Schulische Ausbildung mit Kammerprüfung

JOBSTARTER-Projekte haben neue Modelle einer praxisnäheren vollzeitschulischen Ausbildung entwickelt und umgesetzt, die einen Kammerabschluss ermöglichen – und so zu einem anerkannten Ausbildungsabschluss führen.


Junger Mann liest in gelbem Buch.

 

Das 2005 novellierte Berufsbildungsgesetz (BBiG) eröffnete Ländern und Regionen größere Handlungsspielräume bei der Sicherung und Verbesserung des regionalen Ausbildungsplatzangebotes sowie bei der effektiveren Nutzung schulischer Ausbildungsangebote. Damit konnten regionale Akteure in eigener Verantwortung und nach eigenem Bedarf Ausbildungsmodelle auch unter Nutzung des Potenzials vollzeitschulischer Ausbildungsgänge entwickeln. 

Gesetzliche Rahmenbedingungen

Mit der Neufassung von § 43 Abs. 2 BBiG wurden die Möglichkeiten der Zulassung vollzeitschulisch Ausgebildeter zur Kammerprüfung in einem Ausbildungsberuf nach BBiG bzw. Handwerksordnung (HwO) erweitert und so die Voraussetzungen für die damit verbundene Anerkennung der Gleichwertigkeit vollzeitschulischer und dualer Ausbildungsgänge spezifiziert.

Im Rahmen der Reform des BBiG wurden mit § 7 zudem neue Möglichkeiten einer besseren Verknüpfung von schulischer und dualer Ausbildung geschaffen, indem die Anrechnung von schulischen oder außerbetrieblichen Bildungsgängen erworbenen Qualifikationen auf eine duale Ausbildung neu geregelt wurde. Ziel war es unter anderem, einen Beitrag zur Entlastung des dualen Ausbildungsmarkts zu leisten sowie Umwege und Zeitverluste beim Übergang von der allgemeinbildenden Schule in die Ausbildung zu vermeiden.

Aktivitäten von JOBSTARTER-Projekten

Im Rahmen des Programms JOBSTARTER haben Projekte die praktische Umsetzung des novellierten § 43 Abs. 2 des Berufsbildungsgesetzes erprobt. Dabei wurden Modelle entwickelt, in denen vollzeitschulische und betriebliche Berufsausbildung stärker miteinander verzahnt wurden.

Die Projekte zielten darauf ab, regionale und branchenspezifische Defizite beim betrieblichen Ausbildungsangebot zu verringern; außerdem sollten „Warteschleifen“ und Doppelausbildungen (erst schulisch, dann betrieblich) beim Übergang von der Schule in die Ausbildung vermieden werden.

Auf Grundlage einer Bestandsaufnahme betrieblicher und schulischer Ausbildungskapazitäten, die für eine kooperative Ausbildungsform geeignet sind, wurde ein konzeptioneller und organisatorischer Rahmen für die Einrichtung und Weiterentwicklung solcher Ausbildungsgänge erarbeitet. Regionale runde Tische sicherten die Zusammenarbeit insbesondere mit Kammern, Betrieben, Berufsschulen und anderen relevanten Akteuren der Berufsbildung. Inhaltlich waren die Projekte jeweils auf den Fachkräftebedarf einer bestimmten Region oder eines bestimmten Sektors zugeschnitten.

Die Projekte haben neue Modelle einer praxisnäheren vollzeitschulischen Ausbildung entwickelt und umgesetzt, die einen Kammerabschluss in einem nach Berufsbildungsgesetz und der Handwerksordnung anerkannten Ausbildungsberuf ermöglicht. Auf diese Weise haben sie zur quantitativen und qualitativen Verbesserung regionaler Ausbildungsstrukturen beigetragen. Auch die Durchlässigkeit zwischen den beiden Teilbereichen des Berufsbildungssystems konnte erhöht werden. Durch die Aktivitäten der JOBSTARTER-Projekte ist die Akzeptanz schulischer Berufsausbildung mit einem höheren Praxisanteil bei den regionalen Betrieben gestiegen.

Autor: Wolfgang Müller-Tamke