In welchem Beruf kann ich ausbilden?

Es gibt etwa 330 anerkannte duale Ausbildungsberufe, und rund 570.000 junge Menschen suchen jedes Jahr einen Ausbildungsplatz. Unternehmen sollten sich deshalb gut überlegen, wen sie in welchem Beruf ausbilden wollen.

In welchem Beruf kann ich ausbilden? Fachlicher und zeitlicher Bedarf

Fliesenleger bilden Fliesenleger aus, und Versicherungskaufleute bilden Versicherungskaufleute aus? So einfach kann es sein, muss es aber nicht. Ebru Tuncay, Inhaberin von YUVAM Immobilien, hat sich deshalb im Vorfeld genau informiert, welcher Ausbildungsberuf am besten zu ihrem Unternehmen passt:

„Wir verwerten Immobilien, wir führen Kunden zu Zwangsversteigerungen oder wir machen Freihandverkauf vor Versteigerung, Abwicklung für Banken. Wir bilden immer den gleichen Beruf aus. Hier wurde ich von Herrn Fargeon (KAUSA) beraten, welchen Beruf ich ausbilden soll. Ich könnte auch Immobilienmaklerin ausbilden, aber die Jugendlichen haben mehr Chancen auf dem Berufsweg, wenn ich Kauffrau für Büromanagement ausbilde.“

Ebru Tuncay, YUVAM Immobilien

Deshalb ist es für Unternehmen wichtig, im Vorfeld einer Ausbildung ihren eigenen fachlichen Bedarf zu ermitteln. Leitfragen können zum Beispiel sein:

  • Welche Ausbildungsberufe passen zu meinem Unternehmen?
  • Kann mein Unternehmen in diesen Berufen ausbilden?
  • Reichen die Ausbildungsinhalte aus?

Tipp: Unter dem Link finden Sie eine sehr detaillierte Darstellung über die Ermittlung des Bedarfs an Auszubildenden.

Neben dem fachlichen Bedarf sollten Unternehmen ihren zeitlichen Bedarf bestimmen. Im dualen System sind die Auszubildenden durchschnittlich ein bis zwei Wochentage in der Berufsschule und drei bis vier Wochentage im Unternehmen. Falls die Unternehmen diese Arbeitszeit nicht sinnvoll ausfüllen können, macht vielleicht eine Teilzeitausbildung Sinn. Bei dieser Form der Ausbildung sind die Auszubildenden pro Tag oder Woche einige Stunden weniger im Unternehmen. Voraussetzung ist, dass das Ausbildungsziel auch in der verkürzten Zeit erreicht werden kann.

Teilzeitausbildung im Überblick

Die meisten Unternehmen haben genügend Aufgaben, um ihre Auszubildenden drei oder vier Tage in der Woche beschäftigen zu können. Gerade kleine Unternehmen können sich aber schwertun, diese Arbeitszeit auszufüllen. Hier kann eine Teilzeitausbildung Sinn machen – denn nicht wenige Auszubildende haben ihrerseits nicht genügend Zeit für eine Vollzeitausbildung. Dazu gehören etwa Frauen und Männer, die Angehörige pflegen. Meist interessieren sich aber junge Mütter und Väter für die Vorteile einer Teilzeitausbildung. Da sie weniger Stunden im Unternehmen verbringen, haben sie mehr Zeit für ihre Kinder. Beträgt die Arbeitszeit (im Unternehmen sowie in der Berufsschule) mindestens 25 Stunden in der Woche, muss die Ausbildungszeit auch nicht verlängert werden. Bei mindestens zwanzig Wochenstunden verlängert sich die Ausbildungszeit um höchstens ein Jahr.

Die Organisation der Kinderbetreuung und des Berufsschulunterrichts ist zwar aufwendig; auch können junge Eltern einmal ausfallen, wenn ihr Kind krank ist. Doch ergeben sich für die ausbildenden Unternehmen auch einige Vorteile, wie Untersuchungen und Projekterfahrungen aus ganz Deutschland zeigen:

  • Teilzeitauszubildende fehlen nicht öfter als Auszubildende in Vollzeit.
  • Die Betriebe müssen den Auszubildenden eine geringere Vergütung bezahlen.
  • Teilzeit-Azubis brechen seltener ihre Ausbildung ab als andere Auszubildende.
  • Sie verfügen oft über mehr Lebenserfahrung und bringen häufig berufliche Vorkenntnisse mit.
  • Teilzeitauszubildende sind im Vergleich gut organisiert und verantwortungsbewusst.
  • Junge Mütter und Väter sind oftmals hochmotiviert und wollen eine Vorbildfunktion für ihre Kinder einnehmen.
  • Da sie schwerer eine Ausbildungsstelle finden, schätzen sie ihren Ausbildungsplatz und -betrieb umso höher.
  • Ein Betrieb, der in Teilzeit ausbildet, gilt als familienfreundlich und verbessert sein Image.

Eine Teilzeitausbildung ist in allen Ausbildungsberufen des dualen Systems möglich und kann auch mit der Verbundausbildung kombiniert werden. Weitergehende Hinweise finden Sie auf der JOBSTARTER-Website und in einer Publikation zum Thema.

Tipp: Sprechen Sie Ihre Kammer zu Einzelheiten des Ausbildungsvertrags und der Zusatzvereinbarung zur Teilzeit an.

Welche Azubis passen zu mir?

Damit die Ausbildung für beide Seiten erfolgreich verläuft, sollten Auszubildende bestimmte Voraussetzungen mitbringen. Diese können ganz unterschiedlich sein und hängen vom Ausbildungsberuf sowie den betrieblichen Abläufen und Werten ab. Für Unternehmerin Swetlana Geisler-Reiche sind Neugier, Motivation und Zielstrebigkeit zentrale Kriterien für eine gelingende Ausbildung, während Geschlecht, Alter und Migrationshintergrund für sie überhaupt keine Rolle spielen.

Über folgende Qualifikationen, Kompetenzen und Rahmenbedingungen sollten sich Unternehmen im Klaren sein, bevor sie eine Bewerberin oder einen Bewerber in die engere Wahl ziehen:

Schulische Qualifikationen

Für eine betriebliche Ausbildung braucht man theoretisch gar keinen Schulabschluss. Die meisten ausbildenden Unternehmen verlangen von Bewerberinnen und Bewerbern aber mindestens einen Hauptschulabschluss. Dieser ist eine gute Voraussetzung für Berufe mit geringeren theoretischen Anforderungen. Abiturientinnen und Abiturienten wählen in der Regel Berufe mit einem größeren Theorieanteil.

Unternehmerinnen und Unternehmer sollten sich deshalb darüber klarwerden, welchen Schulabschluss sie voraussetzen und ob bestimmte Fächer besonders wichtig sind. Doch obwohl Zeugnisse und Schulnoten wichtig sind und eine erste Orientierung geben: Lernbereitschaft, Einsatz und Motivation können schlechte Noten ausgleichen. Ein persönliches Vorstellungsgespräch lohnt sich deshalb fast immer.

Fachkenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten

Manche Unternehmen verlangen, dass Auszubildende bereits ein bestimmtes Vorwissen mitbringen oder spezielle Aufgaben bereits selbst erledigen können. Dazu können zum Beispiel Basis-Computerkenntnisse für Fachinformatik-Auszubildende gehören oder ein Grundwissen rund um Lebensmittel bei angehenden Köchen. Zum Beispiel an einem Probearbeitstag können Unternehmen schnell feststellen, ob eine Bewerberin oder ein Bewerber diese Voraussetzungen mitbringt.

Persönliche und soziale Eigenschaften

Je nach Unternehmen und Ausbildungsberuf können bestimmte Charaktereigenschaften und Kompetenzen wichtig sein. Dazu zählen zum Beispiel Durchhaltevermögen, Zuverlässigkeit, Pünktlichkeit, Selbstständigkeit, Stressresistenz, Teamfähigkeit, Sorgfalt und Ordnungssinn. Auch hier können Unternehmen zu einem Probearbeitstag einladen, um Bewerberinnen und Bewerber besser kennenzulernen.

Besondere Anforderungen

In manchen Ausbildungsberufen wird zum Beispiel ein Mindestalter oder ein Führerschein vorausgesetzt. Die Regelung der Arbeitszeiten für die unter 18-jährigen Auszubildenden sind im Jugendarbeitsschutzgesetz festgehalten.

Körperliche und gesundheitliche Voraussetzungen

Einige Ausbildungsberufe sind körperlich belastend – weil zum Beispiel häufig schwere Gegenstände angehoben werden müssen oder eine lange Zeit am Tag gestanden werden muss – und stellen besondere Anforderungen an die Gesundheit oder körperliche Leistungsfähigkeit der Auszubildenden.

Migrationshintergrund und kultureller/religiöser Hintergrund

Unterschiedliche Herkunftsgeschichten, aber auch verschiedene kulturelle und religiöse Hintergründe bereichern ein Unternehmen ungemein. Jedes Unternehmen kann von neuen Blickwinkeln, Erfahrungen und Herangehensweisen profitieren und gleichzeitig einen wichtigen Beitrag zur Integration leisten. Dies gilt besonders auch für die Ausbildung junger Geflüchteter.

Tipp: Eine gute Beratung bei der Auswahl von Bewerberinnen und Bewerbern finden die Unternehmen bei den Berufsberaterinnen und Berufsberatern der Agentur für Arbeit sowie bei den Ausbildungsberaterinnen und Ausbildungsberatern der zuständigen Stellen (in der Regel – je nach Ausbildungsberuf – die Industrie-und Handelskammer oder die Handwerkskammer).