Gemeinsam ausbilden: die Verbundausbildung

In die Ausbildung einsteigen und den Fachkräftebedarf sichern: Wer das nicht allein schafft, kann im Verbund ausbilden. Die Ausbildungskooperation macht eine breite, zeitgemäße und vielfältige Ausbildung möglich. Starthilfe geben JOBSTARTER-Projekte.


Junger Mann in Werkstatt schmiert eine Fahrradkette. Dazu der Slogan: Läuft wie geschmiert. Dennis Schmidt macht eine Ausbildung zum Fahrradmonteur.

 

Hochzeitskränze, Tischschmuck und Trauerfloristik – in der Ausbildung zur Floristin lernt Steffi Dell’Arcipete Pflanzen für die unterschiedlichsten Anlässe zu gestalten. Dabei bindet sie Hochzeitsgestecke in einem Solinger und Trauerkränze in einem Wuppertaler Betrieb. Da der Solinger Blumenladen nicht alle Ausbildungsinhalte abdecken kann, kooperiert Inhaberin Elke Bach mit einem Partnerbetrieb, bei dem Steffi die fehlenden Einheiten absolviert.

Verbund macht Ausbildung möglich

Gerade kleine Betriebe schrecken manchmal vor einer Ausbildung zurück aus Angst, die Ausbildung nicht leisten zu können. Auch Elke Bach hat nicht ausgebildet. Erst das Modell der Verbundausbildung ermöglichte es ihr, Steffi einzustellen. Denn werden bestimmte Ausbildungsinhalte – wie in Elke Bachs Fall die Trauerfloristik – im eigenen Betrieb nicht erfüllt, werden diese über eine Ausbildung im Verbund sichergestellt. Verteilt man also die Vermittlung von Ausbildungsabschnitten auf mehrere Unternehmen, verbessern sich die Möglichkeiten auszubilden. Bisher ausbildungsferne Unternehmen werden an die Ausbildung herangeführt.

Neben kleinen Betrieben haben auch hochspezialisierte Fachunternehmen häufig das Problem, nicht alle geforderten Ausbildungsinhalte abdecken zu können, beispielsweise, weil ihnen entsprechende Maschinen fehlen.

Warum alleine ausbilden, wenn es zusammen besser geht?

Junge sprüht mit einer Dose Öl auf eine Fahrradkette.Bildzoom
Damit alles rund läuft: bei der Verbundausbildung sorgen mehrere Partner für den reibungslosen Ablauf der Ausbildung.

Die Vorzüge der Verbundausbildung liegen klar auf der Hand: ein erleichterter Einstieg in die Ausbildung und die eigenständige Sicherung des Fachkräftebedarfs in Kleinst- wie hochspezialisierten Unternehmen.

Aufgrund der Spezialisierung und der verschiedenen Schwerpunkte der beteiligten Betriebe werden Auszubildende fachlich breit und umfassend qualifiziert.

Und letztlich kann die Kooperation der beteiligten Betriebe generell verbessert werden, nicht selten auch über die Ausbildung hinaus.

Für die Auszubildenden hat die Verbundausbildung aber noch weitere Vorteile: Sie erlangen neben der fachlichen auch zusätzliche soziale Kompetenzen. Sie lernen, sich auf unterschiedliche Arbeitssituationen einzustellen, mit unterschiedlichen Menschen umzugehen und an verschiedenen Orten zu arbeiten. Kommunikation, Mobilität und Flexibilität werden dabei gefördert.

Verbundformen

Die Organisation eines Verbundes kann unterschiedlich geregelt sein. In der Fachliteratur werden häufig vier klassische Organisationsformen der Verbundausbildung genannt:

  • Ausbildung in einem Leitbetrieb mit Partnerbetrieb,
  • Auftragsausbildung,
  • Ausbildung mit einem Ausbildungsverein,
  • Ausbildungskonsortium.

Das Modell Leitbetrieb mit Partnerbetrieb findet sich in der Praxis sehr häufig. Gerade bei Kleinbetrieben wie dem Blumenladen von Elke Bach ist es traditionell üblich, sich bei der Ausbildung gegenseitig zu unterstützen. Auch die Auftragsausbildung ist eine übliche Ausbildungsform. Sie besteht meistens zwischen Großunternehmen auf der einen und Klein- und Kleinstunternehmen auf der anderen Seite. Aber auch Kooperationen zwischen Bildungsdienstleistern und Unternehmen sind möglich. Die beiden anderen Grundmodelle Konsortium und Ausbildungsverein finden sich dagegen in der Praxis deutlich seltener. Dabei sind gerade Ausbildungsvereine besonders geeignet, um Ausbildungsbetrieben ein dauerhaftes Unterstützungs- und Dienstleistungsangebot zu bieten.

Über alle vier Verbundformen informiert die JOBSTARTER-Broschüre Verbundausbildung – vier Modelle für die Zukunft ausführlich (Bestellung oder Download am Ende der Seite unter „Publikationen“). Weitere Informationen erhalten Sie in der umfangreichen Materialsammlung, die Sie ebenfalls am Ende der Seite unter „Downloads“ finden.

Anschub durch JOBSTARTER

Junger Azubi zum Zweiradmechaniker sprueht oel auf die Nabe eines Fahrrades. Durch die Speichen fotografiert.Bildzoom
Insbesondere kleine und spezialisierte Betriebe profitieren von der Verbundausbildung.

Anschubunterstützung – das ist die vorrangige Dienstleistung, die JOBSTARTER-Projekte im Bereich Verbundausbildung anbieten. So auch im Fall von Elke Bach. Erst in der Beratung durch das JOBSTARTER-Projekt „Bergische Initiative pro Ausbildung Plus“ lernte sie die Möglichkeit der Ausbildung im Verbund kennen. Neben der Information leisten die Projekte bei der Koordination und Organisation der Verbundausbildung – die anfangs etwas komplexer ist als bei der Einzelausbildung – intensive Unterstützung. Vor allem Unternehmerinnen und Unternehmer ohne Ausbildungserfahrung werden mit dem Thema vertraut gemacht. Die JOBSTARTER-Projekte tragen dazu bei, mögliche Bedenken und Vorbehalte aus dem Weg zu schaffen und die Vorteile der Verbundausbildung für alle Beteiligten aufzuzeigen. Die Verbundausbildung ist ein wichtiges Kernelement der JOBSTARTER-Arbeit: Während der Anteil der Verbundausbildungsplätze an allen Ausbildungsplätzen bundesweit etwa zwei bis drei Prozent beträgt, liegt er bei durch JOBSTARTER-Projekte gemeinsam mit den Betrieben entwickelten Ausbildungsplätzen bei etwa 16 Prozent.

Gute Praxis in Rostock

Besonders aktiv zeigte sich zum Beispiel das JOBSTARTER-Projekt „AusbildungsServiceCenter“ in Rostock: es schuf 127 zusätzliche Lehrstellen in mehreren kleinen und mittelständischen Unternehmen der Region und besetzte darüber hinaus 241 offene bereitgestellte Ausbildungsplätze passgenau.

So unterstütze das Projekt zum Beispiel die gelernte Diätassistentin Karola Winkel, die gemeinsam mit dem Bildungsdienstleister Aus- und Fortbildungszentrum (AFZ) Hauswirtschafter und Hauswirtschafterinnen im Verbund ausbildet. Angestellt sind die Auszubildenden bei einem Betrieb, der die Hauswirtschaft an der Rostocker Friedrich-Petersen-Klinik betreibt. Ohne die Entlastung durch das AusbildungsServiceCenter hätte die Klinik die Lehrstelle aufgrund von begrenzten Ressourcen nicht eingerichtet. Nun lernen die Auszubildenden im AFZ beispielsweise die Grundlagen der Schnitttechnik, während sie bei Karola Winkel die praktische Arbeit in der Küche oder den Umgang mit Patientinnen und Patienten lernen.

Auch Geschäftsführer Veit Unterspann von der Warnow-Metall GmbH erhielt Unterstützung durch das Rostocker Projekt. Der Hersteller von Türen, Fenstern und Fassaden aus Aluminium beschäftigt angehende Konstruktionsmechanikerinnen und -mechaniker. Das sind die Allrounder im Metallbau, die vom Fräsen über das Drehen oder Gewindeschneiden bis hin zu Montage oder Polieren alle möglichen Techniken beherrschen sollten. „Ich habe hier aber keine Dreh- und Fräsmaschinen“, so Unterspann, „deshalb schicke ich sie für diesen Ausbildungsabschnitt in das AFZ.“