16.05.2017 - 17.05.2017 | Lemgo

JOBSTARTER-Kunststoffallianz im Zeichen von Industrie 4.0

Beim Netzwerktreffen in Lemgo tauschten sich Fachleute über Entwicklungen in der Aus- und Weiterbildung der Kunststoffbranche aus. Im Fokus standen Digitalisierung und Industrie 4.0.


In der JOBSTARTER-Kunststoffallianz tauschen sich seit 2010 Expertinnen und Experten über Aus- und Weiterbildung in der Kunststoffbranche aus. In diesem Jahr trafen sie sich im Institut für Kunststoffwirtschaft der Lippe Bildung eG in Lemgo.

Klaus-Peter Jansen von der it's OWL Clustermanagement GmbHBildzoom
Klaus-Peter Jansen von der it's OWL Clustermanagement GmbH

Digitalisierung eröffnet Chancen

Klaus-Peter Jansen von der it´s OWL Clustermanagement GmbH sprach zur Eröffnung über die Arbeit 4.0. Er sieht Wettbewerbsvorteile für KMU darin, dass Betriebe Werkstücke in Zukunft individuell nach Kundenwünschen fertigen können. Als Anwendungsfelder nannte Jansen Fehlervermeidung durch Assistenzsysteme mittels datengestützter Brille oder Handschuhen. Hemmnisse könnten der „Faktor Mensch“ sein oder auch Beeinträchtigung durch Kopfschmerzen aufgrund neuer Techniken.

Jansen stellte fest, dass Digitalisierung ein unumstößlicher Prozess sei, dessen Auswirkungen auf die Arbeitswelt noch nicht absehbar seien. Als gesichert gelte, dass die Entwicklung vom Bediener über den Fachexperten zum Experten gehen werde.

Möglichkeiten für Industrie 4.0

Im Anschluss führte Sascha Heymann die Gruppe bei der „Lab Tour“ durch die SmartFactory OWL und stellte Technologien und Konzepte zur „Industrie 4.0“ vor. Ein anschauliches Beispiel ist das lichtgesteuerte Feedback, das auch unter dem Gesichtspunkt der Inklusion in Werkstätten die Anwenderinnen und Anwender bei einfachen Montagearbeiten unterstützt.

Prof. Dr. Franz-Josef Villmer von der Hochschule Ostwestfalen-Lippe gab einen Einblick in die verschiedenen Formen des 3D-Drucks. Dieser kommt bereits bei der Produktion von Zahn­ersatz zum Einsatz. In Zukunft sei die Produktion von Hautzellen und ganzer Organe möglich.

Der Wissenschaftler teilt die Einschätzung der Unternehmensberatung McKinsey, dass der 3D-Druck im produzierenden Sektor einen hohen Anteil erreichen könne. Entwicklungspotenziale sieht er im Werkzeug- und Formenbau, bei Anwendungen in der Automobilindustrie, der Luft- und Raumfahrt und der Medizintechnik.

„Lab Tour“ durch die SmartFactory OWL Bildzoom
„Lab Tour“ durch die SmartFactory OWL

Weiterbildung als Lernen am Arbeitsplatz

Peter Albrecht vom JOBSTARTER-Regionalbüro Ost/GEBIFO mbH erläuterte das Projektvorhaben „Weiterbildungsinnovatoren – Mehrwert durch zukunftsorientierte Weiterbildung WB-INNO”. Die Entwicklungen in Gesellschaft, Umwelt und Technik führten dazu, dass arbeitsplatznahe Lern- und Weiterbildungsformen sowie Erfahrungslernen und selbst gesteuertes Lernen wichtiger würden.

Ziel von WB-INNO ist ein Konzept zur Professionalisierung der innerbetrieblichen Weiterbildung. Zugleich soll ein Ansatz entstehen, der Beschäftigte mit Weiterbildungskompetenzen ausstattet, die bislang keine Erfahrung in der Personalentwicklung hatten.

Um sicherzustellen, dass das Konzept für Unternehmen anwendbar ist, werden diese einbezogen. Mit dem Fokus auf Weiterbildung im Sinne von Lernen am Arbeitsplatz werden die Unternehmen in die Lage versetzt, betriebsinterne Weiterbildungsprozesse zu initiieren.

Blick in die SmartFactory OWLBildzoom
Blick in die SmartFactory OWL

Dr. Norbert Gottstein vom RKW Sachsen-Anhalt stellte das Projekt proDIGIT vor. Die Idee ist, „Industrie 4.0“ für Auszubildende des verarbeitenden Gewerbes mit spannenden Angeboten zu konkretisieren. Dafür werden sogenannte Führerscheine in „Additive Manufacturing“, „Hybride Werkstoffe/Smart Materials“ und „Digitale Vernetzung“ konzipiert. Gerade junge Leute seien für neue Technologien aufgeschlossen und könnten gewonnen werden, um früh Kompetenzen in Industrie-4.0-Prozessen zu erwerben.

Einen ähnlichen Ansatz verfolgt das Forschungsprojekt ComWeiter des RKW Sachsen-Anhalt. Auch hier sind betriebliche Prozesse in Herstellung, Verarbeitung, Nutzung und Recycling von Composite-Bauteilen der Ausgangspunkt, um eine effektive berufliche Weiterbildung der Beschäftigten zu sichern.

Da in den Unternehmen, die Hochleistungsfaserverbundwerkstoffe verarbeiten, vorwiegend Beschäftigte mit fremdem Berufsabschluss eingesetzt werden, muss das technologische Wissen adäquat an dieses Personal vermittelt werden. Die Praxis zeigt, dass mit einer hochwertigen Weiterbildung in Composite-Technologien ein Quereinstieg in einen High-Tech-Sektor möglich ist.