Datenmengen werden in Echtzeit verarbeitet. Dabei geht es auch um intelligente, sich selbst steuernde Fertigungsanlagen, um künstliche Intelligenz und autonomes Lernen von Maschinen und Robotern.

Herausforderungen für die Personalentwicklung

Dieser Wandel hat weitreichende Folgen für die Kompetenz- und Qualifikationsanforderungen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Damit Betriebe die Potenziale der Digitalisierung ausschöpfen können, müssen die technologischen Neuerungen durch Personal- und Organisationsentwicklungsprozesse flankiert sein. Expertinnen und Experten sehen den Mangel an qualifiziertem Personal, neben hohen Investitionen und Anforderungen an die IT-Sicherheit, als das wesentliche Hemmnis bei der Umsetzung der Digitalisierung.

Somit sind einerseits Weiterbildungsaktivitäten für das bestehende Personal erforderlich. Zum anderen ist es wichtig, die Ausbildung inhaltlich und methodisch-didaktisch anzupassen, damit Azubis die erforderlichen Kompetenzen entwickeln können. Dafür müssen die Ausbilderinnen und Ausbilder an diese neuen Anforderungen herangeführt werden. In zahlreichen Studien findet sich der Wunsch vieler Unternehmen nach staatlicher Unterstützung bei der Aus- und Weiterbildung von entsprechenden Fachkräften. Gleichzeitig kommen die Studien zu dem Ergebnis, dass es für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) deutlich schwieriger ist als für Großunternehmen, sich dem Thema Wirtschaft 4.0 zu nähern.

Das leistet JOBSTARTER

Mit der Förderbekanntmachung des Programms JOBSTARTER plus vom August 2016 reagierte die Bundesregierung auf den Unterstützungsbedarf. Die Förderbekanntmachung ist Teil der Dachinitiative „Berufsbildung 4.0“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF). Die 20 geförderten JOBSTARTER plus-Projekte der dritten Förderrunde (Teil B) begleiten kleine und mittlere Unternehmen (KMU) bei der Anpassung ihrer Aus- und Weiterbildung an die Anforderungen aus der Digitalisierung ihrer Arbeitsprozesse.

Dafür nutzen sie unterschiedliche Ansatzpunkte:

  • Transparenz über regional vorhandene Initiativen und Programme schaffen: Aktuell gibt es eine Vielzahl von Initiativen zur Wirtschaft 4.0. Die JOBSTARTER plus-Projekte identifizieren bestehende Programme, Projekte und Akteure und stellen Transparenz über Angebote und Leistungen her, die KMU in der Region nutzen können.
  • Unterstützungsbedarfe von KMU identifizieren: JOBSTARTER plus-Projekte führen Gespräche mit KMU und erarbeiten eine Übersicht über deren Unterstützungsbedarfe in Ausbildungsfragen. Im Projektverlauf systematisieren und bündeln sie die Bedarfe und prüfen, welche bestehenden Angebote die KMU nutzen können.
  • Beratungsangebote entwickeln und erproben: JOBSTARTER plus-Projekte informieren und sensibilisieren KMU zum Thema Aus- und Weiterbildung in der Wirtschaft 4.0. Für die Begleitung der Betriebe entwickeln sie selbst entsprechende Beratungsangebote oder stoßen deren Entwicklung an und erproben sie.
  • Ausbilder/-innen methodisch-didaktisch beraten: Die Digitalisierung erfordert neue Lerninhalte und ermöglicht auch neue Lernformen, um den Azubis die neuen 4.0-Kompetenzen zu vermitteln. JOBSTARTER plus-Projekte unterstützen die Ausbilderinnen und Ausbilder bei der Umsetzung neuer Inhalte und Methoden.
  • Betriebe bei der Besetzung offener Ausbildungsstellen unterstützen: Die Digitalisierung kann Berufe für Jugendliche attraktiver machen und bietet deshalb auch Branchen mit Besetzungsproblemen Chancen für das Berufemarketing. JOBSTARTER plus-Projekte entwickeln mit den Betrieben Konzepte für ihr Ausbildungsmarketing 4.0.
  • Zusatzqualifikationen in der dualen Ausbildung entwickeln und einsetzen: Zusatzqualifikationen (ZQ) in der Ausbildung sind geeignet, um „4.0-Kompetenzen“ zu vermitteln. JOBSTARTER plus-Projekte beraten KMU zu geeigneten Zusatzqualifikationen und finden Partner zu deren Umsetzung.
  • Verbundausbildung initiieren und organisatorisch unterstützen: Verbundausbildung bietet sich für alle Betriebe an, die allein nicht alle Ausbildungsinhalte abdecken können. JOBSTARTER plus-Projekte beraten KMU bei der Umsetzung von „4.0-Kompetenzen“ und führen – wo erforderlich – geeignete Partnerbetriebe zusammen.
  • Regionale branchenbezogene KMU-Netzwerke initiieren und moderieren: Netzwerkarbeit ist unabdingbar, um das Thema Aus- und Weiterbildung in den Blick zu rücken und die Nachhaltigkeit guter Ansätze zu sichern. JOBSTARTER plus-Projekte kümmern sich um Zusammenkommen und Zusammenwirken.