Kooperation Schule – Wirtschaft

JOBSTARTER-Projekte schlagen Brücken zwischen Schule und Wirtschaft, indem sie die Kooperationen fördern. Davon profitieren alle: Jugendliche finden leichter den Einstieg in den Beruf und Unternehmen decken ihren Fachkräftebedarf.


Junges Mädchen befüllt ein Reagenzglas mit einer orangenen Flüssigkeit.

 

Mathematik ist keine abstrakte Kunst. Sie ist vielmehr konkretes Handwerkzeug. Das wurde Schülerinnen und Schülern einer Schule in Selm deutlich, als sie im Mathematikunterricht kalkulierten, wie viel Farbe für die Renovierung einer Wohnung erforderlich ist.

Das JOBSTARTER-Projekt „Kompetenzen bündeln, Ausbildung fördern!“ organisierte den Besuch eines Malermeisters in der Schule, um den Jugendlichen einen Einblick in seinen Beruf zu ermöglichen und ihnen zu erklären, worauf es beim Streichen ankommt.

Das Projekt war eines von insgesamt 107 JOBSTARTER-Projekten der ersten fünf Förderrunden, die sich um eine intensivere Zusammenarbeit von Schule und Wirtschaft bemühten. Dabei brachten die JOBSTARTER-Projekte die Unternehmen verstärkt in die allgemeinbildenden Schulen – und besetzten damit eine Nische bei der Verbesserung des Übergangsmanagements. Auch die JOBSTARTER-Regionalbüros und die JOBSTARTER-Programmstelle brachten sich verstärkt in das Thema ein: Sie veranstalteten eigene Workshops und kooperierten mit den regionalen Arbeitskreisen Schule – Wirtschaft.

Vorteile auf beiden Seiten

Zwei Mädchen in weißen Kitteln betrachten eine orangene Flüssigkeit in einem Reagenzglas.Bildzoom
Praktische Übungen: Von einer Kooperation profitieren sowohl Schulen als auch Unternehmen.

Die Kooperation von Schule und Wirtschaft ist für alle Beteiligten von Vorteil. Betriebe, die sich aktiv und engagiert um Nachwuchs bemühen, können dem Fachkräftemangel vorbeugen. Der rege Kontakt zu Schulen erleichtert es ihnen außerdem, motivierte und passende Bewerberinnen und Bewerber zu finden.

So sensibilisierte zum Beispiel die Personalleiterin eines Möbelgeschäfts im Landkreis Saarlouis im JOBSTARTER-Projekt „Verbundausbildung Untere Saar e.V“. nicht nur die Schülerinnen und Schüler für den Beruf der/des Einzelhandelskauffrau/-manns, sondern bewarb gleichzeitig einen freien Ausbildungsplatz in ihrem Unternehmen.

Erfahrungsberichte aus erster Hand vermitteln darüber hinaus den Jugendlichen einen sehr authentischen und lebendigen Eindruck von einem Beruf – insbesondere, wenn dieser zuvor unbekannt oder unpopulär war. Das JOBSTARTER-Projekt „Ausbildungsperspektive Gießereibranche“ ermöglichte es beispielsweise Schülerinnen und Schülern, sich in ihrem Klassenraum an einer mobilen Gießerei auszuprobieren und so einen handfesten und konkreten Einblick von der Tätigkeit zu bekommen.

Aktionen zum Mitmachen

Die Palette möglicher gemeinsamer Aktivitäten, an denen sich Schulen und Betriebe beteiligen, ist sehr breit und umfasst (unter anderem) folgende Aspekte:

  • Berufsorientierungsunterricht
  • Bewerbungstraining
  • Elternabende
  • Erstellung von Bewerbungsmappen
  • Informationsstände
  • Informationsveranstaltungen
  • Persönliche Gespräche
  • Simulation einer Bewerbung
  • Unterrichtssequenzen
  • Vorstellung der Anforderungen an Bewerberinnen und Bewerber
  • Vorstellung von Ausbildungsberufen
  • Vorstellung der Berufsbilder
  • Weiterbildung für Lehrerinnen und Lehrer
  • Bereitstellung von Praktikumsplätzen für Schülerinnen und Schüler durch die Betriebe
  • Betriebsbesichtigung für Lehrerinnen und Lehrer
  • Betriebsbesichtigungen für Schülergruppen
  • Lehrerpraktika
  • Schnuppertage für kleine Gruppen im Betrieb

Praxisnahe Aktivitäten sind dabei oft besonders geeignet, da die Jugendlichen den besten Eindruck von einem Beruf bekommen, wenn sie selbst etwas ausprobieren können. Beliebt sind zum Beispiel simulierte Vorstellungsgespräche, bei denen die Jugendlichen üben, auf Fragen der Unternehmerinnen und Unternehmer einzugehen. Dadurch erfahren sie, worauf es bei einer Bewerbung ankommt.

Erfolgsfaktor Lehrkräfte

Lehrerinnen und Lehrer sind ein wichtiger Faktor für das Gelingen der Kooperation Schule – Wirtschaft. Denn um die Schulen nachhaltig bei der Berufsorientierung zu unterstützen, müssen die Lehrkräfte geschult werden. Lehrinnen und Lehrer sollten zum Beispiel Hinweise erhalten, wie sie die Berufsorientierung aktiv in den Unterricht integrieren können. Das Projektteam des VAUS e.V. bereitete zum Beispiel mit Unterstützung von Unternehmen Lehrerinnen und Lehrer darauf vor, Bewerbungstrainings mit ihren Schülern durchzuführen.

Auch bei Betriebsbesichtigungen lernen Lehrende Berufe besser kennen. Beim JOBSTARTER-Projekt „BANG Börde“ wurden zeitweise Betriebsbesichtigungen und auch kurze Praktika von Lehrerinnen und Lehrern stark nachgefragt, so Achim Gerling. „Sie wollen sehen, welche Tätigkeiten hinter den Berufsbezeichnungen stecken und nutzen die Gelegenheit, mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in den Betrieben über ihren Beruf zu sprechen.“ Die Erfahrungen des Projekts sind allerdings ein Ausnahmefall. In der Regel nehmen Lehrende solche Angebote noch zu selten wahr.

Den Klassenraum nutzen

Ob im Betrieb oder im Klassenraum – die Kooperation von Schule und Wirtschaft bietet beiden Seiten viele Potenziale. Welche Form der Zusammenarbeit sinnvoll ist, ergibt sich dabei immer aus den Gegebenheiten vor Ort. Manchmal werden Vereinbarungen vertraglich festgehalten, ein anderes Mal reicht ein mündliches Versprechen. Ziel aller Partnerschaften sollte es jedoch sein, eine möglichst langfristige und nachhaltige Partnerschaft zu entwickeln.

Die bisherigen JOBSTARTER-Projekte haben in ihrer Laufzeit viele Kooperationen zwischen Schulen und Wirtschaftsunternehmen gebildet. Zum Teil wurden sogar verbindliche Zusagen zwischen allen Seiten vereinbart – und diese gelten bis heute.