Immer unterwegs und trotzdem daheim

In der Schifffahrt ist Mobilität Inbegriff des Berufs – bereits während der Ausbildung: Betriebe suchen bundesweit Auszubildende, während Jugendliche ihre Heimat für die Ausbildung verlassen. Azubi Jason Kraft begreift das Unterwegs sein als Chance.

Vier Wochen quer durch Europa: Für den angehenden Binnenschiffer Jason Kraft ist das Unterwegssein elementarer Bestandteil seines Alltags. Von Österreich über Serbien und Frankreich bis in die Niederlande – Jason lernte während seiner Ausbildung bereits viele europäische Länder kennen und konnte sich in „fremden Gefilden“ bewähren. Immer woanders zu sein empfindet er als große Chance und Bereicherung.

Mobilität als Berufung

Ein junger Binnenschiffer in einem blauen Hemd am Steuerrad eines Schiffes.

Steuert gern verschiedene Ziele an: angehender Binnenschiffer Jason Kraft.

JOBSTARTER / Fotografen; Silvia Kröger-Steinbach und Christian Ahrens

Als Jason sich mit 15 Jahren für die Ausbildung entschied, wusste er genau, was ihn erwartet: Arbeiten bei Wind und Wetter, bei Tag und Nacht und auf engstem Raum mit beständig wechselnder Mannschaft – all diese Bedingungen lernte er bereits als kleiner Junge kennen. Denn sowohl sein Vater als auch sein Großvater waren bereits in der Schifffahrt tätig. So haben nicht romantische Vorstellungen vom Schiffsleben, sondern ein realistischer Blick und familiäre Tradition Jasons Berufswahl angetrieben: „Mein Beruf und meine Berufung liegen mir in den Genen“, sagt der heute 17-Jährige.

Der sich aus der Familientradition ergebende Wissensvorsprung half Jason sich als jüngster Auszubildender gegenüber den anderen Auszubildenden auf dem Schulschiff „Rhein“ zu behaupten. Auf dem in Duisburg liegenden Schulschiff findet der Berufsschulunterricht für die angehenden Binnenschifferinnen und -schiffer statt. Dort wohnen die Auszubildenden während der Ausbildung dreimal für drei Monate zusammen – ein Mikrokosmos gleich dem, der die Auszubildenden später auf den Schiffen erwartet: Die Auszubildenden teilen bereits hier den Alltag, lernen und kochen zusammen oder verbringen gemeinsam die freie Zeit. Schnell werden die Kolleginnen und Kollegen zu einer zweiten Familie und das Schiff zu einem zweiten zu Hause.

Mikrokosmos Schiff

Zwei junge Männer arbeiten im Maschinenraum eines Schiffes.

Unter Deck: Arbeiten im Maschinenraum.

JOBSTARTER / Fotografen: Silvia Kröger-Steinbach und Christian Ahrens

Dabei sind die Anforderungen des oft wochenlangen Unterwegsseins in der Frachtschifffahrt zu Beginn für die jungen Auszubildenden ungewohnt. Doch schnell werden den jungen Erwachsenen die Vorteile deutlich: Sie lernen kompromissbereit zu sein, erlangen Reife und vor allem Unabhängigkeit. „Ich muss in dem Job einfach flexibel sein, daher habe ich mir jetzt Motoren als Hobby ausgesucht“, verrät Jason, der zugunsten seiner Ausbildung das Geräteturnen aufgegeben hat. Aber noch weitere Eigenschaften sind für die Ausübungen des Binnenschiffers relevant: „A und O in diesem Beruf sind Improvisation, Disziplin, Begeisterung und Teamarbeit. Man muss seine Aufgaben mit Respekt vor dem Schiff, vor den Kunden und der Ladung erfüllen“, erklärt Jason.

Mittlerweile fährt er auf Frachtschiffen mit und übernimmt dort bereits viel Verantwortung. Außerhalb der Touren kehrt er nach Unterfranken in sein Elternhaus zurück. Aber auch der Mikrokosmos Schiff ist für Jason ein Zuhause.

Er liebt die abwechslungsreiche Arbeit in vielen Bereichen wie Elektronik, Maschinenkunde oder Instandhaltung und schätzt die gute Bezahlung – auch bereits in der Ausbildung: „Leistung wird in diesem Beruf wirklich geschätzt.“

Autorinnen: Stefanie Wolff-Heinze und Virginia Gerard

veröffentlicht: Juli 2015