Gemeinsam stark für Migranten: KAUSA kooperiert mit dem Senior Experten Service

Die ehrenamtlichen Mentorinnen und Mentoren des Senior Experten Service (SES) begleiten junge Flüchtlinge. Im Interview berichten Bernd Tuchem, Koordinator beim SES, und Sven Müller, aktiver Senior Experte, wie das in der Praxis funktioniert.

Seit dem 1. August 2016 ergänzen die ehrenamtlichen Mentorinnen und Mentoren des Senior Experten Service die Arbeit der KAUSA-Servicestellen und gewährleisten damit eine persönliche sowie intensive Begleitung für junge Flüchtlinge an den Standorten der KAUSA-Servicestellen. Ziel ist, sie auf dem Weg in duale Ausbildung individuell zu begleiten.

Warum ist es sinnvoll, dass KAUSA und der SES kooperieren und wie sieht die Unterstützung von Geflüchtete im Alltag aus? Bernd Tuchen, Koordinator beim SES, und Sven Müller, aktiver Senior Experte aus Berlin, stellen im Interview Ihre Arbeit vor.

Ein Mann sitzt auf einer roten Bank.

Bernd Tuchen koordiniert die KAUSA Senior Experten.

Bernd Tuchen

Bernd Tuchen, Abteilungsleiter „Wirtschaft / Büros“ beim Senior Experten Service (SES) in Bonn, koordiniert die KAUSA Senior Experten.

jobstarter.de: Wie stellen Sie eine qualitativ angemessene Begleitung sicher? Was ist die Qualifizierungsbasis der ausgewählten Senior Experten?

Bernd Tuchen: Alle Senior Experten, die bei KAUSA eingesetzt werden, müssen ein polizeiliches Führungszeugnis haben und an einer speziellen Schulung teilnehmen. Diese Schulung erfolgt auf der Grundlage zur Qualifizierung für den Einsatz bei unserem langjährigen und äußerst erfolgreichen Programm, der Initiative „VerA – Verhinderung von Ausbildungsabbrüchen“. Das Konzept wurde um das Thema Flüchtlinge und den interkulturellen Ansatz speziell erweitert. So stellen wir eine ganzheitliche und angemessene Vorbereitung sicher. Ansonsten richtet sich der Inhalt der Begleitung nach den individuellen Wünschen des zu Betreuenden und der KAUSA Servicestelle. Die beiden, also der Mentor und sein Mentee, vereinbaren auf völlig freiwilliger Basis, was sie in welchem Umfang gemeinsam machen und erreichen wollen. Wichtig neben dem Prinzip der Freiwilligkeit ist, dass die Chemie zwischen beiden stimmt. Eine Begleitung kann und wird nicht erzwungen. Erfolge können schließlich nur erzielt werden, wenn beide Seiten gleichermaßen miteinander einverstanden sind.

jobstarter.de: Wie gewinnen Sie die Senior Expertinnen und Experten vor Ort?

Bernd Tuchen: Wir haben über 12.000 registrierte Senior Experten in unserer Datenbank. Sie sind 15 regionalen Büros zugeordnet, so dass die Suche leicht fällt. Kommt eine Anfrage von einer KAUSA Servicestelle, sprechen wir Senior Experten im unmittelbaren Umkreis der anfragenden KAUSA Servicestelle an und bauen den Kontakt zur KAUSA Servicestelle auf, falls Interesse zur Mitarbeit besteht.

„Unsere Senior Expertinnen und Experten decken die ganze Palette der Berufsbilder ab: Vom Maurermeister über Ingenieure bis zu emeritierten Professoren dürfen wir alle zu unseren ehrenamtliche Mentorinnen und Mentoren zählen.“

Bernd Tuchen, KAUSA Senior Experte

jobstarter.de: Aus welchen Gründen ist es sinnvoll, dass der SES und die KAUSA Servicestellen miteinander kooperieren?

Bernd Tuchen: Für beide Partner ist es eine Win-Win-Situation: Der SES und die KAUSA Servicestellen können voneinander lernen, Erfahrungen austauschen und interkulturelle Unterschiede diskutieren. Die meisten Senior Experten sind auch schon in anderen Initiativen tätig gewesen, bei denen eine 1:1-Begleitung eine wesentliche Rolle spielte – zum Beispiel bei VerA, Mobi-Pro, Make-it-in Germany oder im Rahmen des Deutsch-Tunesischen Mobilitätspaktes. Ebenso sind die KAUSA Servicestellen sehr versiert auf ihren Gebieten, wie beispielsweise in der Ansprache und Gewinnung der Zielgruppen und ihren vielfältigen Netzwerkkontakten. Die Senior Expertinnen und Experten und die KAUSA Servicestellen profitieren vom Tätigkeitsprofil des jeweils anderen und erweitern dadurch ihren Handlungs- und Gestaltungsspielraum im Bereich der Flüchtlingsintegration. Gemeinsam sind wir ein starkes Team, um die Integration in das Berufsleben und die Gesellschaft nachhaltig zu befördern.

Portrait Sven Müller.

Der Berliner Sven Müller ist der erste aktive KAUSA Senior Experte vom Senior Experten Service.

Sven Müller

Sven Müller ist der erste Senior Experte vom Senior Experten Service – Der Welt Experten Dienst (SES), der in Berlin Flüchtlinge auf dem Weg in die Ausbildung im Auftrag von KAUSA begleitet. Momentan betreut er einen 22 Jahre alten Syrer aus Aleppo.

jobstarter.de: Aus welchen Gründen haben Sie sich entschieden, sich ehrenamtlich beim Senior Experten Service zu engagieren?

Sven Müller: Ich wollte etwas tun, um Menschen in unsere Gesellschaft zu integrieren.  Nach der unschätzbar großen Unterstützung der Berliner bei der Versorgung der Flüchtlinge im letzten Jahr muss nun die Integration der Menschen in die Gesellschaft gelingen, die bei uns für eine längere Zeit bleiben werden.

Aktuell betreue ich als KAUSA Senior Experte beispielsweise einen jungen Mann aus Aleppo. Er kommt aus einem völlig unterschiedlichen Kulturkreis. Das ist für mich natürlich spannend. Ich möchte ihm helfen, in Deutschland eine neue Heimat zu finden.

jobstarter.de: Wie unterstützen Sie  den Geflüchteten konkret?

Sven Müller: Über die KAUSA Servicestelle im Bildungswerk Kreuzberg wurde zunächst der Kontakt mit mir hergestellt. Mit meiner dortigen Ansprechpartnerin habe ich zuerst besprochen, welcher Unterstützungsbedarf gesehen wird. Anschließend fand das erste Treffen mit dem Geflüchteten statt. Dabei schlossen wir eine schriftliche Vereinbarung ab, in der wir festlegten, wie ich ihn unterstützen könnte. Drei Bereiche haben wir identifiziert: Zum einen sollen seine Deutschkenntnisse verbessert werden. Dazu habe ich geholfen, einen weiterführenden Sprachkurs zu finden und ich treffe mich mit ihm mindestens einmal in der Woche, um mich mit ihm zu unterhalten.

„Es hat sich schnell gezeigt, dass der Schlüssel für den Erfolg bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz in einem noch besseren Sprachleistungsprofil liegt.“

Sven Müller, KAUSA Senior Experte

Zum anderen unterstütze ich bei seiner Bewerbung für Ausbildungsstellen. Auf seinen Wunsch beuge ich mich über einen Bewerbungsentwurf und gebe Ratschläge, wie etwas verbessert werden sollte. Hervorzuheben ist, dass Senior Experten von SES Hilfe zur Selbsthilfe leisten. Das bedeutet, dass ich bei Bewerbungen nicht die Hand führe. Ich begleite ihn auch – wenn dies von ihm gewünscht wird – zu Bewerbungsgesprächen. Wir bereiten solche Gespräch vor und hinterher auch nach.

Und drittens gebe ich ihm Tipps, wie er vielleicht in seiner Freizeit mit mehr jungen Deutschen in Kontakt kommen kann. Er lebt zwar schon seit einiger Zeit hier in Berlin, aber er ist nicht in unsere Gesellschaft integriert. Das dritte Betätigungsfeld ist für mich daher eigentlich das wichtigste. Ich vermittle beispielsweise einen Platz in einem Sportverein.

jobstarter.de: Was macht Ihnen an Ihrer Arbeit als KAUSA Senior Experte besonders viel Spaß und was können Sie für sich persönlich aus Ihrem Engagement mitnehmen?

Sven Müller: Das ist ja noch ein relativ junges Projekt, ich mache das jetzt seit circa zehn Wochen. Wir haben uns seitdem regelmäßig getroffen und nutzen auch Social Media, um uns auszutauschen. Der junge Syrer möchte Fachinformatiker für Systemintegration oder für Anwendungsentwicklung werden. Da ich selbst eine große IT-Affinität besitze, habe ich einen gewissen Ehrgeiz entwickelt, ihm diesen Weg zu ebnen. Das bedeutet: Wir tauschen uns deshalb auch über IT-Fragen aus und wollen gemeinsam Programmiersprachen lernen. Er fängt bei null an und die Hürde ist für ihn besonders groß. Aber er hat gelernt, anzupacken und sich selbst zu helfen. Es macht Spaß, sich mit ihm zu treffen.

Und generell finde ich es toll, wenn die Betreuung durch einen Senior Experten bei den jungen Menschen ankommt. Wenn ich den Eindruck habe, dass ich sie tatsächlich unterstütze freue ich mich darüber. Freude im Ehrenamt ist die beste Motivation für mich weiterzumachen.

Die Interviews führte Virginia Gerard.

veröffentlicht: November 2016