Der Weg zum passenden Angebot: regionale Unterstützungsstrukturen für Betriebe

JOBSTARTER plus-Projekte schaffen regionale Unterstützungsstrukturen für die Ausbildung: Sie vernetzen Akteure und vorhandene regionale Strukturen, systematisieren Matchingprozesse und erleichtern Betrieben den Zugang zu passenden Angeboten.


Schneider steht in seinem Atelier an einer Maßpuppe. Dazu der Slogan: Dieser Service ist nicht von der Stange. Carlo Jösch ist ausbildender Maßschneider.

Auszubilden ist die beste Möglichkeit, den Fachkräftebedarf zu sichern und so das eigene Unternehmen zukunftsfähig zu machen. Bewerberinnen und Bewerber gewinnen, Probleme mit Auszubildenden bewältigen oder Formalitäten rund um die Ausbildung klären: In allen Regionen Deutschlands finden Betriebe Angebote, die sie bei der Ausbildung unterstützen. Doch die Betriebe kennen häufig weder diese Dienstleistungen noch die Akteure, die sie durchführen. Vor allem in kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) sind die Ressourcen knapp und sie haben oft weder Zeit noch Personal für Ausbildungsbelange. Kann ich überhaupt ausbilden? Wie finde ich eine geeignete Auszubildende bzw. einen geeigneten Auszubildenden? Und wie kann ich die Ausbildungsinhalte an meine betrieblichen Anforderungen anpassen? Solche und viele andere Fragen stellen insbesondere kleine Unternehmen vor große Herausforderungen. Gerade sie können daher von Unterstützungsangeboten profitieren.

Schnittstellen nutzen, Strukturen schaffen

Detailansicht: Nähmaschine mit Nadel und bunt-karierter StoffBildzoom
Wie auf den Leib geschitten: die EXAM-Dienstleistungen für Betriebe

JOBSTARTER plus-Projekte erschließen regionale Unterstützungsangebote im Sinne eines Externen Ausbildungsmanagements (EXAM) für die Betriebe. EXAM ist Kernstück aller JOBSTARTER und JOBSTARETR plus-Projekte und umfasst Unterstützungsleistungen von der Aufnahme über die Durchführung bis zum Abschluss der Ausbildung. Die Projekte arbeiten an regionalen Unterstützungsstrukturen und entwickeln mit den Arbeitsagenturen, Kammern und vielen weiteren Akteuren im regionalen Netzwerk Ansätze, wie betrieblicher Bedarf und Unterstützungsleistungen besser zueinander finden.

Dabei setzen sie gezielt vorhandene Angebote der betrieblichen Unterstützung ein. Instrumente des SGB, wie z.B. ausbildungsbegleitende Hilfen (abH), Einstiegsqualifizierungen (EQ) oder Assistierte Ausbildungen (AsA) bieten Betrieben ein gutes Setting an Unterstützung.

Bildungsgänge wie berufsvorbereitende Bildungsmaßnahmen (BvB) und schulische Bildungsangebote wie Berufsvorbereitungsjahr (BVJ) oder Berufsgrundbildungsjahr (BGJ) beinhalten außerdem Praktika und vermitteln bereits berufliche Grundbildung im gewählten Berufsfeld. Diese Informationen liegen den Betrieben vielfach nicht vor und werden folglich nicht für die Gewinnung geeigneter Bewerberinnen und Bewerber genutzt.

Denn trotz der wachsenden Zahl unbesetzter Ausbildungsplätze bleibt eine große Anzahl von Jugendlichen mit ihren Bewerbungen erfolglos. Sie starten dann in schulischen oder außerbetrieblichen Bildungsgängen, um ihre Chancen für das nächste Ausbildungsjahr durch Nachholen von Abschlüssen oder berufsvorbereitende Qualifizierung zu verbessern. Jugendliche, die sich in diesen Bildungsangeboten befinden, verfügen häufig über eine gefestigte berufliche Orientierung und haben bereits berufsfeldbezogene Grundkenntnisse gesammelt.

Die Nutzung der vorhandenen Strukturen und Instrumente ermöglicht es Betrieben, Jugendliche erfolgreich auszubilden, die sie bislang aufgrund von Bedenken hinsichtlich ihrer Eignung weniger für eine betriebliche Ausbildung berücksichtigt haben. Insbesondere in Regionen mit großen Passungsproblemen können hierdurch neue Potentiale zur Sicherung des Fachkräftebedarfs erschlossen werden.

Beispiele aus der Projektarbeit

Maßschneider und sein Auszubildener vergleichen eine Farbpalette mit einem Anzugstoff.Bildzoom
Was passt zu wem? EXAM-Dienstleistungen können je nach Bedarf des Betriebs eingesetzt werden.

So sucht beispielsweise das JOBSTARTER plus-Projekt „MEMA-Fachkraft plus“ der BTZ Lingen GmbH gemeinsam mit der Wachstumsregion Ems-Achse, bei der die Verwaltung des Metall- und Maschinenbauclusters im Emsland angesiedelt ist, geeignete Jugendliche für eine Ausbildung in der Metallbranche. Hierzu sollen verstärkt die berufsvorbereiteten Bildungsangebote der Berufsschulen und der Bundesagentur für Arbeit genutzt werden. Ein weiteres Beispiel ist der Landkreis Heidekreis, der als zuständige Schulbehörde gemeinsam mit der kreiseigenen Volkhochschule über das Projekt „FUCHS“ die Schnittstelle zwischen Betrieben und Berufsschulen effektiver gestalten möchte.

Das Projekt „Azubi-Drehscheibe“ der Zeit & Service Beschäftigungsfördergesellschaft zeigt wiederum Jugendlichen, die bei großen und bekannten Unternehmen nicht erfolgreich waren, Perspektiven in Klein- und Kleinstbetrieben auf. So wollen sie das Interesse der Jugendlichen auf Ausbildungsberufe entlang der maritimen Wertschöpfungskette lenken. Die Stadt Oldenburg nutzt mit ihrem Projekt „OLAM – Oldenburger Ausbildungsmodell“ die Synergieeffekte, die sich aus einer engen Zusammenarbeit zwischen Akteuren verschiedener Maßnahmen ergeben. Der ‚Wendehafen‘ ist zentrale Anlaufstelle für Jugendliche. Die Vernetzung von Ansprechpartnern der verschiedenen Programme mit Betriebsakquisiteuren ermöglicht effektives Matching von suchenden Betrieben und potentiellen Bewerberinnen und Bewerbern.

Auf den richtigen Ton kommt es an

Die relevanten Akteure im Netzwerk gewinnen, die jeweiligen Zielgruppen adressatengerecht ansprechen und ihnen überzeugende Argumente liefern– das ist entscheidend, um regionale Konzepte zu entwickeln und positive Effekte nachhaltig zu sichern. Damit einhergehend entwickeln, erproben und etablieren JOBSTARTER plus-Projekte wie der „Mülheimer Ausbildungsservice“ der Sozialagentur der Stadt Mülheim Formate wie Recruiting-Veranstaltungen, die gemeinsam mit der Kreishandwerkerschaft umgesetzt werden. Auch Wettbewerbe wie der „Ausbilderpokal“ oder „Zeig Dich!“-Touren, wie sie beispielsweise das Projekt „Wormser Lehrstellen fördern“ der Stadt Worms veranstalten, sind gute Beispiele für zielgruppengerechte Formate. So werden Betriebe zur Nutzung der vorhandenen Angebote motiviert, für die Ausbildung (zurück-)gewonnen und vakante Ausbildungsplätze besetzt.