JOBSTARTER plus-Projekte unterstützen auch in der Corona-Zeit

Die Welt ist seit Anfang 2020 durch die Corona-Pandemie massiv beeinträchtigt worden. Auch die JOBSTARTER plus-Projekte mussten sich bei der Unterstützung von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) den neuen Gegebenheiten anpassen. 

Die Auswirkungen der Corona-Pandemie haben die Arbeit der JOBSTARTER plus-Projekte drastisch verändert. Während früher die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in direkten persönlichen Gesprächen kleine und mittlere Unternehmen (KMU) beraten und unterstützen konnten, ist dies seit mehr als einem Jahr fast nur noch in digitaler Form möglich. Dabei sind vertrauensvolle Kontakte zwischen den handelnden Personen eine der entscheidenden Grundlagen für erfolgreiche Projektarbeit.

Zudem hat sich die wirtschaftliche Situation vieler Betriebe in den vergangenen Monaten teils dramatisch verschlechtert; Themen rund um die Aus- und Weiterbildung treten deswegen momentan häufiger in den Hintergrund. Erschwerend kommt hinzu, dass viele „klassische“ Veranstaltungen wie Berufsmessen ausfallen und Praktika derzeit nur unter erschwerten Bedingungen stattfinden können. Die Konsequenz: Die Kontaktaufnahme zwischen KMU und Ausbildungssuchenden muss auf neuen Wegen stattfinden, Betriebe und Jugendliche benötigen umso mehr Unterstützung beim Ausbildungsmarketing.

Früh war daher klar, dass neue und kreative Lösungen gebraucht werden, um mit den besonderen Herausforderungen der Corona-Pandemie umzugehen und die Projektarbeit an die neuen Gegebenheiten anzupassen. „Die Projekte haben auf die veränderte Situation engagiert, professionell und äußerst ideenreich reagiert“, erklärt Claudia Laubenstein, die für JOBSTARTER plus zuständige stellvertretende Arbeitsbereichsleiterin im Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB).

Frau im Home Office

JOBSTARTER plus-Projekte setzen während der Corona-Pandemie verstärkt auf Online-Angebote.

gettyimages / oatawa

Digitalisierung von großer Bedeutung

„Wir haben sehr schnell überlegt, wie wir den Kontakt halten und Hilfe anbieten können“, sagte auch Silke Waterstrat vom JOBSTARTER plus-Projekt „Q-net“. Ein Lösungsansatz des Projekts: Online-Tutorials, die sich an Betriebe, aber auch Schülerinnen und Schüler sowie Eltern richten. Damit können einerseits KMU Hilfe beim Azubimarketing erhalten, andererseits erreichen die Informationen über Ausbildungsberufe im Handwerk trotz Kontaktbeschränkungen die Jugendlichen. Positive Resonanz erhielten auch digitale Elternabende, bei denen sich Betriebe sowie potenzielle Auszubildenden und deren Eltern kennenlernen konnten. Diese Reihe soll wegen des Erfolgs auch nach der Pandemie fortgesetzt werden.

Das JOBSTARTER plus-Projekt „IZSZ? In ZUkuNFT steckt ZUNFT“ entwickelte als Ersatz für ausgefallene Berufsmessen in Zusammenarbeit mit einer Schule eine digitale Version, um den Kontakt zwischen Betrieben und möglichen Bewerberinnen und Bewerbern herzustellen. Dabei erhalten die Schülerinnen und Schüler durch Live-Schaltungen in die Klassenzimmer Einblicke in verschiedene Ausbildungsberufe. Einen ähnlichen Ansatz verfolgt auch das JOBSTARTER plus-Projekt „AzurA – Allianz zur Ausbildung“ in der Region Cuxhaven mit dem „Bewerberschiff“: Dort können sich Schülerinnen und Schüler per Online-Schalten über maritime Ausbildungsberufe wie beispielsweise Schiffsmechaniker/-in oder Hafenlogistiker/-in informieren.

Ein etablierter Dauerbrenner ist inzwischen bei vielen Projekten ohnehin das Format des Online-Speed-Datings. Dort können sich auf unkomplizierte Weise Bewerberinnen und Bewerber sowie Ausbildungsbetriebe virtuell das erste Mal kennenlernen.

Nach mehr als einem Jahr ist deutlich geworden, dass digitale Formate aus der Projektarbeit nicht mehr wegzudenken sind. Deshalb thematisierte das erste Werkstattgespräch der 5. JOBSTARTER plus-Förderrunde im März 2021 die Akquise von Betrieben durch Online-Veranstaltungen. Dort konnten sich die Teilnehmenden über ihre Erfahrungen austauschen und gegenseitig auch Tipps und Tricks bei der Planung, Durchführung und Nachbereitung virtueller Treffen geben.

Die Erkenntnisse der Projekte aus ihrer vielfältigen Arbeit ähneln sich dabei: Die Angebote müssen auf die Bedürfnisse der Betriebe zugeschnitten sein, der Mehrwert für die KMU sollte immer im Mittelpunkt stehen. Digitale Tools und die Unterstützung von Netzwerkpartnern bei der Ansprache von Betrieben sind dabei wertvolle Hilfen. Auch der Dreh von „Werbevideos“, mit denen Azubis ihre Betriebe vorstellen, kann beim Ausbildungsmarketing helfen. Diesen Ansatz verfolgen beispielsweise die JOBSTARTER plus-Projekte „klein&fein: Mit Herz, Hand und Verstand“ und „KLiKK-binbereit.de“.

An Wichtigkeit gewonnen haben wegen der besonderen Herausforderungen durch die Pandemie auch die Sozialen Medien. Dadurch können unter anderem die Betriebe auf das konkrete Projektangebot aufmerksam gemacht werden. Aber auch der Netzwerkgedanke spielt eine wichtige Rolle, schließlich sind auch viele persönliche Treffen wie „Ausbilderstammtische“ nicht mehr möglich.

Unterstützung für Betriebe wichtiger denn je

Die schwerwiegenden Auswirkungen der Pandemie haben inzwischen auch den Ausbildungsmarkt erreicht. Dies verdeutlichte eine vom BIBB durchgeführte Analyse zur Entwicklung des Arbeitsmarktes 2020. Diese ergab, dass die Zahl der abgeschlossenen Ausbildungsverträge im vergangenen Jahr mit 467.500 (Vorjahr: 525.000) erstmals in Deutschland unter einer halben Million lag. Einer Schätzung zufolge ist davon ein Rückgang von rund 47.000 Verträgen der Corona-Krise geschuldet.

Um die Ausbildungsbereitschaft der von der Pandemie betroffenen Unternehmen zu stärken, stellt die Bundesregierung weitreichende finanzielle Mittel bereit. Mit dem Bundesprogramm „Ausbildungsplätze sichern“ unterstützt das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) beispielsweise ausbildende KMU dabei, die teilweise existenzbedrohenden Auswirkungen zu überstehen. So wurden bei der Verlängerung des Programms Mitte März unter anderem die Ausbildungs- und Übernahmeprämien verdoppelt, die Zuschüsse zur Vermeidung von Kurzarbeit verbessert und die Förderung von Verbundausbildung ausgebaut. Insgesamt stehen 500 Millionen Euro für das Jahr 2021 zur Verfügung.

Über diese finanzielle Unterstützung hinaus geben die JOBSTARTER plus-Projekte den Betrieben weiter vielfältige Hilfestellungen, damit Jugendliche auf dem Ausbildungsmarkt ihre Chancen auch zukünftig ergreifen können. „Die Arbeit der Projekte ist durch die Pandemie zwar erschwert worden“, betont Claudia Laubenstein, aber „dafür vielleicht wichtiger als jemals zuvor“. 

Von Dominik Kortus