Frauen und Männer in der dualen Ausbildung

Junge Frauen und Männer sollen die gleichen Chancen auf dem Ausbildungsmarkt haben. Daher ist Gender Mainstreaming bei JOBSTARTER ein Querschnittsthema, das alle Themenbereiche und Projekte betrifft.


Junge Frau in Warnweste steigt ins Führerhaus eines Güterzugs. Dazu der Slogan: Hat schwer was drauf - Kathleen Behrend macht eine Ausbildung zur Lokführerin.

Nach wie vor unterscheiden sich die Ausbildungswege und -berufe der Frauen und Männer sehr: Bei der Berufswahl orientieren sich junge Männer und Frauen nach wie vor an traditionellen Geschlechtermustern.

Der beliebteste Ausbildungsberuf der Jungen ist der Kfz-Mechatroniker, Mädchen werden am häufigsten Kauffrau im Einzelhandel oder im Büro, medizinische Fachangestellte und Friseurin. In nur einem Zehntel aller Ausbildungsberufe ist das Geschlechterverhältnis zahlenmäßig ausgewogen.

In der dualen Berufsausbildung sind Frauen unterrepräsentiert. In 2011 machten sie nur 42 Prozent der Neuzugänge aus. Dagegen dominieren junge Frauen in der vollzeitschulischen Ausbildung: In 2011 stellten sie hier knapp drei Viertel aller Neuzugänge. Diese Ausbildungsgänge sind jedoch mit höheren Abbruchquoten, schwierigeren Berufseinstiegen und höheren finanziellen Belastungen verbunden.

Die unterschiedlichen Ausbildungswege und -berufe von jungen Männern und Frauen führen zu ungleichen Chancen und Möglichkeiten am Arbeitsmarkt. Denn die typischen „Frauenberufe“ sind häufig schlechter entlohnt und weisen geringere Aufstiegschancen auf, als die Berufe, die überwiegend von Männern ausgeübt werden.

JOBSTARTER-Aktivitäten für die Gleichstellung

Junge Frau in Warnweste am Steuerpult im Führerhaus einer Lok. Bildzoom
Kathleen Behrend macht eine Ausbildung zur Eisenbahnerin im Betriebsdienst mit der Fachrichtung Lokführerin.

JOBSTARTER möchte den Anteil junger Frauen in der dualen Ausbildung erhöhen und das Berufswahlspektrum beider Geschlechter erweitern. Dies ist in den JOBSTARTER-Förderrichtlinien (Link zur 6. Förderrichtlinie) explizit formuliert.

Dabei beruft sich JOBSTARTER auf die Gleichberechtigung der Geschlechter, wie sie das Grundgesetz beschreibt. Übertragen auf die duale Ausbildung heißt das: Mehr junge Frauen sollen ihre Fähigkeiten erfolgreich in gewerblich-technischen Berufen einbringen können und mehr junge Männer Zugang zu sozialen Berufen finden.

Einen besonderen Schwerpunkt legt das Programm JOBSTARTER auf Frauen mit niedrigem oder keinem Schulabschluss: Diese haben geringere Chancen auf eine Berufsausbildung als Männer dieser Gruppe. Genauso im Fokus stehen junge Frauen mit Migrationshintergrund. Sie haben mit Abstand die geringsten Chancen auf eine duale Berufsausbildung, auch wenn sie über einen mittleren Schulabschluss verfügen.

Gender Mainstreaming ist als Querschnittsthema Teil eines jeden JOBSTARTER-Projekts. So ist es in den Richtlinien des Europäischen Sozialfonds definiert. JOBSTARTER analysiert die Unterschiede, denen junge Frauen und Männer beim Einstieg in die Ausbildung begegnen.

In Workshops und Publikationen werden Erkenntnisse und gute Praxis ausgetauscht und weiterentwickelt. So erhalten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der JOBSTARTER-Projekte das nötige Rüstzeug, um die Chancengleichheit junger Frauen und Männer zu fördern.

JOBSTARTER sensibilisiert nicht nur Unternehmen und regionale Netzwerke für die Gleichstellung von jungen Frauen und Männern in der dualen Berufsausbildung, sondern bezieht auch die Beauftragten für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt (BCA) in den Jobcentern, Optionskommunen und Arbeitsagenturen als Multiplikatoren mit in die Arbeit ein.

Ein Beispiel dafür ist die Fachveranstaltung „Teilzeitberufsausbildung – Gemeinsam gute Wege gehen“, die die Programmstelle JOBSTARTER in Kooperation mit dem Jobcenter Dortmund am 18. September 2013 in der IHK Dortmund durchführte.

Ziel der Veranstaltung war es, Good-Practice-Beispiele für die Umsetzung der Ausbildung in Teilzeit auszutauschen und bestehende Herausforderungen zu thematisieren. Im Rahmen der Veranstaltung wurde ein Empfehlungsschreiben verfasst, in dem die anwesenden BCA ihre Anregungen darlegen, wie aus ihrer Sicht die Umsetzung der Ausbildung in Teilzeit erleichtert bzw. befördert werden kann.


Die Herausforderungen

Hände am SteuerpultBildzoom

Eine 2010 durchgeführte Umfrage unter den JOBSTARTER-Projekten gibt Aufschluss über die konkreten Herausforderungen und mögliche Lösungsstrategien. Lesen Sie im Folgenden die Ergebnisse.

Ungleiche Berufswünsche von Mädchen und Jungen

Jugendliche orientieren sich an traditionellen Geschlechterrollen, die ihnen von der Gesellschaft vorgelebt werden. Demnach sind techniknahe und handwerkliche Berufe eher typisch für Männer. Haushaltsnahe, pflegerische und soziale Berufe werden eher Frauen zugesprochen.

Geschlechtspräferenzen der Unternehmen

Viele Betriebe bevorzugen – unbewusst oder ausdrücklich – Auszubildende eines bestimmten Geschlechts. Viele glauben beispielsweise, dass Mädchen körperlich weniger belastbar seien als Jungen. Das Argument lässt sich allerdings schnell widerlegen, wenn man die hohen körperlichen Belastungen in der Pflegebranche betrachtet, in der überwiegend Mädchen ausgebildet werden.

Wo sind die Mädchen?

Viele Mädchen wandern aus strukturschwachen Regionen in städtische Gegenden ab. Die Mädchen, die bleiben, stehen dem dualen Ausbildungsmarkt oft nicht zur Verfügung. So bevorzugen einige eine schulische Ausbildung, andere ziehen sich früh in eine Familienphase zurück. Eine frühe Familienperspektive oder Familiengründung geht jedoch häufig mit fehlenden Ausbildungsabschlüssen einher. Und dem Ausbildungsmarkt geht ein enormes Fachkräftepotenzial verloren.


Erfolgreiche Strategien

Kathleen Behrend aus der Froschperspektive: Sie schaut aus dem Fenster des Führerhauses der Lok heraus. Bildzoom

Mit welchen Maßnahmen kann die Gleichstellung von jungen Frauen und Männern in der dualen Ausbildung gefördert werden? Erste Hinweise hierzu geben die JOBSTARTER-Projekte der ersten fünf Förderrunden. Sie berichten von ihren erfolgreichen Strategien. Weitere Impulse und vertiefende Ansätze werden die Projekte der sechsten Förderrunde bringen.

Unternehmen für die Gleichstellung gewinnen

Eine Strategie konzentriert sich darauf, Unternehmen von den Vorteilen einer gleichstellungsorientierten Personalgewinnung zu überzeugen. Zielführende Argumente sind Hinweise auf den drohenden Fachkräftemangel, auf die Qualitäten und Stärken des jeweils unterrepräsentierten Geschlechts oder auf Familienfreundlichkeit als Qualitätssiegel für Unternehmen.

Als hilfreich erwiesen sich außerdem ein passgenaues Matching von Jugendlichen und betrieblichem Ausbildungsangebot (im Rahmen des von JOBSTARTER angebotenen Externen Ausbildungsmanagements) sowie Praktika, in denen Unternehmen „geschlechtsuntypische“ Jugendliche auf die Probe stellen konnten.

Das Berufswahlspektrum der Jugendlichen erweitern

Ein weiterer strategischer Ansatz stellt die Jugendlichen in den Fokus: Ihr Berufswahlspektrum soll erweitert werden. Als erfolgreich haben sich Berufsorientierung und Berufemarketing im Rahmen von Informationsveranstaltungen, persönlichen Gesprächen, Betriebsbesichtigungen, Praktika und Schnuppertagen erwiesen. In zwanglosen und spielerischen Veranstaltungen – idealerweise in Kooperation zwischen Unternehmen und Schulen organisiert – werden Vorurteile und Berührungsängste abgebaut.

Die Eltern einbeziehen

„Das Rollenverständnis vieler Eltern sieht nicht vor, dass Männer im Pflegebereich tätig sind“, berichtet ein JOBSTARTER-Projekt. Daher ist es wichtig, die Eltern mit einzubeziehen. Bei Elternabenden und praxisnahen Informationsveranstaltungen und Aktionen informierten Projekte Eltern umfassend über Anforderungen und Karrieremöglichkeiten der Ausbildungsberufe.

Familie und Ausbildung vereinbar machen

Besonders junge Mütter werden stärker in ihrem beruflichen Werdegang behindert als junge Väter. Daher setzen sich einige JOBSTARTER-Projekte für die Ausbildung in Teilzeit ein. Sie knüpfen Netzwerke zwischen Behörden, Beratungsstellen, Berufsschulen und Kammern, vermitteln betriebliche Ausbildungsplätze, regen Teilzeitschulklassen an und helfen bei der Organisation der Kinderbetreuung.

Fazit

Unternehmen überzeugen, das Berufswahlspektrum erweitern, die Eltern einbeziehen und
mehr Familienfreundlichkeit fördern: Erste Ansätze aus der JOBSTARTER-PRAXIS zeigen, wie die Gleichstellung von Jungen und Mädchen in der dualen Ausbildung gefördert werden kann. Diese Ansätze werden in den neuen JOBSTARTER-Förderrunden vertieft und weiter entwickelt.