So verändert die Corona-Pandemie die Berufsausbildung: Ergebnisse der JOBSTARTER-Umfrage

Wie wirkt sich die Corona-Pandemie auf die Ausbildung kleiner und mittlerer Unternehmen aus? Das wollte JOBSTARTER plus herausfinden und führte mit Hilfe der Projekte vom 12. Mai bis 31. Juli 2020 eine bundesweite Umfrage unter 844 Betrieben durch.

Die Befragung „Corona-Pandemie und Berufsausbildung“ hatten zuerst drei JOBSTARTER plus-Projekte aus Berlin entwickelt und an örtliche Unternehmen verschickt. Wegen der guten Resonanz wurde die Umfrage anschließend allen JOBSTARTER plus-Projekten bundesweit zur Verfügung gestellt.

Junge Frau mit Maske

Wie verändert die Corona-Pandemie die Berufsausbildung? Das wollte die JOBSTARTER-Umfrage herausfinden.

Pexels/Anna Shvets

Die meisten Auszubildenden werden weiter regulär im Betrieb ausgebildet

Dreiviertel der befragten Betriebe haben aktuell einen oder mehrere Auszubildende. Eine zentrale Frage war deshalb, ob die Corona-Pandemie die Ausbildung im Betrieb einschränkt. Die Antworten zeigen, dass nur in einem kleinen Teil der Betriebe die Ausbildung eingeschränkt war oder nicht fortgeführt werden konnte. Der größte Teil der Auszubildenden konnte weiterhin regulär ihrer Ausbildung nachgehen. 68% der Auszubildenden waren auch während der Kontaktverbote im Betrieb oder auf der Baustelle tätig. 10% der Auszubildenden konnten die Ausbildung im Homeoffice fortsetzen. Nur 2,2% der befragten Betriebe gaben an, ihre Auszubildenden in Kurzarbeit geschickt zu haben und 2,4% der Auszubildenden wurden freigestellt. 

Betriebliche Ausbildungspläne werden zum Teil angepasst

Wichtig ist neben der praktischen Arbeit im Betrieb die Vermittlung theoretischer Inhalte. Die KMU wurden deshalb gefragt, ob die Corona-Pandemie Einfluss auf das Lernen im Betrieb ausübt. In 34% der Betriebe ist dies nicht so. Hier werden die Ausbildungsinhalte weiterhin auf Basis des betrieblichen Ausbildungsplans wie vor der Pandemie vermittelt. 20% der Betriebe haben den betrieblichen Ausbildungsplan jedoch angepasst. Auch bei der Vermittlung der Inhalte zeigen sich die ersten Veränderungen. 20% der befragten Betriebe haben in den vergangenen Monaten begonnen, die Inhalte des betrieblichen Ausbildungsplans mit digitalen Tools wie Online-Seminare zu vermitteln.

Zusammensetzung der Stichprobe

88% der befragten 844 Betriebe zählen zu den kleinen und mittleren Unternehmen (KMU). 9,8% der beantworteten Fragebögen stammen von größeren Betrieben mit mehr als 250 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.
Von den teilnehmenden KMU sind 70% kleine und Kleinstunternehmen (KKU) mit weniger als 50 Mitarbeitenden. Davon sind 37% Kleinstunternehmen mit weniger als 10 Mitarbeitenden.

Noch kein flächendeckender Online-Unterricht in Berufsschulen

Aufgrund der Schulschließungen konnten Auszubildende die Berufsschule nicht besuchen. Daher stellt sich die Frage, ob die Berufsschulen trotzdem Inhalte vermittelt haben. Die Antworten der Betriebe deuten darauf hin, dass die Digitalisierung in Berufsschulen vergleichbar mit der Digitalisierung in Regelschulen ist. Teilweise haben Berufsschulen vor der Pandemie begonnen, digitale Lernangebote anzubieten und dies aufgrund der Pandemie ausgebaut. So konnten 33% der Auszubildenden mit Hilfe von Online-Unterricht während der Schulschließungen gemeinsam lernen. Flächendeckend scheint die Digitalisierung jedoch auch in Berufsschulen noch nicht weit fortgeschritten zu sein. 53% der Auszubildenden haben von ihrer Berufsschule während der Schulschließung lediglich Aufgaben per Email oder per Post zur Bearbeitung erhalten. 7% der Auszubildenden haben weder Aufgaben erhalten noch konnten sie digitale Tools zur Wissensvermittlung nutzen.

Die meisten Betriebe möchten auch in Zukunft ausbilden

Häufig werden Befürchtungen geäußert, die Ausbildungsbereitschaft der Betriebe könne aufgrund der wirtschaftlichen Einbußen stark zurückgehen. Die Ergebnisse der Umfrage machen jedoch Hoffnung für dieses und für das kommende Ausbildungsjahr: 60% der Betriebe möchten 2020 neue Auszubildende einstellen. Weitere 12% der befragten Betriebe planen bereits jetzt, auch im kommenden Jahr wieder ausbilden. Jedoch geben 16% an, dass in diesem oder im kommenden Jahr keine neuen Ausbildungsverhältnisse im Betrieb geplant sind. 12% der befragten Betriebe möchte hierzu noch keine konkreten Angaben machen.

Die Corona-Pandemie verändert den Unterstützungsbedarf der Betriebe

Für die JOBSTARTER plus Projekte ist es zusätzlich interessant, wie die Betriebe in dieser schwierigen Situation unterstützt werden können. Die Corona-Pandemie verändert zum Teil den Unterstützungsbedarf der Betriebe: So wünschen sich diese vermehrt Tipps zu Finanzhilfen für die Ausbildung (30% der Befragten) und Informationen zur Nutzung von digitalen Tools in der Ausbildung (19%). Gefragt bleiben aber auch weiterhin Hilfestellungen bei der Akquise von Auszubildenden (33%) und beim Ausbildungsmarketing (14%) – alles Themen, zu denen die Projekte bereits vor der Pandemie beraten haben.

Von Dr. Daniel König und Benjamin Dresen