JOBSTARTER plus-Projekte setzen auf digitale Veranstaltungen

In der Corona-Krise entwickeln die Projekte vermehrt digitale Angebote: Als Speed Dating von Studienzweifelnden und Unternehmen, als Online-Seminar zur Information von Betrieben und Lehrkräften oder als digitalen Schulvortrag, um Berufe vorzustellen.

Die JOBSTARTER plus-Projekte sind durch die Corona-Krise in ihrer Arbeit stark eingeschränkt. Schließlich sind der persönliche Kontakt und die Beratung vor Ort im Betrieb wichtiger Teil ihrer Arbeit. Auch Netzwerkarbeit ist schwierig, wenn Ausbilderstammtische nicht stattfinden können, oder das Azubimarketing, weil die Ausbildungsmesse abgesagt ist. Die Projekte haben darauf reagiert und im Frühjahr 2020 kreative digitale Lösungen entwickelt. Denn: Die Projektarbeit muss weitergehen und Unterstützung für Betriebe rund ums Thema Ausbildung ist weiterhin gefragt – vielleicht sogar mehr als zuvor.

Laptop

Die JOBSTARTER plus-Projekte haben kreative digitale Lösungen entwickelt.

Jagrit Parajuli / Pixabay

Ausbildungsplätze besetzen

Das neue Ausbildungsjahr steht vor der Tür, aber viele Ausbildungsplätze sind noch unbesetzt. Findig war hier zum Beispiel das Projekt „KLiKK!-binbereit.de“ aus Bergisch Gladbach. Normalerweise können Schülerinnen und Schüler aus dem Rheinisch-Bergischen-Kreis beim „Tag der dualen Ausbildung“ drei Ausbildungsberufe kennenlernen, die Azubis als Ausbildungsbotschafterinnen und -botschafter dort vorstellen. Da die Veranstaltung abgesagt wurde, entwickelte das Projekt eine neue Idee: Rund 20 Azubis stellen jetzt ihren Beruf in kurzen Handy-Videos vor. Im Abspann werden Betriebe genannt, die offene Ausbildungsplätze anbieten. Die Videos veröffentlicht das Projekt auf YouTube und verbreitet sie über die Schulen und die Facebook-Seite des Rheinisch-Bergischen Kreises. Bei der Aktion mit dabei sind die Kammern, die Agentur für Arbeit und Partner aus Leverkusen und dem Oberbergischen Kreis. Zusätzlich aktualisiert das Projekt mit den Schulen das Onlinebewerberbuch und verschickt eine „Sonderausgabe“ mit unversorgten Schülerinnen und Schülern an Betriebe, die noch Auszubildende suchen. „Das ist jetzt nochmal wichtiger als sonst“, sagt Projektleiterin Cynthia Lange.

Aus der Not heraus entwickelte auch das Projekt „Ask for Change II“ ein neues Format anstelle einer Präsenzveranstaltung: das digitale Speed Dating. Acht Studienzweifelnde und Absolventen sowie sieben Unternehmen trafen in siebenminütigen Videogesprächen aufeinander und lernten sich kennen. Die Handwerkskammer (HWK) und die Industrie- und Handelskammer (IHK) berieten zusätzlich zu offenen Lehrstellen und Bewerbungsmöglichkeiten. Das Projekt hatte in der Videokonferenz-Software „Zoom“ private Gesprächsräume eingerichtet und teilte nach Ablauf der Gesprächszeit die Teilnehmenden über den Gruppenchat neu zu. Projektleiter Matthias Körber zieht ein Fazit: „Wir haben gutes Feedback von den Studierenden und den Unternehmen erhalten. Es fanden intensive Gespräche statt.“ Im digitalen Format sieht er eindeutige Vorteile: „Die Unternehmen haben sich die Anreise gespart. Die Studierenden konnten zu Hause im vertrauten Umfeld teilnehmen.“ Auch er selbst war mit der Premiere zufrieden: „Es hat gut funktioniert. Wir streben auf jeden Fall eine Wiederholung an.“

Betriebe beraten

Erste Schritte bei der digitalen Beratung hat das Projekt „DigistartPRO“ gewagt. Den Auftakt machte das Online-Seminar „Lernen 4.0: Ausbildung in Zeiten von Corona“: 45 Minuten lang vermittelten zwei Projektmitarbeiterinnen 20 Ausbildern und Lehrkräften Wissen darüber, wie Lernen in der Ausnahmesituation mit Corona gelingen kann, welche digitalen Lernangebote es gibt und wie sie das passende Lernmedium finden. Am Tag darauf war das Projekt gleich wieder „online“: Beim Online-Barcamp zum Thema „Weiterbildung neu denken – offensiv in die Zukunft“ informierte das Projekt zum Thema E-Learning. Die Abschlussrunde ergab: „Es ist sehr gut angekommen, wir hatten Teilnehmer aus ganz Deutschland“, berichtet Projektleiterin Claudia Brändle. Auch die ersten Beratungsgespräche haben sich daraus ergeben. Eigentlich waren die Seminare als Präsenzveranstaltungen geplant, doch die Corona-Krise zwang das Projekt umzudenken. Sollte sich die Situation wieder normalisieren, können die Seminare auch wieder als Präsenzveranstaltungen stattfinden. Aber das Projekt denkt bis auf weiteres digital: Ein Online-Seminar für Ausbildungspersonal zum Stand und zu Unterstützungsbedarfen bei der Digitalisierung sowie ein Forum für Betriebe zum regelmäßigen Austausch sind in Planung.

Nicht um digitale Lernmedien, sondern um die Zielgruppe der Auszubildenden ging es in der Online-Seminar-Reihe „Das neue 1x1 der Azubi-Gewinnung“ von „KLiKK!-binbereit.de“. Die Seminare waren eigentlich als Betriebsseminare vorgesehen und wurden neu entwickelt. Das Projekt vermittelt Betrieben darin in jeweils 20 Minuten schnell umzusetzende und einfach anwendbare Tipps zur erfolgreichen Azubi-Gewinnung. Die Teilnehmenden lernen mit der „Generation Z“ ihre potenziellen Azubis von morgen kennen, erfahren, wie sie diese ansprechen können und worauf sie bei Stellenanzeigen und Bewerbungsgesprächen achten sollten. „Es ist ganz gut gelaufen“, berichtet Projektleiterin Cynthia Lange und erklärt: „Es waren keine klassischen Online-Seminare mit Interaktion, sondern wir haben es vorher aufgezeichnet und im Anschluss konnten Fragen gestellt werden. Es ist ein guter Weg, um die Betriebe zu erreichen.“ Ein viertes Online-Semiar zu finanziellen Unterstützungsmöglichkeiten in der Ausbildung ist in Planung.

Branchen und Berufe präsentieren

Wichtiger Teil der Projektarbeit ist auch die Präsentation von Berufen und Branchen bei potenziellen Auszubildenden an den Schulen. „Wir müssen wieder an die Zielgruppe kommen“, sagt zum Beispiel Stefanie Sommer vom Projekt „MACHEN“ aus Regensburg und berichtet: „Wir können weiter nicht in die Schulen. Daher ist der Plan, dass wir unseren Schulvortrag ab September digital durchführen und den Schulen anbieten.“ Darin zeigt das Projekt Schülerinnen und Schülern Ausbildungs- und Karrieremöglichkeiten im Handwerk auf, vor allem bei nicht meisterpflichtigen Berufen wie Raumausstatter, Sattler oder Gebäudereiniger. Einen Schritt weiter ist das Projekt „DigistartPRO“. Der digitale Schulvortrag „Willkommen in deiner Zukunft. Ausbildung in Metall- und Elektroberufen“, in dem das Projekt die Ausbildung 4.0 und die aktuellen Berufsbilder der Branche präsentiert, fand bereits mehrmals statt und neue Anfragen dafür sind bereits eingegangen.

Versuch, Irrtum und neue Normalisierung

Klar ist aber auch: Nicht jede digitale Idee, die Projekte entwickeln, zündet und wird von Betrieben nachgefragt. Das Projekt „AHOI“ aus Kiel etwa bot Betrieben der Metall- und Elektrobranche Unterstützung bei digitalen Bewerbungsgesprächen mit Hilfe von Videokonferenzsystemen an. „Das Thema war schnell vom Tisch, denn die Rückmeldung der Betriebe war, dass sie Bewerbermangel haben und deshalb keine Gespräche führen konnten“, berichtet Projektleiterin Sabine Kubisch. Sie sieht darin ein grundsätzliches Problem, das mit Corona nur wenig zu tun hat. Dieselbe Erfahrung machte das Projekt „Zukunft durch Ausbildung“ aus Ludwigslust. „Digitale Vorstellungsgespräche sind bei den Unternehmen gar kein Thema“, sagt Mitarbeiter Joss Wagner. Das Projekt hatte dazu Unterstützung angeboten, Nachfragen gab es aber keine.

Seit dem Ende des Lockdowns deutet sich mancherorts eine Normalisierung an. So nimmt beim Projekt „Zukunft durch Ausbildung“ der Zahl der Anfragen für die Vermittlung und Besetzung von Ausbildungsplätzen spürbar zu. Ähnliches berichtet das Projekt „MACHEN“, wo wieder mehr Anfragen zum Kerngeschäft des Projekts eingehen: Betriebe brauchen Unterstützung bei der Erstausbildung – und bekommen die ab Mitte Juni per Videokonferenz.

Autor: Benjamin Dresen